Frage von Agavendicksaft, 101

Signale 60 Lichtjahre entfernt?

Ich muss bald meine Gfs halten und mein Lehrer hat mir die Frage gestellt wie es möglich ist, dass die Erde vor rund 60 Jahren unbewusst Signale bis ins All gesendet hat (erste Radargeräte,....). Meine Erklärung war (Ich kann auch Falsch liegen), dass die Hochfrequenztechnik damals mit niedrigeren Frequenzen gearbeitet hat für die eine geringe atmosphärische Dämpfung vorliegt und sie deshalb eine weite Reichweite haben. Können diese nun sogar in 60 Lichtjahren entfernung noch messbar sein?

Expertenantwort
von uteausmuenchen, Community-Experte für Astronomie, 32

Hallo Agavendicksaft,

könnte es sein, dass Dein Lehrer auf Sputnik anspielt? Das war 1957

https://de.wikipedia.org/wiki/Sputnik

"Sputnik bewegte sich auf seiner Umlaufbahn zunächst in etwa 96 Minuten einmal um die Erde. Er verglühte 92 Tage nach dem Start, als er wieder in tiefere Schichten der Erdatmosphäre eintrat. (...) Die piepsenden Signale des Sputniks konnten in aller Welt empfangen werden."

Radar ist eigentlich deutlich älter.

Natürlich muss man sagen, dass wir eigentlich seit der Erfindung der Elektrizität ständig Signale ins All schicken. Die Nachseite der Erde zeigt deutlich künstliche Lichtquellen. Radio- und Fernsehsignale schicken wir auch schon länger los.

Grüße

Kommentar von derastronom ,

Schon möglich, Ute. Aber die Reichweite bei den paar Watt. Ich glaub eher, dass da ein SETI-Bezug gemeint ist (60 Lichtjahre ...)

LG

Antwort
von GanMar, 46

Was hat sich denn zwischen 1955 bis heute sehr verändert? Kabelfernsehen vielleicht? Oder die Frequenzen, auf denen gefunkt wird? Welche Funkwellen kommen problemlos durch die Atmosphäre?

Oder gab es vor 60 Jahren irgend etwas, was ganz bewußt "nach draußen" gefunkt wurde, heute aber nicht mehr oder zumindest weniger?


Antwort
von derastronom, 30

Unbewusst? ... Was Dein Lehrer dabei gemeint haben könnte (Betonung auf "könnte", nicht auf "hat" ...), ist das breite Aufkommen des Fernsehens und die dabei verwendeten Frequenzen.

Ab Ende der Fünfziger, Anfang der Sechziger etablierte sich das Fernsehen als Medium, obwohl die Geräte etwa Ende der Fünfziger Jahre noch empfindlich teuer waren.

Ich vermute, dass er dabei (auch) das durch leistungsfähige Sender genutzte VHF-Band I (kurz: Band I) gemeint haben könnte. Das ist bitte nur eine Vermutung. Die dabei genutzten Frequenzen im VHF-Bereich (=Very High Frequenzy) liegenzwischen 47 und 68 MHz.

Unterhalb von 50 MHz (MHz=Megahertz) ist die Ionosphäre für Radiowellen nicht besonders durchlässig, ein klein wenig "geht" schon ab 40 MHz.

Bei Radargeräten kommt es auf die verwendeten Frequenzen an, die schon nach dem 2. Weltkrieg teilweise recht hoch waren. Dennoch wurden auch extrem niederfrequente Radarsysteme genutzt (als Frühwarnsystem zur Erkennung von ballistischen, interkontinentalen Nuklearwaffenträgern). Man konnte dies seinerzeit sogar (bei besseren Radioempfängern) als knatterndes Geräusch "hören".

Hier wäre, falls er dies meint, etwas Recherche gefragt. Die bei militärischen Radar eingesetzte Abstrahlenergie war teils sehr hoch. Es gab sogar Zwischenfälle mit Opfern, die in die Nähe von Antennen mit Hochleistungsradar gerieten.

Zu Fernsehen und unbewusst Signale ins Weltall Senden gibt es noch den berühmten Gag aus dem Film bzw Roman "Contact", wo ein von der Erde stammendes Signal von Außerirdischen "zurückgeschickt" wird und die anwesenden Wissenschaftler ziemlich perplex Hitlers (frühes Fernsehen der Dreißiger, ca. 40 Mhz) Eröffnungsrede zu den Olympischen Spielen 1936 betrachten dürfen. Aber das war vor 80 Jahren und das Signal war eher schwach..

Generell: Es wurde schon relativ früh im 20. Jahrhundert mit verschiedenen Frequenzen und sehr unterschiedlichen Sendestärken allerlei an Radiosignalen abgestrahlt.

Übrigens gibt es naturgemäß keine empirischen Daten, was die Abschwächung von Radiowellen durch interstellare Materie (Gas, Staub) betrifft. Manche Wissenschaftler sind gestützt auf Modelle sogar der Meinung, dass alles an künstlicher Radioemission nicht nennenswert weit kommen kann, da die eingesetzten Energien zu gering sind.

Tolles Thema, aber Nachhaken wäre gefragt. Wenn Dein Lehrer ein breites Grinsen nach einer von Dir Frage aufsetzt, liegst Du vermutlich richtig. :-)

Beste Grüße!

Antwort
von ralphdieter, 30

Die erste bewusst ins All gesendete Nachricht war ein Morse-Signal aus Russland im November 1962, also vor gut 50 Jahren. Aber erst die Arecibo-Botschaft von 1974 hat mit 1 GW Sendeleistung eine Chance, außerhalb unseres Sonnensystems empfangen zu werden.

Im Roman Contact (1985, Film: 1997) von Carl Sagan entdeckt eine Radio-Astronomin ein Signal, das u.a. eine Fernsehaufzeichnung der Olympischen Spiele von 1936 enthält. Als Erklärung wird geliefert, dass dies eben das erste irdische Signal mit nennenswerter Leistung war. Es erreichte 25 Jahre später Wega und wurde dort prompt beantwortet.

Der Autor ist zweifelsfrei sachkundig, aber diese Erklärung ist dennoch ziemlich weit hergeholt: die damals verwendeten 40 MHz haben zwar eine Chance, die Ionosphäre zu durchdringen, aber die Sendeleistung war viel zu dürftig, um das Signal außerhalb unseres Sonnensystems vom Hintergrundrauschen abzuheben (die Sonne "funkt" ja auch etwas dazwischen).

Interessanter wird es ab 1949, als UHF (ab 300MHz) eingeführt wurde und Sendestationen mit bis zu 5 MW strahlten.

Sputnik sandte 1957 die ersten Signale von außerhalb der Atmosphäre. Aber die waren vermutlich gezielt auf die Erde gerichtet, und E.T. hat davon leider nichts mitbekommen. Der Film October Sky greift das Thema auf.

Fazit: Ich vermute stark, dass Dein Lehrer den Film Contact sah und sich die 60 Jahre daraus (seit 1936) gemerkt hat. Aber — falls Du noch etwas Respekt fürs Alter übrig hast — bitte geh' schweigend darüber weg, dass es inzwischen schon 80 Jahre sind. Sonst fühlt sich Dein Lehrer plötzlich sooo alt :-)

Antwort
von Herb3472, 35

Vor rund 60 Jahren, das wäre ca. 1956 bzw. im Jahr davor oder danach gewesen. Ich wüsste wirklich nicht, was ausgerechnet in diesem Jahr radiotechnisch so Besonderes gewesen wäre. Atomtests wurden vor und nach 1956 auch durchgeführt, und etwas Anderes, das außerordentlich starke Radiowellen in das Weltall gesandt hätte, fällt mir nicht ein.

Kannst ja selbst nachschauen:

http://www.wissen-info.de/ereignisse/1956.php

Antwort
von Hamburger02, 20

Darauf ging Harald Lesch auch schon mal ein und er bezog sich auf das aufkommende Fernsehen, das seine Signale auch ins All abstrahlt. Die ersten Fernsehsignale gingen vor etwa 60 Jahren raus und daher haben die sich bislang etwa 60 Lichtjahre von uns entfernt. Ob die stark genug wären, um von einer extraterrestrischen Zivilisation gemessen zu werden, ist eine ganz andere Frage.

Harald Lesch meinte, dass wenn eine andere Zivilisation unsere Signale messen würden, kämen sie womöglich auf die Idee, es gäbe außer ihnen noch anderes intelligentes Leben im All. Spätestens aber, wenn sie die Signale entschlüsseln könnten um zu sehen, welches Programm gesendet wurde, kämen sie aber ganz schnell zum Ergebnis, dass es wohl doch kein intelligentes Leben auf der Erde gibt.

Kommentar von Argon1 ,

So wie wir mehrere Telescopantennen miteinander koppeln könnten Ausserirdische mit entsprechender Technik, durchaus in der Lage sein mehrere Planeten mit Teleskopantennen verkoppeln und als Empänger zu verwenden.   Dadurch wird die Hörreichweite beträchtlich erhöht

Kommentar von Hamburger02 ,

Die Reichweite wird von der Lichtgeschwindigkeit vorgegeben. Damit breiten sich elektromagnetischen Wellen im Vakuum aus. Daher kommen sie in 60 Jahren genau 60 Lichtjahre weit.

Durch eine Verbreiterung des Basis kann man die Auflösung erhöhen und dadurch präziser messen, wenn denn die Signale die entsprechende Strecke zurückgelegt haben.

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