Frage von TrustInHope, 49

Referat über die rolle der Berliner Mauer.Was gehört dazu und wie kann ich den Vortrag gliedern?

Ich wollte mal fragen ob ihr Ideen habt was die Rolle der Berliner Mauer im Alltag war.Vielleicht kennt ihr ja passende Internet Seiten oder habt generell Ideen für die Gliederung.DANKE!!!!!Ich bin nämlich total überfordert da ich auch im Internet noch nicht wirklich weit gekommen bin.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von RonnyFunk, 22

Frage doch mal einen Zeitzeugen, der es miterlebte.

Ich erlebte die Mauer von der Ost-Seite aus.
Im Alltag nahm ich die Absurdität der Mauer nicht wahr, dass bei „Berlin - Hauptstadt der DDR“ der Stadtbezirk Mitte eigentlich Stadtrand war.
Aber es gab auch absurdes, was mir schon bewusst war. Dass man offiziell sagte, die Mauer würde uns vor Bedrohungen schützen, aber komischerweise man Leute reinließ, aber diejenigen, die man rausließ in der Regel Rentner waren.
Es gab auch U-Bahn und unterirdische S-Bahn-Linien, die von Ost-Berlin aus nicht direkt erreichbar waren. Der große Bahnhof „Friedrichstraße“ hatte im Alltag nur die Funktion eines S-Bahnhofes, man sah vom ganzen Bahnhof maximal ein Viertel.
Grund war, dass die 2 anderen Bahnsteige und eben die 3/4 ein Transitbereich waren, ähnlich dem Bereich eines Flughafens, den man nach Pass- und Zollkontrolle betritt. Für Westberliner war Friedrichstraße nur zum Umsteigen und zum Kauf von billigen Waren, allerdings waren diese nur dann billig, wenn der Westberliner Zoll einen dann im Westberliner Gebiet nicht kontrollierte.
Alexanderplatz hatte man sich Mühe gemacht, dass der dritte U-Bahnsteig im Bewusstsein nicht vorkommt, da gab es dann schon ein paar Wege, deren Sinn man erst verstand, nachdem diese ganzen Geisterbahnhöfe wieder in Betrieb nahm.
Die „Geisterbahnhöfe“ waren auch ein Thema. Unter Ost-Berlin gab es 2 U-Bahn und 1 S-Bahn-Tunnel, dort fuhren Linien von Westberlin nach Westberlin durch, einziger Halt war Friedrichstraße. Die anderen Bahnhöfe wurden nicht genutzt, nicht saniert, nur betreten von Grenzsoldaten, die darauf achteten, dass niemand versucht, über U-Bahntunnel die DDR zu verlassen.
Die Begründung zum Bau der Mauer war eine Ausrede. Die Aussagen, dass man kontrollieren will, vermeiden will, dass Westberliner die Ostberliner Geschäfte leer kaufen, glaubte niemand. Beim Bau der Berliner Mauer war klar, man will die Menschen in Ost-Berlin und der DDR einsperren, daran hindern die DDR oder den Bereich der sozialistischen Staaten zu verlassen.
Wir kannten die Propaganda, welche die Mauer als gut rechtfertigte, aber auch Fernsehen und Radio des Westens, die uns erzählten, dass an der Mauer Menschen erschossen wurden, weil sie in den Westen wollten. Und zwar von der Armee des Staates, den sie versuchten, zu verlassen.
Karl-Eduard von Schnitzler war bei der Verteidigung der Mauer sehr zynisch und sagte, dass man ja durch eine Tür geht und nicht durch die Wand.
Er hatte leicht reden, konnte ungehindert in den Westen reisen, während den allermeisten Besuche von Verwandten verwehrt wurden.
Ebenso zynisch waren ja Schnitzlers Aussagen, dass es ja eine ganz normale Grenzkontrolle gibt. Das Fernsehen der Bundesrepublik zeigte, wie realistisch diese Aussage war und filmte mal an einem Grenzübergang von der Bundesrepublik Deutschland nach Frankreich.
Nach der Wende sah ich einen DDR-Propagandafilm, der die Bauarbeiten an der Berliner Mauer zeigte, in diesem gab es eine Passage, in der sich ein Mauer an den Zweiten Weltkrieg erinnerte und wie man dort an der Grenze auf Menschen schoss, die Deutschland verlassen wollten. Er sagte „nie wieder“ und legte einen Stein auf genau die Mauer, an welcher genau dieses wieder Realität werden sollte.
Irgendwie hatten wir uns mit der Mauer abgefunden. Im Westteil Berlins äußerte dies sich darin, dass man auf einem U-Bahnstreckenabschnitt, welcher durch den Mauerbau unnötig geworden war, eine Magnetbahn-Versuchsstrecke anlegte.
Eine Sache, die ich nicht nachvollziehen konnte, war, dass man zu Zeiten der Teilung in der Bundesrepublik betonte, Bonn sei Provisorium, Berlin soll die Hauptstadt sein - und als es an der Zeit war, dieses Versprechen einzulösen, musste man noch diskutieren und abstimmen darüber, ob man konsequent sein will oder lieber 40 Jahre Bundespolitik nachträglich zur Lüge erklären soll.
Als in der Nacht zum 10. November 1989 die Mauer aufging, verstand ich die Aussage in der Pressekonferenz so, dass Menschen, welche die DDR für immer verlassen wollen, dies unkompliziert können - der Begriff „Ausreise“ stand für „Aussiedlung“. Andere nahmen ihn wörtlich. Die Grenzer versuchten, den Menschen den Rückweg zu versperren, was aber nicht gelang, da in dieser Nacht die Regeln sich nicht durchsetzen ließen. In den folgenden Tagen war alles mehr „Formsache“, man wollte wohl noch den Schein waren, dass an den Grenzen kontrolliert wird.
Mit dem 9. November hat die Berliner Mauer ihren Schrecken verloren, in gewissem Sinne ist sie gefallen, mit dem 1. Juli 1990 trat die Währungs- und Einreiseunion zwischen DDR und Bundesrepublik Deutschland in Kraft, damit war die Mauer ganz weg.
Das waren so einige Dinge, die ich aus eigenem Erleben und dem, was ich dann nach der Wende erfuhr, zusammen tragen konnte. Falls Fragen sind, nur zu.

Antwort
von herja, 36

Hi,

hier findest du ein gegliedertes Inhaltsverzeichnis zur Berliner Mauer:

https://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Mauer

Da kannst du dir das Passende raussuchen.

Antwort
von HlRNTOT, 31

Naja die Rolle der Berliner Mauer heißt doch wozu sie genutzt wurde. Also zB zum trennen von Ost und West Berlin.

Kommentar von TrustInHope ,

Ja das stimmt danke!Aber hast du vieleicht auch Ideen was es für die Menschen dort bedeutet hat.So in ihrem täglichen Leben also im Alltag oder so?Danke schonmal!!

Kommentar von HlRNTOT ,

Ich komme aus Berlin daher kann ich mal eine Geschichte erzählen... Wenn ein Teil der Familie im Osten und der andere im Westen gewoht hat kam es vor das man sich lange nicht gesehen hat da man ja nicht einfach an der Grenzkontrolle vorbeispatzieren kann. Mann musste immer lange auf eine Genehmigung warten das man die Familie besuchen darf manchmal wurde das auch garnicht erlaubt. Im Osten waren die Lebensbedingungen außerdem schlechter: sie hatten Zeitungsartiges Toilettenpapier, keine besonderen Lebensmittel(Banane, Erdbeeren, Schokolade) und im Osten wurden die Menschen ausspioniert(wer zB Westfernsehen oder Westradio schaute oder hörte wurde verhaftet. Die Ostberliner behörden haben das durch die Kinder erfahren indem sie zB gefragt haben welche Musik vor dem Nachrichtenstart läuft und haben dann zwei Beispiele gegeben. Also das Leben in Ostberlin war deutlich eingeschränkter und auch schlechter. Weißt du warum die Mauer gebaut wurde ?

Kommentar von RonnyFunk ,

Ich kann dazu auch etwas sagen, als ein Ost-Berliner:

Es war so, dass meine Mutter zum Beispiel nicht zur Beerdigung ihres Vaters durfte. Aber es war in den 80ern dann auf einmal möglich, zum runden Geburtstag ihrer Tante zu reisen. War eine ganz schöne Willkür.

Aber einiges war nicht ganz so, wie es der Nutzer "Hirntod" beschreibt. In den 70ern wurde das Gucken und Hören von West-Radio und West-Fernsehen geduldet, diese Duldung ging soweit, dass es irgendwann auch sogar Farbfernseher gab, welche die West-Programme in Farbe zeigten und in den 80er Jahren gestattete man sogar Gemeinschafts-Satelliten Anlagen.

Ausspioniert werden, war aber schon ein Thema. Man merkte zwar nur wenig davon, entsprechend überraschend war es dann nach der Wende, wenn dann Freunde sich als falsche Freunde erwiesen, welche der Staatssicherheit alles erzählten.

Zu den Lebensmitteln: Also in Berlin war die Situation schon besser, in meiner Kindheit aß ich ab und zu Bananen, wir hatten auch mal Erdbeeren, sogar auch Heringe.

Das mit dem Aushorchen der Kinder war eine Sache der 60er Jahre, da sollten die Kinder die Uhr malen und damit ließ sich dann feststellen, wer es wagte, Tagesschau statt Aktuelle Kamera zu gucken. Aber soweit ich weiß, war Gefängnis dafür, den falschen Sender zu hören, etwas, was man sich nicht wagte, man wollte ja nicht riskieren, mit den Nazis verglichen zu werden, die ja beim Hören vom britischen Radiosender dafür Zuchthaus gaben.

Das Leben in Ost-Berlin war in Bezug auf Menschenrechte und wirtschaftlich eingeschränkt, aber aus Sicht der Sowjetbürger war es "der goldene Westen".

Richtig bizarr war ja, dass Leute aus Eberswalde, die Wurstwaren aus Eberswalde kaufen wollten, dazu nach Berlin fahren mussten.

Kommentar von RonnyFunk ,

Es gibt für den Mauerbau einen offiziellen und einen wahren Grund.

Der wahre Grund war, dass man ja zwischen beiden Stadtteilen Berlins weitestgehend ungehindert pendeln konnte und viele auf diesem Wege die DDR für immer verließen.

Daher war die Mauer aus Sicht der diktatorischen Regierung überlebensnotwendig.

Für die Begründung war eine Tatsache vorteilhaft. Denn es gab auf beiden Seiten Egoisten, welche die Gegebenheiten schamlos ausnutzten. Es gab zwischen den beiden Währungen in beiden Stadtteilen einen Schwindelkurs, man bekam dann für eine Mark Ost dann 6 Mark West. Lebensmittel waren in Ost-Berlin subventioniert, Westgeld dort begeht.

Also ging der egoistische Westberliner zur Wechselstube, ging dann mit diesem Geld im Osten einkaufen, gab der Verkäuferin ein paar Westmark, damit sie mitspielte.

Und genau mit dieser Sache wurde es begründet.

Allerdings ließ sich damit nicht begründen, weshalb man DDR-Bürgern ein Ausreise-Visum nach Westberlin und der Bundesrepublik Deutschland verwehrte. Und genau das zeigte, dass es eine Ausrede war.

Die DDR-Propaganda war zynisch und sagte, dass die Spekulanten und die, welche Geld sparen wollen, nun jammern. Dass aber Familien getrennt sind, sich nur noch Briefe schreiben können...

Mich hatte die Mauer gehindert, eine Tante in Kanada zu besuchen und nach der Wende war es zu spät.

Ich hatte vor dem Mauerfall nur einheimische Produkte zum Musizieren, danach erst konnte ich bei der Musikmesse in Frankfurt erkennen, was es so alles gab und konnte mir westliche Dinge zulegen.

Interessant war ja auch, dass wir, als von Wende und Mauerfall nicht das geringste ahnten, wie unser Leben wohl wäre, wenn wir im Westen wären. Interessanterweise ist es dann wirklich so gekommen, wie wir vermuteten.

Kommentar von RonnyFunk ,

Fehlerkorrektur: der Schwindelkurs war natürlich 1 Mark West gegen 6 Mark Ost....

Antwort
von Woropa, 14

Geh mal auf diesen Link. Da findest du Texte, Filme, Fotos und Zeitzeugeninterviews zu diesem Thema:

http://www.chronik-der-mauer.de/

Antwort
von RonnyFunk, 8

Noch etwas, lasst Euch nicht davon beeindrucken, wenn ein User, dessen Name mit der Zahl 666 beginnt, meint, alles anzweifeln und mich dumm nennen zu müssen. Er hat die Zeit in der DDR nicht mehr miterlebt und scheint diesen Unrechtsstaat verteidigen zu müssen.

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