Frage von DestielShipper2, 79

Professionelle Hilfe nötig?

Ich bin 18, Single, wohne allein und mache eine Lehre. Ich hab ein etwas kompliziertes Verhältnis zu meiner Familie. Ich bin schüchtern und wirke oft ganz unbeholfen. Wenn ich nicht weiß, was ich antworten soll, schweige ich allgemein. Ich bin vorwiegend eher still außer bei meiner Familie und Freunden, die ich schon seit Jahren kenne. Mittlerweile habe ich in meiner Schüchternheit stark gebessert im Vergleich zu früher. (Im Kindergarten habe ich niemals zu irgendwem ein Wort gesagt, nicht mal bei der Erzieherin. Hab nur genickt oder Kopf geschüttelt.) In der Schule hatte ich es sozial nicht einfach. Ich war schon auf mehreren Schulen und war immer wieder das leichte "Opfer", das sich verspotten lässt ohne sich allein wehren zu können. Ich wurde beleidigt, ausgelacht und buchstäblich rumgeschubst auf dem Schulhof. "Hässliches Mistvieh..", "Kein Wunder, dass sie keine Freunde hat..", "Schaut euch den Fidschi doch mal an, die ist potthässlich!" usw.
Viele von denen, die nicht gemein zu mir waren, haben mir ständig gesagt, wie super schlau ich doch bin, doch ganz ehrlich? Ich fand mich nie herausragend klug, eher Durchschnitt. Ich finde, dass die Erwartungen da einfach viel zu niedrig geschraubt sind. Im Allgemeinen finde ich mich in keinerlei Hinsicht "genug". Vielleicht stelle ich auch zu hohe Anforderungen..
Ich bin Jungfrau, bin ungeküsst und war noch nie in einer Beziehung oder auf einem Date. Mir fällt es schon schwer genug, mich mit jemandem anzufreunden. Ich hab's nicht so mit Vertrauen. Ich gehe immer wieder vom Schlimmsten aus, bevor ich mich vom Gegenteil überzeugt habe.
Dann wäre da noch, dass ich "zu viel nachdenke". Mein Fahrlehrer hat letztens gemeckert, weil ich "mit dem Kopf in den Wolken stecke". Ich träume zu viel vor mich hin. Oft sind es unsinnige Fantasien, die sich in meinem Kopf abspielen, bezogen auf TV/Bücher/Filme. (Beispiel: Was wäre, wenn Harry Potter mein Bruder wär?) Ich flüchte sozusagen in andere "Welten".
Aber manchmal, wenn ich so in Gedanken versinke, muss ich an die Demütigungen in meiner Schulzeit oder Familienstreits denken. Sachen, die oft schon ewig zurückliegen, aber mich immer noch beschäftigen.
Was ich jetzt wissen möchte, ist, ob ich mir einen Psychologen suchen sollte, um über all das zu reden. Ich will einfach bloß normal sein!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Buddhishi, Community-Experte für Psychologe & Psychologie, 27

Hallo DestielShipper2,

bitte, versuche nicht 'normal' zu sein! Das wäre so schade, denn das würde bedeuten, dass Du Deine Persönlichkeit verbiegen müßtest, um Dich anzupassen. Und dadurch würdest Du Dich selbst langfristig verlieren.

Das, was als Normalsein definiert wird, ist nicht erstrebenswert. Es ist fremdbestimmt, von Prestigedenken geprägt, ungesund und unfrei. Dr. Manfred Lütz ist ein Vordenker in Sachen Normalität und Wahnsinn. Sein Buch: 'Irre! Wir behandeln die Falschen!' kann ich Dir nur wärmstens empfehlen. Links dazu:

https://www.welt.de/welt_print/debatte/article5290037/Nicht-die-Verrueckten-die-...

http://www.buechereule.de/wbb2/print.php?threadid=45102&page=1

Ich weiß, dass das Leben für Dich nicht einfach ist (Du scheinst einfach intelligenter zu sein als der Durchschnitt), aber es wird garantiert nicht besser, wenn Du Dich nicht so annimmst, wie Du bist und versuchst, daran zu arbeiten, Deine Flucht zu beenden und stattdessen Deine Art zu leben mit der Realität zu verbinden.

Dabei könnte Dir ein/e Psychotherapeut/in natürlich eine gute Unterstützung bieten.

Alles Liebe und Gute für Dich

Buddhishi

Antwort
von SocialMods, 29

Ich habe vieles was du durchgemacht hast auch durchmachen müssen, deshalb weiß ich wie man sich dabei fühlt. Ich bin früher vor der Realität geflüchtet und habe damit einen ziemlichen Fehler gemacht.

Ich hatte wegen einer Krankheit schon seit der 1. Klasse eine Pädagogin und Kinder Psychologin. Sie hat mir dann noch zuzüglich einen Sozialpädagogen gegeben, der bei ihr arbeitet.
Das hilft mir sehr. Deshalb würde ich dir auch empfehlen beides dir zuzulegen, und den Schwerpunkt auf den Sozialpädagogen zu legen.

Ich kenne deine Situation ziemlich gut, das verlangen "normal" zu sein, sich in deine eigene Welt zu begeben und so gut wie kein Vertrauen zu anderen zu haben. Ich habe mir früher sehr oft die Frage gestellt was wäre wenn ich diese Krankheit nicht hätte, wäre dann vielleicht vieles anders gelaufen, hätte ich jetzt diese Probleme nicht?
Das sind fragen die einem niemand beantworten kann, ich habe mich mit dem ganzen abgefunden und bin heute sogar froh darüber, dass ich sie habe.

"Normal" zu sein ist langweilig, deshalb versuche dein eigenes Ding zu machen, sei was besseres bzw. was besonderes. "Normal" sein kann jeder, ich könnte mich nicht abfinden, nur einer von Millionen zu sein.

Und Psychologen, Sozialpädagogen, all diese Leute können dir nicht helfen wenn du nicht dazu bereit bist an dir zu arbeiten, und du musst viel an dir arbeiten, und es wird dir viel Kraft kosten. Es ist normal, dass man nach einem Besuch beim Psychologen oder ähnliches erstmal für den Rest des Tages fertig ist. Deshalb kann ich dir nur viel Kraft und Erfolg wünschen.

Hoffe ich konnte dir helfen. MFG- SocialMods ;)

Antwort
von NorwinSchneider, 21

Mir ging es eine Weile lang ähnlich wie dir. Das was du da gerade erlebst hört sich sehr stark nach ADHS/ADS an. 

Irgendwie habe ich sehr viele Ähnlichkeiten in dem Text entdeckt. Ich habe diese Ängste besiegen können in dem ich mich so akzeptiert habe wie ich bin und einen Sch**** auf die Gedanken anderer gegeben habe. Gemobbt wurde ich glücklicherweise nie da ich immer stärker und größer war als meine Schulkameraden. 

Man kann sein Leben immer in die gewünschte Richtung lenken. Wenn du möchtest kannst du mit mir darüber schreiben :)

Antwort
von WanderIgelchen, 28

Du solltest einen Psychologen besuchen. Ich wurde in der Schule auch immer fertig gemacht und da hat mir der Psychologe einfach super geholfen. Ich tagträume 24/7, weil mir die Realität nicht gefällt, aber was bringt es, in eine andere Welt zu flüchten? Lösen sich dadurch Ängste und Probleme? Nein! Man muss sich mit den Ängsten und Problemen auseinandersetzen um sie verarbeiten zu können und da kann dir ein Psychologe dabei helfen, da er auch Sachen finden wird, die du nie als belastend gesehen hast, aber die trotzdem ein Grund sind, dass du so 'in deiner Traumwelt' lebst...

Antwort
von Manuel129, 19

Oh Gott ich würde dich gerne in den Arm nehmen und nie wieder los lassen..

mir ist ein Satz von dir besonders ins Auge gesprungen:
Im Allgemeinen finde ich mich in keinerlei Hinsicht "genug". Wieso denkst du das? Findest du dich nicht hübsch genug? Denkst du, wenn du schon nicht hübsch bist, wärst du gerne richtig intelligent? Denkst du das ist der Grund für deine Gefühlslage? 

In unserer Gesellschaft verfolgen alle Menschen Ideale, welche so gut wie niemals aus ihnen selbst hervorgehen. Aber was, wenn wir es versuchen, zu denen werden, die wir sind, ungeachtet dessen, ob das jetzt der Norm entspricht oder nicht? Das Stichwort zur Heilung deines Herzens lautet Selbsterkenntnis.. Die meisten Erwartungen, die wir an uns stellen, sind einfach unnatürlich und passen eigentlich gar nicht zu uns, sie gehen aus der Kultur, der Gesellschaft hervor, nicht aus uns. Es gibt ein Buch, welches ich dir speziell für diesen Zweck empfehle: Narziss und Goldmund von Hermann Hesse. 

Da Selbsterkenntnis zu erlangen eine mühevolle und längere Auseinandersetzung mit sich selbst verlangt, gebe ich dir lieber noch ein paar weitere Hinweise..^^

zuerst einmal.. bist du so wie du bist, und ich bin mir zu 100% sicher, dass dich auch Typen attraktiv finden. Außerdem scheinst du mir wie jemand zu sein, die man einfach lieben muss. Zu deiner Aussage, du wärst einfach nur gerne normal, kann ich wirklich leider nur mit dem Kopf schütteln.. Wärst du gerne so wie deine Mobber? Hättest du gerne so einen richtig normalen Charakter? Ich hänge auch oft in den Wolken, denke über vieles nach, während andere jedes Wochenende feiern gehen. Aber ich bin jeden Tag froh darüber nicht wie andere zu sein. Ich war auch schon aus natürlich, aber entweder nervt es mich, oder, wenn es doch mal ganz schön ist, ist es trotzdem nicht so schön wie im Gras zu liegen, die Sterne zu beobachten, zu zeichnen, oder am Besten mit einer wirklich netten Person ein schönes Gespräch führen bei dem sich so ein wohlig-warmes Gefühl vom Hinterkopf über den Nacken hin ausbreitet.. Löse dich einfach von allem, was andere wollen, was du für erstrebenswert hälst. Du wurdest früher nicht deines Aussehens wegen gemobbt, sondern weil du anders bist, in dem Alter ist das wie eine Bedrohung. Das ändert natürlich nichts daran, dass dein Selbstwertgefühl dadurch sehr stark erschüttert wurde.. Oh je ich verliere den roten Faden.. oder gab es niemals einen.. Naja.. es ist spät..^^ 

Achso.. Psychologe.. ich habe bisher sehr schlechte Erfahrungen mit Psychologen gemacht.. meiner Meinung nach reicht es aus ein paar Bücher zu lesen, vor allem von Hermann Hesse..^^ ( ich liebe den Mann :D )

Antwort
von SpaceDuck, 26

Hilfe wäre bestimmt nicht verkehrt. Du solltest selbstbewusster werden und versuchen die nicht runter ziehen zu lassen. 

Das mit dem zuviel nachdenken kenne ich, gerade beim Autofahren sollte man nicht nachdenken sondern einfach machen. 

Diese Idioten die dich immer beleidigt haben und die dich mobben, glauben nur dass du Klug bist, weil du allein und dies dem Klischee entspricht. Generell bist du anders, was gut ist und du solltest darauf Stolz sein. Versuch unabhängig zu sein und versuche dich auf dich zu konzentrieren. 

Das Problem, dies lässt sich nicht von heute auf morgen verbessern. 

Ich empfehle eine Meditation, um dein Selbstbewusstsein zu stärken! 

Antwort
von honigtopf3239, 29

Ich würde sagen : Wenn du das Gefühl hast dass ein Psychologe dir helfen könnte (und das tust du ja), suche dir einen (Obacht allerdings : Nicht jede/r hat alle Antworten und kann dir optimal helfen. Manchmal muss man etwas dranbleiben).
Bei mir war es sehr ähnlich (bin Asperger), aber die Diagnose will ich hier nicht stellen, nur weitergeben das es mir geholfen hat zu wissen was los ist bzw. daran arbeiten kann :)

Sonst denke ich kann man hier von der kurzen Beschreibung nicht viel mehr sagen. Viel Glück! 

P.S. : Warum man normal sein will habe ich nie verstanden - der typische "Normalo" hat meiner Meinung nach einen an der Klatsche :P Aber jedem das Seine

Kommentar von Buddhishi ,

Super:

der typische "Normalo" hat meiner Meinung nach einen an der Klatsche :P

Gezeichnet Buddhishi ;)

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