Frage von carobauer, 170

Rechtliche Frage zu Pflichtanteil?

Ein Vater hat 3 Kinder. Keine sonstigen Verwandten. Ein Kind wird zum Alleinerben bestimmt. Gründe werden im Testament nicht angegeben. Wird der Plichtanteil von 50 % unter die 'enterbten' Kinder verteilt (wie diese erwarten), ergibt sich eine Verteilung von 1/2 - 1/4 - 1/4. Mit anwaltlicher Beratung der Alleinerbin wurde jedoch verteilt: 3/6+1/6 - 1/6 - 1/6. Wer hat nun recht?

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Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von juristendeutsch, 114

Einen Pflichtteilsanspruch hat gemäß § 2303 Abs. 1 S.1 BGB nur, wer als Abkömmling (KInd) des Erblassers durch Verfügung von Todes wegen, also z.B. wie hier einem Testament, von der Erbfolge ausgeschlossen ist. § 2303 Abs. 1 S. 2 BGB regelt sodann die Höhe des Pflichtteils, wonach dieser in der Hälfte des gesetztlichen Erbteils besteht, was aus der Perspektive des jeweiligen Pflichtteilsberechtigten zu ermitteln ist: 

Wäre also kein Testament vorhanden, würden alle Kinder zu gleichen Teilen jeweils 1/3 erben - so reduziert sich der Erbteil der Pflichtteilsberechtigten auf jeweils 1/6. 4/6 verbleiben danach in der Tat bei der testamentarischen Erbin. 

-juristendeutsch-

Antwort
von Julsche71, 40

Die Pflichtteil Berechnung des Anwalts stimmt.

Du kannst die jeweilige Pflichtteilsquote zum Beispiel mit dem Pflichtteilrechner-Programm auf http://www.pflichtteilrechner.de nachprüfen.

Antwort
von sergius, 73

Die Frage wurde von juristendeutsch grundsätzlich zutreffend beantwortet. Er hätte nur hinzufügen müssen, was ich hiermit tun will, dass der Pflichtteilsberechtigte nicht etwa einen Erbteil in Höhe der Hälfte seines gesetzlichen Erbteils beanspruchen kann und somit anteilig am Gesamtnachlass beteiligt wäre. Vielmehr bleibt es bei der Alleinerbfolge des eingesetzten Kindes. Die beiden "enterbten" Kinder haben "nur" einen Geldanspruch gegenüber dem Erben in Höhe des Wertes der Hälfte ihres gesetzlichen Erbteils. Da dieser 1/3 betrüge, beläuft sich der Pflichtteil auf Geldbeträge von je 1/6 des Wertes des Gesamtnachlasses. Freilich könnten sich die Kinder darauf einigen, statt Geld bestimmte Nachlassgegenstände "in Anrechnung"  auf ihre Pflichtteile zu bekommen. Anspruch darauf haben sie aber auf keinen Fall; sie können nur Geld verlangen.

Antwort
von Herb3472, 106

Das kann man so wirklich nicht durchgehen lassen! Um jemanden zu "enterben", müssen wirklich triftige Gründe vorliegen, die auch genannt werden und nachvollziehbar sein müssen. Die normale Aufteilung wäre in dem vorliegenden Fall wohl 1/2 - 1/4 - 1/4. Eine andere Aufteilung ist für mich überhaupt nicht nachvollziehbar und würde ich (mit Hilfe eines Anwalts) beeinspruchen.

Kommentar von SaVer79 ,

Diese Antwort ist nicht richtig, und zwar aus zwei Gründen: erstens kann man selbstverständlich ohne besondere Gründe die Kinder enterben (bedeutet rechtlich, dass sie nur noch ihren Pflichtteil erhalten). Nur wenn man ihnen auch noch diesen Pflichtteil entziehen möchte, bedarf es außergewöhnlicher Gründe!

Zweitens: der Pflichtteil beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils, bei 3 Kindern wäre dieser 1/3. der Pflichtteil beträgt somit 1/6.

Kommentar von Herb3472 ,

Danke, wurde von juristendeutsch" schon eines Besserrn belehrt.

Antwort
von DerSchopenhauer, 32

Je Kind ein gesetzlicher Erbteil 1/3 - Pflichtteil 50% des gesetzlichen Erbteils:

50% von 1/3 = 1/6

= 1/6 Kind 1 - 1/6 Kind 2 - damit verbleiben 4/6 für Alleinerbin (Kind 3)

Was der Anwalt der Alleinerbin ermittelt hat, ist korrekt.

Expertenantwort
von imager761, Community-Experte für Recht, 64

Der Pflichtteil ist der zum Erbrecht hälftige Anspruch in Geld eines gesetzlich Erbberechtigten,  § 2303 I 1 BGB. http://dejure.org/gesetze/BGB/2303.html

Da jedes Kind zu 1/3 gesetzl. erbberechtigt am Nachlass seines Vaters war, ist die Berechnung des Anwalts korrekt: Die Plichtteilsberechtigten erhalten je 1/6 in Geld, der gewillkürte Alleinerbe 4/6 des Reinnachlasses, also das, was nach Abzug der Verbindlichkieten und Bestattungskosten vom Vermögen des Erblassers verblieb.

Diesen Anspruch müssen die Enterbten innerhalb von 3 Jahren ab Ende des Kalenderjahres gegen den Erben stellen, nachdem sie von ihrer Nichtberücksichtigung erfahren haben.

G imager761

Antwort
von Herb3472, 107

Danke für die Aufklärung! Hatte ich bisher auch offensichtlich immer falsch interpretiert.

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