Frage von Silberkugel, 65

Probleme bei der Arbeit wegen beginnender Depression, was soll ich tun?

Hallo liebe Leute,

ich leide seit 4 Jahren unter bipolaren Störungen. Das heißt, ich leide immer mal wieder unter Depressionen oder manischen Episoden. Manchmal sind die Krankheitsphasen so schwer, dass ich sie im Krankenhaus behandeln lassen muss. Trotz der Erkrankung habe ich erfolgreich ein Studium abgeschlossen. Bei der Bewältigung meines Studiums half mir die psychosoziale Beratungsstelle meiner Hochschule. Daneben wurde ich psychiatrisch und psychotherapeutisch behandelt. Nach meinem Studium suchte ich mir eine Arbeitsstelle. Seither arbeite ich in einem großen Unternehmen. Anfangs lief alles gut und ich konnte auch die Personaler während des Vorstellungsgespräches von mir überzeugen. Seit etwa 2 Wochen geht es mir allerdings wieder stetig schlechter und ich vermute, dass ich wieder in eine Depression abrutsche.

Ich versuche die Depression mit allen Mitteln zu verhindern, nehme meine Medikamente, gehe laufen, achte darauf ausreichend zu essen und zu trinken, doch das alles hilft nichts! Nun gehe ich während der Arbeitszeit des Öfteren auf Toilette, um mir das Gesicht zu reinigen. Das kalte Wasser auf dem Gesicht erzeugt in mir kurzfristig ein Gefühl der Entspannung und verhindert, dass ich unter meinen Kolleg/innen in Tränen ausbreche. Leider hält diese Entspannung nicht lange an. Die Erkrankung macht mir mein Leben derzeit wieder zur Hölle und ich kann nicht die Arbeitsleistung erbringen, die ich im gesunden Zustand erbringen kann. Außerdem quält mich jede Minute, in der ich nicht im Bett sein kann. Ich habe bald wieder einen Termin bei meinem Arzt, aber was soll ich meinem Arbeitgeber sagen? Soll ich ihm von der Krankheit berichten? Ich frage mich generell wie es mit meinem Leben weitergehen soll. Ich bin einfach machtlos gegen die Erkrankung. Es ist nicht so, als ob ich nichts dagegen unternehmen würde. Ich habe schon einige Medikamente ausprobiert, bisher aber leider ohne spürbaren Erfolg.

Ich hoffe ihr könnt mir bei meinem Problem weiterhelfen. Für eure Tipps wäre ich euch sehr dankbar!

Antwort
von voayager, 11

Ich würde dem Arbeitgeber zunächst mal nichts sagen, schon um so eine mögliche Stigmatisierung zu verhindern. Warte erst mal deinen Arzttermin ab und achte darauf, was dir dein Artzt dazu sagt.

Antwort
von bettyboob1989, 15

Hallo du :)

ich bin laut meinen Ärzten irgendwoe zwischen Borderline und Bipolar, weiß also gut, was du durchmachst.

Ich war zweimal in einer Tagesklinik für jeweils drei Monate.

Das erste Mal am Ende meiner Ausbildung. Die Reaktion meines Arbeitgebers auf meine Probleme war unfassbar schlimm, ich wurde sogar von der Personalmanagerin als Lügnerin beschimpft, obwohl ich Rotz und Wasser heulend vor ihr saß. Das hat natürlich alles viel, viel schlimmer gemacht.

Bei meinem zweiten Aufenthalt in der Tagesklinik bin ich gerade mal ein Jahr bei meinem neuen Arbeitgeber gewesen...ich hatte natürlich richtig Angst, dass ich sofort meinen Job verliere...und weißt du was?
Die haben mir Blumen nach Hause geschickt, ich hab eine liebe Karte bekommen und mein Chef meinte, dass ich mir keinen Zeitdruck machen soll, sondern mich einfach nur auf das "gesund" werden konzentrieren soll.
Mir hat jeder, der davon wusste, den Rücken frei gehalten.
Es gab bestimmt Gerüchte und Getuschel, aber das gibt es ja immer und das Wichtigste ist, dass dein Chef hinter dir steht!

Wo auch immer dein Weg dich hinführt, ich wünsch dir weiterhin viel Erfolg mit der Krankheit umzugehen!

Antwort
von GaiJin, 9

Heya Silberkugel,

weiß ja nicht wie groß eure Firma ist und welche Strukturen es da gibt, aber wenn ihr sowas wie einen Betriebsrat oder (noch besser) einen Betriebsarzt habt, würde ich versuchen es dort zu besprechen und wenn er (halbwegs) zugänglich ist, mit den Chef/Abteilungsleiter reden...

LEIDER ist es ja so, das viele Leute solche Erkrankungen bzw. einen Besuch solcher Ärzte, damit abstempeln: Der/Die ist verrückt!

Da wird nicht differnziert, oft aus Unwissen bzw. weil es eben noch sehr viele Vorurteile gibt...  :-(

Hast Du sonst evtl. im Kollegenkreis jemanden dem/der Du Dich anvertrauen könntest? Zumindest soweit, das die Kollegen wissen, das die ein oder andere Reaktion nicht gegen/wegen denen ist, sondern es einfach ein Teil Deines Krankheitsbildes ist...

Viel Erfolg & Gute Besserung!

Antwort
von Spuky7, 41

Wenn du deinem Arbeitgeber davon erzählst, wirst du automatisch in die Psychokiste einsortiert. Ich würde das nicht erzählen. Das kann sich nachteilig auswirken. Such dir Hilfe ausserhalb der Arbeit. Geh vielleicht mal in eine Selbsthilfegruppe abends. Gibt auch welche für Bipolare, EA oder Depressive. Nimm dir am Wochenende eine Auszeit und geh mal in den  Zoo. Mach die Arbeit so gut wie möglich.

Kommentar von Silberkugel ,

Hallo Spuky7,
hast du damit selbst schon schlechte Erfahrungen gemacht?
Wenn es so weiter geht muss ich mich glaube ich ohnehin erstmal krankschreiben lassen.

Kommentar von Spuky7 ,

Ich bin bereits in der Psychokiste einsortiert, schon lange. Die Vorurteile sind groß von normalen Leuten. Krankschreiben ist eine gute Idee. Achte darauf, dass es nicht zu lange wird, sonst rutscht du leicht ab in die Erwerbsunfähigkeit.Die Arbeit kann dir auch Halt geben. Bleib nur eine Woche zuhause.

Antwort
von Welfenfee, 15

Die augenblickliche Situation scheint Dich sehr zu belasten und Du hast meinen Respekt, weil Du Dein Studium geschafft hast, denn so manch gesunder Mensch bekommt das nicht hin.

Wie lange bist Du nun in der Fima angestellt und welche Position bekleidest Du?

Dann gilt es herauszufinden, wodurch Deine schweren Depressionen stammen. Wenn Du keinen Auslöser weißt und z.B. die Gründe nicht in Deiner Kindheit oder an besonderen Erlebnissen fest zu machen sind, dann würde ich doch mal meinen Körper unter die Lupe nehmen lassen.

Da denke ich speziell an Deinen Hormonhaushalt und wenn der gestört ist, dann kann es katastrophale Folgen haben. Für mich war z.B. mal eine Hebamme zuständig und dann hörte ich Monate später, dass sie versucht hatte sich das Leben zu nehmen. Es war auch kein halbherziger Versuch und sie wurde wirklich nur durch einen Zufall gerettet. Man hat dann festgestellt, dass ihr ein bestimmtes Hormon fehlt und sie hat verzweifeln lassen.

Wir kommen gerade aus einer sehr dunklen Jahreszeit und wenn Du auch nicht sonst ein Sonnenanbeter bist und vielleicht Sonnencreme ganz toll findest, wenn Du Dich im Sommer mal so richtig brutzeln lässt, dann kann es schon sein, dass Dir das Vitamin D3 fehlt, was übrigens gar kein Vitamin ist, sondern eben auch ein Hormon.

Ich kenne Deine finanziellen Möglichkeiten nicht und man muss z.B. entsprechende Blutuntersuchungen aus eigener Tasche bezahlen. Doch bitte lasse da mal einen Facharzt schauen, der sich mit Hormonen auskennt.

Wenn Du krank geschrieben wirst, dann wird dem Arbeitgeber nicht mitgeteilt, was Du nun hast. Diagnosen werden lediglich auf dem Durchschlag für die Krankenkasse vermerkt.

In der heutigen Zeit kommt es leider immer häufiger vor, dass Menschen wegen ihrer Psyche ausfallen, doch kann man es wohl mit Deinen Beschwerden nicht vergleichen. Vielen hilft es schon, wenn sie regelmäßig im Wald spazieren gehen und sich einfach nur noch mit den schönen Dingen des Lebens beschäftigen und sich besser ernähren. Doch ich denke, dass bei Dir eine ganz andere Ursache zu finden ist.

Ich wünsche Dir alles Gute und bitte bleibe am Ball und eine gute Besserung.

Kommentar von Welfenfee ,

Du solltest Dir aber auch überlegen mit Deinem Chef offen zu reden und ihn fragen, was Du nun machen sollst. Wenn es sich nicht gerade um einen schlimmen Menschen handelt, dann wird er Dir auch helfen und raten.

Daneben stelle bitte einen Antrag auf Schwerbehinderung beim Versorgungsamt beim für Dich zuständigen Kreis. Das bietet Dir Vorteile, die nicht zu verachten sind.

Gerade, weil die Psychopharmaka nicht bei Dir anschlagen, wird es sicherlich eine körperliche Ursache haben. Du kannst Dir auch privat das D3 in der Apotheke kaufen, doch sollte es kombiniert werden. Frage doch mal in Deiner Apotheke nach, die kennen sich meistens auch sehr gut aus.

Kommentar von Silberkugel ,

Hallo Welfenfee,

vielen Dank für deine liebe Antwort!

Zu deinen Vorschlägen:
Ich kann körperliche Ursachen fast ausschließen, da ich schon mehrfach nach körperlichen Ursachen untersucht wurde.
Das Wetter hat einen Einfluss auf mein Befinden, aber so wirklich lässt sich kein Muster erkennen. Meine schwerste Depression hatte ich sogar mal im Sommer.
Am ehesten als Auslöser kommt meine Kindheit in Frage. Mittlerweile kann ich vieles darauf zurückführen. Doch leider hilft es mir nicht die Gründe zu kennen. Ich brauche eine Lösung, um präventiv gegen diese Phasen vorzugehen. Es ist vergleichbar mit einer Dominoreihe: Ich weiß zwar ungefähr, welcher Dominostein als erstes gefallen ist und somit das Fallen der anderen Steine nach sich zog, ich weiß aber nicht, wie ich das Fallen der Dominosteine aufhalten kann.

Der Vorschlag mit dem Versorgungsamt ist wirklich gut. Ich hatte auch schon einmal daran gedacht - zumindest ist es eine Überlegung wert, weil ich befürchte dass ich zukünftig wohl häufiger krank sein werde, wenn ich nicht das passende Medikament finden kann.

LG Silberkugel!

Kommentar von Welfenfee ,

Dann hilft es Dir nur, wenn Du eine andere Sichtweise erlangen kannst. Ist nicht ganz so einfach. Ich würde mich gerne mal mit Dir unterhalten, um der Sache wirklich auf den Grund zu gehen und das Übel bei der Wurzel zu packen.

Antwort
von sternenmeer57, 27

Kannst du nicht deinen Arzttermin vorziehen und mit dem Arzt reden, wie du das auf Arbeit mitteilen kannst? Oder du läßt dich erstmal vom Hausarzt krank schreiben.

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