Frage von derJonesy, 31

Rating-Agenturen haben große Macht, wieso werden sie nicht verstaatlicht?

Rating-Agenturen benoten ja die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Wertpapieren und Staaten. Besonders bei den Staaten kann eine schlechte Benotung schon riesige Probleme auslösen. Wieso werden die Rating-Agenturen also nicht, zumindest für die Bewertung von Staaten, verstaatlicht? Damit meine ich natürlich eine Verstaatlichung auf internationaler Ebene, d.h. alle Länder oder "größeren" Länder kontrollieren, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Denn im Moment sind sie privat und gewinnorientiert, d.h. sie tun alles um viel Gewinn zu machen, könnte diese Abhängigkeit somit nicht zu Problemen führen? Wären sie verstaatlicht wären sie finanziell unabhängig. Natürlich haben sie quasi die Pflicht vernünftige Prognosen zu stellen um vertrauenswürdig zu bleiben, allerdings ist die Macht leicht auszunutzen, man siehe auf die strukturierten Kreditpapiere, denen einfach im Überfluss die Bestnote gegeben wurde.

Was meint Ihr?

Antwort
von berkersheim, 24

Das ist politische Propaganda für Unwissende. An die Ergebnisse von Ratingagenturen kommen Normalbürger gar nicht ran. Die sind nur den Mitgliedern gegen Bares zugänglich und sehr umfangreich. Außerdem sind die Ratings der Agenturen nur ein Hilfsmittel der Akteure im Finanzbereich. Das Geschäft der im Finanzsektor Aktiven ist vor allem Informationen zu filtern. Da verlässt sich niemand nur auf die Ratingagenturen. Das ist das schiefe Bild einer Presse, die nur hin und wieder ein paar Zahlen veröffentlichen und damit den Horror heraufbeschwören. Wenn Ratingagenturen einen schlechten Job machen, verlieren sie ihre zahlenden Kunden.

Kommentar von derJonesy ,

In der Schule wurde gesagt, die Bewertungen würden kostenfrei veröffentlicht werden, das Geld kommt von Unternehmen, die eine Bewertung haben wollen... o:
Also quasi: Unternehmen zahlt Geld für Bewertung -> Bewertung wird veröffentlicht -> alle sehen ob das Unternehmen gut ist oder nicht

Sonst würde es ja kaum Sinn machen, dass ein Unternehmen für eine Bewertung zahlt, wenn das Ergebnis keiner sieht o.O

Kommentar von Pudelcolada ,

Volle Zustimmung!
Was passiert, wenn Rating-Agenturen ihre Arbeit "gut" i.S. des Sytems machen, kannst Du an Argentinien sehen:
Ein Zusammenspiel staatlicher Inkompetenz und Hilflosigkeit, Staatsverschuldung im Ausland, versuchter Umschuldung, Regierungswechseln, erneuter Hilflosigkeit und DANN:

Abwertung der gesamten argentinischen Volkswirtschaft durch solche Agenturen, erneuter Währungsverfall, erneut drohender Staatsbankrott.

Daraufhin sank der Wert der argentinischen Auslandsverschuldung in's Bodenlose (die Agenturen hatten ja zurückgestuft), eine Rückzahlung schien unmöglich, die Schulden wurden von Spekulanten zuerst für billig gekauft und vor einem kalifornischen (?) Gericht auf die volle Schuldenhöhe eingeklagt, nur wenige Tage vor Ablauf der Frist.

Ergebnis: Der argentinische Staat schuldet die volle Summe einem Haufen wilder Privatinvestoren, gerichtlich bestätigt, nachdem er von den Rating-Agenturen sturmreif geschossen wurde.

Ok, das ist jetzt sehr vereinfacht dargestellt, aber die Agenturen haben Argentinien letztendlich den Rest gegeben.

Kommentar von derJonesy ,

Was bedeutet der Teil in meinem Text eigentlich "Diese Ratings sind wichtig. Banken sind er Gesetz dazu verpflichtet, Kredite oder Anlagen entsprechend dieser Noten mit Eigenkapital zu unterlegen"
Ich dachte die Banken geben den Ländern Kredite also leihen ihnen Geld, da ist es doch klar, dass sie ihr Eigenkapital nutzen o.O

Kommentar von berkersheim ,

Ich würde allen empfehlen, den ausführlichen Beitrag Ratingagentur bei Wikipedia zu lesen, dann entfallen schon mal einige Aussagen. Des weiteren würde ich empfehlen, die Sache sachlich zu werten und nicht sich mit Weihwasser zu besprengen, weil man es mit dem Teufel zu tun hätte. Und wenn ein Land im Sumpf der Korruption versinkt wie Argentinien oder Brasilien, dann ist keine Ratingagentur an diesen Zuständen schuldig. Die warnen nur - und das ist ihr Job - Kreditgeber vor den drohenden Risiken. Ist jetzt derjenige zu verurteilen, der einen Dieb einen Dieb nennt? Da wird vor lauter Indoktrination die Realität vertauscht.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community