Frage von silberquark, 98

Regieren die Feigen?

Ich habe mal eine Hypothese entwickelt, die auch nicht böse gemeint ist, aber folgendes. Es gibt eine überproportional große Zahl an feigen Menschen, denen ihre Sicherheit mehr bedeutet als alles andere. Daher stellen und wählen diese Menschen auch die Regierungen.

Folglich haben nicht große Krieger oder Visionäre die Macht, sondern Egozentriker, Gaukler und "Feel-Good"-Politiker, die den schwachen, ängstlichen Massen, die nur an ihrer persönlichen Sicherheit und Bequemlichkeit statt Weltverbesserung orientiert sind, nach dem Maul.

Verbesserungen sind in dieser Gesellschaft selten und die Menschen sehen Ausbeutung als gerechtfertigt, da es ja ihrem Wohlstand und ihrer Sicherheit dient. Empathie oder Vision haben wenig Chance.

Die egoistische Feigheit regiert.

Antwort
von berkersheim, 21

Du schreibst aus einem Wohlstandsland mit Gedanken eines Wohlstandskindes, das selbst noch nicht um diesen Wohlstand gekämpft hat sondern immer schön durchgefüttert wurde und sich unrealistische Abschweifungen erlauben kann. Die Vorstellung, dass das Leben ein Kampf ist, ist Dir fremd. Du lebst von der Vorstellung von Science-Fiction-Helden, die immer gewinnen. In der Realität der Geschichte sind die großen Helden alle untergegangen. Um das zu verheimlichen, werden ihre Geschichten immer nur bis zum letzten großen Sieg erzählt, nie der Niedergang und das Elend ihres Endes. Du lebst in einer Welt großer Sprechblasen.

In der realen Welt des Überlebenskampfes ist Sicherheit ein extrem hohes Gut. Menschen wollen überleben und vom Helden-spielen hat die Menschheit nicht überlebt, sondern immer von Kompromissen. Das wird in unseren Geschichtsbüchern vernachlässigt. Da wird der Kampfeswille eines Cäsar oder Scipio (weißt Du, wer das ist?) hervorgehoben, nicht ihre taktischen Winkelzüge und strategischen Partnerschaften. Ob für Otto I. oder Karl den Großen - es war immer schwieriger, stabile Bündnisse zu schmieden als mal eine Schlacht zu gewinnen. Von Napoleon sind nicht seine Schlachten geblieben, sondern, dass er die Maße vereinheitlicht hat, römisches Recht aktualisiert hat. Der hat mehr Rechtsschriften studiert als Schlachtpläne. Aber wer will das wissen, wenn man auf Heldentaten steht?

In der Sprechblasenwelt gibt es offensichtlich auch keine Differenzierung zwischen Vorsicht und Feigheit. Da gibt es nur Schwarz/Weiß. Die Schlachten, die heute geschlagen werden, finden in den Medien statt. Gerade wird den Deutschen die Angst eingeheizt, es ja nicht den Briten nachzumachen und die Fesseln der europäischen Sklaverei abzuschütteln. Das erkennen jedoch die meisten nicht, weil ihnen die Übersicht über die komplexen Verflechtungen fehlt. Und was krakelst Du über die Ausbeutung? Fehlt Dir evtl. die Stärke, selbst ein Ausbeuter zu werden. Probiers mal! Da steht Dir die Erfahrung bevor, dass Krakeelen alleine auch nicht reicht. Mach Dich mal selbstständig, wenn Du soviel Überschussmut hast. Also ran an die Puletten und teile uns mit, wann Du Erfolg vermelden kannst. Träum nicht von Helden. Sei einer!

Kommentar von silberquark ,

Meine Eltern vermachen mir das Familienunternehmen, aber ich weiß nicht, ob ich das überhaupt will.

Antwort
von rolfmengert, 1

Zunächst einmal hat es mich überrascht, dass Du die Mehrzahl der Menschen als "feige" bezeichnest. Das ist schon eine harte Anklage, die doch gut begründet sein sollte. Wenn jemand politische und zivilrechtliche Sicherheit sucht, kann man so eine Haltung keineswegs als feige bezeichnen, denn die Alternative wäre ja wilder Aktionismus, der ständig alles ändern will. Und sicher meinst Du nicht, dass wir wieder einen Krieg inszenieren sollten, um endlich mutig sein zu können. Verbesserungen in der Gesellschaft gibt es nie absolut, da jeder seine persönlichen Vorteile zumindest gewahrt wenn nicht verbessert sehen möchte. Der Arme möchte mehr Gehalt für seine Arbeit, der Arbeitgeber will bezahlbare Produkte für den Weltmarkt herstellen und muss bei allen Ausgaben, also auch bei den Löhnen, sparen. So gibt es überall nur Konflikte zwischen den Interessen, für deren Lösung Augenmaß, Verhandlungsbereitschaft, viel Geduld und Einfühlung gefordert ist. Große Krieger und Visionäre sind eher nicht gefragt.

Weltverbesserung ist ein so großes Wort, das doch so schwer mit Inhalt zu füllen ist. Die endlosen Sprüche, die alle beginnen mit den vier Worten: "Man muss doch nur ..."kommen immer nur von Träumern, Phantasten und Illusionisten, die - wenn man sie auf die harten Realitäten hinweist - in der Regel nur Beschimpfungen parat haben.

Das selbstzufriedene Auftreten von Weltverbesserern, die lautstark darauf hinweisen, dass es genug zu essen gebe auf der Welt, und "Man muss die Nahrung nur" richtig verteilen! gleich anfügen, sagen nicht, wer denn nun für die Herstellung der Nahrung, für ihre gerechte Verteilung und für die ganze damit verbundene Logistik die Kosten übernehmen soll. In der Regel kommt dann nur der reichlich naive Vorschlag, dass dies die Reichen tun müssen.

 Das Dumme ist nur, dass man zum einen jetzt über ein Gewaltsystem die Reichen enteignen müsste, was nur in einer Art Polizeistaat möglich wäre, und zum anderen wird nicht gesagt, wie die eingezogenen Vermögenswerte der Reichen nun dem Sozialwohl zugeführt werden können. Alle kommunistischen Systeme, die von so einer Vorstellung geträumt haben, konnten sie nie umsetzen, sondern sind samt und sonders gescheitert - selbst die letzte Bastion Kuba ist jetzt auch auf dem Weg zum Kapitalismus.

Bilanz: Die Sache ist offensichtlich doch schwieriger als man zunächst denken könnte - zumindest reicht es nicht, dass man große Krieger und Visionäre an die Macht lassen sollte, um die Welt zu verbessern. Die großen Krieger (Alexander, Cäsar, Napoleon, Adolph H., Mao) haben zwar Visionen gehabt, aber es endete immer mit vielen Millionen Toten und endlosem Elend. Bedenke bitte, dass zur Verwirklichung von Maos Vision 80 000 000 = achtzig Millionen Menschen seines eigenen Volkes ermordet wurden. Da ist mir eindeutig ein Politiker lieber, der sich für die innere und äußere Sicherheit seines Landes stark macht, selbst auf die Gefahr hin, dann nicht als großer Krieger und Visionär in die Geschichte einzugehen. 

Antwort
von CYB3RSH0CK, 1

Es gibt in der Schweiz ein Sprichwort 

"De Gschider git noh, de Esel blibt stoh."

das bedeutet. 

Der Gescheitere gibt nach, der Esel bleibt stehen. 

Das wiederum würde erklären, warum viele Länder von Eseln regiert werden.

Antwort
von Rowal, 19

Du hast ja die Frage selbst schon beantwortet. Was erwartest du also noch von der Community? Willst du wissen, ob dein Gedankenrang richtig ist? Klingt jedenfalls einleuchtend, obwohl ich noch von keiner wissenschaftlichen Studie gehört habe, die dies bestätigt oder widerlegt.

Antwort
von KaterKarlo2016, 40

Und wo genau ist nun die Frage? Ich teile ihre Ansicht im übrigen in keinster Weise.

KaterKarlo2016

Antwort
von FrageSchlumpf, 9

Ist das ne Frage, Kunst oder kann das weg ?

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