Frage von sophyellee, 25

Probleme für den Handel im mittelalter?

Hallo ihr lieben. Meine Tochter hat mich heute gefragt welche Probleme es für den Handel im mittelalter gab. Aus Wikipedia lässt sich alles nur schlecht rauslesen.. Ich Danke euch für die antworten

Antwort
von Pudelcolada, 12

Die Schwierigkeit, Deine Frage eindeutig zu beantworten, liegt an dem Wort "Mittelalter" und dem Zeitraum, den es beschreibt:

Grob gesagt umfasst das Mittelalter etwa 1000 Jahre, plusminus ein paar hundert, je nachdem, für welches Ereignis Anfang und Ende festgelegt werden. Im Allgemeinen reicht eine Zeitangabe von 500 bis 1500 n.Chr.

Die nächste Gegenfrage ist: Für welche Region interessierst Du Dich, bzw Deine Tochter?
Denn Nationalstaaten wie heute gab es nicht, von den italienischen Städterepubliken im Hoch- und Spätmittelalter abgesehen. 

Was also für z.B. das Frankenreich Karls des Großen gilt (aber auch nicht überall), gilt noch lange nicht für das Frankreich im hundertjährigen Krieg, um nur mal eines von vielen Beispielen zu nennen.

Wenn ich mich aber jetzt auf pauschale Aussagen festlegen soll:

Der Fernhandel war sehr abhängig von den Jahreszeiten, Straßen waren für Wagenkolonnen oft nur im Sommer und Herbst befahrbar. Deswegen war die Binnen- und Flussschiffahrt von enormer Bedeutung. So lagen etwa die bedeutenden Städte im heutigen Deutschland fast alle am Rhein. Besonders schwierig war die Alpenüberquerung, die großen Handelsrouten umgingen Gebirge. Damit war ihr Weg berechenbar und wir kommen zum nächsten Punkt:

Die politische Unsicherheit war enorm. Es konnte passieren, dass ein Handelszug am Ziel ankam und feststellte, dass dort Krieg herrschte. Nicht gut. Auch der Warentransport selbst war Gefahren durch Überfälle ausgesetzt, und wenn der Räuber mit dem Grundherren identisch war, kam es zu erheblichen juristischen Problemen, weil der Grundherr fast immer auch die höchste richterliche Instanz darstellte. Dies war ein weiterer Pluspunkt für die Flussschiffahrt: Schiffe konnten über nacht auf der Flussmitte ankern, Wagen nicht.

Sprachprobleme, ein großes Thema. Kaum jemand außer Mönchen und Klerikern sprach Latein, die einzige internationale Sprache. Daher griffen viele auf jüdische Dolmetscher zurück, was zum einen verpöhnt war, zum anderen die Juden in eine heikle Lage brachte, denn bei Vertragsstreitigkeiten wurde natürlich zuerst der Dolmetscher zur Verantwortung gezogen. Besonders, wenn der Dolmetscher in nahezu allen Gebieten rechtlos war und lediglich unter dem persönlichen Schutz des Lehnsherrn stand - den dieser problemlos entziehen konnte.

Die katholische Kirche und der Papst: Wenn ein widerspenstiger Herrscher mit dem Kirchenbann belegt wurde, durfte keinerlei Kontakt mehr mit ihm gepflegt, also auch kein Handel getrieben werden. Diesen Umstand ließen sich Kaufleute von den Betroffenen natürlich durch erhöhte Zuschläge vergüten, die der Herrscher dann entweder über Abgabenerhöhungen oder Enteignungen oder einen kleinen Feldzug wieder hereinzuholen versuchte. Oder, indem sie sich Geld bei jüdischen Händlern liehen, denn dann konnten die Rückzahlungsmodalitäten auch im Nachhinein einseitig verändert werden.

Den einzigen stabilen Faktor im Fernhandel bildeten die Städte mit ihrer zunehmenden Einwohnerzahl und ihrem natürlichen Interesse an einem funktionierenden Handel.

Verschiedene Währungen waren dagegen weniger problematisch, schon früh
wurden Referenzwährungen wie der Florin eingeführt. Maß aller Dinge
waren Gold- und Silbergehalt, und der ließ sich seit Archimedes sehr
einfach über Dichte, Gewicht und Wasserverdrängung feststellen.
Außerdem erfanden die Bankhäuser der italienischen Republiken um etwa 1400 den Kreditbrief, also die bargeldlose Zahlung auf der Basis von Bareinzahlung bei der einen und Auszahlung bei der anderen Filliale.

Falls ich etwas vergessen oder ausgelassen habe, Ergänzungen sind willkommen.

Antwort
von smilenice, 13

Generell lassen sich da einige Probleme erkennen.

  1. Die Unsicherheit der Straßen. Da es keine einheitlichen Sicherheitsorgane gab, konnten Banditen ihr Unwesen recht gut treiben. Zwar stand auf das Banditentum die Todesstrafe, dennoch konnte man recht gut untertauchen.
  2. Die Qualität der Straßen. Im Gegensatz zum römischen Reich gab es im Mittelalter in der Regel keine guten, langen Handelswege, oftmals waren selbst die größten Handelsstraßen nur bessere Trampelpfade.
  3. Die Währungsungleichheit. Da Europa aus dutzenden kleineren und größeren Herzogtümern, Grafschaften etc. bestand und jedes eine eigene Währung, eigene Einheiten bzgl. Länge und Gewicht hatten, war ein geregelter Austusch nur schwer möglich.
  4. Zum Ende des Mittelalters immer unwichtiger, waren entsprechende Grundbesitzer zum Teil gierige Zeitgenossen. Da sind auch ordentliche Zölle und Steuern angefallen.

Das wäre das, was mir spontan einfällt.

Kommentar von TT1006 ,

Perfekter Beitrag. In die Sparte könnte man höchstens noch den Geldverleih hinzuzählen, welcher durch das Zinsverbot für Christen unmöglich wurde. Aber wie gesagt, das ist nur halb Handel.

*Pfeil nach oben* ;)

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