Frage von Faircondi, 92

Reicht es, wenn das Pferd sein Leben lang nur auf A-Niveau geht?

Reicht es um das Pferd zu gymnastizieren, wenn wir auf den Platz nur Dinge machen wie Cavaletti (eben später auch kleine Sprünge), Schulter herein, Touren, Volten und Tempiwechsel?? Reicht das, dass mein Pferd gesund mit mir durchs Leben geht d.h. keine Rückenschäden bekommt??? Reicht das??

Also, dass mein Pferd immer nur auf A-Niveau bleibt.

Ich habe eine elend lange Tortour bzgl. Reitlehrersuche hinter mir. Nehme allerdings auswärts 1x/Woche Unterricht auf Schulpferden, damit ich korrigiert werde und neue Dinge ausprobieren kann. Leider fährt diese Trainerin nirgendwo hin..

Es ist so.. ich habe KEINE Turnierambitionen, gehöre zu der Fraktion "Wanderreiter", will aber, dass mein Pferd trotzdem gymnastiziert wird und deswegen steht schon 2x/Woche Platzarbeit an, aber eben nur die oben aufgezählten Dinge.

Klar wäre ein Trainer schön, denn ich seh ja vom Pferd aus nicht, wenn ich Hilfen falsch gebe, oder etwas verbesserungswürdig ist.. Aber irgendwie finde ich niemanden, der einfach da ist und mich unterstützt.. irgendwie sind die Meisten so leistungsorientiert und mit den zeitweise radikalen Methoden (die ich kennen lernen durfte) stimme ich nicht überein.

Wie gesagt, ich will nur, dass mein Pferd mind. 1x/Woche GYMNASTIZIERT wird und das wars, aber reicht das eben mit den oben genannten Übungen??

Danke..

Expertenantwort
von MissDeathMetal, Community-Experte für Pferde, 44

Klar reicht das ;) vorausgesetzt das Pferd läuft ordentlich über den Rücken und tritt gut unter, auch im Gelände. Mein Stüti und ich gehören auch zur Wanderreitfraktion, wir sind 3-5x die Woche im Gelände anzutreffen. Sie ist ein Draußenpferd, ich bin ein Draußenreiter, im Busch fühlen wir uns am wohlsten und das merke ich sehr deutlich. Im Gelände macht sie einwandfrei Schulterherein und sogar Galoppwechsel, wechselt zwischen Schub- und Tragkraft und macht mehr Dressur als wir es am Platz je schaffen. Auf dem Viereck ist es immer noch ein geeiere, Volten sind alle eher Eierförmig und naja. Wobei enge Wendungen im Gelände kein Problem sind, die können wir auch im Galopp auf einer Stelle wenn wir müssen... 

Gut gerittenes A-Niveau ist immer besser als schlecht gerittenes S-Niveau. Ich persönlich halte es so, dass wir 1x die Woche auf den Platz gehen und vom Boden aus arbeiten, sei es longieren, BA am Rope, Freiarbeit, Zirzensik o.ä. Ein weiteres mal sind wir dann auch nochmal zu Pferd im Viereck, arbeiten an unseren dressurlichen Platzkünsten oder springen (wobei hier ein gut gesprungenes E-Niveau auch immer besser ist als ein schlecht gesprungenes L-Niveau). Ansonsten sind wir im Gelände. 

Ich erlebe oftmals dass ordentlich gerittene Freizeitpferde, die überwiegend ins Gelände gehen, weitaus besser gymnastiziert sind als hochgestochene "Sportpferd" oder wie sie alle heißen. Oftmals reicht ein leichtes Gefälle um das Hallengewöhnte Dressurpferd aus dem Konzept zu bringen. Oder eine Plastiktüte am Zaun... 

Im Gelände kannst du ja genauso Dressur und Springen machen wie am Platz. Breite Wege bieten sich fürs Schenkelweichen an, eng gewundene Wege für häufige Stellungswechsel in jeglicher Gangart und fliegende Wechsel im Galopp, Um weite Kurven kann man auch mal per Aus der Ecke kehrt um die hinterhand weichen lassen, auf Kreuzungen kann man Vorhandwendungen üben. An kreuzenden Wegen das Halten aus jeder Gangart, auch Rückwärtsrichten kann man überall mal einbauen. Auf schönen Strecken zwischen Schubkraft (ordentlich vorwärts) und Tragkraft (versammelt) wechseln, das gibt Muckis. Berge grundsätzlich nur im Schritt oder Galopp hoch, nur faule Pferde traben bergauf! ;) Über Baumstämme und schmale Bäche kann man springen. Wenn ihr das drauf habt könnt ihr mehr als die meisten anderen ;) Man kann das Pferd nicht nur auf dem Platz gymnastizieren, sondern überall wenn man dabei etwas kreativ ist :) 

Nach einem guten Trainer solltest du weiter Ausschau halten, aber ein wenig ohne ist auch nicht schlimm. Auf Dauer solltest du dir aber jmd suchen 

Antwort
von Unwissend123321, 39

Zum gesund bleiben braucht ein Pferd weder Gymnastik noch sonstwas. Die braucht es ja eigentlich nur, wenn es geritten werden soll, um seinen Körper, der physiologisch eigentlich nicht dazu gedacht ist, Last auf dem Rücken aufzunehmen, zu schonen. Hauptsächlich "reicht" es, das Pferd in der Wirbelsäule geradezurichten, von hinten nach vorn an die Hand zu reiten damit es den Rücken aufwölbt...sagen wirs so; ein Pferd, dass nach FN Richtlinie korrekt auf A Niveau geritten wird, muss diese Punkte ohnehin erfüllen. Natürlich reicht das, ganz egal, was das Pferd könnte, wenn man es fördern würde. Dieses gymnastizieren sollte sich allerdings nicht auf "gezielt einmal die Woche" beschränken, sondern bei jedem Reiten Bestandteil sein.

Meine Reitschüler sind zum größten Teil "Freizeitreiter", was ja im Prinzip jeder ist, ders nicht beruflich macht ;) Aber ich würde nicht auf die Idee kommen, diese anders zu unterrichten als jemanden mit Turnierambitionen.  Oder eher umgekehrt; ich würde keinen "Turnierreiter" irgendwelche Lektionen pauken lassen, wenn die Grundbasis der Gymnastik schon nicht stimmt. Man baut ja auch kein Haus, ohne vorher ein Fundament drunterzusetzen. Leute die wie du es beschrieben hast schätze ich wesentlich mehr, als jene, die meinen, das Sportgerät Pferd und sich unter Druck zu drillen um auf Teufel komm raus bloß diese Saison eine Klasse höher zu starten als in der letzen. 

Kommentar von Urlewas ,

Das meine ich  - grade richten  und zwischendurch mal " an die Hand reiten" geht auch auf einem Feldweg. Abwechselnd mit bummeln am langen Zügel das beste, was man machen kann.

Expertenantwort
von Urlewas, Community-Experte für Pferde & reiten, 42

Das Pferd braucht keine Turnierklasse oder Lektionen könne, um gesund zu bleiben.

Es muss grade gerichtet werden und " von hinten nach vorne geritten " werden, also aktive Hinterhand in aufgewölkter Rücken, und bei allem losgelassen.

Wenn du also das, was Du machst, ordentlich hinkriegst, ist alles gut.

Also Schulterherein nicht krumm gezogen, auf gebogenen Linien korrekt gebogen, Paraden nicht auf die Vorhand sondern über den Rücken...

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