Frage von basti94s, 70

RCD in Elektrowerkstatt?

Hallo, ich arbeite in einem mittelständischem Unternehmen welches eine E-Werkstatt besitzt. In dieser mache ich grade meine Lehre. Unter anderem auch andere Azubis...so jetzt zum Vorfall vor kurzer Zeit kam es vor das der andere Azubi eine unter Spannung stehende Flex repariert hat ( 230V AC 50HZ) und dann kurze Zeit später am Strom hing weil er vergas den Stecker vorher zu ziehen...so weit so gut....kam ins Krankenhaus etc. Er hatte beide Kontakte also L und N angefasst an einer Hand. Da wir keinen RCD vorgeschaltet haben konnte natürlich nichts auslösen...mein Meister war der Meinung der hätte wenn er drin gewesen wäre eh nichts gebracht weil er einen Kurzschluss verursacht hat durch seine Hand und der RCD nicht ausgelöst hätte ....ich bin der Meinung der RCD hätte unter Umständen dies verhindern können und frühzeitig abschalten können.... WAS MEINT IHR DAZU? Bin mal gespannt :) bitte am besten nur Elektrofachkräfte!

Antwort
von Peppie85, 20

das kann man leider so pauschal nicht beantworten...

einerseits hat der meister recht, der strom konnte ja ungehindert durch die hand fließen. andererseits ist der strom wie wasser. wenn er fließen kann fließt er auch... d.h. ein teil des stromes hätte auch gegen erde abfließen können. das hätte allerdings vorrausgesetzt, dass der betreffende azubi auch entsprechend irgendwo kontakt zur erde hätte haben müssen, wovon ich hier mal ausgehe...

stellt sich noch die frage, wie gut dieser kontakt war, ob das auch ausgereicht hätte um über die 30 mA die benötigt werden, um einen üblichen personenschiutzschalter auszulösen...

ich hatte das auch schon, dass es einfach nicht gereicht hat sprich mein innenwiderstand zu groß war.... im vorliegenden fall was aber auch ne reihenschaltung oben auf der leiter mein kollege, unten die liebe anna und dazwischen als verbindung die leiter (heißt ja auch leiter :-)

die leiter selbst stand auf gummifüßen, was allerdings nichts genztzt hat, da ich ja das element war, das die verbindung zur erdeung hergestellt hat...

jetzt werden einige aufschreien - was ist denn mit den sicherheitsschuhen? isolieren die nicht?

doch tun sie, aber es gibt da ja noch die kappazitive kopplung...

lg, Anna

Antwort
von electrician, 13

Was ist das denn für ein Geizkragen, der als Elektromeister (!?) in seiner Werkstatt keinen Personenschutz installiert?

Es gibt ja leider den Bestandsschutz, d.h. dass ältere Anlagen nicht nachgerüstet werden müssen. Ob die Berufsgenossenschaft das auch so sieht, wenn in einer Werkstatt Laien (Azubis sind keine Fachkräfte) Elektrogeräte öffnen und reparieren, müsste man mal dort erfragen. Die BG ist durchaus in der Lage, von ihrem Mitglied eine Nachrüstung zu fordern - zumal dann, wenn es bereits einen meldepflichtigen Unfall gegeben hat.

Eine gut ausgerüstete Werkstatt verfügt über eine Prüftafel mit Trenntrafo etc., so dass bei Berühren einer Phase erst gar kein Fehlerstrom über die Erde abfließt. Beim Berühren von L und N hat man allerdings immer die A....karte gezogen, da man nun selber zum Verbraucher wird und sich die Finger röstet.

Da ein 30mA-RCD i.d.R. bei ca. 70% (21 mA) auslöst, der Strom sich aber in diesem speziellen Fall über Neutral- und Schutzleiter aufteilt, kommt es auf die eigene Isolation gegen Erde an, ob der RCD überhaupt RCD auslösen kann. Ist man sehr gut isoliert, so bleibt man Verbraucher, bis man loslässt oder jemand den Stecker zieht.

Meine persönliche Meinung: In einer Werkstatt mit Azubis und offenen Spannungen gehören mindestens ein RCD ≤ 30 mA, ein Not-Aus-Schalter und ein Motorschutzrelais verbaut, damit jeder Azubi seine Lehrjahre unbeschadet überlebt. Und da man immer mit solchen Unfällen rechnen muss, sollte man von vornherein lieber gleich einen 10mA-RCD verwenden, was das Risiko minimiert.

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