Frage von liliho, 99

Reagiere ich vorschnell oder sollte ich mehr Geduld haben (Arbeitssuche)?

Hi, ich (27 Jahre alt) habe im Januar 2014 mein Studium beendet und war dann von März 2014 bis einschließlich Juni 2015 arbeitstätig. Mein Arbeitsvertrag lieft fristgemäß aus und seitdem habe ich Probleme eine Stelle zu finden. Erst wollte ich promovieren, aber nachdem ich auch bei diesen Stellen bis auf 2 Einladungen nur Absagen bekommen habe, habe ich das Thema Doktorarbeit jetzt komplett abgehakt und konzentriere mich nur noch auf die Industrie. Auch bei diesen Bewerbungen habe ich keinen Erfolg und wurde erst einmal eingeladen (Absage). Bei insgesamt ca. 75 Bewerbungen habe ich also 3 Einladungen gehabt... NUR.

Ich plane ab Mitte März eine zweimonatige Weiterbildung und hoffe, dass ich dadurch meine Qualifikationen in dem Maße verbessern kann, dass ich trotzdem noch irgendwie in "meiner" Branche unterkomme... Was die Stellenanzeigen betrifft erlange ich während der Weiterbildung zumindest Kenntnisse, die oft verlangt werden und die ich bis jetzt noch nicht habe. Der Haken ist halt, dass es auch nur eine Weiterbildung ist und ich deswegen keine Berufserfahrung in speziell diesem Bereich hätte.... aber gut. Jedenfalls habe ich geplant, mich nach der Weiterbildung noch ein paar Monate weiterzubewerben und falls ich dann immernoch so erfolglos bin, würde ich sogar eine Ausbildung in Betracht ziehen oder ein duales Studium.

Würdet ihr mir mit meinen 27 Jahren davon abraten eine Ausbildung zu beginnen oder ein duales Studium? Welche Nachteile könnte ich dadurch haben? Es wäre natürlich sehr schade um das ganze Geld, das während des Studiums drauf ging und meine Lebenszeit wäre auch verschwendet gewesen, aber ich halte den Jetztzustand einfach nicht mehr aus. Ich bin im 9. Monat der Arbeitslosigkeit und das ist so schrecklich für mich. Ich würde sofort mein altes Leben wegschmeißen und etwas Neues beginnen, wenn sich dadurch meine Chancen erhöhen würden...

Findet ihr, dass ich zu wenig Geduld habe oder wie seht ihr das? Ich kann meine Lage selbst nicht so ganz einschätzen.... viele sind ja jahrelang arbeitslos.... das würde ich nicht durchstehen....

Antwort
von rotreginak02, 16

Hallo liliho,

ich finde keineswegs, dass du zu wenig Geduld hast, denn so wie Dir geht es tatsächlich den meisten, die Molekularbiologie studiert haben: sie finden jahrelang keine qualifizierte Stelle, auch nicht mit einer Promotion, leiden und verzweifeln, und landen im schlimmsten Fall bei Hartz IV. 

Das liegt schlichtweg daran, dass tatsächlich schon ewig kaum Biologen gebraucht werden, auch wenn den Biostudenten gern vorgegaukelt wird, dass die Industrie auf sie wartet. 

Lies mal diesen Artikel, über "Sinnhaftigkeit des und Perspektiven nach dem Biologiestudium", der ist bereits von 2012 und heute nicht weniger aktuell:

http://www.studis-online.de/Fragen-Brett/read.php?104,1546198

Praktika bringen dich auch nicht weiter, im Gegenteil: du vergeudest noch mehr Zeit. Ich möchte dich wirklich nicht entmutigen, aber die Realität sieht leider so aus.

Also, versuche unbedingt, dich zeitnah umzuorientieren, eine Ausbildung ist da nicht das schlechteste.....auch im Bereich des Qualitätsmanagements gibt es nur wenige Stellen mit medizinisch-biologischem Schwerpunkt,  der Großteil der offenen Stellen richtet sich eher an Betriebswirte (Reklamationsabteilungen) und Ingenieure (Fertigungstechnik, Qualitätssicherung) mit Zusatzqualifikation Qualitätsmanagement.

Ich hoffe, ich konnte dir etwas helfen....

Antwort
von Coriolanus, 29

Wie wäre es - sofern finanziell möglich - mit einem unbezahlten Praktikum? Dadurch würdest Du wenigstens einige Berufserfahrung gewinnen. Mal unterstellt, Du hast eine berufliche Qualifikation in einem Bereich erworben, der üblicherweise normale Einstellungschancen bietet, dann dürfte es Fehler in Deinem Bewerbungsverhalten geben. Such´Dir einen Berufscoach (ehrenamtlich oder bei finanzieller Unterstützung auch gewerblich), der mit Dir Deine Berufsplanung und Dein Bewerbungsverhalten optimiert.

Kommentar von liliho ,

Es ist schon relativ normal, dass es länger dauern kann... allerdings haben all meine ehemaligen Kommilitonen in kürzerer Zeit als ich etwas gefunden und da denke ich mir, dass es so unmöglich ja doch nicht zu sein scheint, wie es überall immer heißt. Ich habe Molekularbiologie und Biochemie studiert. 

An Praktika habe ich auch schon gedacht, aber wenn man mal den finanziellen Aspekt außen vor lässt, habe ich schon von so vielen ernannten oder auch selbsternannten Bewerbungs"profis" und Coaches gehört, dass ein Praktikum nach einem Studium (und ich habe ja "sogar" schon fast 1,5 Jahre gearbeitet) als negativ empfunden wird. Praktika gehören in die Zeit des Studiums.... liest man überall. Ist aber in meinem Studiengang kaum realisierbar gewesen (was natürlich keinen interessiert, schon klar). Von mehreren Dutzend Kommilitonen kenne ich eine Handvoll, die das zeitlich gemanagt bekommen haben ein Praktikum durchzuführen.

Antwort
von reitzi65, 64

Es wäre interessant zu wissen in welchem Bereich du Arbeit suchst. Bzw. was du derzeit so anstrebst... vorher kann man kaum eine Aussage treffen.

Kommentar von liliho ,

Studiert habe ich Molekularbiologie und Biochemie und konzentriere mich jetzt auf Stellen im Qualitätsmanagement. Aus persönlicher Erfahrung scheint es mir so, als ob man als Biologe/Biochemiker so gut wie nur noch im Qualitätsmanagement unterkommt. In diesem Bereich mache ich auch meine Weiterbildung. Einmal zum Qualitätsbeauftragten und danach zum Qualitätsmanager.

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