Frage von UiOi14, 81

Referatsthema: Vorteile am Nationalsozialismus?

Muss ein Referat über die Vorteile am Nationalsozialismus machen. Doch sehr viel gibt es da nicht. Habe bis jetzt Infrastruktur, Beschäftigungspolitik, Tierschutz, Anti-Raucher-Politik und Lehre für spätere Generationen, um Rassismus zu vermindern Gibt es noch was ??

Antwort
von oelbart, 21

Es gab die psychologische Wirkung der Besetzung Wiedereinführung der Wehrpflicht und der Besetzung des Ruhrgebietes: Die Menschen hatten nach 1918 das erste Mal wieder das Gefühl, international ernstgenommen zu werden und Souverän im eigenen Land zu sein.

Nach der Phase der Weimarer Republik mit schwieriger Regierungsbildung und x Wahlen könnte man vielleicht - auch wenn das schon ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt ist - eine gewisse Stabilität anführen, die durch das Verbot der anderen Parteien und die Gleichschaltungen zustande gekommen ist. Ich könnte mir vorstellen, dass das durchaus auch Investitionen gefördert hat.

Insgesamt: Respekt für die Aufgabenstellung und die Frage hier. Vor allem die Kommentare zu einigen Antworten lassen tief blicken.
Wer sich mit den (auf den ersten Blick) positiven Aspekten einer vergangenen Diktatur nicht beschäftigt, wird eine künftige nicht erkennen oder gar bekämpfen können.

Antwort
von Silo123, 54

Mir fällt da noch Kraft durch Freude ein, Urlaub für die, die es sich sonst nicht leisten konnten.

.

Förderung des gesellschaftlichen Engagements. Mein Großvater war z.B. so was wie ein Blockwart, ich weiß nicht, ob es bei ihm so genannt wurde. Und eines weiß ich sicher: Er hat damals seine Aufgabe zum Wohle der Gemeinschaft gesehen und so etwas, wie Blockwartmentalität hatte DER sich nicht. Er sah es schon als Aufgabe, für Ordnung zu sorgen, aber in der Richtung, daß was kaputt war, repariert wurde und so.Er sah dann obendrein den Schutz der Juden in dieser Gemeinschaft als seine Aufgabe- o.k. das dann echt nicht mehr Nationalsozialismuskonform (-;

.

Die  Hochhaltung von Kameradschaft- auch wenn das teilweise sehr mißbraucht wurde und sich dann letztendlich gelegentlich sogar gegen den Nationalsozialismus richtete (weil man dann Kameraden gegen den Nationalsozialismus verteidigen mußte)

Kommentar von atzef ,

"Blockleiter der NSDAP" ist eine Dienstbezeichnung für die unterste Funktionärsebene gewesen. Dein Opa war also ein Nazi.

Kommentar von Silo123 ,

Nein, war er nicht, Er war nie Mitglied der NSdAP. Dann muß seine Funktion wohl anders gehießen haben.

Kommentar von atzef ,

Es gab auch ehrenamtliche Helfer dieser Blockleiter. Die mussten zwar einen Ariernachweis erbringen, brauchte aber tatsächlich nicht Mitglied der NSDAP zu sein. Allerdings unterlagen sie den gleichen Funktionszuweisungen wie die Blockwarte. Und die bestanden aus Propaganda für das regime, Überwachung, Kontrolle, Aufsüren von oppositionellen Regungen... Mag sein, dass dein Opa sich dem versucht hat zu entziehen, aber warum dann diese ehrenamtliche Tätigkeit? Zu der wurde man keinesfalls gezwungen...

Und auch die KdF als Unterorganisation der DAF (Deutsche Arbeitsfront), hat nicht den Urlaub neu erfunden, sondern war mit der Organisierung, Überwachung und Gleichschaltung des Freizeit- und Urlaubsverhaltens der Deutschen beschäftigt.

Kommentar von Silo123 ,

Warum es mein Opa getan hat? Er wollte sich einfach für das Gemeinwohl engagieren. Ich weiß!, daß er nie Propaganda gemacht hat.. Ariernachweis erforderlich ? Keine Ahnung, ob er den hätte erbringen können, aber die Nazis sahen ja auch Menschen mit nichtdeutschen Wurzeln teilweise als Arier an. Da merke ich wieder, wieviel ich NICHT weiß. Er jedenfalls hat sich nur um das Funktionieren aller Anlagen, zwischenmenschliche Probleme (z.B. Lärm, Gerüche etc) gekümmert und dann vermittelt. Mit Politik und ganz besonders den Nazis hatte er eigentlich nichts am Hut. Er war nie Widerstandskämpfer oder so. Er war  eher ein Gutmensch, der sich aber , wenn möglich, aus allem raushielt, war nie politisch aktiv,  und meinte, daß halt jeder in seinem kleinen Rahmen Gutes tun sollte. Er ging nie in den offenen Widerstand, sondern agierte halt immer eher unauffällig im Kleinen (und nahm dann auch mal ein Amt an)- dann aber nach SEINEN Maßstäben

Ich weiß nicht, wie lange er die Funktion überhaupt hatte.

Irgendwann kam ja der Krieg. (dann war es damit eh aus) Und da wurde er eingezogen, aber nicht zur Wehrmacht, sondern zum Zoll. Das war ein enormes Glück für ihn. Er hat nie auf Menschen schießen müssen. O.K. auf Schmuggler Sollte! schon geschossen werden. Aber alle der Einheit schossen in die Luft, bzw. bewußt daneben. Und nie befand sich jemand in Lebensgefahr.

Kurz vor Ende des Krieges setzte sich die komplette Einheit nach Spanien ab (incl. Kommandeur)

.

Kommentar von Unsinkable2 ,

Und auch die KdF als Unterorganisation der DAF (Deutsche Arbeitsfront), hat nicht den Urlaub neu erfunden,

Doch, hat sie. Die Nazis waren die ersten auf diesem Planeten, die "Massentourismus zu erschwinglichen Preisen für Jedermann", und hier ganz besonders erstmals auch für Kinder, realisiert haben. 

Bis dahin war "Tourismus" ein nahezu ausschließliches Privileg der durch Geld oder Macht Bevorteilten. 

Dabei wurde sie - zumindest das hast du richtig erkannt - durch politische Ziele gedeckelt. Doch der "unpolitische" Teil war neu...

Kommentar von Unsinkable2 ,

"Blockleiter der NSDAP" ist eine Dienstbezeichnung für die unterste Funktionärsebene gewesen. Dein Opa war also ein Nazi.

Ach atzef, ...

Es ging um "Block-WARTE", nicht um "Block-LEITER". Und nur, weil du bei Wikipedia zum Blockleiter weitergeleitet wirst, heißt das nicht, dass es keine Blockwarte gab. (Glaube doch nicht jede Information unbesehen!)

Der Begriff "Blockwart" war bei in der NSDAP eine Funktionsbezeichnung, die man aus dem volkstümlichen Begriff übernommen hatte. 

Es war also ZUERST ein Begriff im Volk und DANN eine Funktionsbezeichnung in der NSDAP. 

Das ist ein übliches Verfahren, wenn neue Religionen alte gesellschaftliche Vorstellungen und Werte überdecken sollen. Auch der "Gau-Leiter" stammt von so einem alten Begriff ab und ist nicht von den Nazis erfunden oder eingeführt worden.

Und im Volk hießen "Hausmeister" damals - und das schon lange vor den Nazis - "Blockwart" und heute eben "Facility Manager". Das hatte mit der Funktionsbezeichnung in der NSDAP nur so viel zu tun, als dass die NSDAP diesen Begriff einfach für ihre untersten Ebenen einführte, und sie zugleich mit "politischen Funktionen" ausstattete.

Zwar ersetzten die Nazis später reihenweise "alte Blockwarte/Hausmeister" durch "neue und linientreue Blockleiter/Informanten" in ihrer Führungshierarchie; doch die eigentlichen Hausmeister wurden dabei meist nur abgestuft und nicht wirklich ersetzt. Man fügte also vor allem eine "politische Ebene" ein.

... Insofern KANN es sein, dass Silo123's Opa ein "Parteifunktionär" war; es MUSS aber NICHT.

Er musste nicht einmal "Arier" sein, weil diese Nachweispflicht NUR FÜR PARTEIFUNKTIONÄRE, nicht aber für die "einfachen Arbeiter" galt...

Kommentar von Silo123 ,

Ja," Hausmeister " würde die Funktion meines Opas echt am besten beschreiben.  Was ich weiß ist, daß er das erst in der Hilterära (am Anfang) begonnen hat, wegen wohl eines Aufrufs, sich am Gemeinwohl zu beteiligen.

Er bekam dafür keine Vergütung, (wie es heute ein Hausmeister bekommen würde), sondern machte das rein ehrenamtlich- halt für das Gemeinwohl. Er war handwerklich patent, aber kein Handwerker von Beruf. Vieles löste er einfach mit Findigkeit. Und er vermittelte bei Streit zwischen den Parteien.

Eine politische Funktion hatte er nicht und wollte sie auch nicht.

Er war am Anfang der Hitlerära irgendwie besorgt, aber seine Devise war: "sich aus Politik rauszuhalten", seine Familie stand an oberster Stelle (und dafür habe ich meinen Opa in meiner! Zeit geliebt!!!!!), dann das Gemeinwohl, und erst sehr viel später Politik. O.K. kann man auch als " Vogelstraussverhalten"  bezeichnen, aber ganz ehrlich mein Opa war trotzdem ein sehr guter Mensch und ich hätte mir immer einen Mann, wie ihn (in jünger) als Partner gewünscht. Wegen seiner Prioritäten. Ok. er ging nie in den Widerstand, aber er war trotzdem der beste Mensch, den ich in meinem Leben kennenlernen durfte.

Kommentar von Unsinkable2 ,

Rege dich nicht auf! atzef trollt gern mit seinem Halb- und Viertelwissen, dass er sich auch gern mal spontan zusammengooglet.

Kommentar von Silo123 ,

Danke für Dein Verständnis.

Ich gebe zu ,daß ich da auch nicht über die besten Kenntnisse verfüge.

Aber bei mir war dann auch irgendwann Schluß- ich wollte nichts mehr davon hören.,

Aber klar habe ich mich  mit dem Thema aueinandergesetzt. Und , daß man immer wieder auf das Thema stößt. läßt sich nicht vermeiden.

Aber irgendwie taucht das Thema immer irgendwie immer wieder auf.

Ich bin keine Geschichtswissenschafterin,  aber mittlerweile interessiert mich eher das übergeordnete Thema und ich habe echt schon Leute bei ihren Arbeiten beraten.- Aber NICHT punkto Nationalsozialismus, sondern bzgl. positiver Aspekte von speziellen Diktaturen, warum die hochkommen konnten - und das geht sogar soweit, daß ich meine, einige Diktatuten besser zu lassen, man muß sich nicht überall! einmischen.

U.U. kann eine Diktatur für ein Land das beste sein. Ich bin da so jemand, der unvoreingenommen an ein Thema rangeht, Leute befragt und dann zu einem Urteil oder KEINEM Urteil kommt.

Aber es ist echt schwer, bzgl der Presse, zu einem ausgewogenen Urteil zu kommen

Antwort
von Schnoofy, 52

Vorteile am Nationalsozialismus ......... Doch sehr viel gibt es da nicht.

Dem ist nicht viel hinzuzufügen. Höchstens , dass Du mit Deiner Aussage schon übertrieben hast.

Kommentar von Silo123 ,

Wenn es nicht Vorteile gegeben hätte, wären die nicht so stark geworden.  Und deshalb finde ich , die Vorteile herauszuarbeiten, auch ein lohnendes Thema. Und zwar einfach mal  neutral oder sogar mit rosa Brille.

.

Wenn man das nicht tut, wird man nie verstehen, wieso der Nationalsozialismus überhaupt Erfolg haben konnte.

.

Über das Gesamtresumee hingegen muß man echt nicht streiten und ja ich kenne Leute, die die Nationalsozialisten sogar ursprünglich gewählt hatten und dann zu vehementen Gegnern wurden, als sie dann sahen, was die noch so anrichteten.

.

Und ich finde es beachtlich, daß diese Personen auch später (nach der Entnazifizierung) dazu gestanden sind, die Nazis mal gewählt zu haben. Meine Oma war sogar Mitglied der NSdAP gewesen., ist aber am Ende des Krieges nicht mal als Mitläuferin eingestuft worden. Der Austritt erfolgte noch vor Kriegsbeginn.

Kommentar von Schnoofy ,

Ich glaube jetzt vermischst Du zwei Dinge.

Das eine ist welche Vorteile die Leute durch die Wahl von Nationalsozialisten oder die Mitgliedschaft in dieser Partei erhofft hatten.

Das andere - und so hatte ich Deine Frage verstanden - welche Vorteile der Nationalsozialismus  tatsächlich hatte.

Dazu fällt mir tatsächlich etwas ein: Der Aufstieg Hitlers zum Reichskanzler hat uns die Schwächen der Weimarer Verfassung sichtbar gemacht. Diese Erkenntnisse haben das Grundgesetz sehr stark geprägt.

Kommentar von Silo123 ,

O.K. Hoffnungen und Tatsachen sind was anderes. Danke für die Unterscheidung.

Aber KdF gab es. Aber ehrlich keine Ahnung, wie lange eigentlich.

Und den Gemeinwohl-Gedanken und Hochhaltung von Kameradschaft gab es auch.

Und ebenfalls die von der Themenerstellerin genannten Punkte.

Ja die Prägung des Grundgesetzes  wegen dem Aufstieg Hitlers ist mir bekannt. Und auch die anderen Auswirkungen auf das Wahlsystem und Rechtssystem. Die Weimarer Republik war viel demokratischer als das heutige Deutschland. Und ich finde es einfach super schade, daß das Ganze so geendet ist. Aber aus Fehlern lernen muß man trotzdem und unser heutiger Staat ist andererseits auch viel stabiler und ja das schätze ich sehr.

Irgendwie möchte ich manchmal in der Weimarer Republik gelebt haben, aber wenn ich das Ende bedenke, dann DOCH lieber heute.

Antwort
von atzef, 35

Eigenartiges Thema...

Was verbirgt sich denn hinter "Infrastruktur"? Entgegen der landläufigen Meinung ist der Autobahnbau keine "Genieidee" Hitlers gewesen, sondern schon von den Vorgängerregierungen verfolgt worden. Dazu hätte es also keiner Nazis bedurft...

Beschäftigungspolitik ist auch kein Vorteil. Die Nazis haben einfach einen Arbeitsdienst eingeführt, Arbeitslose dort zwangsverpflichtet und denen weniger bezahlt, als ihnen zuvor als Arbeitslosengeld zugestanden hätte.

Tierschutz klingt für ein Regime nur nach abartigem Zynismus, das Menschen industriemäßig abschlachten und ihre Leichen verwerten lässt...

Anti-Raucher-Politik. Auch dafür hätte es keiner Nazis bedurft.

Einzig deine Idee, dem NS-Regime noch eine Funktion als abschreckendes Beispiel zukommen zu lassen, ist als "Vorteil" unbestreitbar. :-)

Insgesamt reicht das aber nur für eine 5. Weiter kommst du allenfalls, wenn du diese behaupteten "Vorteile" dekonstruierst und kritisch reflektierst, wie ich das hier andeutungshalber getan habe...

Kommentar von Silo123 ,

Natürlich! hätte es zu alle dem keiner Nazis bedurft. Daß das Naziregime menschenverachtend und was nicht noch alles war, darüber müssen wir nicht diskutieren.

Und daß gute Ideen letzendlich mißbraucht wurden, auch nicht.

Aber ich meine, daß zum Verstehen der Naziherrschaft auch die positiven Aspekte bzw die Hoffnungen (die die Wähler hatten)  O.k. da ist eine Unterscheidung sinnvoll- herangezogen werden sollten.

Weil ganz nüchtern betrachtet, niemand wählt eine Partei, wo es nur Nachteile gibt. Jede Regierung muß auch etwas positives leisten (oder zumindest versprechen), um gewählt zu werden.

Die positiven Aspekte werden leider auch sonst in der Bewertung viel zu oft außen vor gelassen - auch heute noch.

.

.

Wenn man z.B. die guten Sachen des Assad- Regimes in Syrien, gegenüber den negativen abwägt, kann man durchaus zu für Assad positiven Ergebnissen kommen, ohne gleich Assad zu glorifizieren. Und der Westen macht heute diese Abwägung nicht. Und das ist einer der großen Fehler. Um eine Sache besser zu verstehen, darf man nicht einfach EINEN strikten Maßstab anlegen.

.

Und das sollte man auch bei Hitler nicht- auch wenn dieser Mensch echt eine Katastrophe für die Welt war.  Dartüber muß man nicht streiten. Aber , um zu verstehen und auch die teilweise Hitlerbegeisterung zu verstehen, sollte man sich echt mit den Positivaspekten befassen

Kommentar von atzef ,

Völlig absurde Prämissen und surreale Prinzipien, die du da aufstellst.

1. Die Nazis haben bei freien Wahlen maximal 37 % bekommen,bei den letzte freinen Wahlen vor Hitlers Inthronisierung nur noch 33. Auch mit ihrem Dauerkoalitionär, der DNVP, sind sie niemals auch nur in die Nähe einer absoluten mehrheit gekommen. Anschließend haben die Nazis nichts mehr leisten müssen, weil es keinerlei freie und demokratische Wahlen mehr gegeben hat!

2. Zustimmung muss nicht immer auf Leistung basieren, sondern im Fall der Nazis reichte schon aus, Sprachrohr für dumpfen und dünkelhaften Nationalismus, militaristische Revanchegelüste und rassistischen Hass zu sein.

3. "Zustimmung" organisierten sich die Nazis im Wesentlichen durch das Verschwindenlassen jedweder Opposition in den Kellern der Gestapo und in den KZs, durch völlige Gleichschaltung des politischen und öffetlichen Lebens, durch die Abschaffug der Presse- und Meinungsfreiheit, durch Heerscharen von Denunzianten und einem augeklügelten Bespitzelungs-, Überwachungs- und Kontrollsystem, in dem dein Opa als Blockwarthelfer ein baustein war.

4. "Vorteile" des Assad-Regimes? Was glaubst du wohl, warum im Arabischen Frühling die syrische Bevölkerungsmehrheit selbst unter Todesgefahr nicht davon abzuhalten war, gegen dieses Verbrecherschwein zu demonstrieren...? Da wäre ich ja mal neugierig, wie jemand wie du zu einer "positiven" Bilanz des Assad-Regimes kommen will, ohne sich in einem Konstrukt von Propagandalügen selber vorzuführe...!

5. "Um eine Sache besser zu verstehen, darf man nicht einfach EINEN strikten Maßstab anlegen."

Geht es um Verständnis, bedarf es gar keiner Maßstäbe!

Geht es um Bewertung, also um "positiv" und "negativ", bedarf es genau dieses EINEN strikten Maßstabs!!! Andernfalls löst du jedwede Rechtsordnung in völlige subjektive Willkür auf! Das mag hitlernden Fanboys des Führerkults zusagen, die jeden Gedankenfurz dieses Führes mit "Heil!"-Rufen quittieren, bewegt sich aber außerhalb seriöser Diskursfähigkeit.

Kommentar von oelbart ,

Wenn die Bevölkerung tatsächlich nicht hinter Hitler gestanden hätte (wie Du im ersten Punkt behauptest), hätte sie die Gleichschaltung der Presse, die Verhaftung der Opposition etc nicht geduldet und es hätte auch die "Heerscharen von Denunzianten" (Punkt 3) nicht gegeben. Fakt ist: Ein großer Teil der Deutschen hat das Reich gestützt, entweder aus Überzeugung, oder aber aus Bequemlichkeit, und diese Bequemlichkeit spricht dafür, dass es dem großen Teil der Bevölkerung unter Hitler nicht schlechter ging als zuvor. 

Wenn man diesen Aspekt außer Acht lässt, wird man nie in der Lage sein, künftige Diktaturen zu verhindern, weil man sie erst gar nicht erkennt. Denn Diktaturen sind eben NICHT dadurch gekennzeichnet, dass alles für alle schlecht ist.

Und das ist auch das Problem an Deinem vierten Punkt: Es hat nicht die "Bevölkerungsmehrheit" in Syrien demonstriert. Wikipedia bezeichnet Dar'a als ein Zentrum der Proteste, wo "Tausende" Demonstriert haben. Nun hat aber Dar'a fast 100000 Einwohner - die Demonstranten haben also ein paar Prozent der Bevölkerung gestellt - und das im "Zentrum der Proteste"

Auch da ist es eben so: Die Mehrheit der Bevölkerung arrangiert sich mit der Herrschaft, solange dies möglich ist. Den meisten Leuten ist es schlicht egal, was mit Oppositionellen passiert, denn die Mehrheit der Bevölkerung ist politisch nicht wirklich interessiert und läuft deshalb nicht "gefahr", oppositionell zu werden.
Für die Mehrheit der Bevölkerung ist es wichtig, einen einigermaßen stabilen Arbeitsplatz zu haben, von dem man leben kann, und dazu die Sicherheit, dass einem das Ersparte nicht weggenommen und die Tochter nicht vergewaltigt wird. Dem Normalbürger ist diese Sicherheit deutlich wichtiger als die Pressefreiheit. Und, mal ganz nebenbei: Den religiösen Minderheiten ging es unter Assad vermutlich besser als unter Al-Nusra und Hisbollah

Deshalb hat man in vielen Städten auch erstmal den "IS" begrüßt: Nach drei Jahren Bürgerkrieg hat die Aussicht auf einen "Staat", der für Recht und Ordnung sorgt, eben auch dann etwas verlockendes, wenn es ein islamistischer ist.

Das soll alles kein Plädoyer für Diktatoren und -uren sein, aber wenn es ist wichtig, zu verstehen, WARUM Menschen da mitmachen. Die Antwort "die sind alle Rassisten" ist zwar schön einfach (und im gewissen Sinne auch richtig, wenn man die Bequemlichkeit ansieht), aber sie bringt einem im Ringen um politische Lösungen kein Stück weiter.

Kommentar von atzef ,

Ich behaupte nichts in Punkt 1, ich stelle lediglich historische Endwahrheiten fest! Duu kannst dir die Wahlergebnisse der Nazis gerne selber ergoogeln. Sie haben nie unter freien bedingungen eine Mehrheit in der Bevölkerung gehabt, sondern die NSDAP hat unmittelbar vor der Machtübetragung gerade mall 33 % der Stimmen bekommen.

Es zeichnet Diktaturen jedweder Provinienz ja gerade aus, dass sie nur sehr bedingt auf Zustimmung durch die bevölkerung angewiesen sind.

Die Mehrheit der Bevölkerung hat die Nazis nicht "aus Bequemlichkeit" "unterstützt", sondern aus Angst vor Gestapofolter und KZ-Haft einfach die Schnauze gehalten und auf Durchzug gestellt. Dem Nazi-Drittel reichten willfährige Blockwarthelfer wie dein Opa (landesweit eine halbe Million), um den Rest unter Kontrolle zu halten.

Substantielle sozialpolitische und wirtschaftliche Fortschritte für die Bevölkerung hat es nicht gegeben. Da sitzt du lediglich dem propagandistischen Zerrbild auf, das die gleichgeschalteten Nazinszenierungen von "Erfolgen"  zeichneten. Da musst du dich mal mit den sozial- und wirtschaftspolitischen Daten der zeit beschäftigen oder - weiger trocken - mit der Begründung von Georg Elser für sein Hitler-Attentat...

Natürlich gibt es auch Gruppen, die in einer Diktatur "profitieren", aber dies sind keine "Vorteile" einer Diktatur. sondern auf Unterdrückung basierende Alimentierungen der Unterdrückerkaste.

Deine Schönschwafelei der systematischen staatsterroristischen Unterdrückung der syrischen Bevölkerug ist einfach nur widerwärtig und vollständig ahnungslos über das alltägliche Ausmaß dieses Staatsterrors.

Und wie kommst du auf den Blödsinn, man habe in "vielen Städten" erstmal den IS "begrüßt"?

Du vestehst leider gar nichts, auch nicht, warum Menschen in Diktaturen "mitmachen", solange du von "Vorteilen" phantasierst und die alltägliche Unterdrückung ignorierst..

Antwort
von Kuppelwieser, 33

Da gab es den ruinösen Konkurrenzkampf nicht. Für eine Geschäftseröffnung musste ein Bedarf vorliegen. Anderseits gab es Preisvorschriften. Das gab es allerdings auch schon im Kaiserreich! Was mir noch einfällt: Es gab keine Arbeitslosigkeit mehr.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten