Frage von ByeByeBoy, 82

Rechtsstreit gegen Milliarden-Firma!?

Hey Leute, ich habe vor kurzem einen Nebenjob (ich bin 17, max 450€/Monat etc.) bei einem großen Unternehmen angefangen. In meinem Dorf stehen zwei Filialen nebeneinander. Ein Getränkemarkt, wo ich arbeite und ein Supermarkt (= gleiche Geschäftsleitung). Ich habe eine eigene Kassierernummer und muss somit jedes mal wenn ich zur Arbeit antrete eine Kasse holen und vorher überprüfen ob sie 600€ Wechselgeld enthält (= 15 Minuten Zeitaufwand). Anschließend muss ich bei meinem Schichtende die Kasse auszählen und eintragen wie viel Gewinn ich gemacht habe (=min. 15 Minuten Zeitaufwand - eher länger). Heute habe ich mich gefragt ob dies bezahlt wird und habe einen Mitarbeiter gefragt. "Nein wird es nicht. Ich habe jeden Monat richtig Stress mit dem Chef weil ich dieses Geld haben möchte. Ich arbeite hier seit 2012 und das wären schon tausende von Euros."

Ich arbeite 3x/Woche mit einem Lohn von 8,50€/Stunde, was bedeutet dass mir Wöchentlich mindestens 12,75€ nicht angerechnet werden.

Ist das rechtens? Ich, mehrere Mitarbeiter, meine Eltern etc. sehen dies als "illegal" an oder wie man es auch nennen mag. Ist hier jemand vom Fach? Was sagt ihr dazu? Wie gehe ich vor?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Hexle2, Community-Experte für Arbeit & Arbeitsrecht, 26

Tätigkeiten die zur Arbeit gehören sind grundsätzlich Arbeitszeit und zu bezahlen. Du machst das auf Anweisung des AG und nicht zum Privatvergnügen.

Zur Begriffsbestimmung der Arbeitszeit sagt Prof. Dr. Peter Wedde im Arbeitsrechtkommentar zum § 2 Arbeitszeitgesetz:

"Zur Arbeitszeit gehören auch Vor- und Abschlussarbeiten, Vor- und Nachbereitungen des Arbeitsplatzes oder andere Tätigkeiten, die durch die Organisation des AG veranlasst sind, wie etwa das abschließende Bedienen der am Arbeitsende noch in einem Geschäft anwesenden Kundschaft, das An- und Ablegen von Dienstuniformen, Waschzeiten usw.

Die Arbeitszeit beginnt und endet im Regelfall am Eingang des Betriebs".

Soweit die Rechtslage. Was Du jetzt damit anfängst ist Deine Sache. Recht haben ist eines, wenn Du Dein Recht allerdings durchsetzen willst bezweifle ich, dass Du dort noch lange arbeiten wirst. Wenn man Dir nach Deiner (berechtigten) Forderung die Zeit bezahlen würde, müsste man das auch bei den anderen AN die diese Vorgehensweise schon jahrelang dulden ohne sich zu wehren, da diese sich dann auch melden würden.

Wenn Du noch keine sechs Monate dort arbeitest, greift das Kündigungsschutzgesetz i.d.R. nicht (auch nicht in Kleinbetrieben mit nicht mehr als 10 ständigen Vollzeitkräften) und man wird wahrscheinlich sehr schnell auf Deine Arbeitskraft "verzichten". Vermutlich bist Du auch noch in der Probezeit und da wird man Dich sehr einfach los.

Kommentar von Hexle2 ,

Danke fürs Sternchen

Antwort
von metodrino, 37

15 Mins zur Kasse einzählen? Na in der Zeit trinkst du noch einen Kaffe oder?

Die 15 Minuten sind die sogenannte Rüstzeit. Wie und ob diese bezahlt wird hängt davon ab wie dein Vertrag aufgebaut ist.

Ich kenne Unternehmen in denen werden die in der normalen Stundenerfassung nicht aufgeschrieben, trotzdem bei der Buchhaltung später ausgezahlt. Teilweise nur die Rüstzeit die nach/Vor Ladenschluss stattfindet.

Alles in allem, ist das im Handel normal...wer sich deswegen aufregt sollte sich einen anderen Job suchen.

Kommentar von metodrino ,

Dringende Vor- und Abschlussarbeiten, Aufräumungsarbeiten und
Kassenschluss sind als Ausnahmen über die vereinbarte oder festgelegte
Arbeitszeit hinaus zu leisten.


Die hierfür erforderliche Zeit darf 10 Minuten täglich
nicht überschreiten.


Sie ist ohne Mehrarbeitszuschlag auszugleichen.


Aus dem Manteltarifvertrag.

Darum haben wir uns früher bei sowas beeilt, wer dabei länger braucht ist selber Schuld.

Kommentar von ByeByeBoy ,

Insgesamt wesentlich über 10 Minuten. + Warten auf die anderen Mitarbeiter

Kommentar von ByeByeBoy ,

Ja okay, da ich neu bin kann es sein, dass das Geld zählen (bzw. Abwiegen) vor der Arbeit normalerweise keine 15 Minuten dauert.

Aber nach der Arbeit muss ich erstmal das Geld einzeln wiegen (5 Minuten, da unser Gerät nicht das schnellste ist), anschließend das überschüssige Geld (alles über 600€) ordentlich weglegen, dann die Differenz berechnen, dies manuell in eine Liste eintragen (Differenz, A-Storno, Sofort-Storno, Bon-Abbruch etc.) und die Leergutwerte abgleichen.

Das dauert bei jedem Mitarbeiter etwa 15 Minuten.

Ich meine es ist doch nur logisch, dass wenn meine Arbeitszeit um 21 Uhr vorbei ist - ich um 21 Uhr fahren darf. Teilweise muss ich dann noch 10 Minuten warten, da ein anderer Mitarbeiter noch abrechnet. => ich kann ca. erst um 21:25 fahren.

Kommentar von metodrino ,

Dann bereite deine Kasse richtig vor. Zeige deinen Kollegen wie man eine Kasse richtig vorbereitet. Dann geht die Abrechnung schneller und man ist eher aus dem Laden draußen...selbst per Hand zählen brauche ich keine 15 Minuten...mit einer Geldwaage ganz sicher nicht..

Wenn die Arbeitszeit um 21.00 endet hast du die Nacharbeit zu leisten, wenn du dafür länger brauchst solltest du dich beeilen.

Das man auf Kollegen wartet gehört zum guten Ton, gerade Abends hat dies auch etwas mit Sicherheit zu tun ;)

Wenn mehrere Kassen nach Ladenschluss abgerechnet werden würde ich auch eher Fehler im Tagesablauf suchen. Wieso werden die überschüssigen Kassen nicht schon vorher abgerechnet?

Ich vermute eure Vertretungskräfte/Schließkräfte sind nicht auf Zack. ...

Antwort
von Cokedose, 20

Kurz und knapp: Jede Arbeit die der AG von dir fordert und die du leistest, so auch notwendige Vor- und Nacharbeiten, sind Arbeitszeit und entsprechend zu vergüten.

Antwort
von weelah, 38

Hallo,

die Kasse  abrechnen ist Bestandteil deiner Arbeit und hat entsprechend entlohnt zu werden.

Normalwerweise holt man sich Rat bei dem zuständigen Gewerkschaftssekretär.

Du kannst auch den Geschäftsstellenleiter fragen ob er den Mitgliedsantrag drei Monate vor datiert - muss er aber nicht. Dann hättest du den Rechtsbeistand auch dabei.

LG

Kommentar von Nightlover70 ,

Soll der Geschäfststellenleiter also betrügen ?

Kommentar von weelah ,

Warum soll eine vorzeitige Mitgliedschaft Betrug sein?

Bist du in der Gewerkschaft?

das ist übliche Praxis. Sogar meine Versicherung kann ich drei Tage zurück abschließen, wenn ich das will.

Dadurch wird niemand geschädigt, weil das neue Mitglied auch dann drei Monatsbeiträg nachbezahlt.

Schätze du bist/warst auch nie ein Kollege, weil du scheinbar überhaupt keinen Schimmer hast

Antwort
von Nightlover70, 19

Wenn es Dir nich passt wie Dein AG es handhabt, dann auch Dir doch einen besseren Job.

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