Frage von 1111Anonym1111, 83

Psychologe werden; ist das sehr anstrengend (seelisch)?

Hallo.

Ich (fast 16) könnte mir vorstellen, Psychologie zu studieren. Eine Frage bleibt mir da aber: Ist das anstrengend als Psychologe? Ich meine im seelischem Sinne. Wenn man selbst eine schwere Phase hat und dann noch anderen seelisch helfen muss. Ist das alles sehr anstrengend?

Liebe Grüße

Antwort
von SunKing33, 21

Hallo,

Psychologie kann ein sehr interessantes Studium sein. Der Vorteil besteht darin, dass Du manchen Inhalt direkt aus eigenem Erleben erkennen und nun unter neuem Gesichtspunkt verstehen lernen wirst.

Vielleicht machst Du mal ein Praktikum bei einem Psychologen.

Das Studium fordert von Dir grundsätzlich keine Arbeit mit Klienten. Aber Du musst Dich abgrenzen von all den Krankheits-Symptomen, die auch Psychologen lernen müssen, die aber jedes für sich genommen durchaus auch bei Gesunden auftreten.

Wenn Du nicht Therapeut werden magst, kannst Du Dich in unterschiedlichen Bereichen spezialisieren:

In der Wirtschaft hast Du mit Personal (Auswahl, Führung, Entwicklung, Einstellung, Qualifizierung etc.) zu tun. Auch Marketing kann spannend sein.

In der Schule arbeiten Schulpsychologen für Schüler, Eltern und Lehrer

Bei der Arbeitsagentur Arbeiten Psychologen, um das richtige Stellenprofil für den Bewerber (und umgekehrt) zu finden.

Auch Polizei und Justiz brauchen Psychologen

Die Psychologie ist einer der Studiengänge, die eine sehr breite Entwicklungsperspektive eröffnen können (zum Teil abhängig von der Ausrichtung der jeweiligen Uni).

Allerdings brauchst Du im Studium viel Mathe (Statistik), was viele abschreckt.

Viel Erfolg!

Antwort
von WintersChild, 8

Psychologie ist ein umfangreiches Gebiet. Ein Psychologe kann viel sein. Im Grunde ist ein Psychologe jemand, der einfach das Psychologie Studium abgeschlossen hat. Ich glaube, was du meinst ist ein Psychotherapeut. Um Psychotherapeut zu werden brauchst du nach dem Studium noch eine Weiterbildung. Ich stelle mir vor, dass es nicht einfach ist bei einer Gesprächstherapie einerseits zuzuhören und sich einzufühlen, andererseits aber Abstand zu halten und die Situation von einer gewissen Entfernung zu betrachten.
Wenn dich Psychologie interessiert, studiere es. Wenn du merkst, dass Psychotherapeut nichts für dich ist, kannst du mit dem Studium noch andere Richtungen einschlagen.

Antwort
von landregen, 24

Natürlich ist es das, und man muss sogar davon ausgehen, dass man dann nicht besonders gut geeignet ist für diesen Beruf, wenn man psychisch chronisch angeschlagen ist.

Wer anderen psychologisch helfen will, sollte psychisch sehr stabil und gesund sein und obendrein trotzdem noch Therapien durchlaufen, um sich mit seinen Schwächen und "blinden Flecken" auseinanderzusetzen.

Kommentar von 1111Anonym1111 ,

Bin psychisch recht stark, auxh wenns mir grad nicht so gut geht. Ich meine, wenn man ddn Beruf jetzt lange Zeit betätigt und dann irgendwann man selbst Probleme kriegen sollte

Antwort
von Dahika, 9

Wenn du mit Psychologen Psychotherapeut meinst: ja, das ist es. Sehr sogar. Es kann vorkommen, dass man nach einer einzigen Therapiestunde seelisch auf dem Zahnfleisch geht. Stell dir vor, du steckst gerade in einem schwierigen und schmerzhaften Trennungsprozess mit deiner Frau/Freundin und der Klient vor dir erzählt von seinem eigenen schwierigen und schmerzhaften Trennungsprozess. Oder ein Patient droht mit Suizid. Das steckt man nicht einfach weg.

Darum muss ein angehender Psychotherapeut auch so eine lange und gründliche Ausbildung machen. In der Therapie muss man einen anderen Menschen sehr nah an sich heranlassen, muss aber gleichzeitig auch so abgegrenzt sein, dass man sich von dessen Not nicht anstecken lässt.

Stell es dir einen Menschen in Seenot vor. Es ist deine Aufgabe, den Menschen zu retten, aber einfach mit ins Wasser zu springen, nützt dem Notleidenden nichts. Einer muss den festen Boden unter den Füßen behalten und das ist der Therapeut.

Das ist oft nicht einfach. Man wird oft mit großen eigenen Ängsten oder Leid konfrontiert. Darum gehört  zu einer guten Psychotherapieausbildung auch eine gute Eigentherapie, damit man das bearbeitet und damit umgehen  lernt. Es kann aber immer mal wieder vorkommen, dass die eigenen Ängste, die eigene Biographie einen plötzlich überfordert in der Therapie. Dann muss man i.a. den Fall abgeben. 
Man darf jedenfalls den Patienten nicht dazu benutzen, sich selbst zu heilen. Das machen viele Küchenpsychologen mit oft schlimmen Auswirkungen.

Die Ethik ist daher ein wichtiges Fach in der Ausbildung.

Stell dir eine Therapie wie eine Bergwanderung vor. Der Therapeut ist der Bergführer. Manchmal muss er den Rucksack des Patienten schultern, niemals darf er seinen eigenen Rucksack dem Patienten auch noch aufladen.

Um mit der Belastung, die der Beruf mit sich bringt, fertig zu werden, hat jeder Psychotherapeut auch pflichtgemäß regelmäßig Supervision, wo er über schwierige Fälle reden kann und starke Gefühle, die bei der Therapie unter Umständen aufkommen, bearbeiten kann.

Das ist der Hauptgrund, warum ich niemals einen Schüler als Praktikanten akzeptieren würde. Sie haben mangels Ausbildung einfach nicht die nötigen Mechanismen zur Verfügung, um sich selbst zu schützen.

Antwort
von Belladonna1971, 21

Es ist nur anstrengend, wenn Du ein sog. Helfersyndrom hast. Dann bist du praktisch verloren!

In so einer Ausbildung lernt man allerdings (wenn es optimal verläuft) sich abzugrenzen.Das  heißt, sich nicht mit der Geschichte, dem Patienten zu verwickeln und zu verstricken. Man ist dann sozusagen "Zeuge / Beobachter". Also neutral.

Dann kann es viel Freude machen.

Antwort
von DieReminiszenz, 22

Das Studium "Psychologie"  versorgt dich erstmal mit den Fakten rund um die Psychologie, also Anatomie, Studien, etc.
Danach kannst du eine Weiterbildung für den Beruf Psychologe machen. Solltest du also während des Studiums merken, dass dich doch eher ein anderer Aspekt, als die Einzelarbeit mit Patienten reizt, dann könntest du immer noch umsteigen.

Konkreter zu deiner Frage: Ich habe mal aufgrund der Schule eine Psychologin interviewt. Sie meinte, es sei sehr wichtig, seine sog. "Lebenshygiene" aufrechtzuerhalten. Wie du also deine Hände wäschst, wenn du aus dem Bad gehst, so wäschst du auch deinen Kopf rein, wenn du aus dem Therapiezimmer gehst. Tut man das nicht, und das passiert zweifellos dann und wann, und man nimmt sozusagen die Arbeit mit nach hause, dann kann es sehr belastend werden.

Solltest du wirklich nur Psychologie studieren, um Menschen zu helfen musst du dir darüber im Klaren sein, dass dir zwar im Laufe deiner Ausbildung Mittel zur Distanzierung an die hand gegeben werden, diese aber nur denen helfen, die seelisch eine gewisse Grundstabilität mitbringen.

Viel Erfolg bei deinem Werdegang. :)

Kommentar von schloh80 ,

Es gibt keine Weiterbildung zum Psychologen.

Psychologe ist nicht das gleiche wie ein Psychotherapeut.

Kommentar von DieReminiszenz ,

Dann hat mir die Psychologin damals Quatsch erzählt? Zu meiner Schande habe ich keine praktische Erfahrung damit und kann mich nur darauf beziehen, was sie gesagt hat.

Danke für´s Verbessern.

Antwort
von Loris1996, 18

erstmal, du "musst" nicht.

Du kannst auch Psychologie Lehrerin werden oder einfach zusätzlich Psychologie zu etwas anderem studieren. aus spaß :D

Und zweitens ist das mit 16 viel zu früh sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Mit 16 hatte ich auch eine schwere Zeit und mittlerweile könnte ich mir sogar vorstellen Sterbehilfe zu machen. (also nicht Tod beschleunigen sonder Menschen auf dem Weg begleiten...)

Wenn es dich wirklich sehr interessiert wirst du sicher auf deinem Weg bleiben und dann wird sich alles von alleine beantworten, du wirst schon spüren ob das etwas für dich ist oder nicht.

Antwort
von schloh80, 15

Deine Frage legt für mich nahe, dass du Psychologe und Psychotherapeut verwechselst.

Hier wäre ein Medizinstudium die sinnvollere Studienvariante.

Ansonsten: natürlich erfordert ein Studium und ein akademischer Beruf in der Regel Anstrengung, auch seelische. Das ist aber nicht auf Medizin oder Psychologie beschränkt, sondern gilt ganz allgemein.

Kommentar von Dahika ,

Hier wäre ein Medizinstudium die sinnvollere Studienvariante.

Kapier ich nicht. Medizinisch ausgebildete Psychotherapeuten unterlegen denselben seelischen Belastungen wie Psychologen.

Kommentar von schloh80 ,

Sie haben ein höheres Einkommen, keine hohen Schulden, eine bezahlte, beruflich integrierte Weiterbildung, statt einer selbst zu finanzierenden Ausbildung und werden bezahlt, statt zu arbeiten ohne Bezahlung, bekommen am Wunschort ohne Kauf eine Kassenzulassung (25% Regel) uvm. 

Antwort
von Fliegereule, 17

Es kann einem selbst helfen anderen zu helfen oder auch unmöglich sein....da ist jeder anders und auch jede Situation, schätze ich. 

Auch muss man meiner Überzeugung nach selbst einen kleinen an der Waffel haben, um sich so intensiv mit anderen Menschen mit Problemen befassen zu können. Oder man bekommt einen mit der Zeit...wer kann das schon so genau sagen....

Antwort
von Referendarwin, 24

Studiere am besten Medizin. Da kannst auch Psyschotherapeut mit werden, verdienst aber nahezu das doppelte.

Außerdem kannste den Job viel leichter wechseln, falls du das seelisch nicht mehr packst.

Mit einem Psychologiestudium hast du weniger Möglichkeiten.

Kommentar von 2AlexH2 ,

Als Psychotherapeut hast du eine medizinische Grundlage und ein Grundverständnis dafür was im Körper vorgeht.

Oft sind auffällige Verhaltensweisen durch körperliche Probleme verursacht. 

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