Frage von Entensyl, 39

Probleme bei der Bockhaltung von Meerschweinchen?

Wir hielten in einem ausreichend großem Käfig bisher 4 Böcke. Bis auf die üblichen Raufereien gab es keine Probleme. Nun ist vor 6 Wochen ein Tier verstorben. Seit gut 4 Wochen gibt es massive Probleme. Dabei tragen zwei Tiere richtige Bißwunden davon. Bei einem Tier stellen wir auch eine Gewichtsabnahme fest. Wir fragen uns ob es besser ist ein Tier wieder dazu zunehmen? Aber ob sich jeder Bock vergesellschaften läßt? Sind für eine Antwort dankbar

Antwort
von wutzwutz, 7


Zwei zusammen erworbene Jungböckchen fangen an sich zu prügeln?

Plötzlich herrscht Unfrieden und ständig ist Streit und Gejage?

Warum denn bloss, bisher war doch alles so harmonisch.

Was sind die Gründe dafür?

Leider ist es so, dass die meisten Züchter, Zooläden und
Privathalter die männlichen Meerschweinchen in sehr jungem Alter von 4 bis maximal 6 Wochen abgeben, weil sie dann geschlechtsreif sind. Außerdem
wünscht der Kunde niedliche Babies und ältere Buben sind schwer oder gar nicht verkäuflich.

Da liegt schon der erste Grund für mögliche Probleme.

Junge Meerschweinchen in geschlechtsreifem Alter sind
wie menschliche Vorschulkinder völlig hilflos im Umgang mit Artgenossen. Sie haben ihre Sprache bisher mangelhaft gelernt. Niemand hat ihnen
gezeigt, wie sie sich in Konfliktsituationen verhalten müssen und
wie man Streit vermeidet. Oft kennen sie noch nicht einmal genügend verschiedene Futtersorten und wissen nicht was man fressen darf und was
nicht.  Dreiergruppen sind die ungünstigste Konstellation von
Bubengruppen. Einer ist immer das dritte Rad am Wagen, sowas geht fast
nie gut.Hier hilft es also nur die Anzahl zu begradigen (2er WG
oder 4er WG).

Das nächste Problem liegt darin, dass der Hormondruck
sehr stark ist. Bis zum Alter von fast 2 Jahren machen die Buben
hormonelle Schübe durch, die sich in sogenannten Rappelphasen äußern. In diesem Alter versuchen die heranwachsenden Jungböckchen ihren Rang in der
Gruppe zu verbessern und eigene Weibchen zu erobern um einen eigenen Harem zu gründen. Wer es bis zum zweiten Lebensjahr nicht geschafft hat
sich zu vermehren und seine Gene weiterzugeben, der ist chancenlos, denn
viel älter werden Wildmeerschweinchen in der Natur meist nicht. Das hat
sich auch bei unseren Hausmeerschweinchen erhalten und ist ein
normales Verhaltensmuster.

Was also tun?

Ich würde hier dazu raten erstmal alle "Hormonbomben"
gleichzeitig kastrieren zu lassen und unmittelbar danach eine Vergesellschaftung der Jungs im gereinigten und völlig umdekorierten Gehege zuversuchen. Die Jungspunde sind nach der OP Leidenspartner im Bunde, alle etwas geschwächt und bestimmt nicht zum Streit aufgelegt. Das Gehege rate ich dazu mitDecken auszulegen, damit kein Schmutz und keine Späne in die Wunden kommt.

Wir wollen die Gruppe vergrößern, welche Kandidaten
sind geeignet?

Ein Frühkastrat wird vor der Geschlechtsreife kastriert,
war also nie Mann und riecht auch nicht so. So ein Frühkastrat ist für die
Notstation immer die bequemste Wahl, wenn es darum geht einem alten,
unkastrierten Bock (der nicht mehr kastriert werden kann) einen Partner für
den Rest seiner Tage zu geben. Der alte Bock wird ihn als Mädchen
dulden und auch so behandeln.
Nichts anderes würden die Jungspunde auch mit dem
kleinen Mann machen und sich wohlmöglich darüber hoffnungslos zerstreiten.
Jeder der unerzogenen Kerle will den vermeindlich weiblichen
Artgenossen für sich alleine. Ein Konkurrent wird nicht im eigenen Revier geduldet, verbissen und verjagt.

Es wäre wesentlich sinnvoller, dass die jungen Kerle
ersteimal von einem erfahrenen "Haudegen" erzogen und in ihre Schranken verwiesen werden. Ich würde in diesem Falle zu einem oder zwei bockgruppenerfahrenen Kastraten im Alter von 3 bis 4 Jahren raten, der/die sich zu helfen und zu verteidigen weiß/wissen und den Buben beibringt/beibringen, was man als Bube darf und was nicht.

http://meerschweinchen-nothilfe-hamburg.de

Du schreibst, Dein Gehege sei ausreichend groß. Wie groß ist es?

Ein Gehege für 2 Böckchen sollte 2 m² groß sein. Für jedes weitere Tier kommen 0,5 m² dazu. Besser ist noch viel mehr. Handelsübliche Käfige sind alleine in jedem Fall viel zu klein. Sie können aber durch eine Klappehegeerweiterung genutzt und passend gemacht werden. Sinnvoll sind Gehege mit mindestens 140 cm Länge, damit genügend Rennstrecke vorhanden ist. Für jedes Schweinchen müssen zudem 2 Unterschlupfe mit mindestens 2 Eingängen vorhanden sein, damit keine Engpässe entstehen. Etagen sollten idealerweise zwei Rampen besitzen, damit auch hier 2 Fluchtmöglichkeiten vorhanden sind.

Ich bin seit Jahren reine Böckchenhalterin. Ich halte mehrere Gruppen und nehme auch ständig Böckchen auf, weil ich als Notstation arbeite. Folge am besten mal meinem Link. Dort gibt es noch viele andere Informationen zur Böckchen- und Kastratenhaltung.

Kommentar von Entensyl ,

Danke für die Antwort

Unsere Gruppe kennt sich seit zwei Jahren und  die Tiere sind etwa drei und 2,5 Jahre alt

ier hat sich an jungem Gras wohl überfressen. Es war der Chef und schien sich den Magen komplett gefüllt zu haben. Leider

Das Gehege ist selbst gebaut nach einer Anleitung aus dem Netz.

Es hat zwei Etagen und eine Grundfläche von 1 x 3 m mal zwei Etagen.

An eine Kastration haben wir auch schon gedacht aber der Tierarzt sagt lieber nicht da die Tiere nicht mehr ganz so jung sind.

Wäre nicht die bessere Option ein nicht mehr so ganz jungen Bock dazu zu nehmen?

Antwort
von skogen, 16

Bockgruppen sind äußerst schwierig! Die Böcke müssten sich alle seit der 10. Lebenswoche kennen und trotzdem kannst später zu richtigen Kämpfen kommen.

Sind Sie kastriert? Das wäre eine Option, heißt aber nicht dass es auch funktioniert.

Du könntest auch Weibchen dazu setzen, allerdings würden die Böcke, schlimmsten Falls, um die Weibchen blutig kämpfen. Da bräuchtest du aber 3 Weiber pro Bock und ein wirklich seeehr großes Gehege.

Ich würde dir empfehlen, die Böcke zu kastrieren und sie nach 6 Wochen zu vermitteln, bzw "tauschen", sodass du später einem Bock und mehrere Weibchen hast.

Antwort
von testwiegehtdas, 17

Die kämpfen um die Ränge in der Gruppe.

Abnehmen tuen sie vermutlich, weil sie so viel kämpfen. Da könnt ihr nicht viel machen. Eine Kastration bei allen könnte evtl. helfen, sicher ist das aber auch nicht.

Wenn ihr Glück habt würde sich das neue Tier auf Rang 1 kämpfen und dann ist Ruhe. Wenn ihr Pech habt wird es noch schlimmer.

Antwort
von AnnaLenaMaus98, 8

Hallo,
das es neue Rangkämpfe gibt, wenn ein Tier verstorben ist, ist ganz normal, aber wenn es zu so massiven Kämpfen kommt würde ich doch eher mal zum Tierarzt gehen und die Situation da schildern, es besteht sonst auch Lebensgefahr für die anderen Tiere.
Liebe Grüße
Anna Lena

Antwort
von Exitussi, 13

DIE Haltung dieser Tiere ist eine Wissenschaft für sich. Wenn es wieder vier sind, kannst du notfalls mal 2er Gruppen bilden und eine Zeit warten, dann wieder vereinen. Oh Mann, diese Tiere sind in einem Zimmerkäfig wahrscheinlich nicht wirklich zufrieden. Ich sage nur...nie wieder.....so süss und sooo kompliziert und menschenscheu. Alle Achtung vor dieser Wissenschaft.

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