Dini1 am 04.05.2009 um 12:16 Uhr
Ich hab eine freundin die sich in psychologischer Behandlung geben wollte, nach dem sie zum sogenannten erst gespräch bei ihr war, hat die Psychologin zu ihr gesagt das sie das verhalten für die zukunft mit ihr bearbeiten möchte. bei meiner Freundin ist es aber der fall, das sie andauernd ihre Vergangeheit einholt. sie hatte mich jetzt gefragt, was sie machen soll. erst die vergangeheit verarbeiten oder dirkt die Zukunft "neu einrichten"? ich hab ihr gesagt das sie es für sich entscheiden müsste und das ich ihr da nicht reinreden kann, für mich würd ich erst mit der Vergangenheit abschliessen und dann in die Zukunft blicken. Was würdet ihr machen??

Ich stimme mal dafür, weil es nur die beiden Alternativen gibt und sich ansonsten ja alle sehr einig sind ... Du hast das absolut richtig gesagt, daß muss JEDER FÜR SICH SELBST entscheiden - bei Bedarf natürlich mit Hilfe eines Therapeuten oder Beraters. Und so eine Abstimmung hier sollte weder Dich noch Deine Freundin beeinflussen. Nur sie alleine kann es entscheiden.
Grundsätzlich KANN das Aufarbeiten der Vergangenheit hilfreich sein, aber es ist sicher nicht richtig, dass das immer und bei jedem notwendig wäre, um sich in der Zukunft einrichten zu können.
Manchmal ist es so, dass man erst, wenn man einen Weg für die Zukunft gefunden hat, die Kraft und Zeit aufbringen kann, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Oft passiert es aber auch, dass nach dem Einrichten in der Zukunft das Bedürfnis für eine explizite Vergangenheitsaufarbeitung gar nicht mehr da ist. Wendet man sich erst der Vergangenheit zu, besteht die Gefahr, dass man sehr viel Zeit mit der Suche nach Analysen und Erklärungen verbringt, ohne dass es einem dadurch besser geht.
Andere legen Wert darauf, Gründe und Ursachen zu suchen, um "zu verstehen", auch das ist berechtigt und kann ein Weg sein. Wobei ich aus meiner Sicht einschränken möchte, dass viele "wahre" Ursachen gar nicht gefunden werden können, auch wenn viele das behaupten.
Aber wie gesagt, das entscheidet ganz alleine Deine Freundin. Und es kommt auch darauf an, was "von der Vergangenheit eingeholt werden" genau heisst, worunter Deine Freundin konkret leidet, was sie bisher getan hat um das zu verändern und was davon geklappt hat und was nicht usw usw ...

Die Vergangenheitsbewältigung wird überbewertet, haben Psychologen festgestellt. Meist wird sie erst wieder aktiv hervorgerufen und es bringt den Patienten nicht weiter. Günstiger ist es, das Verhalten zu ändern. Hat mir zumindest mehr geholfen, als immerzu in den alten Wunden rumzustochern.
heureka47 am 4. Mai 2009 12:35 Wenn noch "Wunden" da sind, wäre es vernünftig, eine Heilung anzugehen. Mit offenen Wunden rumzurennen, ist ein Risiko - auch bei seelischen Wunden. Verdrängen ist keine Dauerlösung.

Vergangenheit aufarbeiten und abschließen. Danach kann man den Blick befreit von Altlasten in die Zukunft richten. Ich vermute, dass die Psychologin dies als Endziel hat, denn sie wird natürlich auch nachschauen, wo das Verhalten herkommt.
Normalerweise regelt das der Psychologe.
attione84 am 4. Mai 2009 13:05 DH

kommt drauf an, ob das eine Verhaltenstherapeutin ist, dann wird auf die aktuellen Verhaltensmuster und deren Änderung/Korrektur in der Zukunft geschaut, ist es jemand, der tiefenpsychologisch fundiert arbeitet, wird vor allem die Vergangenheit betrachtet .... natürlich in beiden Fällen Zukunft und Vergangenheit, aber in erster Linie wie o. g.

Deine Freundin muß sich für keines von beiden entscheiden. Der/die Psychologin erstellt quasi einen "Stundenplan" bei dem auch die Tagesform des Patienten berücksichtigt wird. Es wird sowohl die Vergangenheit aufgearbeitet, wie auch die Wünsche und Visionen des Patienten für die Zukunft angesprochen. Mein Tipp:mach ihr Mut, die Termine auch durchzuhalten. Das ist manchmal gar nicht so leicht.
Bild/er:

Ich bin der Meinung, wenn man sich zu viel mit der Vergangenheit beschäftigt, verliert man den Blick für die Gegenwart und bleibt in der Vergangenheit hängen.
Oft ist es so, dass man immer wieder die gleiche Dinge durchkaut, aber auch immer wieder durchlebt und sich in dem alten Leid unnötig und zu lange aufhält (suhlt), obwohl vieles davon definitiv nicht zu "verarbeiten" ist. Man kann nur lernen damit klar zu kommen, indem man anerkennt, dass das Schlimme vorbei ist und der Vergangenheit angehört und die einzige Hilfe ist in hier und jetzt zu bleiben und das Hier und Jetzt schöner und besser zu gestalten. Und HIER hilft eine Verhaltenstherapie hervorragend.
Deine Freundin hat bestimmte Dinge in der Vergangenheit erlebt, die zu bestimmten Verhaltensweisen - bis in die Gegenwart - geführt haben.
Und eine zukunftsorientierte Therapie bezieht sich auf Wie mache ich es JETZT besser, und was muss ich JETZT tun, damit ich in der Zukunft meine Verhaltensweisen, die mich belasten und behindern, nicht mehr anwende.
Es ist aber nicht so, dass die Therapeuten gar nicht wissen wollen, was genau zu den unerwünschten Verhaltensweisen geführt haben.
Zukunftsorientiert heißt nicht, dass die Problementstehung vernachlässigt wird, sondern lediglich, dass der Schwerpunkt der Therapie auf das Jetzt und auf die Zukunft und nicht auf die Vergangenheit gelegt wird.

wer in der vergangenheit lebt, wird es in der zukunft schwer haben.

kenn das ... habe es in gleicher art

Das, was die Psychologin empfiehlt, sonst müßte ich da ja gar nicht hingehen!

wenn sie nicht mit der vergangenheit abschliesst,kann das für die zukunft schwierig werden.

auf alle Fälle einen anderen Psychologen suchen, der beide Wege mit Deiner Freundin geht.
heureka47 am 4. Mai 2009 12:38 Wenn aber noch offene seelische Wunden aus der Vergangenheit zurückgeblieben sind, sollten die erst geheilt werden.
Was in der Vergangenheit in der äußeren Welt geschehen ist, läßt sich nicht mehr ändern, wohl war. Aber was aufgrund dessen in der seelischen Innenwelt geschehen ist, DAS läßt sich verändern. Man kann lernen, die Dinge anders zu deuten, anders zu bewerten, aus einem veränderten Blickwinkel zu sehen. Man kann sogar lernen, in einem zunächst "negativ" erscheinenden Ereignis etwas positives zu erkennen.

Kann sein, daß die Vergangenheit sie immer wieder einholt, weil da noch was zu bearbeiten, zu erledigen, zu bewältigen, zu lernen, ist.
Davon sollte man schon frei werden, bevor man sich wieder auf das Gestalten der Zukunft richtet.
Wenn da ein "Trauma" in der Vergangenheit passiert ist, wäre es sinnvoll, die Heilung dieser seelischen Verletzung anzugehen.

Die musst du zuerst verarbeiten, sonnst holt es dich immer wieder ein oder du musst dich damit arrangieren auch wenn es zuerst einem schwer fällt.
denn man sollte drüber reden was passiert ist! aber dann in die zukunft neu starten!
Noch eine Ergänzung: Was ein Psychotherapeut anbietet, hat auch damit zu tun, welcher "Schule" er oder sie angehört. So wir eine Verhaltenstherapeutin den Blick stärker in Zukunft richten, während ein Psychoanalytiker sich mit den "Ursachen" beschäftigt. Leider sind nicht alle Therapeuten so flexibel und einfühlsam, daß sie diese Entscheidung an den Bedürfnissen des Klienten ausrichten. Die kassenzugelassenen Therapeuten sind außerdem auf bestimmte Verfahren beschränkt.