Frage von StormQ, 18

Psychopharmaka – Hilfe oder Gift?

Psychopharmaka – Hilfe oder Gift? Was denkt ihr ? Für mich ist das Gift,

Antwort
von eddiefox, 2

Hallo,

das ist eine oft und kontrovers diskutierte Frage.

Erstmal kann grundsätzlich jedes Medikament giftig sein, der Spruch "die Dosis macht das Gift" ist schon zutreffend.

Die Frage ist aber wahrscheinlich anders gemeint.

Viele Menschen sind der Meinung, dass Psychopharmaka "nur die Symptome" bekämpfen, aber nicht die Ursachen. Das stimmt nur zum Teil, denn psychische Krankheiten haben auch eine physische Komponente, z.B. ein Ungleichgewicht bestimmter Neurotransmitter im Gehirn.

Nun kann man darüber philosophieren, ob psychische Ursachen ein Ungleichgewicht der Neurotransmitter auslösen, oder ob ein solches Ungleichgewicht psychische Krankheiten hervorruft.

Beides ist möglich, auch Mischformen sind denkbar, wobei sich selbst Spezialisten über das Verhältnis der beiden Möglichkeiten nicht einig sind oder der aktuelle Forschungsstand noch keine genaue Auskunft darüber erlaubt.

Eine weitere Meinung ist, dass ein psychisch Kranker, der Psychopharmaka einnimmt, sich sozusagen vor der anstrengenden Ursachenforschung seiner Erkrankung drückt, sich aus der Selbstverantworung stiehlt.

Dem Psychopharmaka verschreibenden Arzt wird unterstellt, dass er diese Medikamente aus Bequemlichkeit verschreibt, da es mehr Arbeit ist, sich mit einem "anstrengenden" Patienten zu beschäftigen als ein Rezept auszustellen.

Zu der binären und spaltenden Frage "Hilfe oder Gift" mal eine Gegenfrage: was wäre an einer symptomatischen Behandlung schlecht?

Ein Schmerzmittel z.B. behandelt auch nicht die Ursache einer Krebserkrankung. Die Heilung der Erkrankung kann aber viel Zeit in Anspruch nehmen oder nicht mehr möglich sein. Trotzdem käme kein Arzt auf die Idee, dem Kranken eine Schmerzbehandlung (= Behandlung der Symptome) zu verweigern, weil diese die Ursache der Erkrankung nicht bekämpfte. Dabei steht es jedem Patienten frei, eine Schmerzbehandlung anzunehmen oder abzulehnen.

Schmerzen können so stark sein, dass manche Leidende versucht sind sich das Leben zu nehmen. Dabei ist nicht der Tod das Ziel des Kranken, sondern die Beendigung der Schmerzen. Eine symptomatische Schmerzbehandlung zu unterlassen wäre aus medizinischer Sicht nicht vertretbar. Auch die meisten Patienten möchten nicht mit starken Schmerzen leben.

Ähnlich verhält es sich auch bei psychischen Krankheiten und Krisen. Das psychische Leid, das man als psychischen Schmerz sehen kann, kann unerträglich sein, so dass eine symptomatische pharmakoligische Behandlung nicht nur nötig ist, sondern eine längere therapeutische Behandlung und damit eine eventuelle Ursachenforschung erst möglich macht.

Auch dabei steht es jedem Kranken frei, eine psychopharmakologische Behandlung anzunehmen oder abzulehnen.

Der letzte Satz ist dabei nicht immer zutreffend, da es Fälle gibt, bei denen der Kranke nicht versteht dass er krank ist und die Symptome sein Leben oder das anderer Menschen in Gefahr bringt.

Jedoch ist auch bei einer differenzierten Betrachung nicht zu leugnen, dass es Fälle des Missbrauchs von Psychopharmaka gibt (psychiatrische Kliniken, Altenheime, manche Zwangsbehandlungen...) die es zu verhindern gilt.

Psychopharmaka grundsätzlich abzulehen wäre aber eine undifferenzierte Sichtweise, die den Kranken und ihrer Behandlung nicht genügt.

Gruss


Expertenantwort
von Buddhishi, Community-Experte für Gesundheit, Krankheit, Medizin, ..., 13

Hallo StormQ,

richtig verordnet können sie ein Segen sein, also Hilfe. Die heutigen Psychopharmaka haben im übrigen deutlich weniger Nebenwirkungen und Suchtgefahren als die früherer Generationen. Vorausgesetzt, sie passen zur Erkrankung und sind wie gesagt richtig verordnet, also Dosierung etc. stimmen, sind sie wirklich nur hilfreich.

Warum sind sie für Dich Gift?

LG

Antwort
von Grobbeldopp, 16

Das ist von vorneherein eine sinnlose Diskussion, denn man kann nicht alle Psychopharmaka über einen Kamm scheren.

Was ich jetzt schreibe bezieht sich auf die Behandlung von Depressionen mit Medikamenten und ist nicht mehr als meine persönliche, diffuse Meinung, ich bin kein Fachmann und lasse hier eben mal meine mäßig informierte Meinung ab, habe aber ein paar Studien irgendwann mal gelesen und versucht mir eine Meinung zu bilden.

Ich habe den Eindruck dass die medikamentöse Behandlung von Depressionen einen eher geringen Effekt hat, der in manchen Situationen eine solche Behandlung in Frage stellt. Wirkungslos oder giftig sind sie zweifellos nicht, aber der Zweifel an ihrer Effizienz ist nicht unbegründet.

Antwort
von Fredderred, 9

Ja leider, aber eine Psychische Erkrankung ist noch giftiger. War jetzt 5 Jahre unter Psychopharmaka und muss sagen, es eine Qual(sie schränken dich ein), aber leider gibt es im Moment keine wirkliche alternative für die Behandlung von psychischen Probleme soweit ich weiß. ich bin jetzt seit einem Jahr stabil und hoffe, dass ich nie wieder welche nehmen muss, aber wenn ich zurückdenke haben mich die Psychopharmaka schon irgendwo gezügelt. 

Antwort
von marit123456, 6

Wenn es sich für dich wie Gift anfühlt, stehen dir doch auch noch andere Möglichkeiten bereit.

Warum bekommst du sie? Wie wirken sie bei dir?

Es gibt mittlerweile Forschungen darüber, welches Mittel zu welcher Person paßt, weil eben nicht alle Mittel helfen, oder zu viele Nebenwirkungen haben.

Wenn letzteres dein Problem sein sollte, wird ein guter Arzt sich nicht weigern, auf ein anderes Mittel umzustellen.

Antwort
von Dahika, 2

Die meisten rezeptpflichtigen und wirksamen Medikamente sind auch Gift. Ein Entweder-Oder gibt es da nicht.

Bei manchen psych. Erkrankungen - Psychosen - sind sie nötig. Aber sie müssen von einem Facharzt verschrieben werden.

Antwort
von Tanzistleben, 15

Richtig angewendet und verantwortungsbewusst eingesetzt, sind Psychopharmaka, wie "ponyfliege" und "Buddhishi" so klar und richtig erklärt haben, ein Segen und sehr hilfreich.

Falsch eingesetzt, werden auch Schmerzmittel und viele andere Medikamente zum Gift. Generell zu behaupten, Psychopharmaka seien Gift, ist, mit Verlaub, ein ziemlicher Unsinn! 

Kommentar von Buddhishi ,

Genau, es gibt deutlich mehr abhängige Patienten von Schmerzmitteln als von Psychopharmaka. LG

Kommentar von Primarschule ,

So nicht richtig (aber ich weiss was du damit sagen willst).

Während Schmerzmittel oft opioide Wirkstoffe enthalten welche eine Sucht auslösen können so geben Psychopharmaka an sich kein "High". 

Psychopharmaka können jedoch ein Absetzsyndrom auslösen, wenn man die Dosierung nicht schrittweise herabsetzt. Dies kann u.U. gefährliche Auswirkungen haben wie Anfälle, je nach Medikament.

Kommentar von Buddhishi ,

Das ist richtig mit dem Absetzsyndrom, aber dann ist es eben ein Fehler, der beim Ausschleichen vorkommt. Das hat aber nichts damit zu tun, dass Psychopharmaka generell Gift wären. Und zu einer korrekten Verordnung und Dosierung zählt für mich auch die Information eines Patienten über das korrekte Ausschleichen. LG

Kommentar von Tanzistleben ,

Ähm, sorry, aber Opioide in der Schmerztherapie lösen sicher kein "High" aus und will man sie absetzen, muss man sie genauso ausschleichen, wie Psychopharmaka! 

Das Suchtpotential opioider Schmerzmittel ist, sofern man nicht generell medikamentenabhängig, als eigener Erkrankung, ist, rein somatisch bedingt. 

Diese Weisheiten habe ich nicht nur aus dem Lehrbuch, sondern auch aus beinharter eigener Erfahrung und aus der Beobachtung sehr vieler ähnlich gelagerter Fälle.

Antwort
von paranomaly, 3

Psychopharmaka behandeln das Symptom und nicht die Ursache, dass ist nicht wirklich Heilung.

Leider verschreiben aber Ärzte aber bei psychischen Beschwerden immer gleich solch ein Zeug. Klären den Patienten aber meistens nicht über die Nebenwirkungen auf. Kommt dann ein Patient der nach den Nebenwirkungen frägt und sagt, dass es nicht die Ursache bekämpft, dann sind sie meistens recht sauer.

Antwort
von herja, 6

Hi,

das Thema wurde doch schon mehr als ausführlich behandelt: http://lebenslust-jetzt.de/tipps/psychopharmaka-hilfe-oder-gift

Kommentar von Buddhishi ,

Dein Link führt auf die Seite eines Heilpraktikers für Psychotherapie. Sorry, aber wirst Du doch wohl nicht wirklich als Indiz anführen wollen °(

Antwort
von ponyfliege, 10

je nach indikation.

tödlich gefährlich oder sehr, sehr hilfreich.

tödlich gefährlich bei kindern mit angeborenem adhs

sehr sehr hilfreich bei paranoider schizophrenie.

um für beide richtungen ein beispiel zu nennen.

da hausärzte nicht entsprechend ausgebildet sind, sollten sie keine rezepte für psychopharmaka ausstellen dürfen - und auch nicht für schlaftabletten.

Kommentar von Buddhishi ,

Manche Hausärzte haben zwischenzeitlich Zusatzfortbildungen hinter sich und sind durchaus in der Lage, Psychopharmaka zu verordnen. Selbiges gilt für Schlaftabletten. Tödlich dagegen sind Psychopharmaka in den allerseltensten Fällen und dann wurden sie falsch verordnet bzw. die NW nicht ausreichend erläutert, wie z. B. dass manche Antidepressiva eine 'Erstverschlimmerung' bzgl. Suizidgefahr verursachen können. LG

Antwort
von Seanna, 8

Kommt auf den Einzelfall und den Wirkstoff an sowie die begleitende Therapie und das Ziel, was man mit dem Medikament erreichen will.

Antwort
von CohibaStyle, 7

Definitiv gift, doch es gibt manchmal Situationen, wo ich sage, das hilft mit sideeffects halt..

Kommentar von StormQ ,

Juhuu bin nicht der einzge der so denkt :)

Kommentar von Tanzistleben ,

Jedes potente, hilfreiche Medikament, hat auch Nebenwirkungen. So gesehen, ist alles Hilfe und Gift gleichzeitig. Nur eine Medikamentengruppe herauszugreifen und zu behaupten, sie sei Gift, ist Unsinn und zeigt nur, dass ihr euch noch nicht wirklich damit auseinander gesetzt und somit keine Ahnung davon habt. Sorry!

Kommentar von CohibaStyle ,

habe ich nicht behauptet, das es nur die Medikamenten Gruppe ist, Antibiotika sind generell schlecht, da sie alle Bakterien, sozusagen eine Bombe , anstatt eines Scharfschützengewehr gewehrs der nur bestimmte Bakterien tötet, allerdings bezog sich seine frage nur auf diese Gruppe.....

Kommentar von Buddhishi ,

Bei manchen Erkrankungen geht es aber leider nunmal nicht ohne Antibiotika. Ich bin weiß Gott kein Freund davon, sie im 'Gießkannensystem' zu verordnen, aber manchmal sind die Risiken viel zu groß, als das man darauf verzichten kann.

Kommentar von CohibaStyle ,

ja , wenn es schnell gehen soll, dann sind antis immer die beste wahl, die natur hat soviele heilmittel, welche sogar noch besser sind als dieses chemie zeug

Kommentar von Buddhishi ,

Das verklicker dann mal einer Mutter, deren junger Sohn eine Mittelohrentzündung hat und davon ohne Antibiotika unfruchtbar werden kann.

Kommentar von Tanzistleben ,

Es ist dir aber hoffentlich schon klar, dass viele dieser geschmähten Medikamente aus der Natur kommen, oder? Das ist ähnlich, wie bei den so leidenschaftlich verteufelten Zytostatika! Genau genommen, sind nämlich 80% der Chemotherapie, aus Pflanzen entstanden. Aber es ist halt so modern geworden, laut "Gift" zu schreien!

Und von wegen "schnell gehen" - hätte meine Mutter Anfang der Sechzigerjahre nicht eines der ersten Antibiotikapräparate, damals noch von meiner Tante, einer Ärztin, mühsam aus dem Ausland organisiert, bekommen, hätte ich sie schon als Dreijährige verloren und gleich ein zweites Mal, als ich fünf war. Beide Male waren Pneumonien die Diagnosen. Heute ist meine Mutter 75 und ich bin sehr froh und dankbar, sie noch an meiner Seite zu haben! 

Kommentar von CohibaStyle ,

ich glaube du hast es nicht richtig gelesen, wenn es schnell gehen soll und somit Schäden die schneller verursacht werden auf gehalten werden sollen dann sind antis schnell effektiv aber nie präzise und mit nebenwirkungen verbunden, z.b. tripper ist auch eine ziemlich schwere krankheit wo nur antibiotika hilft....allerdings bald nicht mehr , denn es entwickeln sich mehr Resistenzen , da nicht jeder mit anti zuverlässig umgeht.

Kommentar von CohibaStyle ,

viele ? ganz bestimmt nicht, guck mal weniger Werbung...die einzig legalen Drogen Kartell auf dieser Welt sind Pharmakonzerne mit Werbung , pschiater brauchen wir nicht, mein ticker auf der straße ist billiger...

Kommentar von Tanzistleben ,

Nein, nicht aus der Werbung, sondern vom Studium und aus der Praxis - sichtlich im Gegensatz zu dir! Aber mit dem Geschrei und den Verschwörungstheorien um die böse, böse Pharmaindustrie, kann man sich halt unter seinesgleichen so schön profilieren (bedeutet in dem Fall "sich wichtig machen"), nicht wahr?

Kommentar von CohibaStyle ,

Nein, wozu denn, ich kenne niemanden hier und niemand wird wissen wer ich bin, ich finde mann sollte sein eigener Arzt sein...wenn es um Psychopharmaka geht....es ist auch wichtig woran mann glaubt...alle lehrbücher wurden vom menschen geschrieben, muss das alles auch so stimmen ?! Nein, auch wenn es zum größten teil reinigt bewiesen wurde, sich auf etwas sein leben lang festzulegen ist falsch...

Antwort
von Yiugana, 11

Für Kranke Leute ist das eine Hilfe. Wäre es keine würden Ärzte sie nicht verabreichen.

Antwort
von AmyDu, 7

Ist bei jeder Person und auch jedem Menschen unterschiedlich

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