Frage von Kachichi, 59

Reicht es als Veganer einfach die Verpackung zu lesen?

Hallo, ich möchte mich nun intensiv mit einer veganen Ernährung beschäftigen aber bin leider neu in diesem Gebiet und habe keine veganen Bekannten.

Ich habe mir schon einige vegane Produkte aufgeschrieben aber ich möchte irgendwie nicht alle auswendig lernen. Reicht es bei einem Produkt die Verpackung zu lesen und zu schauen was drinnen ist? Kann es sein, dass sie tierische Inhaltsstoffe nicht drauf schreiben oder durch irgendein Kürzel für Unerfahrene unerkennbar machen? Würde mich über Hilfe freuen. :)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von igelball, 30

Ob das Lesen von Zutaten für dich ausreicht oder nicht, musst du letzten Endes selbst entscheiden. Es zwingt dich ja niemand, auf bestimmte Dinge zu verzichten oder nicht. Sofern du wirklich Veganer werden möchtest, ist das allein deine eigene Entscheidung, du bist also Herr über dich selbst und musst dich niemandem gegenüber rechtfertigen. Ebenso geht es nicht darum, einen Preis zu gewinnen für den "vegansten Veganer der Welt". Du kannst also für dich selbst abwägen, inwieweit du für die letzten 0,1 Prozent Restunsicherheit bereit bist, ein Vielfaches an Zeitaufwand einzusetzen.

Heutzutage ist aufgrund des vermehrten Bedarfs die Deklaration recht vegetarier- und veganerfreundlich. Bei einigen Produkten und Inhaltsstoffen ist es aber weiterhin schwierig, direkt abzulesen, ob tierische Zutaten enthalten sind oder zumindest bei der Produktion verwendet werden. So können Säfte mit Gelatine geklärt sein, Aromen können tierischen Ursprungssein (etwa aus Fleisch gewonnenes Aroma in vielen Kartoffelchips- und Snackprodukten). Da oft verschiedene Produkte in einer einzigen Produktionsanlage hergestellt werden, sind Spuren tierischer Inhaltsstoffe ohnehin oft nicht ausgeschlossen, auch wenn sie nicht eigentlicher Teil der Rezeptur sind.
Besonders in Drogerieartikeln mit ihren eher kryptisch anmutenden Inhaltsstofflisten ist die Lage auch nicht so ganz einfach. Viele Veganer legen auch zusätzlich Wert darauf, dass ein Unternehmen an sich gewisse Philosophien pflegt, also etwa keine Tierversuche durchführt oder finanziert.

Eine gewisse Sicherheit bieten dann lediglich Produktanfragen direkt beim Hersteller. In Veganerforen findest du oft größere Sammlungen von entsprechenden Anfragen, sodass einem die Arbeit abgenommen wird. Allerdings können sich Rezepturen ständig ändern.

Die Grenzen musst du dir hier selbst ziehen, beachte aber, dass du niemals die volle Kontrolle über das haben wirst, wobei du nicht selbst mitwirkst und worin du keinen direkten Einblick hast. Im Sinne deines eigenen inneren Friedens empfehle ich also, das Ganze nicht zu extrem anzugehen, sondern zu akzeptieren, dass man niemals etwas völlig perfekt machen kann. Es gibt auch viele Veganer, die immer mal wieder Ausnahmen machen, etwa bei einem Grillabend mit Freunden und Familie trotzdem den Kartoffelsalat mit Ei oder das Dessert mit Sahne mitessen, weil in dem Moment die Gemeinschaftlichkeit vielleicht wichtiger ist als das radikale Durchziehen der eigenen Lebensphilosophie.

Kommentar von Kachichi ,

Vielen Dank für die ausführliche Antwort. :) Natürlich werde ich es selbst entscheiden und habe bereits beim Einkaufen vorhin bemerkt, dass es schwer ist ein Produkt zu finden auf dem nicht "Kann Spuren von Hühnerei/Milch enthalten" steht.

Ich werde es mit selbst vereinbaren so gut es geht.

Kommentar von igelball ,

Gerne. Ja, mit den Spuren ist es schwierig, da hat man eigentlich nur in Veganer-Shops oder Biosupermärkten eine Chance. Ich denke, dass ein Großteil vegan lebender Menschen die Sache mit den Spuren toleriert, weil die tierischen Inhaltsstoffe ja nicht speziell für die Produktion des eigentlichen Produkts eingesetzt werden, sondern es hier lediglich zu einer unbeabsichtigten "Verunreinigung" in den Produktionsanlagen kommt. Genauso wird ein Bäcker den Teig für seine veganen Brote/Brötchen meist auch auf der Arbeitsfläche formen, auf der auch vielleicht auch Butterzöpfe oder Quarkschnecken zubereitet werden. Auch hier sind Spuren von tierischen Inhaltsstoffen also sehr wahrscheinlich, aber ich würde, wäre ich Veganer, trotzdem das Brot kaufen. Allein schon, weil die Öko-Bilanz katastrophal wäre, wenn man wegen jeder Kleinigkeit in einen weit entfernten Bio-Supermarkt oder etwas im Vegan-Versand bestellen müsste.

Das ist eben auch immer so eine Sache. Oft geht es ja bei Veganismus um Tier- und Umweltschutz, aber der Effekt kehrt sich schnell um, wenn man Waren mit langen Transportwegen kaufen muss, weil regionale Produkte vor Ort den eigenen Anforderungen an Veganismus nicht genügen. Manche Veganer kaufen auch beispielsweise gelegentlich abends beim Bäcker nicht-vegane Backwaren, welche nicht mehr verkauft würden, oder nicht-vegane Produkte, die im Supermarkt wegen abgelaufenem Haltbarkeitsdatum reduziert angeboten werden. Oder Eierpackungen, in denen ein Ei kaputt gegangen ist, sodass möglicherweise die ganze Packung nicht mehr verkauft und entsorgt wird. So rettet man die Sachen davor, weggeworfen zu werden. Das ist ökologisch betrachtet sicher besser, als Ersatzprodukte zu kaufen mit (unter menschenrechtlich und umwelttechnisch fragwürdigen Bedingungen produziertem) Palmfett aus Südamerika und Soja aus Ostasien.

Da solltest du immer für dich selbst abwägen und auf deinen gesunden Menschenverstand hören, was unterm Strich nun im Einzelfall die sinnvollere Entscheidung ist, ob es manchmal nicht besser ist, nur zu 95 oder 98 Prozent vegan zu leben, aber dafür vielleicht einen Beitrag dafür zu leisten, dass weniger Lebensmittel verschwendet werden und die regionale/saisonale Produktion unterstützt wird.

Antwort
von fhuebschmann, 44

Mir fällt da spontan echtes Karminrot ein, welches aus Läusen gewonnen wird und nicht sofort erkenntlich ist das es tierischem Ursprungs ist. Ansonsten sollte es immer erkennbar sein. Eventuell gibt es noch die ein oder andere e-Nummer aber da habe ich keinerlei Erfahrung..

Antwort
von sikas, 29

Sollte es zu mindest aber Vegan ist nicht nur auf das essen zu schauen auch  bei Keidung und allen anderen Bereichen gilt das.Leder, Seide und vieles andere ist auch tierichen Ursprungs.

Bleib erst mal locker ein besserer Vegetarier und entwickle dich zum Veganer mit Zeit zur Information.

LG Sikas

Kommentar von Kachichi ,

Hey, ich kaufe so gut wie nie Kleidung deswegen wird es mir vermutlich, falls ich irgendwann mal Kleidung kaufen sollte, leichter fallen. :) Aber ja, ich habe auch vor über das Essen hinaus, bei Textilien oder Kosmetik etc., auf vegane Produktion zu achten.

Mit dem Essen werde ich versuchen soweit es geht bereits mit Veganismus anzufangen, da mich der Gedanke an Milch mittlerweile etwas anekelt.

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