Frage von DagobertTrump, 39

psychologische Gutachten oft fehlerhaft?

Wie verlässlich sind psychologische Gutachten oder anders formuliert, wie hoch liegt ungefähr die Zahl von Fehldiagnosen?

Antwort
von Dxmklvw, 11

Psychologische Gutachter können nur auf das als echte Fakten zurückgreifen, was sie im jeweiligen aktuellen Augenblick sehen.

Schon die vom Gutachter ausgehenden Signale, die bewirken, daß der zu Untersuchende Vertrauen gewinnt oder auch Mißtrauen aufbaut, filtern entscheidend den Informationsfluß. Daneben wirkt auch noch die Ursache mit, die zu der Begutachtung führt.

Alles übrige, was solche Gutachter auch noch mit heranziehen, sind Meinungsbilder Dritter. Ohne solche Dritten persönlich zu kennen ist das für wahr halten solcher Meinungsbilder immer Scharlatanerie, denn wer mit einem Meinungsbild konfrontiert wird, muß auch wissen, welcher Geist und welche Augenblicksstimmung für das Zustandekommen verantwortlich ist.

In der Gesamtheit bildet sich ein psychologischer Gutachter seine Meinung nur aus einem winzigen Bereich heraus, ohne irgend etwas von allem übrigen wirklich zu wissen, welches aber den Kontext bildet.

Derartige Gutachten, egal, wie hoch die vermeintliche Gründlichkeit auch angesetzt wird, haben deshalb immer nur den Wert wie z. B. den einer Kreisflächenberechnung, bei dem man die Werte von Pi und dem Radius wegläßt. Zufällig richtig geraten haben bedeutet eben nicht, fachkundig etwas erkannt zu haben.

Hat man ein entsprechendes Gutachten vor sich, kann es inhaltlich nicht viel anders sein als die persönliche Meinung von irgend jemandem, mit dem man zufällig ins Gespräch kam.

Auch so einer könnte verkünden, daß er einen guten oder schlechten Eindruck gewonnen hat, und er könnte dem sogar noch einen wissenschaftlich wirkenden Anstrich verleihen, indem er sich entsprechend gewählt ausdrückt und dieses und jenes, das er zufällig gesehen hat, als vermeintliches Indiz anführt.

Den so häufig einem Gutachten zugesprochenen hohen Wert erhält dieses
überwiegend durch blinden Glauben, den Verzicht auf eigenes Denken und einer schon vorher festgelegten Meinung. Gerade in Gerichtsverfahren bestätigt es sich immer wieder, daß ein eingefordertes Gutachten im Schwerpunkt nur der Bestätigung einer vorgefaßten Meinung dient, was sich oftmals schon bei der Auswahl "passender" Gutachter anzeigt.

Tatsächlich zeigt es sich aber auch, daß sehr viele psychologische Gutachten zutreffende Beurteilungen enthalten.

Ich führe das auf die gleichen Mechanismen zurück, wie sie auch bei der Erstellung von Horoskopen in Tageszeitungen verwendet werden: Man faßt alles so ab, daß möglichst jedwedes Ereignis darauf bezogen werden kann und vor allem solche Ereignisse, denen jeder tagtäglich begegnet.

Übrig bleibt dann von allem, daß im Prizip nur jeder von sich selbst wirklich wissen kann, wie er tickt. Aber selbst damit tun sich viele Menschen sehr schwer.

Völlig anders verhält es sich, wenn man als Durchschnittsmensch jemanden schon seit Jahren aus diversen Lebensbereichen heraus kennt, ohne sich selbst emotional an diese Person gebunden hat. In einem solchen Fall hätte auch eine psychologische Bewertung einen recht hochen Zuverlässigkeitsgrad.

Doch welcher Arzt, welcher Richter oder welche Versicherungsgesellschaft wertet wohl eine private Meinung als brauchbarer als das Gutachten eines öffentlich bestellten psychologischen Gutachters?

Blättert man sich mit etwas höherer Anspruchshaltung durch das Internet, dann findet sich jede Menge Material über fehlerhafte, nichtssagende oder sachentfremdete Gutachten. Die Fehlerquote selbst läßt sich nicht brauchbar feststellen, weil dies nur durch andere Gutachter gleicher Fachrichtung geschieht und somit immer Aussage gegen Aussage seht.

Alleine der Umstand, daß die Fehlerquote als sehr hoch angenommen werden muß, sollte Grund genug sein, jedwedem psychologischen Gutachten mit einer gebotenen Menge an Mißtrauen zu begegnen. Anderenfalls wäre im Ergebnis alles nur so etwas wie ein Rosinenpicken je nach gerade gegebener Begehrlichkeit.

Kommentar von Dahika ,

Da ist einiges richtig drin, was du schreibst, aber auch sehr vieles falsch. Ein psych Gutachten sollte wissenschaftlichen Kriterien entsprechen, nach den Kriterien fachlichen Könnens erstellt worden sein. Mit Horoskopendeuterei hat das nichts, aber auch gar nichts zu tun.
Kann es sein, dass du dich selbst als Opfer angeblich falschen Gutachtens siehst? ;-)

Kommentar von Dxmklvw ,

Ich sehe die Problematik darin, daß es einen gewaltigen Unterschied bei den angelegten "wissenschaftlichen Kriterien" bezüglich der Psychologie und Psychiatrie einerseits und z. B. der Mathematik oder Physik andererseits gibt.

Worauf bezieht sich fachliches Können in der Psychologie außer auf Mutmaßungen, denen sich eine Mehrheit angeschlossen hat, und auf wissenschaftlich klingende Formulierungen?

Wo der Ausgangspunkt einer Sache zweifelhaft ist und bleibt, da kann nach meiner Ansicht auch alles darauf in Form von nachgeschobenen Argumenten Aufgebaute die Sache nicht besser machen.

Zum letzten Satz:

Nein, ich wurde kein Opfer eines falschen Gutachtens. Doch ich hatte es mir mehrere Jahre lang sogar zum Hobby gemacht, Anwaltskanzleien unterstützend vor Gerichten verwendete psychologische und psychiatrische Gutachten zu zerpflücken - ungefähr mit 70-Prozent-Erfolg.

Daraus läßt sich zwar nichts Repräsentatives herleiten, weil die Zahl der Fälle doch sehr begrenzt war, aber der Knackpunkt an der Geschichte ist nahezu immer, daß es in diesem Bereich nur sehr wenig gibt, daß sich nicht mit einem Minumum an Aufwand hinterfragen läßt.

Meine Erkenntnis aus allem ist und bleibt, daß es da eben nicht auf Inhalte, sondern lediglich auf Rhetorik ankommt.

Es ist einfach so: Nur weil eine erlauchte Mehrheit gleicher Meinung ist, bedeutet das noch lange nicht, daß diese Meinung auch Wahrheit enthält.

Kommentar von MarkusGenervt ,

Ein psych Gutachten sollte wissenschaftlichen Kriterien entsprechen, nach den Kriterien fachlichen Könnens erstellt worden sein.

Ich möchte hier gerne noch der Antwort von Dxmklvw hinzufügen, dass Psychologie zwar eine "Wissenschaft" ist, sich aber lediglich auf Aussagen und Eindrücken stützt. Der Vergleich mit der Kreisflächenberechnung trifft es schon sehr gut.

Nur weil sich jemand gepflegt und fachlich ausdrücken kann, heißt das noch lange nicht, dass er sich auch ALLE Fakten zu dem entsprechenden Fall angeschaut hat.

Das ist in einem Gerichtsverfahren auch einfach in der Kürze der Zeit gar nicht drin, vor Allem, wenn der Gutachter auch noch ein Leben außerhalb des einzelnen Gutachtens hat und vor wirklich Allem dann, wenn er sich nur einen winzigen Ausschnitt aus der Komplexität einer Persönlichkeit und deren Umfeld heraus pickt.

Das bleibt dann einfach "Stochern im Trüben".

Wissenschaftlich ist hierbei nur die Terminologie, mit welcher dann das Gericht beeindruckt werden soll.

Ein Richter müsste selbst mal Psychologie studiert haben, um auch zu erkennen, das diese Art von Begutachtung nur Humbug ist.

Antwort
von SunKing33, 5

Hallo,

Wenn Du von "dem" psychologischen/psychiatrischen Gutachten ausgehst, hast Du keine Ahnung. Ein Gutachten wird immer unter dem Gesichtspunkt einer konkreten Fragestellung erzeugt. Für die Abfassung von Gutachten gibt es Standards.

Richtig ist, dass sich nicht alle Gutachter an diese Standards halten. Das rechtfertigt aber für sich genommen nicht die Vermutung, das Gutachten sei falsch.

Die - aus meiner Sicht wichtigsten Kriterien/Standards sind:

  1. Informationsgrundlagen müssen (vollständig) benannt werden. In gerichtlichen Gutachten müssen die Grundlagen nicht nur benannt, sondern vollständig ausgeführt werden - das sichert die Nachprüfbarkeit.
  2. Schlussfolgerungen des Gutachtens müsen auf Angaben (Befunde und weitere Informationen) im Gutachten selbst bezogen sein. Schlussfolgerungen ohne entsprechend nachvollziehbare Begründung sind unzulässig.
  3. Für Krankheits-Diagnosen gelten die Standards der ICD, die nicht nur die Merkmale erfragen, die auf Krankheit hinweisen, sondern fordern auszuschließen, dass dieselben Merkmale auch ohne Krankheit erklärbar sind.

Ein Gutachten ist eine Erörterung von Befunden - unter einem bestimmten Gesichtspunkt, den der Auftraggeber des Gutachtens vorgibt. Befunde lassen sich oft unterschiedlich interpretieren. Entsprechend können sich auch zwei Gutachten widersorechen, obwohl sie dieselbe Informationsgrundlage haben. Das macht sie aber nicht falsch!

Tatsächlich kommt es vor, dass die grundlegenden Standards verletzt werden und die Schlussfolgerungen den vorherigen Ausführungen über die Befunde ggf. sogar widersprechen. Dabei handelt es sich aber nach meiner Einschätzung um Einzelfälle.

Viel Erfolg!

Antwort
von Ostsee1982, 6

Das ist überhaupt nicht zu beantworten. Eine Diagnose bzw. ein Gutachten ist eine Einschätzung zum IST-Zustand und unterliegt der Einschätzung des Diagnostikers nicht mehr und nicht weniger wobei Gutachten im allgemeinen viel umfangreicher und ausführlicher er- und begründet werden.


Antwort
von Harald2000, 15

Kommt darauf an, von wem und zu welchem Zweck oder unter welchen Umständen.

Antwort
von schloh80, 7

Welche psychologischen Gutachten meinst du denn? Derer gibt es sehr viele, die ganz unterschiedlich sind.

Und was meinst du mit Diagnose?

Meinst du vielleicht ein psychiatrisches Gutachten (z.B. für die Rentenversicherung)?

Antwort
von Weichloeter, 10

da menschen keine maschinen sind und die menschliche psyche keine glaskugel ist, gibt es da, wie auch bei allen anderen dingen, natürlich auch falsche einschätzungen.

sicher werden diese aber nirgends allumfassend dokumentiert, so dass man dir eine haargenaue zahl geben könnte.

Antwort
von oxygenium, 15

eigentlich können sich die Ärzte das nicht leisten,denn jeder Patient hat ein recht auf eine Kopie des Gutachten.

Viele wissen das allerdings nicht und nehmen es deshalb auch nicht in Anspruch.

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