Frage von KaputterTom, 115

Probleme mit den Eltern und dem Jugendamt. Rat gesucht?

Vorgeschichte: Ich bin 16 Jahre alt, wohnhaft bei meinen Eltern und bin seit einigen Monaten beim Jugendamt da mein Vater mich komplett innerlich zerstört mit Beleidigungen, Mobbing und Schlägereien. Mein Bruder macht nebenbei mit gegen mich. Von Jugendamt bekam Ich anfangs massig Hilfe was die Jugendschutzstellen etc. bedeutet. Nun bekamen wir eine ambulante Erziehungshilfe. Diese hat alle 2 Tage einen Termin mit uns oder mit mir alleine. Vor einer Woche wurde es mir zuhause zu viel. Mein Vater war schrecklich zu mir und zu meiner Mutter. Somit bin Ich abgehauen. Weit weg nach Berlin, da ich dort viele bekannte habe. Es ist nun eine Woche vergangen und ich fahre zurück nachhause da auch mir das Geld langsam ausgeht.

In etwa drei Stunden bin Ich zuhause und werde einiges an Ärger abbekommen.

Anbei: Ich bin Depressiv und mir ist es nicht empfohlen in einem Raum alleine ohne jeglicher Unterhaltungselektronik oder Personen zum reden zu sein.

Mein Handy hat mein Vater mir bereits weggenommen. Und alle möglichen Sachen dazu. Habe derzeit das Handy meiner Mutter mitgenommen. Dann bin ich alleine in einem Raum. Und glaubt mir, das ist nicht gut.

Das Jugendamt nimmt es - so scheint es mir - nicht ernst. Ich darf nämlich in keine Jugendschutzstelle mehr. Und darf mich ebenso nicht ans Jugendamt wenden.

Die Erziehungshilfe sieht alles suuuper gelassen und sagt dass nichts passieren wird und dies und jenes. Komische Frau.

Mein Vater wird mich denke ich mal schlagen.

Wohne in Dortmund und bin derzeit wirklich Ratlos.

Jemand eine Idee?

Beste grüße,

T.

Antwort
von HobbyPianistin, 31

Wenn du schreibst, dein Vater sei vor einer Woche schrecklich zu dir und deiner Mutter gewesen - wie ist denn die aktuelle Einstellung deiner Mutter bezüglich eurem weiteren Familienleben ? Ambulante Hilfe zur Erziehung gewährt das JA i.d.R. wenn Familienmitglieder - insb. Eltern - bereit sind an Veränderungen mit zu arbeiten. Nachdem was du schreibst stellt sich mir die Frage wie bereit dein Vater dazu WIRKLICH ist. "Spielt" er das "Spielchen" Familienhilfe nur mit, oder versucht er tatsächlich an seinen Aggressionen zu arbeiten und ist vor einer Woche rückfällig geworden ?

Je nachdem wie die Einstellung deiner Mutter dazu ist, sollten du und deine Mutter mal unter 6 Augen mit eurer Familienhelferin darüber reden wie es weitergehen kann - z.B. ob nicht eine Trennung von eurem Vater sinnvoller wäre (eventuell zunächst zeitlich begrenzt, wenn deine Mutter zu einem größeren Schritt noch nicht fähig ist). Die Familienhelferin ist dazu da, euch in einem solchen Fall zu unterstützen! Auch eine Trennung von Eltern bzw. Familienmitgliedern kann ein Ergebnis sinnvoller Familienhilfe sein. "Familienhilfe" meint nicht, dass das (oft krank-machende-) System unbedingt zusammengehalten und repariert werden muss.

Dazu gehört natürlich dass deine Mutter und du bereit sind eurer Familienhelferin zu vertrauen - ohne dieses Vertrauen kann die Frau nämlich schlicht und einfach nicht arbeiten ;).

Die Erziehungshilfe sieht alles suuuper gelassen und sagt dass nichts passieren wird und dies und jenes. Komische Frau.

Was meinat du damit genau - WAS sieht die SPFH gelassen ? Eure Gesamtsituation, oder die Situation wenn du nach Hause zurück kommst - d.h. dass sie meint, dass dein Vater dich nicht schlägt, wenn du zu Hause ankommst ?

Falls Letzteres der Fall ist: Sie hat offensichtlich den Eindruck dass dein Vater wirklich an sich arbeiten möchte und leider rückfällig geworden ist. Sie hat deine Rückkehr jetzt mit ihm vorbereitet und ist daher sicher, dass er angemessen reagieren wird. Du solltest versuchen ihr zu vertrauen - falls dein Vater dir gegenüber (oder auch gegenüber deiner Mutter) doch gewalttätig wird, solltest du die Polizei rufen (die werden dann bei Bedarf auch das JA informieren/den Bereitschaftsdienst hinzuziehen) !

Falls Ersteres der Fall ist : Wenn du den Eindruck hast, dass die Familienhelferin eure Gesamt-familiäre-Situation zu locker einschätzt, dann sprich mit ihr. Genau deshalb hat sie wohl auch regelmäßige Einzeltermine mit dir, damit du ihr DEINE Sichtweise schildern kannst und ihr zusammen Lösungen dafür besprechen könnt.

Diese Lösung kann auch sein, dass du dauerhaft in eine Wohngruppe kommst, wenn du nicht mehr zu Hause bleiben möchtest und die Gründe dafür authentisch vorbringen kannst. Allerdings wirst du dich in einer solchen Gruppe an vielerlei Regeln halten müssen. Und genau hier vermute ich auch das Problem, warum du in keine Inobhtunahmegruppe mehr "darfst":

Kindern- und Jugendlichen die zu Hause Gewalt erleben und sich ZUMINDEST einigermaßen an die Alltagsregeln in einer Schutzstelle halten, wird es nicht verboten sich an eine solche bzw. an das JA dafür zu wenden! Erst Recht nicht vom Jugendamt! "Verbieten" (was sowieso im Prinzip nicht möglich ist ;) ) tut ein Jugendamt soetwas nur, wenn es bereits die Erfahrung mit diesem Jugendlichen gemacht hat, dass dieser Jugendliche in einer solchen Schutzstelle "über Tische und Bänke geht" bzw. sich an keinerlei Regeln hält. Das geht gar nicht - in eine Inobhutnahmestelle kommen Kinder u. Jugendliche die Schlimmes erlebt haben, daher gibt es in solchen Stellen eine ganz feste Alltagsstruktur (was ja auch bei Depressionen immer wieder empfohlen wird)- das gibt Sicherheit, Verlässlichkeit - Halt! Natürlich haben sicherlich auch viele Kinder u. Jugendliche anfangs vielleicht Probleme sich da "rein zu gewöhnen", ziehen sich zurück oder provozieren, etc...das wird akzeptiert bzw. nehmen die Betreuer darauf Einfluss-  die Jugendlichen tragen schließlich einige Belastungen mit sich herum. Aber absolute "Querulanten" die sich gegen jede Regel weigern und nur Unruhe stiften, etc., die können tatsächlich (in Absprache mit JA) verabschiedet werden! Müssen sie sogar: Aus Fürsorge gegenüber den anderen Kindern/Jugendl. ! Und da kann es dann natürlich sein, dass ein Jugendamt sagt: Du hast dich in dieser Einrichtung extrem daneben benommen - du wirst dich auch sonst nirgendwo an Regeln halten, daher bieten wir dir das nicht mehr an. Für schutzbedürftige UND aggressive Jugendliche (gibt es ja durchaus häufiger), für die aufgrund ihres Verhaltens die Betreuungsmöglichkeiten in einer normalen Inobhutnahmestelle nicht ausreichen, gibt es die stationäre Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Wenn du bereit bist, dich an die Regeln in einer Inobhutnahmegruppe zu halten und ausreichend begründen kannst warum du nicht mehr zu Hause bleiben möchtest, SOWIE eine solche Wohngruppe aus fachlicher Sicht für dich geeignet ist (z.B. aufgrund der Depressionen nicht doch zunächst eine stationäre Therapie als notwendiger angesehen wird), wird ein Jugendamt dir eine entsprechend stationäre Hilfe anbieten.

Antwort
von Menuett, 46

Bei Depressionen wird von elektronischer Unterhaltung sehr abgeraten.

Man will auch gerne alleine sein, das ist schon mal kein Drama.

Wenn Du geschlagen wirst, darfst Du auf alle Fälle in eine Schutzstelle.

Antwort
von Sanja2, 61

Ja, Selbstreflexion. Was kannst du anders machen um deine Situation zu verbessern? Nicht die Schuld bei allen anderen suchen.

"mir ist es nicht empfohlen in einem Raum alleine ohne jeglicher Unterhaltungselektronik oder Personen zum reden zu sein"

Dieser Satz reicht schon. Wer sollte so was empfehlen? Also ganz klar, eine therapeutische Empfehlung ist das nicht.

Wenn du Depressionen hast, dann lass dich behandeln.

Ehrlich gesagt glaube ich, dass die ambulante Erziehungshilfe schon richtig einschätzt was bei euch los ist. Du müsstest wahrscheinlich weniger mit dem Kopf durch die Wand und mehr schauen wie du dich in der Umwelt in der du eben lebst so bewegen kannst, dass es für dich UND die anderen passt.

Kommentar von KaputterTom ,

Ehrlich gesagt glaube Ich nicht dass diese Erziehungshilfe alles weißt und richtig denkt. Immerhin lebe Ich schon seit 16 Jahren mit diesen Leuten unter einem Dach. Und denkst du wirklich Ich mache keine Therapie? Ich könnte mich von meinem Vater weiter regieren lassen. Dann wäre alles gut. Tue Ich das? nö.

Kommentar von Sanja2 ,

Ich habe nicht gesagt, dass die Erziehungshilfe alles weiß, sie kann es richtig einschätzen. Gerade weil du seit 16 Jahren im System bist, bist du eben schon betriebsblind und siehst vielleicht deine eigenen Fehler und die Möglichkeiten die sich noch bieten nicht mehr. Wenn du Therapie machst, dann könnte die Therapeutin dir helfen wenn es wirklich so schlimm ist wie du glaubst.

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