Frage von Fragelin0, 67

 Rechtsradikalismus, Femdenfeindlichkeit und Rassismus in Europa: Was bedeutet das?

Es ist ein allegemeines kontinentaleuropäisches Phänomen, dass rechtsradikale und fremdenfeindliche Parteien Zulauf erhalten.

Während in Westeuropa die Türken den Sündenbock für die anhaltende Krise machen müssen und der Ethnozentrismus sich als Religionskrieg tarnt, haben wir in Osteuropa, wo die Zigeuner und nationale Minderheit das Angriffsziel sind, teilweise offenen Rassismus (Ungarn, Slowakei, Rumänien).

Statt dass ich den Inhalt erzähle, lasse ich das lieber die Süddeutsche Zeitung tun.

Die ganze Studie kann übrigens hier als PDF heruntergeladen werden: http://dontknow.me/at/?http://www.fes.de/rechtsextremismus/pdf/Vom_Rand_zur_Mitt...

Ob diese Zahlen im einzelnen nun genau stimmen, will ich nicht diskutieren. Die Tendenz jedenfalls ist klar, und zwar nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa.

Mich interessiert vielmehr die Frage, wo diese Entwicklung herkommt, und wohin sie führt.

Die Herkunft kann man noch einigermaßen begreifen: Rechtsradikalismus, Fremdenfeindschaft und Rasismus kommen von Abstiegsängsten. Und dass es mit Europa abwärts geht, ist auch klar.

Aber warum wollen die Europäer diese Entwicklung noch beschleunigen?

Das kapiere ich nicht ganz.

Europa besitzt keine Menschen (Altenheim!), keine Ressourcen und kein militärisches Potential.

Es müsste doch eigentlich versuchen, mit der Welt im Frieden zu leben, das es durch Konflikte nur verlieren kann.

Ich glaube deshalb, die Europäer folgen derzeit einer Art Todestrieb. Sie wollen sich ins Unglück stürzen.

Wie seht Ihr das?

Antwort
von berkersheim, 15

Lassen wir mal Europa außenvor. Da hat jedes Land eine eigene Geschichte und das in Bausch und Bogen zu vermengen, halte ich nicht für sinnvoll. Bleiben wir bei Deutschland. 1945 total zerstört - das Ausmaß ist ja vielen jungen Leuten heute fremd, obwohl es Bilder davon gibt und man in vielen Städten Modelle der Ruinenstadt anschauen kann - hat sich Deutschland durch Fleiß und Arbeitssamkeit in Kürze wieder zu einem blühenden Land entwickelt. Von Todestrieb ist da nichts zu sehen, im Gegenteil. In den 50er Jahren wurden zusätzlich zum Aufbau ca. 6 Millionen Vertriebene Ostdeutsche integriert. Ab Mitte der 50er Jahre bereits, als in Deutschland die Wirtschaft brummte, gab es die ersten Anwerbeabkommen.

1955 Anwerbeabkommen mit Italien (Kabinett Adenauer II)
1960 Anwerbeabkommen mit Spanien (Kabinett Adenauer III)
1960 Anwerbeabkommen mit Griechenland (Kabinett Adenauer III)
1961 Anwerbeabkommen mit der Türkei (Kabinett Adenauer III)
1963 Anwerbeabkommen mit Marokko (Kabinett Adenauer V)
1963 Anwerbeabkommen mit Südkorea (Kabinett Erhard I)
1964 Anwerbeabkommen mit Portugal (Kabinett Erhard I)
1965 Anwerbeabkommen mit Tunesien (Kabinett Erhard I)
1968 Anwerbeabkommen mit Jugoslawien (Kabinett Kiesinger)

1964 wurde der millionste Gastarbeiter – Armando Rodrigues aus Portugal – feierlich vom damaligen Bundesinnenminister begrüßt.

Seit der Werbung in der Türkei 1961 sind etwa 1,6 Millionen Türken in Deutschland geblieben. Den meisten Deutschen ist gar nicht klar, in welchem Ausmaß Deutschland bereits seit Mitte der 50er Jahre Zuwanderungsland ist. Deutschland hat als reiches Land ein umfangreiches, weltweit einmaliges soziales Netz aufgebaut. Das kreiert einen Wanderungssog. Was daran ist neu.

Wurden bis in die 80er Jahre noch Migranten angeworben und war so in der Zuwanderung eine Steuerung, z.B. Anwerbestopp Anfang der 70er, änderte sich das ab den 90er Jahren in eine inzwischen top-organisierte Werberindustrie (Schlepperbanden), die sich die Werbung und Verbringung ins blumig geschilderte gelobte Land Deutschland gut bezahlen lassen. Auch die Problematik der Integration änderte sich vollkommen, abzulesen ab den 90er Jahren an den "Wäldern von Satellitenschüsseln". Seitdem musste man sich von der Heimat nicht mehr abnabeln sondern brachte sie per Satellitenschüssel und einheimischem Lebensmittelgeschäft und Gaststätten mit. Statt Integration wuchsen Parallelgesellschaften. Je größer der Unterschied zwischen "deutscher" und Heimatkultur, desto mehr. Bereits Ende der 90er Jahre gab es soziologische Untersuchungen, die vor dieser Entwicklung warnten. Integrationsprobleme gibt es nicht mit Migranten aus Fernost, wohl aber mit Menschen aus dem islamischen Raum, speziell aus Nordafrika.

Solche absehbaren und lange unter den Teppisch gekehrten Probleme machen den Menschen Angst. Wenn uns die Multikultis von grünlinks einreden wollen, der Islam sei friedlich, steht das in scharfem Kontrast zu Meldungen, dass islamistische Gruppen weltweit einen menschenverachtenden Terror ausüben. Allein 2015 zählte man bis zu 35.000 Tote, die auf deren Konto gehen. Inzwischen hat der Terror Europa erreicht und auch in Deutschland steigen die Kosten extrem, um dagegen vorzubeugen. Das sind alles Gelder, die nicht in Krankenhäuser, Schulen oder den Sport gesteckt werden können. So dumm sind die Leute nicht, dass sie sich da für dumm verkaufen lassen. Wenn dann trotz Medienmanipulation durchsickert, dass nicht nur in Köln bei öffentlichen Festen Frauen begrapscht worden sind, dass seit Jahren Saudi Arabien und die Türkei Moscheen in Deutschland finanzieren und dorthin ihre rückständigen Mullahs schicken, um über die Religion ihren antiquierten Islam zu verkünden, dann verlieren die Verschweigemedien natürlich an Vertrauen. Wenn sich die Grünen einerseits gegen Herrn Erdogan wenden und andererseits sein Treiben in Deutschland verschweigen, dann ist das eine unglaubwürdige gespaltene Haltung.

Ist Deutschland im Todesfieber? Teils ja, aber sie wissen es nicht. Vor allem die Wohlstandskinder, die keine Vorstellung mehr davon haben, wie ihr Wohlstand entstanden ist, von dem sie zehren, kuscheln sich in süßen moralischen Wattebäuchen einer Multikulti- und Willkommenskultur und ahnen nicht, dass sie sich selbst das Messer an den Hals setzen. Die Welt ist kein Friedenskartell. Das mag ihnen ihre Kuschelsehnsucht vorgaukeln. Doch die Welt ist ein Kampfplatz, und je mehr wir dazu beitragen, dass die Weltbevölkerung wächst, desto mehr erhöht sich das Kampfpotential und die Kuschelkinder stehen auf verlorenem Posten und halten sich fest an den verlogenen "Gutachten" der Gutmenschenpostille "Süddeutsche". Ich empfehle, sich das aufzuheben, damit man evtl. später eine Antwort hat, wie es soweit kommen konnte.

Antwort
von juergen63225, 3

Ich sehe weder die grosse Krise noch das fehlende Potential Europas.

Es gibt Probleme, die sind kompliziert, aber nicht grösser als zu früheren Zeiten, es geht der Mehrheit gut, aber die Steigerungsraten waren mal höher. Man kann sagen .. jammern auf hohem Niveau. 

Die Rechtspopulisten die es nicht nur bei uns gibt .. Trump, Erdogan oder Putin apellieren an die gleichen Gefühle .. 

Wer sich unwohl fühlt, weil er die Problem nicht versteht, weil die Zunkunft ungewiss ist Zukunft ist immer ungewiss !

der fällt auf solche Rattenfänger rein.

Das Rezept ist immer ähnlich:

Einfache Antworten auf komplexe Fragen

Ausgrenzen von Anderen, die Schuld sind

Antwort
von archibaldesel, 11

Meines Erachtens verknüpfst du Fakten und Thesen, die du selbst aufgestellt hast, aber auch als Fakten darstellst.

  1. Wer macht in Westeuropa denn Türken für die Krise verantwortlich?
  2. Welche Krise denn überhaupt?
  3. Wieso ist klar, dass es mit Europa abwärts geht? Deutschland hat die niedrigste Arbeitslosenquote und das höchste Wirtschaftswachstum seit Jahrzehnten. Der Bundeshaushalt ist ausgeglichen. Das hat es zuletzt in den 60ern gegeben. Ja, es gibt Probleme, aber eine Krise sehe ich in Deutschland bei weitem nicht. Wenn du Grieche oder Portugiese bist, gebe ich dir Recht.
  4. Europa hat eine hochentwickelte Infrastruktur und Unternehmen von Weltgeltung, die absolut konkurrenzfähig am Weltmarkt sind. Wie kommst du auf die Idee, Europa hätte keine Ressourcen?
  5. Von welchen militärischen Konflikten, die Europa bedrohen sprichst du?
  6. Was soll die Schwarzmalerei?
Kommentar von AMG38 ,

Zu den anderen Punkten möchte ich nichts sagen, aber was Ressourcen betrifft (damit sind nicht Geldressourcen sondern viel mehr Bodenschätze gemeint) hat er recht. Das ist darauf bezogen auch keine Schwarzmalerei

Kommentar von archibaldesel ,

Woher weißt du, was gemeint war?

Die Ressourcen ab Bodenschätzen waren in Europa seit jeher begrenzt. Das hat die Entwicklung  in den letzten Jahrhunderten nicht beeinträchtigt, genauso wenig wie die Japans.

Ich glaube aber auch nicht, dass das gemeint war, sondern die "menschlichen Ressourcen". Ich wollte eigentlich nur klar machen, dass es weitere wichtige(re) Faktoren, gibt.

Antwort
von quantthomas, 18

Diesen beschrieben  Todestrieb von Europa sehe ich nicht, aber einige Akteure die sich freuen würden, wenn Europa im Chaos versinkt.

Erdogan zum Beispiel, der die Tore der Flüchtlingslager, je nach Bedarf öffnet oder schließt um seine Machtinteressen durchzusetzen.

Und da wäre auch noch der große Stratege Putin, der sehr viel vom Chaos profitieren würde um seine Geopolitische Einflüsse zu erweitern. Nicht mehr mit vermummten Scharfschützen wie auf den Dächern von Kiew, sondern sehr subtiler. 

In wichtigen Ländern rechte und linke Ränder der Parteienlandschaften etwas unterstützen und schauen was passiert. 

Der Eskalierende Streik in Frankreich und der drohende  Brexit in Großbritannien kamen nicht von ungefähr und werden Putin zum Lächeln bringen. 

Kommentar von AMG38 ,

Machtinteressen hat auch Europa. Es ergibt keinen Sinn auf Fehler der anderen hinzuweisen wenn man selbst kein Stück besser ist. Alle führen Machtpolitik

Antwort
von AMG38, 14

Eines der Probleme in Europa ist die Tendenz, immer mehr wie die USA die Weltpolizei und Moralapostel des Planeten spielen zu wollen, indem ständig mit erhobenem Zeigefinger über Nachbarn gemeckert und krampfhaft versucht wird, die eigenen Werte aufzuzwingen bzw. sie als Maßstab nimmt.

Dieser Trend nimmt immer weiter zu und aktuell vermehrt sich auch der Rechtspopulismus.
Europa hat einen sehr hohen Lebensstandard, das auf modernen Imperialismus basiert bzw seine Wurzeln darin hat. Sobald der Rest der Welt einen Aufstieg macht bzw. sich wirtschaftlich immer weiter entwickelt, wird es immer schwieriger den hohen Lebensstandard aufrechtzuerhalten.

Es wird zwar noch eine ganze Weile dauern, aber irgendwann ist nicht mehr mit in China produzieren und hier verkaufen oder Waffen mit Doppelmoral an beide Seiten verkaufen.

Europa ist auf Führungsebene sehr hinterhältig, doch glücklicherweise ist die Bevölkerung anständig, jedenfalls der Großteil.

Antwort
von thetee99, 28

Ich denke, viele Bürger Europas empfinden die EU als erzwungen und fühlen sich evtl. übervorteilt. Das Deutschland die europäische Gemeinschaft so starkt vorangetrieben hat, als "Exportweltmeister", ist auch klar ;) Aber die wirtschaftsschwachen Länder haben unterm Strich auch was davon und man sieht wie Portugal, Italien etc. davon profitiert haben.

Letztenendes geht jede große Veränderung mit Unzufriedenheit der Konservativen einher... selbst die "Vereingten Staaten von Amerika" haben erst gegen die Engländer und später gegeneinander Krieg geführt, bevor sie "vereingt" waren ;)

Antwort
von atzef, 5

Nein, dein Glaube liegt hoffnungslos daneben.

Ergoogel dir lieber Umberto Eccos Essay Urfaschismus und nimm zur Kenntnis, dass in Osteuropa der Rechtsextremismus aus dem Schoss des totalitären Stalinismus hervorgekrochen kommt.

Antwort
von marylinjackson, 12

Mit diesen Schlagworten äffst Du nur nach, was die Politiker vorgeben. Kapiere doch:

Die geopolitische NATO-Taktik war und ist Voraussetzung für die jetzige EU-Politik. Die Ukraine und Türkei sollen auch noch hinzu kommen, aber da  werden sich diese Strategen übernehmen.

Jetzt ist man "am Ende der Fahnenstange" angelangt.

Wachstum und Machtvergrößerung für die Reichen, das "Fußvolk" wird polarisiert und zerstritten. Es merkt gar nicht mehr, wie es veräppelt wird, wenn es ständig mit diesen Schmähungen gegen die "Bösen" konfrontiert wird. Nach dem Motto: schuld sind immer die anderen.

Antwort
von voayager, 9

Es gibt da keinen Todestrieb, indes einen tendenziellen Fall der Profitrate, ausgelöst durch die technische Revolution all der zurückliegenden Jahre. Da nun also Europa wirtschaftlich schwächelt, die Konzerne nicht genug Profite einfahren, wird die EU als Teil der NATO halt immer aggressiver. alles erinnert an die Zeit vor dem WK I. Dabei ist Deutschland wieder mal dabei Großmannsgelüste zu befriedigen, schielt erneut nach einem Platz an der Sonne. Der eigne Imperialismus soll also mal wieder aufgemöbelt werden.

Antwort
von Vierjahreszeit, 16

Ich kenne niemanden, der einen "Abwärtstrend" in Europa beschleunigen will. Was soll die Aussage "Europa besitzt keine Menschen (Altenheim!), keine Ressourcen und kein militärisches Potential". Oder: "Es müsste doch eigentlich versuchen, mit der Welt im Frieden zu leben, das es durch Konflikte nur verlieren kann." Oder: "Ich glaube deshalb, die Europäer folgen derzeit einer Art Todestrieb. Sie wollen sich ins Unglück stürzen."?

Das sind Behauptungen, die aus der Luft gegriffen sind. So etwas kann nur jemand machen, der sich nicht mit der Politik beschäftigt. Ansonsten würde er feststellen, dass unsere Politiker täglich versuchen, die politischen Brandherde der Welt zu bekämpfen. Aber es kann niemand in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt. Du solltest den Blick über den Tellerrand hinaus wagen, und nicht nur die Unzulänglichkeiten in Deutschland oder Europa sehen. Deinen moralischen Fingerzeig benötigt die Gemeinschaft in Europa nicht, sondern positives politisches Engagement!

Antwort
von bobiksasoso, 18

Diese ganzen Faktoren - Nationalstolz, Parteien usw.

Dieser Hass den man auf Nation XY oder allgemein Ausländer (Muslime usw usf) hat wird durch politische Parteien sprich AFD angekurbelt

Aber Deutschland ist damit kein einzelfall, Nazis gibts überall auf der Welt, in der Türkei doch auch, da ist die Problematik der Konflikt mit den Kurden, in Armenien hat man wiederum hass auf Türkei.. Das ist ein ständiger Teufelskreis der solange existiert, wie die Menschheit existiert, weil sich nicht einmal Tiere so verhalten.

Ich war auch so ein Idiot, aber ich hab gelernt zu lieben, statt zu hassen

Antwort
von Laminatdealer, 30

die kommt daher, dass die ganze lüge von den überaus riesigen vorteilen von ungezügelter einwanderung, selbst blinde nicht mehr glauben können

und medien und politik lügen fröhlich weiter

die menschen kommen sich vera5scht vor und wählen die, die tacheles reden


Kommentar von AMG38 ,

Niemand behauptet, dass eine ungenügelte bzw unkontrollierte Einwanderung "riesige Vorteile" mit sich bringt. Alles unkontrollierte auf der Welt ist schlecht (Damit meine ich nicht die Kontrolle der Privatsphäre etc pp) Aber das vom TE eröffnete Thema auf Einwanderung zu begrenzen verdeutlicht nur die Inkompetenz, über den Tellerrand zu schauen. Es gibt Länder die weit aus mehr Flüchtlinge aufgenommen haben als Europa zusammen. Wenn Europa zusammenbricht, dann definitiv nicht wegen Einwanderern. Wie Paranoid muss man sein sich von einer absoluten Minderheit bedroht zu fühlen.

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