Frage von Zamasu, 56

Rechtsanwalt verlangt Anwaltsgebühren, da Schuldner in Verzug gekommen ist da Anfragen für Nachweise erst Wochen später beantwortet werden?

Hallo liebe Community!

ein bekannter Rechtsanwalt  aus Hamburg hat mir am 07.09.2016, 6 Mahnschreiben datiert auf den 06.09.2016 zukommen lassen, in welchem mir mitgeteilt wird das für einen genutzten Online-Dienst die Abbuchungen nicht durchgeführt werden konnten. Die Fristsetzung hierbei ist auf den 19.09.2016 festgelegt.

Da es mir anfangs nicht möglich war, zu unterscheiden welche Zahlungen vom Anbieter abgebucht werden konnten und welche nicht, wurde der Rechtsanwalt am 8 September per Email kontaktiert mit der Bitte doch die Transaktions-ID zu nennen, welche nicht abgebucht werden konnten.

Am 13. September erinnerte ich den werten Herrn RA  nochmals daran das ich bislang nichts von Ihm gehört habe und doch die Transaktions-ID benötige um nachprüfen zu können ob der Anspruch seines Auftraggebers gerechtfertigt ist oder nicht. Ebenfalls wurde ihm mein Wiederspruch gegen die Forderung mitgeteilt, das ich kein Geld ohne Nachweis seinerseits bezahlen werde.

Die erste Antwort erhielt ich am 22 September, also 3 Tage nach der Fristsetzung, und in dieser Antwort wurden mir nur die Aktenzeichen mitgeteilt, welche mir durch die Mahnschreiben ja sowieso schon bekannt sind. 

Am 25 September wurde der Rechtsanwalt erneut angeschrieben mit dem Hinweis das mir seine Aktenzeichen schon bekannt sind und ich nach den fehlgeschlagenen Transaktions-ID gefragt habe.

Am 13. Oktober nun wurde mir mitgeteilt das die von mir geforderten Transaktions-ID sich im Zahlensalat der Aktenzeichen verbergen. Da ich dies nun endlich nachvollziehen konnte und mit der Bank es klären konnte, wurde es dem Herrn Rechtsanwalt am 15 Oktober mitgeteilt das ich es mit der Bank klären konnte, und die ausstehenden Zahlungen bereits von meinem Konto überwiesen wurden, was mir am 19 Oktober auch per Email vom Auftraggeber bestätigt wurde, obwohl das Geld auf das Konto des Rechtsanwalts gezahlt wurde.

Nun ist es so, das ich nach Überweisung der offenen Forderung erneut 6 Mahnschreiben erhalten habe, in welchem mir nun zusätzlich pro Mahnschreiben 34,25€ Gebühren für den Rechtsanwalt zur Last gelegt werden, insgesamt also 205,50€ welche neben der Hauptforderung zu begleichen wären

Im Schreiben wird genannt, " Sollten Sie den geforderten Betrag innerhalb der gesetzten Frist bereits vollständig gezahlt haben, können Sie mein heutiges Schreiben als gegenstandslos ansehen".

Gegenstandswert der fehlgeschlagenen Transaktions-ID ist jeweils 43,49€ , dazu kommen nun jeweils 34,25€ an Anwaltsgebühren für seine in Massen gefertigen Briefe.

Wie soll es mir möglich sein innerhalb der einmalig gesetzten Frist zu agieren, wenn die erste Antwort des Rechtsanwalts erst nach dieser Fristsetzung kommt? Müssen diese vom Anwalt veranschlagten Kosten übernommen werden, wenn ich bei zeitnaher Beantwortung innerhalb der Frist den offenstehenden Betrag hätte begleichen können?

Antwort
von mepeisen, 17

1. Der Anwalt hat gegen §43d BRAO verstoßen.

Ich würde eine Beschwerde bei der für den Anwalt zuständigen Anwaltskammer stellen, dass er sich mehrfach geweigert hat trotz wiederholter Aufforderung, Details zum Vertrag und der Forderung mitzuteilen.

2. eine entscheidende Information fehlt. Du hast es also mit der Bank klären können. Per wann war es denn bereits bezahlt? Bevor sich der Anwalt gemeldet hatte oder erst danach?

Der Zeitablauf ist bei den Fragen, ob die Kosten des Anwalts von dir erstattet werden müssen, durchaus wichtig.

Wenn du erst später bezahlt hast: Die Zahlung von dir war jeweils mit oder ohne Anwaltskosten?

3. Anwaltskosten erhöhen sich nicht, nur weil er zehn Briefe für dieselbe Sache schreibt. Wenn du die Anwaltskosten bereits mit gezahlt hast bei deiner Überweisung, ist es egal, wie viel Briefe er noch schreibt. Ändert nichts.

4. Wenn ein Gläubiger gegen denselben Schuldner am selben tag 6 Forderungen bei einem Anwalt einreicht, muss er das normalerweise zur selben Angelegenheit zusammenfassen und darf seine Anwaltsgebühren nur einmalig fordern.

 

Kommentar von Zamasu ,

Hallo, vielen Dank für die Antwort.

Die Information um welche Transaktions-ID es sich handelt war mehr oder weniger schon im ersten postalischen Schreiben (danach nur Email-Verkehr) in den Aktenzeichen versteckt, was für mich nun aber nicht ersichtlich war, da ich ansonsten gar nicht hätte nachfragen müssen.


Die Überweisung wurde von mir veranlasst, bevor das 2te Mahnschreiben des Rechtsanwalts (ohne auf den Email-Verkehr einzugehen) postalisch zugestellt wurde, dies geschah zwar am selben Tage, die Überweisung wurde aber faktisch getätigt, bevor mir die zweite Mahnung postalisch zugestellt wurde. 

In den ersten Mahnschreiben ging es nur um die Hauptforderung zuzüglich Lastschriftkosten und Mahngebühren. Von Rechtsanwaltskosten war in diesem Schreiben nichts zu lesen.

Dadurch bedingt erfolgte eine Zahlung ohne Rechtsanwaltskosten, da diese zum damaligen Zeitpunkt nicht existent waren. 

Kommentar von mepeisen ,

Dass die im ersten Schreiben nicht drin waren, bedeutet unterm Strich nicht zwingend, dass man sie nicht zahlen muss.

Entweder man geht auf Konfrontation und zahlt nichts.

Oder man zahlt eine einzige Gebühr für ein Schreiben einfacher Art (18€). Und das nur einmal und keine sechs mal.

Oder man zahlt alles.

Ich würde eventuell die 18€ zweckgebunden nachschieben, sollte sich der Anwalt nochmal melden, die Beschwerde an die Anwaltskammer schicken und dem Anwalt antworten "Werter Anwalt. Ihre massiven Verstöße gegen §43d BRAO wegen mehrfacher Verweigerung, mir die Informationen über die Forderungen zu liefern, wurde der Anwaltskammer angezeigt. Sie haben von mir eine einzelne Gebühr für ein Schreiben einfacher Art erhalten. Mehr sieht das RVG für das, was sie gemacht haben, nicht vor."

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