Propaganda erstellen, Soldaten für den Krieg begeistern?

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5 Antworten

Propaganda kann letztendlich alles sein. Du kannst den Begriff einfach mal googlen: Das können Plakate sein, Schriften, Flugblätter, Musik, Filme, Reden, Zeitungsartikel, auch Fernsehberichte usw. usw., wirklich alles womit man Menschen beeinflussen kann. Gerade in den beiden Weltkriegen und im kalten Krieg kam es zu dem ein oder anderem heute ikonischen Propagandamaterial: Z.B. die Comicfigur Captain America ist ursprünglich für Propagandazwecke gebraucht worden, das von mir unten verlinkte Plakat könnte dir auch bekannt vorkommen.

Zum ersten Punkt: Propaganda ist im Endeffekt einfach: Du nutzt bspw. Patriotismus und die Grundwerte sowie Ängste von Menschen, um sie für deine Zwecke zu instrumentalisieren. Die Nazis haben bspw. in unendlich vielen Propagandafilmen an die "deutsche Rasse" appelliert, sie haben dafür gesorgt, dass sich die Deutschen allen anderen Völkern überlegen fühlten, in dem man ihnen wiederholt eintrichterte von Natur aus mehr wert zu sein (-> Gut/Böse-Denken). An anderer Stelle wurde damit gedroht, dass das Vaterland untergehen würde, würde man sich selbst nicht dem Militärdienst verschreiben (-> Ängste).

Es ist im Prinzip immer das selbe Muster und dabei solltest du dir der Nähe von Propaganda zu ganz simpler alltäglicher Werbung bewusst werden. So wie im Fernsehen eine Firma für ihr Produkt wirbt, wirbt ein Staat oder eine Partei mit i.d.R. verfälschter/falscher Wahrheit für die eigenen Ziele. Dabei gilt es zu ergründen, was die "niedersten Triebe" des Menschen sind - man muss ein Begehr wecken, dass so gut wie jeder Mensch in sich trägt, um so möglichst viele Menschen zu erreichen. Ein sehr simples Beispiel für Jugendliche wäre ein Plakat, in dem behauptet wird, dass bspw. China versucht das Internet zu zerstören oder alle IPhones des Planeten zu kaufen - damit hätte man das Interesse der meisten Jugendlichen geweckt - im nächsten Schritt fordert man dann die Jugendlichen dazu auf, sich gegen China zu engagieren. Das, trivial dargestellt, ist nichts weiter als Propaganda.

Zum zweiten Punkt: Der schließt an den ersten an. Mit dem Sprachbild wird sicherlich gemeint sein, wie die sprachliche Gestaltung der Botschaft aussieht. Du kannst dir dafür das unten gezeigte Bild angucken. Dir wird auffallen, dass "Uncle Sam" (= USA) direkt auf den Betrachter zeigt und als würde er es selbst aussprechen steht dort: "Ich will dich bei der US-Army". Besonders wichtig ist hierbei das "Du" - es wird konkret eine Person gemeint und nicht die Masse, das soll dazu führen, dass du dich persönlich angesprochen und verantwortlich fühlst. Propaganda lässt niemals auch nur den Hauch eines Zweifels daran, dass "du" der Gute bist, wenn du das tust, was die Propaganda verlangt. Sie will, dass du dich gut und erhaben fühlst und dass du eine Sympathie für den Propagandisten und seine Ziele entwickelst. Er möchte dir das Gefühl geben, dass ihr beide im selben Boot sitzt und nur gemeinsam den Untergang dieses Bootes verhindern könnt.

In Propagandafilmen wird, wie schon gesagt, die eigene Sache heroisch dargestellt. In bspw. sowjetischer Propaganda wird der Kampf des starken und internationalen Proletariat (= Arbeiterschicht) gegen den bösen, imperialistischen Westen dargestellt. Es ist immer ein "Wir" - und wir sind immer gut - gegen "Die" - und die sind in jedem Fall schlecht. Jemand der Propaganda verbreitet ist ein Populist, jemand der die eigenen Leute erhöht und sie heroisch und gut da stehen lässt und sie dazu auffordert für "das Richtige" zu kämpfen. Es ist nichts weiter als Manipulation. Die Gemeinten sollen sich verantwortlich fühlen und ihnen soll das Gefühl gegeben werden, aus eigener Kraft etwas Großes zu schaffen. Propaganda reizt mit möglichem Erfolg, mit Ruhm und mit persönlicher Ehre. Noch wichtig ist: Es gibt immer ein Feindbild, das den Bösen spielt - nur so kann Propaganda wirklich funktionieren. 

Wenn du also selber Propaganda erstellen willst, solltest du folgende Aspekte beachten, im Prinzip geht es hier um den Zweck und die Mittel:

Zweck: 1. Was ist mein Ziel und was an diesem Ziel wäre für so gut wie jeden Menschen erstrebenswert?

Mittel: 2. Wer ist mein Feind und wie kann ich dafür sorgen, dass er böse und gefährlich erscheint?

Ein geläufiges Beispiel:

Nehmen wir an, es handele sich um Nazi-Propaganda, also:

1. "Mein" Ziel ist es, das deutsche Volk von der Nazi-Ideologie zu überzeugen und es für einen (Welt-)Krieg bereit zu machen. Das Volk soll diesen Krieg wollen und möglichst begeistert an ihm teilnehmen.

Frage: Wie sorge ich dafür, dass alle das wollen?

Ich fange damit an, das deutsche Volk an sich zu erheben, indem ich ihm erzähle, es sei Teil der höchsten, besten und stärksten Menschenrasse auf dem Planeten. Ich behaupte, es habe eine "höheres Ziel" und müsse sich seine "rechtmäßige Stellung" als wichtigstes Volk der Erde erkämpfen, da es diese Position von Natur aus verdient habe.

2. "Mein" Feind ist hierbei (unter anderem) das jüdische Volk.

Frage: Wie sorge ich dafür, dass er böse und gefährlich erscheint?

Ich behaupte, Juden seien eine parasitäre Rasse, die das deutsche Volks ausrotten wollen würde. Ich behaupte Juden würden deutsche Babies töten, sie würden für die Weltwirtschaftskrise verantwortlich sein und sie wären Schuld daran, dass der 1. Weltkrieg verloren wurde. Das wird dazu führen, dass die Deutschen - denen ich ja erzählt habe, dass sie besser sind - sich gegen die vermeintliche "Gefahr" durch die jüdische Bevölkerung - die angeblich weniger wert sei - auflehnt. 

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Kommentar von zetra
11.05.2016, 16:13

Eine sehr gute Darstellung: Ganz locker kann der Fall Nordkorea angeführt werden, die Propaganda hat es geschafft, dieses Land samt Kim Jong zu verteufeln, dass fast jeder Mensch der restlichen Welt kein Mitleid hat, wenn dieser Staat in Schutt und Asche gelegt werden sollte.

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Kommentar von 5432112345
12.05.2016, 11:35

Wenn du deinen linken Idealistenschleier abnimmst kommt sogar mal was richtig vernünftiges raus.


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Guck dir doch nur mal an, wie man heute Menschen hierzulande für Kriege begeistert. Man erzählt den Menschen, dass die Freiheit in Gefahr sei, sie durch eine "Freidensaktion" sprich Krieg zu beseitigen sei. So geschehen im Jugoslawienkrieg, dem in Afghanistan und wo auch immer sonst. Wenn "Freiheit in Gefahr" nicht ausreicht, dann wird mit Menschenrechtsverletzungen nachgeschoben. Man muß also nicht erst bis zu den Hitler-Faschisten zurückgehen, die jetzige Propaganda tut`s auch.

Der hiesige Schulbetrieb soll da mal nicht so heucheln und bestehende Zustände zukleistern.

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Ich weiß ja nicht, für welches Fach die Aufgabe ist, aber wenn Du gut malen oder zeichnen kannst, könntest Du ja zum Beispiel auch ein Plakat gestalten, statt einfach nur einen Text zu schreiben.

Generell funktioniert Propaganda, indem man Menschen Angst macht und den Gegner entmenschlicht und als Monster darstellt. Ein berühmtes Beispiel ist "If you tolerate this your children will be next" aus dem Spanischen Bürgerkrieg.

Generell funktioniert es gut, mit getöteten Kindern oder vergewaltigten Frauen zu argumentieren, weil Männer denen gegenüber einen Beschützerinstinkt haben, während das Leid von Männern die Leute weniger interessiert oder sogar komplett egal ist. Achte mal in den Nachrichten auf "10 Tote, darunter Frauen und Kinder". 

Soldaten sind dagegen meist Männer, gerade, wenn es eine Wehrpflicht gibt. Und daß Soldaten im Krieg sterben, ist "normal". Darüber darf niemand nachdenken, wenn Propaganda funktionieren soll. Diese beiden Dinge sollten in diesem Zusammenhang unbedingt thematisiert werden.

Man kann Menschen auch beschämen, wenn sie sich nicht dem Krieg anschließen wollen: "Feigling", "Vaterlandsverräter". Such mal nach "White Feather" in England im 1. Weltkrieg: http://spartacus-educational.com/FWWfeather.htm

Aus den Weltkriegen und dem kalten Krieg solltest Du eigentlich im Netz viele Beispiele finden können.

Unter Sprachbilder würde ich mir Wendungen vorstellen, die eine bestimmte Vorstellung beim Hörer entstehen lassen, zum Beispiel "Die rote Flut" im kalten Krieg. Da sieht man ja direkt, wie eine zerstörerische Welle von Soldaten aus dem Osten über Europa herfällt. Aber das ist nur ins Blaue hinein assoziiert...

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Sag dem Lehrer, das es komplett gegen deine Überzeugung ist. Du sozusagen Pazifist bist. Er soll dich doch bitte von der doch reichlich bescheuerten Herausgabe befreien. Mal sehen was er dazu sagt.

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Kommentar von at1212
11.05.2016, 13:06

Puh wenn ich das machen würde, bekäme ich Arrest. wenn nicht sogar schlimmer :( 

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Kommentar von medmonk
11.05.2016, 13:19

Derartige Reaktionen wird man sich aber nur erlauben können, wenn man sonst in dem Fach positiv auffällt. Ansonsten man sich keinen Gefallen damit tut. ;-)

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Kommentar von gwf79
11.05.2016, 13:24

Sollte man nicht gerade als Pazifist verstehen, wie Kriegspropaganda funktioniert, damit man sie besser erkennen und aufzeigen kann? Und ein guter Weg dazu ist doch sicherlich, sich Gedanken dazu zu machen und selbst welche zu schreiben oder zu malen.

Ich würde sogar raten, daß genau das die Idee des Lehrers hinter dieser Aufgabe war.

Es ist ja nicht so, daß jemand die Hausaufgabe eines Schülers benutzen würde, um tatsächlich Menschen aufzuhetzen. Da gibt es viel besser bezahlte Experten.

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Hör dir ein paar Reden von Joseph Goebbles an und du weist wie es geht. Oder du schaust auf Youtube die "Deutsche Wochenschau" von den Kriegszeiten an.

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