Frage von soeingeraffel, 50

Psychologische Hilfe trotz 'Sperre'?

Hallo,
ich war etwas länger als ein Jahr bei einer Psychologin. Die hat mir auch wirklich seeeehr geholfen. Ich bin dann in eine andere Stadt gezogen und habe die Therapie dann quasi 'abgebrochen', aber meine Psychologin und ich haben mich so eingestuft, dass ich die Therapie auch nicht mehr nötig hätte. Sie sagte mir, dass ich, wenn ich die Therapie bei ihr beende, 2 Jahre keinen Anspruch mehr auf eine weitere Therapie habe.
Jetzt, 3 Monate später geht es mir wieder ziemlich schlecht. Ich habe wieder Suizidgedanken und und und..
Wisst ihr, was ich trotz dieser 'Sperre' machen kann, um weiterhin psychologische Hilfe zu bekommen?

Antwort
von Seanna, 43

Zum Psychiater kannst du trotzdem. Nur ist das eben keine Therapie, wenn dann kurze Gespräche.

Das mit der 2 Jahre Sperrfrist stimmt zwar (und gilt auch wenn die maximale Stundenlohn ausgeschöpft ist!), ABER.. 1. Man kann Therapeuten wechseln (auch mit genehmigten Stunden), 2. man darf die Therapie längstens 3-4 Monate unterbrechen, bevor sie als abgebrochen gilt (und da kommst du ja grad erst ran, mit gutem Willen kann das also als Unterbrechung gelten) 3. Bist du umgezogen, da ist ein Wechsel, Unterbrechung, Suche gut begründbar und 4. Ist es in deinem Fall sehr wahrscheinlich dass die Kasse, wenn du mit denen sprichst, unter all den genannten Umständen die genehmigte Therapie mit neuem Therapeuten und Stundenübertrag weiter laufen lässt.

Der muss natürlich nach Ablauf dann Fortführungsanträge bis zum Maximalsatz (VT 80h, TP 120h, Analyse 300h) stellen.

Rede mit der Kasse, mit der ehemaligen Psych, dass sie es als Unterbrechung deklariert, such dir ganz schnell einen neuen Therapeuten UND einen Psychiater, der das Verfahren unterstützt und die Gespräche fortführt, damit die 3 Monats Frist nicht noch weiter überschritten wird.

Dann solltest du gute Chancen haben auf ambulante Therapie.

Alternativ bliebe nämlich nur das, was alle Patienten tun müssen, wenn die Stunden ausgeschöpft sind: Klinik. Und da wird man natürlich zum "Drehtürpatienten", meint: oft rein und raus weil man ohne nicht kann und wg Kostendruck schnell wieder entlassen wird. Aber das ist ein anderes Thema :)

Bei weiteren Fragen gern PN oder Kommentar.

Alles Gute :)
Seanna

Kommentar von Seanna ,

Oh und noch 2 Alternativen zur Not: Beratungsstellen und sozialpsychiatrischer Dienst. Machen auch eher niederfrequente Gespräche, keine Therapie, aber ist ne Hilfe. Sonst auch Caritas, Pro Familia und co. Und du könntest evtl ambulant betreutes Wohnen (klingt anders als das was es ist - informieren!) beantragen. Denn da bekommt man idr auch 1-2h/Woche. Nur halt beim Sozialarbeiter, nicht Therapeut. Aber die sind schon speziell für Psychiatrie. Ebenso kannst du beim Psychiater quasi sofort nen Rezept für ambulante psychiatrische Pflege bekommen für 4 Monate auch 1-3x/Woche.

Kommentar von Seanna ,

Ups. Waren doch mehr als 2. Na egal. Damit solltest du wohl weiter kommen. Sonst gern PN.

Kommentar von soeingeraffel ,

Dankeschön! Das war sehr hilfreich für mich! :)

Kommentar von TRichter1956 ,

Kleine Korrektur: Eine Therapieunterbrechung darf bis zu 6 Monate dauern, ansonsten ist die Antwort von seanna gut und umfassend

Antwort
von Juliana91, 33

Hallo,

ja die Sperre ist ganz normal, da du die letzte Therapie beendet hast und dann die Krankenkassen sagen, sie zahlen erst in 2 Jahren wieder.

Aber solange kannst du dich an die psychologische Beratungsstelle in deiner Nähe wenden, die kosten meistens nur sehr wenig bis gar nichts (wenn du Schüler oder so bist)

Sonst gibt es auch noch Sozialpsychiatrische Dienste in manchen Landkreisen und Beratungsstellen von der Diakonie oder anderen Anbietern.

Du findest auf jeden Fall überbrückend etwas.

Und dass es dir nach 3 Monaten schon wieder schlecht geht, ist gar nicht so unüblich, aber es ist auch nicht negativ zu bewerten. Jetzt gilt es das, was du in der Therapie zuvor gelernt hast, umzusetzen! Vielleicht hilft es dir auch, dich zu fragen, was deine Psychologin dazu jetzt gesagt hätte, dass es dir wieder besser geht.

Wenn du möchtest schau auch mal hier, wenn es dir sehr schlecht geht und versuche die Übungen: http://juheal.de/die-wirkung-des-koerpers-auf-die-seele/

oder hier: http://juheal.de/gelassenheit-sein-teil-ii/

Wenn deine Suizidgedanken sehr schlimm werden, kannst du auch jederzeit in der psychiatrischen Ambulanz aufgenommen werden.

Liebe Grüße

Kommentar von soeingeraffel ,

Danke!! Wirklich, vielen Dank.
Ich versuche es schon die ganze Zeit umzusetzen, was ich gelernt habe und das hat auch immer ganz gut geklappt aber auf einmal bekomme ich es nicht mehr hin..

Antwort
von verquert, 22

Wie viele Stunden hast Du denn verbraucht - also ca. 25 Stunden oder 50 bzw. mehr? (Kurzzeit- oder Langzeittherapie?)

Zumindest vor einigen Jahren galt es auch, wenn eine neue Diagnose hinzukommt oder die Therapierichtung gewechselt wird, so kann auch die 2-Jahressperre unterbrochen werden.

- persönliches Budget kann auch noch eine Möglichkeit sein. Eventuell lässt sich ein (Privat-)TherapeutIn darauf ein. Informationen dort in der Regel, wo auch "betreutes Wohnen" angeboten wird. ("persönliches Budget" wird finanziert vom Sozialamt und mit dem Geld wird sich die Hilfe quasi "eingekauft")

- bei Deiner alten Therapeutin melden und nach Unterstützung erfragen.

- in die Klinik gehen und dort dann für "Nachsorge" erfragen.

- mir wurde gesagt, dass in der/die/das "Institutsambulanz" keine Sperren verhängt werden. Eventuell ist auch das somit ein Anhaltspunkt. Wobei hier in der Region werden sogar auch viele Menschen wohl weitergeschickt, weil "keine Kapazität". Und das scheint wohl nicht nur in der Region hier üblich zu sein. Es kann eine Möglichkeit sein, aber ja... die psychologische Versorgung ist ziemlich mies.

- Beratungsstelle aufsuchen. Auch dort kann oftmals hilfreiche Unterstützung und Begleitung gefunden werden. Und das kostenlos.

- selbst reflektieren, was so runterzieht. Eventuell kannst du die Krise auch selbst überwinden - indem Du Dich fragst, was wohl helfen könnte und was geholfen hat, außer Gespräche mit der TherapeutIn. Bzw. weswegen diese geholfen haben..... weil wenn sich auch zu viel auf Unterstützung verlassen wird, so kann es sein, dass auch das destabilisieren kann. (mag es nur Vollständigkeitshalber anmerken).

Das sind so meine Gedankengänge. Eher allgemein, weil "ziemlich schlecht gehen" kann auch alles bedeuten. Vor allem nach einem Umzug.

Antwort
von bikerin99, 28

Von einer Sperre habe ich noch nie gehört, hast du da evtl. etwas mißverstanden? Du kannst bei der Psychologin oder bei deiner Krankenkassa mal nachfragen. Sollte es wirklich so sein, dann schau, ob du Hilfe bei einer Beratungsstelle oder ambulant in einem Krankenhaus bekommst. Alles Gute.

Kommentar von soeingeraffel ,

Das werde ich mal machen, Dankeschön!

Kommentar von Seanna ,

Doch, die Sperrfrist gibt es und das ist normal. In diesem Fall wg der 3 Monate Unterbrechung aber grenzwertig. Siehe mein Beitrag.

Antwort
von DerSchokokeks64, 42

Naja. Wenn die Sperre von deiner Krankenkasse kommt, schreib mal einen netten Brief hin. Oder du musst im Notfall selbst zahlen.

Kommentar von DerSchokokeks64 ,

http://telefonseelsorge.de/?q=node/3 oder du begnügst dich mit online Beratung, fürs erste.

Kommentar von Seanna ,

Die Sperre gibt's bei allen Kassen, kommt von der KV. Brief bringt nix.

Antwort
von conelke, 50

Ich würde mit der Psychologin sprechen und sie fragen, was Du tun könntest. Vielleicht kann man mit der Krankenkasse nochmals reden, aber da würde ich mich vorher mit der Psychologin kurzschließen, wie Du es am besten anstellt und argumentierst.

Antwort
von Gabel1953, 31

Einen Psychiater darf Dir die Kasse nicht verweigern.Der ist nämlich Arzt.
Such Dir also einen.

Kommentar von Seanna ,

Stimmt soweit, der führt aber idr nur kurze Gespräche und kann bei Sperrfrist genau so wenig Therapie abrechnen.

Kommentar von Gabel1953 ,

Das weiß ich. So aber hat man wenigstens öfter ein Gespräch mit dem Arzt,und das hilft.

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