Frage von franzibalanci, 86

Pychiatrie oder Ausbildung - ich weiß nicht weiter.?

Hallo,

Ich bin zur zeit ambulant in Therapie wegen einer schweren depression in Kombination mit einer Angststörung und leichten paranoiden Merkmalen, was ich nun schon seit fast 3 Jahren habe. Es ist inzwischen so schlimm dass ich meinen Alltag nichtmehr richtig schaffe, zur Schule ( Azubi ) muss ich mich jeden Tag so sehr zwingen, dass ich richtige Panikattacken und Weinanfälle bekomme. (Und trotzdem habe ich schon etliche fehltage...) Jedoch ist mir meine Ausbildung trotzdem total wichtig, ich will schließlich auch mal wieder etwas erreichen! Meine Therapeutin möchte mich dazu ermutigen, mich wieder (wäre das 2te mal) in stationäre Behandlung zu begeben. Meine Schule vertritt aber die Ansicht, dass ich wählen muss. Ausbildung oder Psychiatrie. Ich bin übrigens 18 Jahre alt, und finde dass ich mich langsam wirklich weiterbilden muss, wenn ich in die Klinik gehe, würde wieder ein weiteres Jahr ins Land gehen.

Nun bin ich mit der Entscheidung vollkommen überfordert. Ich habe das Gefühl, zu versagen wenn ich nun schon zum zweiten mal eine wichtige Sache aufgeben muss ( denn bei meinem ersten Aufenthalt musste ich das Abi schmeissen)... Ich würde einfach gern wissen, ob es Leute gibt die eine ähnliche Entscheidung treffen mussten. Was habt ihr gemacht oder was würdet ihr an meiner Stelle vielleicht tun ?

Ich freue mich über jede Antwort!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von summersweden, 10

Also aus der Schule können sie dich nicht schmeißen. Das ist wie wenn du dir das Bein brichst und 8 Wochen im Krankenhaus bleiben musst. Du bist krank geschrieben. Darüber musst du dir keine Sorgen machen.

Ich würde dir empfehlen, in die Klinik zu gehen. Wenn du wieder gesund bist, kannst du dich immer noch bilden (oder sogar noch in der Klinik). Dann kannst du auch vielleicht das Abi nachmachen. Wenn man gesund ist kann man so viel mehr!

Ich hatte auch so eine Entscheidung vor mir. Matur (Abi) machen oder nicht (und ich war schon in der letzten Klasse). Es war einfach so viel. Ich mache jetzt zwar Matura (war aber auch eine harte Zeit), muss aber das Studieren aufschieben, da ich die Aufnahmetests wegen der Klinik nicht machen konnte. Aber auch andere Träume (zum einen meinen Berufswunsch) musste ich für den Moment aufgeben. Aber dafür kann ich, wenn ich wieder ganz gesund bin, dass alles immer noch machen. Und dieses Jahr unfreiwillige Pause hat für mich auch etwas gutes: ich wollte schon immer gerne ein Buch schreiben... 

Ich stell dir jetzt einfach einmal die härteste Frage: Was ist dir lieber: Entweder alles um ein Jahr aufschieben und dafür doch noch alles machen können, oder dich weiter quälen und vielleicht auch in Richtung Suizid gehen (kann bei Depressionen passieren)? Dann hättest du nichts von deiner Ausbildung. Das ist nur meine Ansicht. Daher würde ich dir raten, alles ein Jahr aufzuschieben. 

Sonst schlage ich dir noch etwas vor: Male dir einmal deine Zukunft in beiden Situationen aus (am besten zusammen mit jemanden). Was wäre gesundheitlich/beruflich/..., wenn du dich für dieses oder jenes entscheidest. Vielleicht hilft dir das.

Antwort
von einfachichseinn, 29

ich würde mal einen Juristen kontaktieren und nachfragen, ob es überhaupt erlaubt ist, dass dein Ausbilder sagt, dass du entlassen wirst, wenn du durch eine Krankheit ausfällst. 

Ich würde dir aber definitiv raten in die Klinik zu gehen. Du wirst so nicht glücklich werden und psychisch angeschlagen wirst du auch nicht das erreichen können, was du im gesundem Zustand erreichen könntest. 

Außerdem ist dein Ausbilder ein richtiger Idiot. Ich glaube mit so einem Menschen wirst du auf Dauer auch nicht glücklich werden. 

Lass dich behandeln, werde gesund und zeige der Welt dann, was alles so in dir steckt! 

Mal ein kleiner Exkurs: ich weiß weder in welchem Bundesland du wohnst, noch was du für eine Ausbildung machst, aber meistens gibt es in der KJP immer eine sogenannte Klinikschule.  Dort wirst du unterrichtet und in den meisten Fällen gibt es dort Lehrer für alle Schulformen. Wenn du eine schulische Ausbildung machst, kannst du also vielleicht auch einen Teil davon in der Klinik ableisten. 

Das kommt aber vor allem auf das Bundesland an, in dem du wohnst. Es gibt einige, wo Patienten bis zum 21. Lebensjahr noch in der KJP behandelt werden können. Und zu guter Letzt kommt das auch auf die Klinik an. 

Vielleicht rufst du da einfach mal an und fragst nach?

Vielleicht haben sie auch noch einen besseren rat für dich.

Alles Gute!

Kommentar von franzibalanci ,

Vielen dank für deinen Rat! 

So richtig sicher bin ich mir auch nicht, ob man das darf, aber im Moment versuche ich das einfach mal so hinzunehmen. Vielleicht waren sie nur abgeschreckt, nach dem was sie über meine Krankheit erfahren haben... Ich arbeite nämlich mit Kindern. Vielleicht sind da die Vorurteile schuld. Als psychisch kranker wird man oft in eine Schublade gesteckt.

Leider gibt es hier in Berlin und auch in Brandenburg keine Möglichkeit, mit 18 noch in eine Kjp zu kommen... (das finde ich auch irgendwie seltsam, aber naja...)

Kommentar von einfachichseinn ,

wie gesagt finde heraus, ob es erlaubt ist, gehe in eine Klinik, lasse dir helfen und versuche dann schnell einen anderen Ausbildunsplatz zu finden.

Antwort
von Buddhishi, 46

Hallo Franzibalanci,

ich suche gerade nach einem Mittelweg, dazu fehlen mir aber folgende Informationen: Was sagt Dein Ausbildungsbetrieb dazu? Wie lange würde die Ausbildung noch bis zur Abschlußprüfung dauern?

Wäre nett, wenn Du mir diese zwei Fragen beantworten könntest.

LG

Buddhishi

Kommentar von franzibalanci ,

Danke für deine Antwort.

Meine Ausbildungsstelle war zuerst richtig sauer und meinte, ob ich das nicht hätte vorher wissen können. Danach meinten sie, es lässt sich keinesfalls miteinander vereinbaren, denn dadurch würden meine Fehlzeiten zu groß werden und ich würde das Probejahr nicht bestehen. Bis zur Prüfung sind es noch knapp 2 Jahre.

Kommentar von Buddhishi ,

Okay, danke für die schnelle Antwort. Dann gibt es den Mittelweg leider nicht u. Du scheinst echt nur die Wahl zu haben.

Hast Du schon mal für Dich eine +/- Liste erstellt? Also was für die eine bzw. für die andere Lösung sprechen würde?

Kommentar von franzibalanci ,

Das ist leider wirklich schwierig für mich, denn aus meiner Sicht hält sich die Liste echt die Waage und meine Vertrauenspersonen sagen alle, es sei meine Entscheidung (ist es ja auch...) aber sie würden mir eher zur Ausbildung raten, weil ich bei der stationären therapie wieder so lang abgeschottet wäre und ich nach der Entlassung wieder tief fallen könnte. In meiner ersten Kinder und jugendklinik verzichtete man nämlich vollkommen auf rückfall Prophylaxe... das bekam ich schnell zu spüren

Kommentar von Buddhishi ,

Ich habe gerade auch die Antwort von 'Hundeliebhaber' gelesen. Info aus erster Hand. Was empfindest Du, wenn Du das liest?

Kommentar von hundeliebhaber5 ,

JA, geh in eine Klinik, und lass dich behandeln, bis du dich richtig fit fühlst. Deine Ausbildung kannst du vielleicht nicht machen, aber wenn du dann innerhalb von 3 Jahren 2 Stellen hast, wo du nur Frust hast, ist auch kein Geschenk.
Tu dieses eine Jahr erst mal langsam und deine Betreuerin (wenn du keine hast solltest du bei einer sozialen Einrichtung für psychisch kranke Menschen eine Anfragen - das Zahlt die Kasse) wird dir helfen, wieder eine Ausbildung zu finden.
Wenn deine Erkrankung chronisch ist (wie bei mir) dann solltest du lieber eine einfachere Ausbildung suchen. Schon was du magst, aber halt nicht so dass du nicht mehr weißt wo dir der Kopf steht.
Dann schaffst du die Anforderungen besser, hast weniger Frust und gehst gern in die Ausbildung und hast einfach mehr Spass am Leben.
Alles wird Gut.

ciao

Kommentar von franzibalanci ,

Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass es Leute gibt die auch vor solchen Entscheidungen standen. Als depressiver Mensch denkt man oft man steht allein da mit seinen ganzen Empfindungen - da ist es wirklich eine Riesen Erleichterung sowas zu lesen. Vielen lieben Dank für eure Ratschläge !

Kommentar von Buddhishi ,

Gerne Franzibalanci :-) Vorschlag: Schlaf mal eine Nacht drüber. LG

Antwort
von SquareMatrice, 38

Ich würde dir auch einen Mittelweg vorschlagen, vielleicht kannst du mehrmals in der Woche zur PIA (psychiatrische Institutsambulanz)der Klinik gehen und noch zusätzlich alles wahrnehmen, was möglich ist. Ruf mal bei deiner Krankenkasse an, die können da auch oft gut beraten.

Antwort
von DUHMHAITTUHTWEE, 31

Ich würde in die Psychiatrie gehen, weil wenn die Angst immer schlimmer wird & du nichts unternimmst , Kannst  du irgendwann gar nichts mehr machen (burnout..etc.)

Mach doch eine Liste , wo du die positiven & negativen Aspekte der Psychiatrie auflistest.
Und noch eine auf der du die Positiven &negativen Aspekte der Ausbildung auflistest :)
Ich hoffe ich konnte helfen:)

Antwort
von hundeliebhaber5, 25

Mir ging es ähnlich wie dir. Ich hatte auch starke psychische Probleme. Ich habe mich damals durch die Ausbildung gequält kann man schon fast sagen. 

Ich wollte auch unbedingt meine Ausbildung schaffen.

Dann hatte ich 2 Arbeitsstellen direkt hintereinander, die auch total anstrengend waren. 

Dann habe ich eine Tagesklinik besucht. Das hat mein Leben total erleichtert.

Ich wünschte mir heute, ich wäre damals gleich in die Klinik gegangen, dann hätte ich ein Jahr verloren. Aber den Stress, den ich jahrelang hatte, hätte ich mir gespart.

Ich rate dir: Geh in eine Klinik, nimm´ dir ein Jahr Zeit, nach dir zu gucken und dann kannst du wieder durch starten.

...meine Erfahrung.

Kommentar von franzibalanci ,

Danke für deine schnelle Antwort!  Deinen Rat werde ich mir zu Herzen nehmen. Ich bin froh dass es dir nun wieder besser geht, das macht mir Hoffnung.

Kommentar von hundeliebhaber5 ,

JA, geh in eine Klinik, und lass dich behandeln, bis du dich richtig fit fühlst. Deine Ausbildung kannst du vielleicht nicht machen, aber wenn du dann innerhalb von 3 Jahren 2 Stellen hast, wo du nur Frust hast, ist auch kein Geschenk.

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