Psychologisches Lustprinzip ( Sigmund Freud ) Triebe, Lust (2 Fragen dazu)?

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2 Antworten

oh mensch... gar nicht so leicht. Also Freud ging davon aus, dass das Seelenleben quasi aus zwei Kräften besteht: Aus den (geheimen und zumeist selbst zensierten) Wünschen (ES) sowie der Moral (ÜBER-ICH), die kulturell ausgeübt wird. Die Wünsche sind meist sehr intim und oftmals nicht gern von moralischen Werten gesehen. Und zumeist können sich diese Wünsche auch nicht selbst eingestanden werden... Wenn man jemandem zu nah kommt an Dinge, die ihm wirklich wichtig sind, dann leistet derjenige Widerstand oder wendet sich ab... das wird ihm dann zu heftig. Vor allem wenn er sich für seine Wünsche schämt. Deshalb bleiben sie unbewusst: niemand will sich z.B. gelegentliche Mordgelüste eingestehen...

Das ICH ist im Grunde nur die tatsächliche Auslebung: also der Kompromiss, der gemacht wird zwischen ES und ÜBER-ICH. noch mal zu den Mordgelüsten: Erfolgreicher Umgang mit Lüsten ist, wenn man zwar niemanden ermordet (das würde die Moral verbieten) aber trotzdem seine Lust in irgendeiner Form ausleben kann - z.B. darin, dass man Steak ist. In einer Untersuchung zum Thema Steak und Grillfleisch kam heraus, dass es das reine Gemetzel auf dem Teller bedeutet und sehr viel Lust dabei ist, darin rumzuschneiden... nur dass es mit dem Steak auf dem Teller und einem ordentlichen Besteck dazu einen kulturell legitimierten Rahmen gefunden hat.

Also: Erfolgreiche Auslebung von Gelüsten kann in einem sozial akzeptierten Rahmen passieren - dadurch, dass die Gelüste in kleineren Kultivierungen ausgelebt werden.

Zu Entgehen schafft man den Gelüsten nicht. Je mehr man sich gegen sie wehrt, desto eher drängen sie auf eine Auflösung.

Das Bewusstsein ist quasi die Selbstzensur, die vor zu krassen Moralkonflikten schützt. Zu Freuds Zeiten war das alles, was mit Sex zu tun hatte. Deshalb drehen sich viele seine Untersuchungen darum. Heute ist es wesentlich akzeptierter, mal in der Öffentlichkeit seinen Penis zu zeigen als z.B. loszuziehen und ein paar vegane Bio-Flüchtlinge zu verprügeln... Die ES-Wünsche sind außerdem komplex. Meist merken die Menschen gar nicht, dass sie gerade einen Wunsch ausgelebt haben... 

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Kommentar von Robert7194
27.10.2015, 10:01

Schöne Antwort, ich liebe solche Texte ( Antworten ) zu lesen :) 

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Es steht nach Freund 2:1 gegen das Es.
Sowohl das Ich als auch das Überich schaffen es, dass Es in Schach zu halten.
Freud ist allerdings veraltet.
Es wurde seitdem sehr viel geforscht.

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Kommentar von Dahika
26.10.2015, 23:55

Prüfungsfrage in der (richtigen) Psychologie: "Und wie macht das Ich/Über-Ich das?"
Mann oh Mann oh Mann, man sollte doch Schulkinder und ihre Lehrer mit Freud verschonen. Das ist von Schulkindern und den Lehrern unverständliches Zeug. Und dann kommt nur unverstandener Mist dabei herum. Die Psychoanalyse ist doch kein Schulthema. Sowas macht mich immer total sauer.

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Kommentar von JaniXfX
27.10.2015, 08:15

... dass Freud veraltet ist, sagen irgendwie immer die, die ihn nie gelesen haben... oder brav das Amen der verstockten Uni-Professoren nachbeten. Warum es zu dieser Abwertung kommt kann man geschichtlich ganz gut nachlesen... try it! Selbst denken macht klug ;-)

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