Frage von Marisratjee, 34

Psychische Erkrankungen/ Probleme Tabuthema?

Hallo,

(Hier ein kleiner Teil meiner Geschichte: )

Ich leide schon seit einigen Jahren und das schon sehr früh (Beginn mit ca. 11-12 Jahren) an schweren Depressionen und einigen Symtomen von Psychose und Manie (Habe trotzdem keines von beidem. Bestätigung vom jeweiligen FA.) und an weiterem, doch man versucht nochimmer herauszufinden was ich habe...Purer Stress bis jetzt, musste auch schon ins Krankenhaus, Notfallaufnahme etc. Es läuft schon seit einem Jahr so. Währenddessen gehe ich 2x Wöchentlich zu einer der besten Psychotherapeuten der Stadt und es geht langsam aber sicher bergauf :)

(Nebeniformationen zur Frage: )

Meine Familie hält meinen Zustand vor anderen geheim, denkt sich Ausreden für mein Verhalten aus. Abgesehen von 5 Personen weiss niemand bescheid. Die Leute haben ein schlechtes Bild von mir und ich kann ihnen keine Gründe nennen bzw. mich rechtfertigen. Sie wissen nicht, dass ich extreme Angst in der Nähe von Menschen kriege (keine Sozialphobie) flüchte immer, verstecke mich wenn ich in der Schule und Zuhause bin, eigentlich überall. Da währen noch diese Hintergrundgedanken dass mich alle jeden Moment umbringen wollen. (Seit der Therapie verschwindet auch dieses Problem + Halluzinationen und Verfolgungswahn) Ich würde alles geben, um mitreden zu können, mitlachen und in der Gesellschaft anderer Menschen zu sein, doch starkes Zittern, Herzasen, Schweissausbrücke, und Stottern hindern mich daran. Alle glauben dass ich unhöflich währe, mich zu gut für alle fühlen würde und deshalb nicht mit ihnen spreche, ihnen aus dem Weg gehe usw. oder einfach gestört/ seltsam bin. Aber keines davon ist der Fall. Klar, "ist doch egal was die anderen denken" aber nicht hier! Ich mache mir so keine Freunde und ich brauche in meinem Zustand jemanden. Ich habe alle verloren. Ich bin schon seit kleinauf einsam, aufgrund sehr starker Vernachlässigung, und das nochimmer.

Keinem kann ich klar machen das ich sie nicht ignoriere sondern mit meinen Ängsten zu kämpfen habe.

Schämt sich meine Familie, weil sie mir das alles angetan hat ? (Haben sie wirklich, keine Diskussion, ich habe nicht meine ganze/n Geschichte & Probleme erzählt ;) ) Oder sind psychische Probleme allgemein Tabu ? Werden solche Menschen einfach nicht in der Gesellschaft geduldet ? M.a.W , haben sie kein gutes Image?

Meine Geschichte braucht ihr nicht anzuzweifeln. Ich habe keine Selbstdiagnosen gestellt und kenne meine Situation besser als jeder GF Mitglied. Ebenfalls brauche ich keine Hilfe und Tipps zu meinen Problemen, die Geschichte soll nur zum Verstehen des Hintergrunds helfen. An alle die sowas garnicht im Sinn hatten, nichts für ungut, ich bin manchmal einfach genervt von diesen "das sind nur dilettantische Selbstdiagnosen" Kommentaren.

Ich entschuldige mich für Fehler & Verwirrendes, doch ich freue mich (wirklich nur auf meine Frage bezogene) Antworten zu erhalten. Für Fragen bin ich offen :)

Vielen lieben Dank im Voraus. LG Marilena

Expertenantwort
von Buddhishi, Community-Experte für Psychologie, 14

Hallo Marisratjee,

ja, es ist leider oft immer noch ein Tabuthema, aber es wird durch Aufklärung, wie sie z. B. Dr. Lütz betreibt, nach und nach besser. Sein Buch findest Du unter dem folgenden Link, falls es Dich interessiert:

https://www.amazon.de/Irre-behandeln-Falschen-Normalen.../dp/3579068792

Dennoch ist es nunmal so, dass viele Menschen psychische Erkrankungen einfach nicht verstehen oder auch nicht verstehen wollen. Körperlich Krankheiten wie ein Beinbruch etwa kann man sehen, messen und etwas 'damit anfangen'.

Psychische Erkrankungen sind für viele aufgrund von Unwissenheit immer noch eine geheimnisumwitterte Geschichte, die man nicht sehen und messen kann und gerade Eltern haben damit so ihre Probleme, denn man könnte sie ja dafür verantwortlich machen. Und Verantwortung für etwas zu übernehmen, ist nunmal nicht jedermann's Sache ;-(

Es wird wohl leider auch noch eine Weile dauern, bis man 'normal' mit psychischen Krankheiten umgeht.

LG

Expertenantwort
von rotesand, Community-Experte für Kleidung, Auto, Mode, Schule, 4

Liebe Marilena!

Von einem "Tabuthema" tue ich mich schwer zu reden. Das war mal! 

Aber es stimmt schon, dass psychische Krankheiten zwar mittlerweile eine gewisse Lobby bzw. ein Forum in der Öffentlichkeit haben, aber das zumeist aus höchst einseitigen bzw. inhaltlich falschen Themengebieten zusammengesetzt wird.

Egal ob im Apothekenheft oder in TV-Reportagen ------> unterschwellig wird immer versucht psychisch Kranke als geistesschwach, verwirrt, "durch den Wind", daneben oder sonst wie diffamierend abzuwerten. Das hat mit der Realität nix zu tun trägt aber zu diesem schlechten Image bei.

Ich wünsche dir alles Gute!

Antwort
von Mirarmor, 15

Hallo,

ja, diese Erkrankungen sind ein Tabu. Natürlich kann man Tabus brechen oder abbauen. Wenn man darüber spricht. Durch unsere Informationsgesellschaft und Berichterstattung vermindern sich die Tabus etwas.

Aber: Leider werden Menschen mit psychischen oder psychiatrischen Erkrankungen noch diskrimiert. Nicht von jedem, nicht dauernd, aber es ist so, besonders auf dem Arbeitsmarkt.

Deine Eltern wollen dich bestimmt davor beschützen und dir nicht die Zukunft verbauen.

Andererseits denke ich, bräuchtest du Freunde, die bescheid wissen und dein Verhalten richtig einordnen können.

Ich kann dir nicht wirklich raten, was du tun sollst. Es ist eine sehr schwierige Situation. Da du in guter Behandlung bist, habe ich Hoffnung, dass es dir in ein paar Jahren wesentlich besser geht und du dann Freundschaften aufbauen kannst.

Vielleicht wäre es ein Kompromiss, den Leuten zu sagen, dass es dir schlecht geht, dass du Probleme hast und dass du deswegen Menschengruppen meidest. Sagen, dass du nicht unhöflich sein möchtest und dass du nicht persönlich etwas gegen die Menschen hast.

Aber dann müsstest du es schaffen, dich nicht nach Details ausfragen zu lassen, ist auch nicht einfach. Und die Details würd ich dir nicht raten, weiterzuerzählen, da du noch nicht mal eine Diagnose hast. Und die Diagnose ginge auch niemanden etwas an.

Du solltest hier oder anderswo im Internet auf keinen Fall deinen richtigen Namen verwenden.

Gute Besserung!


Antwort
von Ostsee1982, 1

Das ist eine schwierige Situation, nicht nur für Betroffene sondern auch für Angehörige und Freunde. Das deine Eltern das Thema vertuschen könnte eine Überforderung sein weil sie selbst nicht wissen wie sie damit umgehen sollen oder sie wollen sich damit selbst schützen.

Psychische Erkrankungen sind längst nicht mehr so ein Tabuthema dennoch ist es so, dass psychisch erkrankte Menschen häufig an den gesellschaftlichen Rand gedrängt werden. Wenn man sich das Bein bricht, gibt es eine klare medizinische Erklärung, man weiß, in 6 - 8 Wochen ist alles wieder gut. Psychische Erkrankungen sind hingegen nicht greifbar, nichts was man messen oder rational fassen/erklären kann und das macht es unberechenbar und das wiederum verunsichert und man geht den Betroffenen aus dem Weg, nicht alle aber der Großteil. Das einzige was man daran ändern kann ist die eigene Einstellung und Sichtweise.

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