Rauschunterdrückung bei aufnahme?

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6 Antworten

Wirklich "unterdrücken" kann man es wohl nicht, aber man kann es, je nach Signalquelle, vermeiden.

Störungen auf den Leitungen verhindert man durch hohen Ausgangspegel am signalgebenden Gerät, geringere Empfindlichkeit (Verstärkung/Gain) am signalempfangenden Gerät, niedrige Impedanzen, Verwendung geschirmter Leitungen, sowie symmetrische Signalführung.

Allerdings rauschen auch Mikrofonkapseln und Verstärker prinzipbedingt. Das lässt sich leider nicht vermeiden. Man sollte Instrumente daher so nah wie möglich mikrofonieren, damit das Mikrofon möglichst viel Schalldruckpegel abbekommt, bestenfalls so viel, wie es gerade soeben noch verzerrungsfrei wiedergeben kann. Dann am Mikrofonverstärker die Verstärkung entsprechend reduzieren, damit auch dieser nicht übersteuert. Die geringere Verstärkung wird zu einem besseren Rauschabstand führen.

Wenn es um die Aufnahme eines Instruments geht, ist es zudem möglich, ein so genanntes Noise-Gate zu verwenden. Das lässt nur dann ein Signal durch, wenn der Pegel über einem bestimmten (einstellbaren) Mindestwert liegt. Ansonsten schaltet es die Signalquelle stumm. Solche Noise-Gates kommen beispielsweise zwischen E-Gitarren und Verzerrern zum Einsatz. Der Verzerrer hat üblicherweise eine hohe Spannungsverstärkung, da es sich hierbei um eine Verstärkerstufe handelt, die absichtlich in den nichtlinearen Sättigungsbereich gefahren werden soll. Wenn der Gitarrist nichts spielt, würde das Eigenrauschen der Tonabnehmer durch den Verzerrer stark verstärkt werden. Das Noise-Gate verhindert dies. Es schaltet das Signal stumm, wenn die Saiten nicht (oder kaum) schwingen. Wenn der Signalpegel hingegen hoch ist, wird der Verzerrer ohnehin in Sättigung fahren und die Signalspitzen (die auch von Rauschen überlagert sein werden) "abschneiden" oder zumindest "komprimieren", sodass das Rauschsignal weitgehend verschwindet. So lassen sich Störeinflüsse beseitigen.

Ansonsten, bei Instrumenten, die in einem bestimmten Frequenzbereich "zu Hause" sind, kann man auch Filter verwenden, die das Spektrum beschneiden. Eine E-Gitarre beispielsweise kommt kaum höher, als 1.32 kHz (hohe E-Saite im 24-sten Bund). Alles darüber kann man daher getrost mit einem Tiefpassfilter "abschneiden" (oder zumindest stark bedämpfen). Eventuell verliert man ein paar Oberwellen (Harmonische), die aber gerade im oberen Bereich des Tonumfangs eines Instruments ohnehin kaum wahrgenommen werden und zudem durch den nachgeschalteten Verzerrer auch ohnehin wieder erzeugt werden. Für die "Ausgabe" des Verzerrers gilt das natürlich nicht, da dieser zusätzliche Obertöne erzeugt. Allerdings riegeln die meisten Gitarrenverstärker bei etwa 3 kHz ab. Darüber geben sie kaum etwas aus. Das bedeutet, wenn man einen Gitarrenverstärker mikrofoniert, dann kann man hinter das entsprechende Mikrofon getrost einen Tiefpass mit einer Grenzfrequenz von ~3 kHz schalten, ohne dass dadurch das Signal großartig verändert würde. Man wird damit aber Rauschen, das prinzipbedingt alle Frequenzen beinhaltet, vermindern.

Ebenso wird unterhalb von 82 Hz (tiefe E-Saite offen) kaum etwas passieren. Hier kann man das Signal also durch einen entsprechenden Hochpassfilter schicken. Damit kann zumindest auch die Grundschwingung des Stromnetzes (50 Hz) bedämpft werden. Ganz loswerden wirst Du Rauschen allerdings nie, es sei denn, Du nimmst eben sehr laute Schallquellen auf.

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Würde erst mal feststellen, wo die Rauschquelle liegt. Ein dynamisches Mikrofon rauscht bei etwa -65dB. Mit Hilfe der Boltzmann-Konstante kann man nachrechnen, dass ein dyn. Mikro mit einem Innenwiderstand von 200 Ohm mit 1,8 nV/√Hz rauscht. Das ist physikalisch bedingt und nicht vermeidbar.
Meistens rauschen die nachgeschalteten Mikrofonvorverstärker mehr als das Mikro selbst. Ein Großmembran-Kondensatormikrofon liegt da schon wesentlicher günstiger im Rauschen; bei richtiger Anssteuerung ist bei dieser Mikrofonsorte kaum noch ein Rauschen zu hören. Übrigens halte ich Röhrenvorverstärker oder solche mit Feldeffekttrasistoren für wesentlich besser klingend, als alles, was bipolare Transistoren enthält.

Den Frequenzgang zu begrenzen und gleichzeitig zu behaupten, eine E-Guitarre komme nur auf x (k)Hz, ist völliger Quatsch! Gerade die Obertöne eines Instruments bestimmen den Klang!
Wenn man bei Tiefton etwas abschneidet, beeinflußt das höchstens das Rumpeln, aber nicht das Rauschen. Die meisten Mikrofonvorverstärker übertragen ohnehin unterhalb von 20 Hz kaum noch etwas. Es gibt auch kaum natürlichen musikalischen Schall (außer vielleicht ein 32'-Register bei der Orgel) unterhalb von 20Hz. Ein Noisegate ist auch nur die letzte Möglichkeit, eine schlecht dimensionierte Verstärkerkette zu ver(schlimm)bessern.

Also zuerst die Aufnahmekette überprüfen, die Pegelverhältnisse feststellen und dann erst entscheiden, was zu tun ist. Nicht unnützes Gefasel ...

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Kommentar von TheStone
05.05.2016, 03:24

Ein Mikrofon mit 200 Ohm rauscht mit 0.25 Mikrovolt. Das entspricht in etwa -130 dBu. 

http://www.sengpielaudio.com/Rechner-rauschen.htm

Kondensator (und gerade Röhrenmikrofone) rauschen in der Regel dank aufgeladenem Transistor und nachgeschaltetem Impedanzwandler bedeutend lauter. Im übrigen halte ich Röhrenverstärker nicht für grundsätzlich wesentlich besser.

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Kommentar von hoermirzu
11.05.2016, 10:34

-65dB sind praktisch nicht mehr hörbar.

Um Wale zu schützen, sollten wir weniger sorglos mit unserem Konsumverhalten, Mülleinkauf umgehen.

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Was hast du denn für Mikrofone und Aufnahmegeräte?

Wenn Mikrofonaufnahmen stark rauschen, sind entweder die Mikrofone schlecht, oder der Eingangsverstärker oder es liegt eine Fehlanpassung zwischen Mikrofon und Verstärker vor.

Durch Nachbehandlung kann man Rauschen zwar reduzieren, aber nur auf Kosten der restlichen Tonqualität. Für gute Aufnahmen sollte man also weder bei den Mikrofonen noch beim Aufnahmegerät/ Vorverstärker zuviel sparen.

Wenn man sehr leise Geräusche aufnehmen will, zB Vogelstimmen, sollte man Mikrofone mit starker Richtwirkung nehmen. 

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Mikros rauschen nicht. Schaff ein ordentliches Mischpult und besseres Aufnahmegerät an.

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Kommentar von NoHumanBeing
26.04.2016, 17:22

Mikros rauschen nicht.

Mikrofonkapseln selbst haben sehr wohl Eigenrauschen.

Selbst bei meinem Messmikrofon ist das Eigenrauschen der Kapsel sehr viel stärker, als das des (relativ preisgünstigen) Mikrofonvorverstärkers, den ich verwende.

Bei Kondensator- und Elektretmikrofonen befindet sich auch ein Impedanzwandler direkt in der Mikrofonkapsel. Neben der Mikrofonkapsel befindet sich im Mikrofon zudem die Schaltung zur Symmetrierung des Signals. Auch das ist eine aktive Schaltung, die in der Regel auf Basis von Operationsverstärkern aufgebaut ist. Das sind alles Verstärker, die direkt im Mikrofon integriert sind und noch vor dem eigentlichen Mikrofonvorverstärker liegen. Diese rauschen natürlich ebenfalls.

Das kannst Du auch ganz einfach überprüfen. Schließe an Deinen Mikrofonvorverstärker/Mischpult/etc. keine Signalquelle an und dann drehe Gain/Volume auf Anschlag. Was Du dann hörst, ist das Eigenrauschen des Vorverstärkers. Der arbeitet schließlich auch, ohne dass eine Signalquelle angeschlossen ist. Das wird nicht viel sein. Dann schließe ein Mikrofon an, am besten ein Kondensator- oder Elektretmikrofon. Das Rauschen wird deutlich stärker werden.

Bedenke, dass Kondensator- und Elektretmikrofone meist sehr viel empfindlicher (mehr "Volt pro Pascal") sind, als dynamische Mikrofone. Auch wenn sie bei gleicher "Gain"-Einstellung stärker rauschen werden, so ist der Rauschabstand letztlich dennoch besser, als der von dynamischen Mikrofonen, weil sie eben auch deutlich mehr (Nutzsignal-)Pegel liefern und Du somit den "Gain" am Vorverstärker weiter zurückschrauben können wirst, als das bei einem dynamischen Mikrofon der Fall ist. Der höhere Signalpegel trägt zudem dazu bei, Störungen bei der Übertragung über das Mikrofonkabel zu vermeiden.

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Was hast du für ein Mikrofon und Mischpult?

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Kommentar von hoermirzu
27.04.2016, 11:20

Die Soundkarte darf man auch nicht vergessen.

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Du hast 2 (einfache) möglichkeiten. 1. Den Ton seperat aufnehmen und dann das rauschen im schnittprogramm unterdrücken. Oder 2. Du nimmst mit OBS auf und nutz drn integrierten Rauschunterdtücker 

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Kommentar von hoermirzu
27.04.2016, 11:19

Besser, die Ton-, Bildaufnahme ist perfekt!

Hinterher an Verständlichkeit oder Farb-Helligkeitskorrekturen arbeiten zu müssen, ist Murks!

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