Frage von rewarcMKI, 118

Reise nach Nordkorea - Erfahrungen?

Hallo ich wollte diesen April nach Nordkorea reisen und wollte wissen ob jemand hier schon Erfahrungen gemacht hat. Danke schonmal im vorraus

Antwort
von Hardware02, 89

Ja, ich war zwei Mal dort, 2012 und 2015. In dieser Zeit hat sich einiges verändert. 2012 war es schon ein komisches Gefühl, sich mal 200 Meter weit von der Gruppe zu entfernen. Und 2015? Da hat man uns einfach zu einem Warenhaus gefahren und gesagt, "so, in 30 Minuten wieder am Bus". Das Warenhaus war auch nicht geschlossen, sondern voll mit Nordkoreanern.

Hast du eine bestimmte Frage?

Kommentar von BlueDream11 ,

Ich hab fragen :D
Warum bist du denn nach Nordkorea geflogen? Und was war so dein erster Eindruck (2015)

Kommentar von Hardware02 ,

Gute Frage, warum ich geflogen bin. Im Dezember 2011 hat Kim Jong Il ja groß getönt, dass man Nordkorea ernst nehmen soll, weil es eine Atommacht ist. Ich habe mir damals die Zeitungsartikel darüber durchgelesen, und die Fotos haben mich irgendwie neugierig gemacht.

Dann habe ich mich mal informiert, ob man eigentlich in dieses Land reisen kann. Man kann.

Mein erster Eindruck? Ich hatte es ganz anders erwartet. 1988 sind wir mal mit dem Bus von Bayern nach Ostberlin gefahren, und der DDR-Grenzbeamte war ziemlich übel gelaunt, und obwohl wir die gleiche Sprache hatten, wäre es keinem von uns eingefallen, zu versuchen, ein Gespräch mit ihm zu beginnen. Ähnliches hatte ich auch in Nordkorea erwartet, aber dort war es ganz anders. Viele von den Leuten, die man zwangsläufig trifft, z.B. Reiseleiter, Kameramann, waren sehr nett. Natürlich achtet man darauf, was man sagt, aber es war angenehm, Zeit mit ihnen zu verbringen.

Ich habe am Flughafen gefragt, welcher Bus unserer ist. Dazu sollte man vielleicht wissen, dass es etwa 35 Grad hatte, d.h. ich wollte nicht gerne zum falschen Bus laufen. Und bevor ich reagieren konnte, hat sich einer der Reiseleiter schon meinen Koffer geschnappt und ihn zum Bus gezogen. 

Mein Eindruck war, dass diese Leute sich wirklich bemühen, einen guten Job zu machen. Und, dass sie sich freuen, wenn man sie besucht. 

Ach so, ja: Ein kleines Trinkgeld für die Reiseleiter ist üblich, ca. EUR 10,- pro Tag für alle zusammen. Das werden mindestens drei Leute sein (2 Reiseleiter, ein Fahrer), es können aber auch mehr sein, z.B. ein dritter Reiseleiter oder ein Kameramann. Die EUR 10,- sind natürlich für alle zusammen, die teilen es sich. 

Sie teilen sich übrigens auch andere Sachen, die ihnen ihre Touristen mitbringen. z.B. eine Banane, einen Müsliriegel. Meine Reiseleiterin von diesem Jahr hat sogar für den Fahrer, der kein Englisch sprach, bei mir nach Kaugummi gefragt ;-)

Ich hatte zum Glück genug von allem dabei. Das waren teilweise Sachen, über die man zu Hause gar nicht nachdenkt, und die man eher als weniger gute Qualität ansieht, z.B. Kaugummi von Penny, Müsliriegel von Aldi. In Nordkorea haben diese Dinge plötzlich einen ganz anderen Wert bekommen, und auch mir selber viel besser geschmeckt als sonst. ... Das lag wohl auch daran, dass man uns den ganzen Tag so "rumgescheucht" hat ;-)

An einem Tag habe ich abends auf die Reiseleiter gewartet, um das Programm vom nächsten Tag zu besprechen. Es war mittlerweile 20:00 h und ich hatte noch nichts zu essen bekommen, also habe ich mir einen Müsliriegel zum Treffpunkt mitgenommen. Ich musste noch ca. 10 Minuten warten. Da ich mir dachte, dass es peinlich ist, wenn jetzt die Reiseleiter kommen und ich ihnen nichts anbieten kann, habe ich noch zwei Müsliriegel eingesteckt. Wer kam, war der Fahrer. Er hat diesen einfachen Aldi-Müsliriegel mit beiden Händen genommen, sich verbeugt und sich dafür bedankt. 

Das ist etwas, das vergisst man nicht mehr. Und auf Mallorca wird man ein solches Erlebnis nicht haben.

Kommentar von BlueDream11 ,

Danke erstmal das du deine Erfahrung teilst :)
Glaubst du aber nicht das es auch zur Propaganda gehört und die dir ein schönes Leben im perfekten Nordkorea Vorspielen?
Musstest dich bestimmt ja auch vor den Kim Statuen verbeugen.
Daran das er dafür dankbar war Zweifel ich nicht, meine eher das "Zirkus" drum herum :D
Wie schaut es eigentlich von der Infrastruktur her aus in Pyongyang? Sind Gebäude, Straßen in einem annehmbaren Zustand?
Mit den einheimischen hast du denk ich nicht so den Kontakt gehabt oder? Allein wegen der Sprachbarriere.
Und was hat dich der Ausflug dahin denn so gekostet, wenn ich fragen darf?

Kommentar von Hardware02 ,

Erst unterstellst du mir, dass ich so naiv bin, zu glauben, dass ich etwas anderes sehe als eine Show, und dann fragst du mich was?

Das passt nicht zusammen.

Kommentar von BlueDream11 ,

Ich hab dir nicht unterstellt das du naiv bist sondern dich gefragt ob es nicht nur alles eine Show sein könnte um den anstand zu waren. Ich kann das ja schlecht beurteilen, da ich noch nie da war

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