Frage von DaQtiz, 23

Referatsthema W-Seminar Latein?

Also ich muss ein Referat über Luxus und Dekadenz im Rom der Antike halten. Wir können die Themen selbst aussuchen, aber da alle "guten" Themen schon weg sind, hab ich keine wirklichen Ideen mehr. Hat jemand irgendwelche Vorchläge? (ausgeschlossen: Speisen, Thermen, Schmuck, Architektur)

Expertenantwort
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Geschichte, 15

"Luxus und Dekadenz im Rom der Antike"  -  wenn man bedenkt, dass die römische Geschichte mindestens 1000 Jahre umfasst, dann ist das ein weit gestecktes Thema, das allerdings wegen Quellenmangels nicht für jede Zeit wirklich Ergebnisse zeitigt.

Ich gehe mal davon aus, dass wegen des Faches "Latein" natürlich schriftliche Quellen im Mittelpunkt stehen sollen. Allerdings verweisen die auszuschließenden Themen darauf hin, dass materielle bzw. archäologische Hinterlassenschaften durchaus eine Rolle spielen können.

"Dekadenz" ist eine sehr unglückliche Themenwahl, weil es diese zwar in Teilen der römischen Oberschicht eigentlich immer gegeben hat, aber niemals ein vorherrschender Grundzug der römischen Gesellschaft gewesen ist. Gesellschaftliche, religiöse und politische Wandlungen fanden während der gesamten römischen Geschichte statt, aber sie waren keine Symptome von Dekadenz. Natürlich könnte man einzelne Beispiele von Dekadenz im Sinne übertrieben prächtiger Lebensführung schildern, wie sie beispielsweise in den literarischen Erzeugnissen eines Catull, Petronius oder Apuleius zu finden und beschrieben sind. Nicht zuletzt auch christliche Autoren äußerten sich vor dem Hintergrund ihrer religiösen Lehren ablehnend zu übermäßigem Luxus und Verschwendung gerade in den Oberschichten.

Und was ist mit "Luxus"? Natürlich zeigt er sich an bestimmten Speisen, Schmuck, an prächtiger Architektur. Gewiss, auch Thermen waren Luxus - aber für jedermann zugänglich, selbst für die Ärmsten, und wichtige Institutionen der Hygiene und damit der Gesundheit der Bevölkerung. Auch die mit Wasserspülung versehenen Aborte waren Luxus und zugleich nützlich wie die gesamt Wasser- und Abwasserkultur der Römer, die sich in Aquädukten und in der Anlage von "cloacae", von Abwassersystemen, manifestierten. Sind diese Themen auch vergeben, ein Teil des Themas "Therme"?

Im Zusammenhang mit "Speisen" und "Schmuck" möchte ich auf ein Phänomen aufmerksam machen, das wir heute unter "Globalisierung" fassen würden. Ich meine das ausgeklügelte Handelssystem der Römer, das es ermöglichte, die Bevölkerung ausreichend mit Nahrungsmitteln zu versorgen - durchaus ein Luxus, wenn man bedenkt, dass Hungersnöte erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts aus Deutschland und Europa verschwunden sind. Werden die Bearbeiter dieser Themen darauf eingehen? Über den Handel wurden aber in der Tat auch Luxuswaren versandt, und zwar bis in die entferntestesn Gebiete des Reiches, wie archäologische Funde belegen, z. B. Wein, Olivenöl, Garum (eine Art römisches "Maggi", eine Fischsoße), Datteln, Feigen, Meeresfisch und selbst Austern, Essgeschirr und wunderschöne Glasgefäße.

Wird im Thema "Architektur" auch auf die Wohnkultur verwiesen? Wenn nicht: ebenfalls in den entlegensten Gebieten des römischen Reiches, z. B. in Germanien, wurden in den besseren Häusern die Wände mit qualitätsvoller Malerei verziert oder die Böden mit einfachen bis prächtigsten Mosaiken ausgeschmückt. Die Römer hatten ihre Häuser sparsam möbliert, jedoch gab es auch dabei ein Spektrum von einfachen Gebrauchsmöbeln bis zu Prachtmöbeln. - Noch etwas, das zumindest ein Unterthema ist: die prachtvollen Grabmäler, die sich wohlhabende Römer errichteten. Ein bekanntes Beispiel in Germanien ist das Grabmal des Poblicius in Köln.

Noch etwas, das man zum Thema "Luxus" rechnen muss: die Vielzahl der Sklaven, die den Römern vielfältigste Aufgaben abnehmen mussten.

Was archäologische Quellen angeht: z. B. im rheinischen Landesmuseum in Trier oder im archäologischen Museum in Köln gibt es eine Fülle archäologischen Materials, das allein den "Luxus" der Römer in den beiden germanischen und angrenzenden Provinzen erahnen lässt. Ein Blick auf die Internetseite beider Museen hilft sicher weiter - ein Besuch wenigstens eines Museums wäre besser.  ;-)

Abschließend noch eine Literaturangabe:

  • Karl-Wilhelm Weeber: Luxus im Alten Rom.Die Schwelgerei, das süße Gift ... 3. Aufl. 2015.

MfG

Arnold

Expertenantwort
von Volens, Community-Experte für Latein, 15

Der Niedergang des römischen Heerwesens, der letztlich dazu führte, dass Rom relativ bedeutungslos wurde:

  • Römer selber leisten keinen Kriegsdienst mehr oder kaum noch
  • Verweichlichung auf allen Ebenen
  • Legionäre führen die Kriege und haben gar kein Interesse daran
  • Die Heimat zu verteidigen, wird den Römern zunehmend bedeutungsloser
  • In Rom selbst werden Brot und Spiele wichtiger als die Verteidigung
  • Die Kaiser kümmern sich mehr um die Hofintrigen als um die Grenzen, die von den Gegnern nicht mehr ernst genommen werden

Für Zitate und Ereignisse, die das belegen, musst du nun selbst Sorge tragen. Aber dafür ist das Internet da
und möglicherweise auch eine Bibliothek. (Sollte man mal hingehen!)

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