Frage von Esxalon, 70

Psychotherapeut - wie läuft das da ab?

Bin 20, M, hab Schweißausbrüche, großes Problem. Hausärztin meint jetzt ich soll zu einer Psychotherapeutin. Auf dem Schein steht aber ich sei "depressiv", was nicht stimmt, aber was auch immer.

Wie läuft das da ab? Ist das genau so wie in den Serien/Filmen? Man setzt/legt sich da hin, die stellen irgendwelche bekloppten "wie fühlst du dich" Fragen und dadurch soll man sich dann besser fühlen? Ich glaube nicht, dass sich dadurch mein Problem lösen wird.

Lieber zu einer Frau oder einem Mann? Aus irgendeinem Grund hab ich das Gefühl mit einer Frau zu sprechen wird einfacher.

Antwort
von Dahika, 12

Nein, glaube nicht an Kino- und Fernsehfilme. Das ist halt Kintopp. Man liegt i.A. auch nicht auf der Couch, sondern sitzt dem/der Therapeutin gegenüber.

Ja, man wird immer wieder gefragt: "wie fühlst du dich jetzt." Und dabei geht es einem natürlich nicht gleich besser.  Aber diese Fragen sollen den/die Patientin lehren, wieder Zugang zu den verschütteten Gefühlen zu bekommen.

Oftmals bekommt der Therapeut schlimme Sachen zu hören. Aber solange der Patient nur darüber redet, ohne die dazugehörigen Gefühle zu haben, ist es nur mindfucking, das einen nicht weiterbringt. "Warum" man so und so geworden ist, weiß man meistens ja. Das Wissen darum bringt einem nicht viel.

Es kommt oft vor, dass der/die Patientin etwas erzählt, aber dabei einen gleichmütigen Eindruck macht. Ausdruck und Geschichte passen nicht zusammen. Der Therapeut kann dann fragen: "Was fühlen Sie jetzt, wo Sie mir das erzählen?" Die Antwort wird oft ein erstauntes "Nichts" sein. Dann kann der Therapeut weitergehen: Ich sehe, dass Sie beim Erzählen gelächelt haben. Was bedeutet das?" etc...

Darum ist wird man immer wieder vom Therapeuten  hören: "was fühlst du jetzt?" wobei des Aufgabe des Therapeuten ist, abzuwägen, ob er die Frage stellen darf. Denn sie kann die Tore zur Hölle öffnen. Allerdings werden die Patienten meist durch ihre eigenen Widerstände geschützt.

Wenn mir also in einer frühen Phase der Therapie jemand erzählt, sie/er sei vom Vater missbraucht und von der Mutter aus dem Fenster geworfen worden, werde ich nur sehr vorsichtig fragen: was fühlen Sie, wenn Sie das erzählen?" Vermutlich werde ich es in einer frühen Phase der Therapie sogar gar nicht fragen, weil der Patient die Antwort nicht aushalten könnte.

Antwort
von schloh80, 11

Bei einer Psychotherapie kommt es weniger drauf an, was deine Ärztin meint, sondern was DU meinst.

In Deutschland bedeutet eine kassenfinanzierte Psychotherapie (Richtlinientherapie), dass man von einem ausreichend stabilen, mündigen Patienten ausgeht, der sich gut informiert hat (Verfahren, Therapeuten) und der auch ein klares Anliegen an eine Psychotherapie und den Psychotherapeuten hat (sonst gibt es andere Angebote, wie die psychosomatische Grundversorgung bei einem Arzt, eine Behandlung in einer Ambulanz, einer Beratungsstelle usw., eine ambulante psychiatrische Behandung oder eben auch eine stationäre psychosomatische Rehamaßnahme oder eine stationäre oder teilstationäre Behandlung in einem psychiatrischen oder psychosomatischen Fachkrankenhaus etc.).

Ich würde dir empfehlen, dich erstmal zu informieren, ob eine Psychotherapie wirklich etwas für dich ist, ob du da ein Anliegen hast usw. (das scheint mir aufgrund deiner Darstallung nämlich eher nicht der Fall zu sein, so wie du das hier beschreibst).

Ansonsten würde ich eher davon Abstand nehmen und den Termin (und sei es auch nur ein Erstgespräch) jemandem überlassen, der (bereits) entsprechend motiviert ist.

Wenn es zu einem Termin kommt, dienen die ersten bis zu fünf Stunden der Klärung des Arbeitsauftrages, der Diagnostik und der Klärung formaler Faktoren, einmal, wie die Arbeitsbeziehung zwischen Patient und Therapeut ausschaut (hier auch Terminregelungen, Absageregelungen, Ausfallhonorar usw.) und dann vor Antragsstellung (Psychotherapie ist eine antrags- und genehmigungspflichtige Leistung!) nochmals die Prüfung, ob die Voraussetzungen (Indikation, gute Prognose, Motivation, Veränderungsbereitschaft, Mitarbeit usw.) vorliegen.

In der erten Stunde wird in der Regel der Arbeitsauftrag geklärt ("Was führt Sie her?", "Weshalb sind Sie hier?", "Wobei soll ich Sie unterstützen?" o.ä.) und die Symptomatik und deren Verlauf erfragt. Es gibt außerdem idR Raum, Fragen an den Therapeuten zu stellen.

Antwort
von rockylady, 12

nee, es ist nicht so oberflächlich wie im Film ..viel mehr geht man dem Ursprung auf den Grund, die Gespräche dienen dazu, dich zu reflektieren, nicht nur, dir zuzuhören ..und Wege zu ermitteln, mit denen es dir besser gehen wird. Wenn du jetzt schon weißt, lieber eine Frau, muss dazu ja nichts gesagt werden.

Antwort
von summersweden, 5

Normal ist das nicht so, wie in den Filmen. Es gibt zwar auch solche Therapeuten, aber so wird es nicht sein. 

Normal sitzt man sich gegenüber und redet einfach nur. Du erzählst, wie es dir so geht und was dir Probleme macht. Und dann versucht man gemeinsam eine Lösung zu finden. 

Es kann schon sein, dass man dich fragt, wie du dich fühlst. Oder auch Fragen zu deiner Vergangenheit können kommen. Es geht auch ein wenig darum, was eigentlich genau zu dieser Situation geführt hat. Muss aber nicht immer so sein. Zudem musst du keine Frage, die man dir stellt, beantworten.

Also ich kann (als Mädchen) besser mit Frauen reden, aber dass musst du selbst entscheiden.

Antwort
von utakoenig11, 12

HALLO ESXALON.  NEIN ES IST NICHT WIE IN DEN FILMEN.

Klar werden Fragen gestellt, aber auch nicht so wie im tv. 

Wenn du eher mit Frauen klar kommst, kannst du natürlich auch zu einer gehen. Du kannst dir auch verschieden ansehen und hören, musst nicht direkt bei der ersten bleiben. Wie genau das abläuft kann dir aber deine Krankenkasse genau sagen. 

Antwort
von nxxjxxv, 13

Nein, keine Angst, das wird nicht so wie in einem Film.

Bei mir lief das Ganze etwa so ab;

Ich kam in den Raum und machte es mir bequem. SIe fragte mich weshlab ich hier sei und so begann ich einfach zu erzählen. Anfangs hatte ich etwas Mühe aber mit der Zeit fühlte ich mich immer geborgener.

Gelernt habe ich mit der Situation umzugehen, bei dir wüsste ich jetzt nicht genau wie dir das ganze helfen wird, da ich nicht aus dem selben Grund dort war.

An deiner Stelle würde ich es ausprobieren, hast ja nichts zu verlieren.

Ich persönlich fühlte mich auch bei einer Frau viel geborgener.

Antwort
von heidemarie510, 12

Naja, irgendwas muss die Hausärztin ja auf die Überweisung ja schreiben, damit Du zum Therapeuten kannst. Er wird Dich erstmal kennenlernen wollen und Dir ganz viele Fragen stellen. Zu Dir selbst, zu Deiner Vergangenheit, Deinem Leben, Alltag, Kindheit, zu Deinen unbewussten Ängsten und wohl auch zu den Situationen, die Dich so sehr schwitzen lassen. Ihr müsst auch erstmal feststellen, ob es zwischen Euch funktioniert.

Ob Du wirklich Depressionen hast, das stellt ihr dann schon fest.

Der Therapeut wird versuchen, ganz viel aus Deinem Unterbewusstsein hochzuholen..das ist harte Arbeit, vor allen Dingen für Dich..Ich wünsche Dir viel Glück!

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