Frage von Regulus123, 49

Psychischer Missbrauch in der Familie ect.. Wie geht man damit um. Ist es zu empfehlen diesen aufzudecken. Man wird ihn leugnen, da das Leben existenziell...?

in Frage gestellt würde. Das Lügengebäude würde zusammenbrechen. Ist es zu empfehlen den Kontakt zur Familie abzubrechen? Oder muss man wie mit den Wölfen mitheulen? Sollte man für die eigene Familie Empathie aufbringen, da sie offensichtlich nicht anders handeln konnten? Ist der seelische Missbrauch allgegenwärtig überall, immer? Ich bitte um ernst gemeinte Rückmeldung von Menschen, die hier Erfahrung mitbringen.

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Antwort
von Seanna, 29

Aussteigen und sich um seine eigene Seele kümmern (professionell kümmern "lassen").

Mehr kann man nicht tun - außer weiter mitleiden. Aber das hilft niemandem. Im Gegenteil, verringeringert es nur den Leidensdruck.

Ist dieser auch für andere Opfer groß genug, werden sie vllt auch den Schritt in die professionelle Beratung ggf. Beziehungsabbruch wagen.

Den Missbraucher wird man nicht von seinen Taten abhalten. So oder so nicht. Erst wenn ihm keine Opfer mehr zur Verfügung stehen.

Kommentar von Regulus123 ,

Kurze Frage: mitleiden verringert den Leidensdruck?

Kommentar von Seanna ,

Korrekt. Leiden noch andere, verteilt sich der Druck auf mehr Opfer und man sieht sich im ("falschen") Verhalten noch bestätigt. Machen andere ja auch so - gibt keinen anderen Weg.

Kommentar von Regulus123 ,

Kann es sein, dass es auch nur ein Opfer in der Familie gibt? Das Jüngste? Aus diversen Gründen? 

Antwort
von MarcoAH, 17

Ich würde den Kontakt soweit es geht meiden. Bei mir ist es ein wenig ähnlich gewesen wie bei dir. Mein Bruder ist ein Narzisst (leider) und meine Mutter hält zu ihm. Es wurde gelogen, ob ich dabei schaden nehme oder nicht, das war denen egal. Für die war das Lügen einen Menschen (mich) beschützen.

Ein Beispiel: Ich wurde in einer Abendschule, was ich neben der Arbeit machte, gemobbt. Aufgrund des Mobbings bekam ich auch keinen Abschluß. Ich lebte damals noch bei meinen Eltern und erzählte denen das. Die Reaktion meiner Mutter war: Sag doch, die haben was gegen mich. Da ich keinerlei Rückhalt hatte, sagte ich auch nichts, als ich in der Firma auch angefangen wurde, gemobbt zu werden. Ich vertraute mich ja keinem Menschen an. Das führte soweit, dass mein Kopf leer war (d.h. ich starrte z.B. auf eine Rechnung und konnte nichts in mich aufnehmen,...) und ich mir sogar das Leben nehmen wollte, was ich doch nicht schaffte. Als meine Kündigung kam, die Schuld wurde auf mich geschoben, fragte meine Mutter mich, warum. Als ich gesagt habe, dass ich in der Firma geschlagen wurde, sagt meine Mutter nur:"ach, das war vielleicht nur ein streicheln), als mir ein Kollege sagte, ich nehme Drogen, da wurde das von meiner Mutter alles verharmlost. Nur, um zwei Dinge zu nennen. Die Liste könnte ich weiter führen. Ein paar Monate später kam meine Mutter auf einmal auf die Idee, dass man da doch was machen müsste. Das lag daran, weil die Agentur für Arbeit mich für drei Monate sperren wollte. Ich schickte das, was mir passierte, auch, dass meine Stimme aufgrund des Mobbings nicht mehr da war, ein. Da sagte meine Mutter, wir schreiben dem Vorstand einen Brief, was passierte. Ich fertigte ein Mobbingtagebuch an, so gut wie ich konnte. Kurz gesagt, obwohl meine Mutter sagte, sie habe sich darum gekümmert und das Mobbingtagebuch an den Vorstand geschickt, ist dies nicht passiert. Ich schrieb das Mobbingtagebuch ganz umsonst. Das, was sie sagte und das, was sie machte, sind zweierlei.

Das nur kurz, was mir passierte. Ich könnte das weiter fortführen. Es sind genug Dinge passiert. Mein Bruder versteht z.B. nicht, dass ich den Kontakt zu ihm abgebrochen habe, obwohl ich ihm das ganz klar gesagt habe. Das letzte, was ich zu ihm sagte:"Ger, du verstehst das nicht. Ich will keinen Kontakt mehr zu dir". Am nächsten Tag stand er vor meiner Wohnungstür, weitere zwei Tage später lädt er mich zum Essen ein. Ich brach den Kontakt aufgrund von Beleidigungen, Diebstahl an mich usw. ab.

Ich bin ein wenig von deiner Frage abgewichen. Ich würde den Kontakt soweit wie Möglich einschränken, wenn es geht, ganz abbrechen. Meine Mutter sehe ich nicht mehr sooft, was mir sehr leid tut, aber ich werde mit nach unten gezogen, wenn ich das nicht gemacht hätte, da es mich oft belastet, wenn ich bei meinen Eltern bin und meinen Bruder sehe ich gar nicht mehr. Die sind sich keinerlei Schuld bewusst. Obwohl die Zeichen da sind: Mein Bruder zweimal geschieden, ganz wenige Freunde, keinen Kontakt mehr zur Schwester,...

Ich weiss nicht, ob es was bringt, das Öffentlich zu machen. Du kannst dich bei Ämtern, die sich damit auskennen, erkundigen. Ich suchte mir Halt bei Menschen, die mich mögen und bei Hobbies, die mir Spaß machen. So bin ich damals in einen Chor gegangen, wo ich heute noch mitsinge.

Kommentar von Regulus123 ,

Hallo Marco, danke für deine ausführliche Berichterstattung. Ja, das meine ich auch zu kennen: zu lügen, um (scheinbar) den Menschen zu schützen. Nichts Genaues weiß man. Alle halten dicht und leben das Lügenkonstrukt. Niemand legt offen die Karten auf den Tisch. Die Verwandtschaft kann man z.B. nicht leiden, es werden dennoch große Feste gefeiert etc. und hinterrücks gelästert (auf beiden Seiten). 

Ich kenne es so: meine Mutter ist eher hinterhältig, indem sie Informationen vorenthält, die schlussendlich doch heraus kommen. Sie entmündigt mich sozusagen, und dieses Verhalten praktiziert sie, seitdem ich klein bin. Ich habe kein Vertrauen in sie und habe dementsprechend immer wieder solche Frauen in meinem Leben angezogen. Der Rest der Familie fügt sich jeweils der zugedachten Rolle, teils mehr, teils weniger glücklich. Alle verhalten sich im Grunde genommen angepasst, um den Schein zu wahren in der jeweiligen Welt, in welcher sie leben. Nur echte Beziehungen, die hat niemand von ihnen. Kontakte dienen in erster Linie der Selbstwertregulation oder weil die Gesellschaft so ist wie sie ist, vielleicht alle so sind?

Meine Freunde habe ich in den letzten 2 Jahren alle, wirklich alle ausnahmslos aussortieren müssen. Purer Zufall, dass sich bestimmte Ereignisse so ergaben, die mir zeigten, dass das Beziehungsgefälle aufzuheben nicht erwünscht war und ist. Sehr schade, wenn man bedenkt, dass man diese Menschen tatsächlich mal gemocht hat. Die Erkenntnis, dass man ausschließlich Objekt war, der Selbstwertregulation diente, ist bitter.

Fühlst du dich denn im Chor wohl? Begegnet dir dort nicht ebenfalls dieses Beziehungsmuster, welches du Zuhause erfahren hast oder hast du dich in deiner Persönlichkeit tatsächlich gewandelt, sodass du diese Menschen heute nicht mehr anziehst? Wie hast du die Freunde kennen gelernt, die dich tatsächlich mögen? Wenn du weiter antworten magst, dann können wir uns auch gerne per PN austauschen.

Kommentar von MarcoAH ,

Danke für die Antwort.

Leider strahle ich diese Rolle, die mir in meiner Kindheit zugeteilt wurde, aus. Das macht sich leider im privaten als auch im beruflichen Leben bemerkbar. Mit meiner Schwester verstand ich mich super. Heute weiss ich, dass sie in derselben Lage war als ich. Ihr heutiger Mann hat ihr damals geholfen, da raus zu kommen. Als wir noch alle bei den Eltern wohnten, wurden sowohl meine als auch die Sachen meiner Schwester durchstöbert. Meine Schwester zog sehr schnell, direkt im Frühjahr nach Beendigung ihrer Lehre, mit ihrem Mann zusammen. Ich durchblickte damals die ganze Konstruktion nicht. Heute, wo ich Abstand von meiner Familie habe, sehe ich das ganz anders. Als ich vor vielen Monaten meinem Bruder beim Umzug half (vorher sah ich ihn kaum noch), dachte ich nur, was ich für einen Bruder habe. Ich bin einmal mitgefahren. Er missachtet stellenweise die Vorfahrten. Ich dachte mir, dass ich froh war, den Kontakt abgebrochen zu haben, auch wenn meine Mutter mir damals zuredete, ich solle mich mit meinem Bruder doch gut verstehen. Das geht nicht mehr. ICh habe wirklich alles erdenkliche getan, war bei meinen Eltern, sprach mit ddenen. Nichts. Redete mit meinem Bruder. Nichts. Rief ihn an. Er versprach mir, sich zu bessern. Das waren leere Worte. Das kostet unendlich viel Energie, die ich an anderen Stellen aufwenden hätte können.

Die ganze Situation führte dazu, dass ich mich viel besser mit dem weiblichen Geschlecht verstehe. Mein Bruder ist ein Narzisst. Einer, der sich wünscht, dass ich meine Ziele nicht erreiche. Er will, dass ich unter ihm stehe.

Ich merke leider das Gerüst, was mir in meiner Kindheit Widerfahren ist, oft. Im Chor merke ich das nicht. Mittlerweile gehe ich da auch in die Gemeinde. Dort zählt die Nächstenliebe. Sollte. Leider habe ich das vor 2-3 Wochen gemerkt, dass ein Mann aus der Gemeinde meinte, mich "abzuwerten". Ich erlebte das einmal heftig. Versuche, diesem Menschen aus dem Wege zu gehen.

Ich verbringe meine Zeit mit den Menschen, die mich so akzeptieren, wie ich bin. Menschen, die meinen, über mich zu bestimmen, sich über mich zu stellen und so weiter, so Menschen versuche ich, soweit es in meiner Macht steht, zu ignorieren. Man fährt viel besser damit. Und wenn es beruflich passiert, dass mich jemand scharf angeht, muss ich dementsprechend reagieren. Ich will nicht austeilen oder mich rächen. Ganz im Gegenteil: Ich will ein Leben haben, wo ich mich wohlfühle. Und das ist leider nicht der Fall, wenn Menschen auf mich Macht ausüben wollen.

Ich habe die Freunde zufällig kennengelernt. Ich lief eines Nachmittags in der Innenstadt. Da sah ich einen schönen Chor singen. Ich kam immer zu der Stelle, wo sie sangen. Nach einigen Wochen fragten sie mich, ob ich mitsingen wolle. Ich willigte ein. Das baut mich richtig auf. Es gibt mir immer wieder Kraft aufs neue. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Lügen. Ganz im Gegenteil. Ich halte die meisten Menschen aus dem Chor für sehr ehrliche Menschen, die die Mitmenschen respektieren.

Leider ist die Persönlichkeit, wie wir erzogen wurden, in uns drinnen. Wir können nur das beste daraus machen und uns von Menschen, die einem nicht gut tun, von uns fernhalten. Ich habe mich schon gewandelt, aber es bleibt irgendwas immer zurück.

Gerne können wir PN austauschen.

Viele Grüße.

Marco

Kommentar von Regulus123 ,

Danke für deine Zeilen. Gerne auch per PN!

Antwort
von Goodnight, 43

Bei Missbrauch ist es immer sinnvoll den Ort und die Menschen zu verlassen.

Antwort
von absolutions, 49

ganz ehrlich..

wenn es wirklich so ist, musst du selbst entscheiden was du möchtest und was dir wichtig ist bzw, wie wohl du dich fühlst in dieser situation

und achte nicht auf "lügenkonstruktionen" die zusammenbrechen könnten


Kommentar von MarcoAH ,

Stell dir mal vor, du würdest in so eine Situation reingeboren werden, wächst so auf und machst dir keine Gedanken, weil es ja deine Familie ist. Vergleich das mal mit Kindern, die bei Zeugen Jehovas reingeboren werden und die ganze Kindheit- und Jugendzeit so leben. Was soll ich, bzw. sollen Zeugenjehovaskinder selbst entscheiden? Wenn du von Klein auf angelogen wirst, da achtet man nicht darauf, dass irgendwas zusammen brechen kann. Erst wenn derjenige Abstand von dieser Situation, von den Menschen hat, wird es klarer. Wenn derjenige so aufwächst und keinerlei Abstand bekommt, wie soll derjenige (also ich) sich eine andere Meinung bilden können? Mit den Zeugen Jehovas ist das vielleicht leichter zu verstehen.

Ich glaube, du kannst dich in so eine Situation nicht hineinversetzen, weil du das, genau wie viele andere Menschen, das nicht erlebten.

Mit ist das erst langsam aber sicher bewusst geworden, als ich vor 15 Jahren die Abendschule besuchte und mein Bruder immer und immer wieder sagte, ich schaffe das nicht. Jede Woche mehrmals. Da dämmerte es mir langsam, dass in diesem Familienkonstrukt etwas nicht stimmt. Es dauerte lange, bis ich den nötigen Abstand herstellen konnte.

Ein Bekannter, dem erzählte ich das. Er wollte das nicht glauben. Dachte, ich fantasiere. Dieser Bekannte hat mich eines abends besucht. Zufälligerweise klingelte mein Bruder in der Zeit an meiner Tür (bin kurz vorher ausgezogen). Als ich meinem Bruder sagte, dass ich Besuch habe und ich nicht kann, klingelte mein Bruder über eine halbe Stunde vor meiner Tür, rief mich an und so weiter. Seitdem glaubt mir mein Bekannter. Er hat mich gefragt, ob das mein Bruder öfters macht und dass das respektlos sei.

Wenn du nicht weisst, warum mein Bruder das macht, er ist der ältere und meint, auf mich aufpassen zu müssen, was er mir auch sagte. Außerdem ist er Narzisstisch erkrankt. Es kommt nichts, was man ihm sagt, bei ihm an.

Kommentar von absolutions ,

es ist deine geschichte und deine entscheidung, aber jeder muss für sich selbst entscheiden.es gibt sicher viele solcher "familienlügen"  und der frager hat allein dadurch, dass er sich hier offenbart hat, möglicherweise schon eine entscheidung getroffen.

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