Frage von webernils, 88

Realitätsverlust durch Beschäftigung mit Metaphysik?

Durch immer tiefergreifende metaphysische Überlegung bin ich zu vielen verschiedenen Schlüssen gelangt; unter anderem, dass das momentan etablierte System inhärente Ungleichheit besitzt und demnach per se Diskriminierung mit sich zieht.

Dies und vieles andere (ich möchte nicht den Rahmen sprengen) hat mich nach und nach dazu bewogen, oft des Nächtens länger, als gesund, wachzubleiben und über die Probleme und Hindernisse dieser Welt respektive Gesellschaft nachzudenken.

Mittlerweile fühlt es sich an, wie eine Derealisierung; wenn man aus dem Raster fällt, das einem durch die Majorität aufdiktiert wird, kann es sein, dass man den Bezug zur Gesamtheit verliert.

Ich möchte mich nun nicht lang und breit darüber beschweren, wie komplex das Leben ist und, dass es schwer sei, Gleichgesinnte zu finden, aber fragen, ob man einfache Übungen anwenden kann, um eventuell mit derlei - teils sehr - negativem Gedankengut umzugehen.

Antwort
von Georg63, 21

Mit geht es eher umgekehrt. Bei mir kommen depressive Gedanken auf, wenn ich mich mit der Realität der globalen Gesellschaftsprobleme zu sehr beschäftige. Dafür brauche ich nicht in irgendeine Metaphysik abschweifen.

Gerade wenn man den Bezug zur Gesamtheit herstellt, darf man sich zwischen Depression und Zynismus entscheiden.

Bei denjenigen die was zu entscheiden haben regiert leider der Zynismus.

Kommentar von Georg63 ,

fände es jedoch besser, Lösungsansätze zu finden. Auch, wenn dies eventuell gar nicht möglich ist.

Da fällt mir doch was ein ... kennst du Volker Pispers?

War letztens in seiner Show .... der labert nicht nur, der bringt echte gut recherchierte Lösungsansätze .... kannste bei YT sehen.

Antwort
von Gramling, 9

Hallo webernils, ich grüße dich.

Es ist schon ein Kreuz mit dem Denken. Da denkt man über das große Ganze nach und verliert darin sich selbst aus dem Blick.
Jenseits von aller Metaphysik denke einmal an das Folgende.

Wann und unter welcher Voraussetzung kann ein Mensch einem armen und schwachen Menschen helfen? (Arm und schwach sind hier nur metaphorisch gemeint.)
Er kann es nicht, wenn er selbst in der gleichen Situation wie der andere ist.
Er kann es, wenn er selbst in sich gefestigt, stark und kraftvoll ist.

Folge: Wie hilft Dir ein Bezug zum großen Ganzen, wenn Du zu Dir keinen Bezug hast? Lass dein Denken über die großen Zusammenhänge und werde selbst in Dir gefestigt, stark und kraftvoll. Du wirst dadurch die Welt nicht ändern können. Aber in deiner nächsten Umgebung wirst Du so manchem Menschen unter die Arme greifen und ihm helfen können. Das wäre schon ein guter Anfang.
Es gibt einen alten Zen-Spruch:
Vor der Erleuchtung holzhacken - nach der Erleuchtung holzhacken.

Zur Metaphysik: Sie beschäftigt sich mit dem großen Ganzen. Jedoch hat sie noch nie etwas erreichen können. Es sind Gedankengebäude die sagen: Was wäre wenn. Sie sind damit meist jenseits der tatsächlichen Geschehnisse in der Welt.

Ich grüße Dich und bleib gesund.

Antwort
von chris4king1, 36

Den ersten Satz hast du aber schön formuliert dafür kriegst du heute eine Sonne in dein Hausaufgabenheft geklebt. Hättest auch schreiben können: Durch die aktuelle (Welt-)ordnung wird ein Teil der Menschen ungleich einem anderen Teil der Menschen behandelt; aber das klingt nicht so wissenschaftlich und dann hättest du vielleicht mehr Antworten bekommen.

Du solltest dich mehr in Richtung Quantenphysik und Sozialwissenschaften weiterbilden. Einseitige Bildung insbesondere im Bereich der Metaphysik, führt fast immer zu schlechter Laune/Unzufriedenheit. Hab ich selbst schon erlebt. Wenn dir eine Lösung für alle Probleme dieser Welt einfällt, lass es mich wissen. Es gibt nie eine perfekte Lösung, fast alle Ziele der Gesellschaft/Philosophie stehen im TradeOff. . Und dann solltest du dir bei jeder Erkenntnis vor Augen halten, wie gut es dir geht und wie fantastisch es ist, dass du darüber philosophieren.

Kommentar von waldkunde ,

Seine Ausdrucksweise ist gut. Er soll sie auch in diese Richtung verbessern. Wenn du Anstoß daran findest, dass er seiner Formulierung Zeit schenkt, dann weiß ich nicht, was ich davon zu halten habe.

Kommentar von webernils ,

Dankeschön. Und zu den Einwänden bzgl. der Interessengebiete: Ich interessiere mich u.a. auch für Quantenphysik. Aber Wissenschaft mündet am Ende immer in der Subjektivität des Individuums.

Kernwissenschaften sammeln Fakten; Philosophie misst selbigen Werte bei. Natürlich kann das zur negativen Grundstimmung beitragen, sollte aber deshalb nicht verteufelt werden.

Antwort
von jgtrade, 35

Hey! Ich war überrascht als ich deine Frage las. Mir geht es nämlich genauso! Bei mir bezieht sich dieses Gefühl insbesondere auf die tatsächliche Außenwahrnehmung im Wachzustand. Ständig hab ich das Gefühl, nur durch eine Unsichtbare Wand auf die Welt zu schauen. Ob es am Schlaf liegt weiß ich auch nicht. Hättest du Lust ein bisschen hin- und herzuschreiben?

Kommentar von webernils ,

Durchaus nicht abgeneigt. Ich muss dazu sagen, dass dieses Derealisationserleben durchaus bei Schlafmangel intensiver wird.

Kommentar von jgtrade ,

Hast du denn einen Vergleich dazu wie du dich fühlst, wenn du ausreichend Schlaf bekommen hast? Ist dieser Zustand dann (wenn auch schwächer) immer noch merkbar vorhanden? Wann hat das, deiner Einschätzung nach, angefangen? Bei mir ist es so ca. seit einem dreiviertel Jahr.

Antwort
von Gronkor, 12

Ich frage mich, wieso man sich mit Metaphysik beschäftigen muss, um zu erkennen, dass unser politisches und wirtschaftliches System ungerecht ist. Die Verbindung würde mich jedenfalls mal interessieren.

Und als erstes würde mir dazu einfallen, ob Du nicht anfangen könntest, Deinen theoretischen Überlegungen auch praktische Konsequenzen folgen zu lassen - das heißt konkret, Dich für eine gerechtere Realität zu engagieren und Deine metaphysischen Erkenntnisse auch zu leben und nicht nur darüber nachzugrübeln.

Und wenn Du nach Übungen fragst, die Dir im Umgang damit helfen können, würde mir einmal das weite Feld der Meditationstechniken einfallen - so etwas kann einem helfen, sich mehr zu "erden" und entspannter mit den eigenen Gedanken umzugehen.

Außerdem gibt es noch allerlei Körperübungen - sei es so was wie Tai Chi, Qi Gong oder Yoga, oder eine Sportart - vorzugsweise eine, die Du alleine betreibst und kein Leistungssport. Vielleicht gehst Du joggen oder machst Gymnastik. So etwas kann denke ich auch helfen, etwas "aus dem Kopf" zu kommen und einen Ausgleich für die Grübelei zu bekommen.

Mir hilft Meditation und Qi Gong. Seit ich das betreibe, bin ich wesentlich mehr in der Balance. Aber ich denke, dass einem schon irgendeine Übung, die man täglich mit Disziplin durchführt, sehr helfen kann.

Wenn Du magst, kannst Du mich gerne anschreiben. Deine Probleme kommen mir sehr bekannt vor. Ich war auch lange Zeit so ein "Kopfmensch", habe es aber mit der Zeit glaube ich ganz gut geschafft, das zu überwinden.

Antwort
von sarahj, 14

Tja, da bist Du nicht allein...
Wir könnten ja einen Verein der "Anonymen Realisten" gründen.

Aber mal im Ernst: die Erkenntnis, daß die Welt verrückt ist, ist so neu nicht. Es ist wie in der Matrix, wo Sypher (nette Anspielung im Namen) wieder zurück will, und nichts mehr wissen möchte.
Man sollte sich darüber im Klaren sein, nicht aber daran verzweifeln, sondern damit umgehen und leben. Mehr geht eh' nicht. Halte Dich von Idioten fern, und such' Dir intelligente Freunde - damit ist schonmal viel gewonnen. Dann kann man immer noch gelegentlich mal einen reinziehen, philosophieren und dabei einen guten Tropfen geniessen (und/oder einen guten Braten...).

Ignorance is a bliss - das schreiben sie ja schon in der Bibel - aber ich bin nicht gläubig, also halte ich von dieser Segnung nicht viel.
;-D

Antwort
von JohnOldman, 31

Schalte ab und an RTL an, das verhindert denken... :)

Kommentar von webernils ,

Ich weiß deinen Zynismus zu schätzen, fände es jedoch besser, Lösungsansätze zu finden. Auch, wenn dies eventuell gar nicht möglich ist. Weshalb ich wohl so viel nachdenke. Ein Teufelskreis.

Kommentar von JohnOldman ,

Ich kann dir da mit Sicherheit keine auf dich zugeschnittene Lösung bieten und mit Sicherheit auch niemand anders hier.

Ich kann dir nur raten aus diesem Gedankenzyklon auszubrechen, da das oft nicht gut enden kann.

Denke da an Depressionen.

Kommentar von JohnOldman ,

Nach Kant gibt es auch Gesetzmäßigkeiten in der Metaphysik die man verstehen lernen kann. Denke da an "Metaphysik der Sitten".

Antwort
von CalvinSchneider, 19

derealisierung? nur weil viele nicht mehr denken als sie zum "überleben" brauchen heißt es ja noch lange nicht dass jemand wie du realitätsfern ist.

da viele (philosophische) fragen unlösbar sind hält es uns vielleicht etwas vom leben ab sich darüber den kopf zu zerbrechen, aber von einem tag auf den anderen zu leben ohne sich gedanken zu machen was es für einen sinn hat ist auch nicht unbedingt zielführend.
selig seien die "dummen"...

Kommentar von webernils ,

Eventuell würde ich oftmals tatsächlich meinen Intellekt für naive Freude eintauschen wollen. Danke für deine Antwort!

Kommentar von CalvinSchneider ,

kein problem, geht mir soweit sich das aus deiner frage erkennen lässt ähnlich

Antwort
von meierlink, 26

joa aber was ist leben?

was ist wirklichkeit?

der kopf einer toten katze ^^

Kommentar von JohnOldman ,

War das aus Batman ?

Kommentar von meierlink ,

american shaolin ^^

Kommentar von JohnOldman ,

Stimmt, der war super.... :)

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