Frage von Sadness2014, 11

Prokrastination - Was kann ich dagegen tun?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Tasha, 7

Ich würde nicht versuchen, Prokrastination durch mehr Druck zu bekämpfen, denn das hat ja schon beim ersten Mal nicht geklappt. Man wusste, dass man die Sachen machen sollte und hat es trotzdem gelassen.

Stattdessen würde ich die Ursachen suchen!

Das kann schwierig sein und man muss sich genau beobachten: Warum mache ich das nicht? Habe ich dafür in meinem Tagesablauf keine Zeit?

Erscheint mir die Aufgabe laaaaange und ich schiebe sie vor mir her, weil ich andere Sachen machen möchte?

Weiß ich nicht genau, wie ich die komplette Aufgabe angehen sollte, was genau die Zwischenschritte sind?

Fehlen mir Fähigkeiten oder Wissen für die Aufgabe, die ich mir vorher aneignen sollte?

Wenn immer wieder die gleichen Routineaufgaben liegen bleiben, sollte man sich fragen, was einen daran hindert, diese sofort auszuführen. Oft sind das nur ganz kleine Dinge wie bzw. falsch angeeignete Routinen. Oder es fehlt etwas. 

Ein Freund von mir zog immer im Flur seine Schuhe aus und ließ sie dann dort mitten im Weg liegen. Irgendwann lagen da mehrere Paare, die er aufsammelte und "verstaute" und dann ging es wieder von vorne los. Das Problem war, dass er keinen Schuhschrank und keinen definierten Platz für die Schuhe hatte. Er bewahrte sie im Schrank im Schlafzimmer auf, aber dafür hätte er durchs ganze Haus ins Schlafzimmer laufen müssen und der Weg war ihm direkt nach dem Heimkommen zu lang. Er stellte sich dann einen kleinen Schrank direkt in den Flur und plötzlich war das Problem gelöst.

Überlege mal, was bei dir fehlt - Wissen, Möglichkeiten, Zeit, Routine - und eigne es dir dann an. Wie entsteht der Berg von Aufgaben, was hindert dich, sie anzugehen, solange sie klein sind? Das kann fehlende Routine sein, ein fehlendes Zeitfenster am Tag, ein gut geschmierter Arbeitsablauf, Energie (zu müde), Platz usw.

Und dann schaffe erst mal das Fehlende. Ordne z.B. Dingen einen Platz zu und bringe sie einen Monat lang jeden Tag dorthin. Nimm dir ein passendes, leeres Zeitfenster am Tag, in dem du die Aufgabe erledigen kannst (nicht wenn du zu müde oder  in Hetze bist oder schon andere - Hobby- - Aufgaben geplant hast. Überlege, ob du morgens oder abends mehr Zeit, Ruhe und Energie dafür hättest.

Ich habe keine Spülmaschine und eine Miniküche. Und nach dem Kochen stand überall Geschirr, so dass ich mich oft überfordert fühlte und einfach aus der Küche ging und die Aufgabe erst mal aufschob. Heute habe ich einen Kasten in der Küche, in den das dreckige Geschirr kommt, so kann ich die Arbeitsflächen reinigen und mich noch in der Küche bewegen und die Aufgabe sieht viel einfacher aus, als wenn überall Töpfe, Schalen und Teller stehen.

Bei Papieraufgaben - Schreibaufgaben, Ordnungsaufgaben - sollte man einen Überblick über Teilaufgaben haben und dann jeden Tag eine (halbe) Stunde ein bisschen machen. Ich kenne jemanden, der seine Papiere nie abheftet, sondern an verschiedenen Stellen "sammelt". Wichtige Papiere liegen tagelang offen rum, abgearbeitete sind im Schlafzimmer, im Küchenschrank usw. Und einmal im Jahr muss er sie sortieren, schiebt die Aufgabe monatelang vor sich her und muss dann ein ganzes Wochenende durcharbeiten. Der Ort, wo er die Briefe öffnet, ist weit entfern von dem Ort, wo die Leitzordner stehen und die Leitzordner sind so verstaut, dass man schlecht an sie heran kommt. Da wäre eine Hängeregistratur mMn nicht schlecht, so dass man ein Blatt Papier einfach in die passende Tasche fallen lassen könnte und später korrekt abheften. Was macht er aber? Wenn er abheftet, kommt alles ungeordent in einen Order, der einmal im Jahr sortiert wird: Jedes Blatt wird rausgeholt, es werden Stapel gebildet und wieder eingeheftet, das dauert dann halt ein Wochenende. Hätte er den Ordner an der Stelle, wo er die Briefe öffnet und würde sie kurz an die richtige Stelle abheften, hätte er ein WE im Jahr frei.

Das ist ein extremes Beispiel für ein "Hindernis". Oft macht man Sachen nicht, weil so ein Hindernis besteht: Das Material ist im hintersten Fach im Keller, das Material muss erst gesucht werden, es gibt keine klare Vorstellung vom Ablauf, man kommt schlecht an das nötige Material ran und möchte nicht erst den ganzen Schrank ausräumen, um es zu finden, man hat alle Sachen einer Kategorie übers Haus verteilt, man hat keinen Überblick über die benötigte Zeit. 

Im letzten Beispiel hilft ein Timer: Überlegen, womit man anfangen könnte, Timer auf 5 min stellen und 5 min diesen ersten Schritt machen. Dann macht man entweder freiwillig weiter oder stellt wieder den Timer oder nimmt sich für den Folgetag die Zeit für den kleinen zweiten Schritt. Der erste Schritt muss immer klein sein. 

Immer überlegen: Was kann ich JETZT schnell als ersten Schritt machen. Was mache ich dann die nächsten Tage oder Wochen täglich und wann genau.

Kommentar von Sadness2014 ,

Danke für die ausführliche Antwort.

Ich habe oft Hausaufgaben die ich sehr lange aufschiebe, bis an dem Tag bevor wir sie brauchen.

Ich habe eigentlich nie Lust zu lernen oder die Hausaufgaben zu machen.

Das komische: Sobald ich anfange macht es mir dann Spaß.

Antwort
von implying, 7

du musst versuchen, das was du aufschiebst, zu stückeln, und jeden tag ein bischen was davon zu tun, bis es erledigt ist. sofern es eine einzelne aufgabe ist.

wenn du allgemein zu gerne in den tag hinein prokrastinierst, versuche mal dir eine to-do-liste für jeden tag zu erstellen und die abzuarbeiten. häng sie dir dort hin wo du dich am meisten aufhältst, sodass du sie ständig vor augen hast und siehst was du tun wolltest/solltest.

oder versuch dich irgendwie selbst zu belohnen, wenn du etwas erledigt bekommst.

am besten fängst du gleich heute damit an, ist ja noch früh... obwohl, sonntags soll man ja nicht viel machen. morgen ist auch gut, da ist montag, also eine neue woche. aber montags hat man immer am wenigsten lust... vielleicht doch erst ab dienstag? ;D

Antwort
von Belladonna1971, 8

Erwachsen sein bedeutet auch, sich selbst zu erziehen und die Verantwortung zu übernehmen. Takte deinen Tag und führe feste Zeiten ein, in denen Du Dich auch nicht ablenken lässt. Das ist schon alles!

Beobachte dabei Deinen inneren Schweinehund und erziehe auch ihn humor- und liebevoll. Frage Dich ferner, ob Du auch das machst, was Du vollen Herzens machen möchtest!

Antwort
von oxBellaox, 8

halte dir doch einfach die unangenehmen Folgen vor Augen. Wenn es keine gibt, ist es nicht so schlimm

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