Frage von Ascot12, 138

Problem mit Shetty, was kann ich tun?

Hallo, seit eineinhalb Jahren bin ich stolze Besitzerin von zwei Shettys. Nun macht mir jedoch schon seit langem mein junger Wallach Sorgen. Er ist immer sehr , wirklich sehr faul. Er bewegt sich nur im Schritt und man muss ihn regelrecht schleifen. Immer wieder versuche ich ihn zu beschäftigen, indem ich ihm Zirkuslektionen beibringe, und mit der Ausbildung fange ich jetzt auch an. Das ganze gestaltet sich allerdings unglaublich schwierig, da er zwar weiß, was man von ihm verlangt, aber sich trotzdem wiedersetzt. Er lässt sich jedoch auch nicht longieren, oder galoppiert einfach mal aus purer Lebensfreude über die Wiese. Man könnte sagen, er ist desinteressiert, aber das stimmt nicht. Harry ist ziemlich neugierig und ungewöhnlich Menschenbezogen. Ich habe überlegt, ob er irgendwo an den Hufen Probleme hat (ich lasse nochmal intensiv den Schmied drüber schauen). Allerdings humpelt er auch nicht und seine Hufe sehen gut aus. Er geht auch sehr klar. Wie kann ich seine Lebensgeister wecken? Braucht er einfach einen neuen Kameraden?

Zu ihm: Er ist ca. 3-5 Jahre alt und hat keine Papiere. Über seine Vorgeschichte wissen wir kaum was. Die Stute, die wir mit ihm zusammen geholt haben ist vermutlich seine Mutter, weswegen er natürlich sehr an ihr hängt. Mit ihr haben wir keine Probleme, sie hat viel Feuer und ließ sich problemlos ausbilden. Ihm fehlt an einem Hinterbein Fleisch, wahrscheinlich ist er als Fohlen in eine Schlinge getreten und hat sich somit das ganze so tief weggeschnitten. Das beeinträchtigt ihn aber nicht, bisher hatten wir damit niich nie Probleme.

Bitte helft mir! Ich habe ihn furchtbar lieb, aber trotzdem habe ich immer wieder überlegt, ihn einfach weg zu geben. Meine Mutter ist der Meinung, dass er halt einfach das geborene Beistellpferd ist, aber ich will ihn nicht fallen lassen. Er ist eigentlich sehr intelligent, kommt überall raus und an jedes Leckerchen ran. Er wiederspricht einfach allem, was ich bisher über Pferde gelernt habe. Andere Pferdeleute konnten mir auch noch nicht helfen. Ich bin für jede Antwort dankbar!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von NanaHu, Community-Experte für Pferde, 53

Das Verhalten dass dein pferd an den Tag legt kann verschiedenste Ursachen haben.

Im ersten Step solltest du das Tier von deinem TA durchchecken lassen. Gerne inkl Blutbild. Ich habe es schon häufiger erlebt (auch bei meinem eigenen Pferd), das müdes und mattes Verhalten von Mangelerscheinungen stammt. (Mein Hü hat hochgradigen Selenmangel gehabt - liegt hier am doch sehr selenarmen Boden. Mittlerweile füttere ich regelmäßig Selenkuren vom TA und meinem Hü gehts seit dem wieder viel besser.)

Auch Zahnprobleme oder eine Verspannung / Blockade können mögliche Ursachen sein..... das sollte abgeklärt werden.

Das Verhalten kann aber auch auf Grund von Wachstum hervorgerufen sein. Junge Pfede verändern sich ständig und können diese Veränderungen nicht immer sofort ausgleichen. (Mein Hü ist 4 bzw seit 01.01. ja nun 5. Letztes Jahr hatten wir eine Phase in der das liebe Tierchen einfach mal 3 Monate nicht mehr galoppieren konnte. Momentan klappt der Galopp wieder, dafür ist das kleine Wuscheltier hinten total überbaut.)

Vielleicht fühlt sich dein Pony überfordert. Einige Pferde brauchen länger als andere. Vielleicht hilft es ja wenn du das Tier einfach noch mal für 8- 10 Wochen auf die Weide stellst und einfach in Ruhe lässt. Dann ganz langsam wieder anfangen (Führtraining, Putzen, usw.)

Eine weitere Möglichkeit ist mangelde Motivation und Spaß an der Arbeit. Hier heißt es, finde des richtigen Motivator für das Pferd. Probier doch einfach mal aus. Es gibt so vieles was man mit einem Pferd machen kann, darunter wird sicher auch etwas sein, dass deinem Pony große Freude bereitet.

Expertenantwort
von ponyfliege, Community-Experte für Pferde, 27

hi,

wenn die stute vermutlich seine mutter ist, dann wurde der wallach aller wahrscheinlichkeit sehr früh kastriert.

ich würde allerdings, wenn du ihn bereits seit 1,5 jahren hast, davon ausgehen, dass er eher 5 als 3 jahre alt ist. ein kleinpony sieht mit 1,5 oder 2 jahren doch noch sehr nach fohlen aus. das würde man deutlich erkennen und er hätte sich dann in der zeit erheblich körperlich verändern müssen.

gehen wir also davon aus, er wäre etwa 2,5 oder 3 jahre alt gewesen, als du ihn bekommen hast.

wäre er jetzt 4 oder 5, müsste er deutlich im zahnwechsel sein. zumindest der tierarzt müsste in dieser phase das alter des ponys immer noch bis auf 3 monate genau schätzen können. das wäre also mal der erste schritt. zum anderen sollte der tierarzt auch mal einen allgemeincheck durchführen. ultraschall von herz, lunge, nieren, milz, leber. kotprobe, wurmkur, notwendige impfungen.

so, wie du es beschreibst, haben beide tiere schon seit langem keinen tierarzt mehr gesehen.

ein junges pony, das sich so wenig altersgemäss verhält, ist mit ziemlicher sicherheit nicht ganz gesund und sollte dringend einem tierarzt vorgestellt werden. der könnte auch sagen, wann das tier ungefähr kastriert wurde und mittels gentest lässt sich mit relativ wenig aufwand feststellen, ob stute und wallach tatsächlich miteinander verwandt sind. ist alles in allem nicht ganz billig, kostet aber auch nicht die welt.

"die hufe sehen gut aus" - sagt wer? du, der hufbearbeiter, deine mutter, bekannte, die andern im stall?

apropos stall - wie werden die tiere gehalten? stehen sie beim bauern, bei euch zu hause, in einem privatstall, einem pensionsstall?

stehen sie beim bauern oder bei euch daheim - was für tiere haltet ihr sonst noch? hühner, enten und gänse können, was pferde und ponys betrifft, recht problematisch sein, vor allem, wenn sie sich auf dem gelände relativ frei bewegen können. sie hinterlassen praktisch überall ihren kot, der dann von den andern tieren mitgefressen wird. pferde reagieren auf bakterien aus dem geflügelkot recht empfindlich, da sie gegen diese bakterien keine abwehrstoffe entwickeln können. damit ist ihr immunsystem andauernd schwer beschäftigt - was sich in verhaltensänderungen manifestieren kann.

gleiches ist möglich, wenn sich bereits parasiten wie lungen- oder herzwürmer übertragen haben, wenn pferde blutparasiten haben, etc. beides lässt sich durch einen einfachen ultraschall feststellen (zb. lebervergrösserung).

ausserdem sollte eine hirnerkrankung des ponys ausgeschlossen werden. beim verfangen in einer schlinge oder einem zaundraht (stacheldraht??? elektrodraht???) können durch die "gegenwehr" des tieres auch noch andere verletzungen auftreten. beispielsweise gehirnerschütterung durch anschlagen mit dem kopf oder ein hirnschaden durch elektrizität, wenn beim verfangen im elektrozaun der strom noch fliesst!!!

also sollte auch das "fehlende fleisch" am bein noch mal gründlichst tierärztlich abgecheckt werden.

auch eine besonders frühe kastration oder eine kastrationsinfektion können sich lebenslang beim pferd bemerkbar machen. wenn ich berechne, was du oben beschreibst...

angenommen, ich habe eine stute, die ein hengstfohlen hat. ich lasse die stute bei der "fohlenrosse" (9-14 tage nach der geburt des fohlens) wieder decken (sollte man nicht tun, aber viele züchter oder stutenbesitzer handhaben es trotzdem so). wenn das nächste fohlen kommt, ist der kleine hengst etwa ein jahr alt.

zweite annahme: die stute wurde nach etwa 1/2 jahr wieder gedeckt. dann ist bei der geburt des nächsten fohlens der kleine hengst etwa 1 1/2 jahre alt.

auch wenn das testosteron noch nicht "geschossen" ist, kann ein kleiner hengst mit einem jahr definitiv bereits erfolgreich decken. wenn man das vermeiden will, muss man die kleinen also von den stuten trennen - oder früh kastrieren lassen.

ponys sind aber spätentwickler und sollten grundsätzlich nicht vor vollendetem zweiten lebensjahr kastriert werden. auch das würde ein nicht alters- und nicht artgemässes temperamentsmuster bzw. eine entwicklungsverzögerung erklären.

dass ein pferd ein beisteller ist, bedeutet nicht, dass es nur ein reiner rasenmäher ist. das entspricht bei pferden, die nicht in der wildnis leben, sondern bei menschen, weder ihrem verhaltensmuster, noch ihren fähigkeiten. ein beisteller kann sogar noch reitbar sein. und ganz sicher kann man einen beisteller sinnvoll beschäftigen und seine lebensfreude durch typgemässe anregungen fördern. ich finde, deine mutter macht es sich in dieser hinsicht "geborener beisteller" da ein wenig zu leicht.

mir würden noch etwa 20 andere sachen einfallen, die alle entweder "könnten" oder sonstwie möglich wären. angefangen bei chronischer vergiftung, der fütterung, fehlbildungen (durch extreme inzucht) oder sonstige defekte.

im übrigen - das pony ist definitiv kein shetty. ein shetty wäre es mit den entsprechenden verbandspapieren und der entsprechenden körperlichen kennzeichnung. jedes shetty ist ein kleines pony - aber längst nicht jedes kleine pony ist ein shetty. shetlandpony oder shetty ist eine rassebezeichnung und nur anzuwenden auf tiere mit entsprechenden papieren.

mein fazit zu diesem roman lautet unterm strich:

der schlüssel zu der ganzen angelegenheit ist ein GRüNDLICHER check beider ponys durch einen kompetenten tierarzt! anders lässt sich das ganze nicht lösen.

viel erfolg und alles gute!

Kommentar von ponyfliege ,

ps - eventuell könnte es wichtig sein: welche farbe hat das pony? auf manchen farbgenen können bei pferden und ponys schwere erbgutdefekte liegen.

Kommentar von hupsipu ,

Ach Ponyfliege Du bist einfach klasse! :-)

Kommentar von ponyfliege ,

boah - danke... rotwerd... ;-))

Kommentar von Ascot12 ,

Ganz herzlichen Dank für deine Antwort, das hat mir schon sehr geholfen :)

Über eine Inzucht habe ich auch schon nachgedacht....
Harry ist ein Fuchs und sieht, genauso wie seine Mutter, regelmäßig den Tierartzt. Ich werde mit unserer Ärtztin nochmal darüber reden. 
Gehalten werden die Beiden bei uns zuhause. Im Sommer 24h Weide, im Winter Tagsüber Weide und Nachts Offenstall. Wir achten darauf, dass sie möglichst robust gehalten werden. Es stehen auch NUR die Zwei bei uns, kein Geflügel. Aber bei den Vorbesitzern wurden sie mit Geflügel zusammen gehalten. Ein halbes Jahr lang.

LG

Antwort
von Viowow, 26

hattest du schonmal eine ostheopatin da?

für mich klingt das so, als wenn du mit allen mitteln versuchst, dem pony das beizubringen, was es deiner meinung nach toll finden müsste.
findet es anscheinend aber nicht.

er kommt an jedes leckerlie ran, und überall raus?
dann bring ihm doch bei, wie man reißverschlüsse und deckel öffnet, wie man sachen von A nach B transportiert, wie man aus einer verzwickten situation rückwärts wieder ausparkt, baue einen trail für ihn, stell ihn unter einen sonnenschirm, spiel fussball mit ihm(gymnastikball) mal ihn an(fingerfarbe), putz ihn, beknuddel ihn, such vllt eine kleine pflege und tüddel beteiligung für ihn(ohne reiten)
alles sachen, für die man stehen kann oder schritt geht.

du schreibst du hast ihn sooooo lieb, aber überlegst, ihn wegzugeben? warum? weil er nicht so ist, wie man sich ein shetty vorstellt?

wenn gesundheitlich wirklich alles abgeklärt ist, nimm ihn wie er ist.

hab ihn lieb wie er ist.
und freu dich, das du da nicht so ein typisches "rotzefreches ar5chlochpony" hast, wie es viele shettys sind.

ps: letzter tip: hast du es schonmal.mit einem lizensierten parellitrainer versucht?
das wäre vllt noch eine option. wir haben hier eine und ich habe das gefühl, die kann die gedanken der pferde lesen.
sie setzt nicht am eigentlichen "problem" an, sondern viel viel weiter davor.

Kommentar von Ascot12 ,

Das mit Trails und so weiter habe ich ja schon versucht, er lässt sich nicht animieren. Immer wieder versuche ich, mich in ihn herein zu denken, und probiere dann, es mit ihm zu machen. Er beaobachtet alles mit Neugierde, aber letztendlich ist trotzdem alles Andere interessanter. 

Und ja, ich habe Harry unglaublich lieb, aber wenn mal wieder so gar nichts klappt, dann überlegt man schon, ob er es woanders besser hat, und ob ich vielleicht einfach nicht der richtige Mensch für ihn bin. Das mit dem Parellitrainer kann ich mal versuchen, wenn die anderen Anregungen hier ebenfalls erfolglos sind. 

Danke für deine Antwort!

Antwort
von AlexChristo, 55

Das ist nicht einfach zu beantworten.

1. Wenn du mit ihm arbeitest, wie fühlst du dich? Oftmals ist es so. Das Pferd nimmt deine Stimmung an. Wenn du keine Lust hast, selbst keine Energie hast, dann wird das Pferd auch keine Energie haben. Im Umkehrschluss. Versuche, wenn du mit dem Pferd arbeitest, selbst Energie und Spaß zu haben. Und vermeide Druck. Gehe nicht mit der Geisteshaltung rein. Mach jetzt, das musst du machen sondern: Ey, das ist toll, lass uns spielen, lass uns Spaß haben.

Das könnte schon etwas helfen.

2. Wie versuchst du Zirkuslektionen beizubringen? Hast du es schon mit klickern versucht? Das kann unglaubliches erzielen und das Pferd motivieren. Gerade wenn du sagst, er ist neugierig und intelligent.

 

Viel Erfolg

Kommentar von Ascot12 ,

motiviert bin ich eigentlich immer, und genau das ist das Problem. Immer wieder motiviere ich ihn dazu, mir zu folgen, zu spielen, Spaß zu haben, aber es interessiert ihn überhaupt nicht... er findet es ganz interessant, was ich da veranstalte, aber wozu sollte er mit machen? Obwohl ich ihn immer Lobe, sobald er mal etwas gut gemacht hat und mein bestes gebe, für ihn Mitarbeit mit etwas positivem zu verbinden. 

statt klickern benutze ich immer meine Stimme. Das Wort "Brav" verbindet er immer mit "Leckerlie"/"Gut gemacht". Zumindest setze ich es so ein. Aber ich denke, ich werde es nochmal mit so einem Klickkerteil probieren. Vielleicht klappt es ja dann tatsächlich.

Vielen Dank für deine Hilfe!

Kommentar von AlexChristo ,

Wenn du schreibst, dass es ihn interessiert, was du veranstaltest, ist das ein gutes Zeichen. Was du auch ausprobieren könntest: Ich weiß ja nicht, was du so tust. Stelle kleine Hindernisse, Kegel usw auf. Lade ihn dann ein, dich mit dir zu bewegen und dann ziehe dein Ding durch. Lauf/Gehe um die Kegel, spiel Ball oder was weiß ich. Lade ihn immer wieder ein, aber wenn er nicht mitmachen will, ist er selbst schuld. Ignoriere  ihn dann.  Probiere das einfach mal und schau, was passiert. Wichtig ist wirklich, dass du ihn einlädst, wenn er aber nicht mitmachen will, dann halt nicht.

 

Kommentar von Ascot12 ,

Ich werde es versuchen, danke :)

Kommentar von ponyfliege ,

wieso - scheinbar hat er dich doch gut im griff.

das beschäftigungsprogramm für die besitzerin funktioniert bestens. er wird ja bespasst bis zum geht nicht mehr ;-)

trotzdem stimmt mit dem pony was nicht...

ich denke da an eine andere geschichte mit einem shetty... das leider nicht körperlich komplett "auf den kopf gestellt" wurde und bei dem sich dann rausstellte, dass er leider doch was äusserst relevantes hatte. leider wars zu spät.

Antwort
von MockyLovesCandy, 39

So ein Shetty hab ich auch mal kennen gelernt, störisch und faul wie der teufel. Dennoch aber ein eigendlich liebes Pony. Longieren? Wozu, ich kann doch einfach bei dir in der mitte stehen. Verschiedene Leute haben alles versucht aber sie wollte einfach nicht, hat sich auch lieber alles angeguckt statt mit zumachen. Aber trotzdem war sie gerne beim Menschen und liebte es geputz und gestreichelt zu werden.

Wir kamen dann zu dem endschluss das sie einfach nicht mitarbeiten will und man da nichts groß gegen tun kann, bei manchen Ponys ist das dann einfach so.

Vielleicht kannst du versuchen mit beiden Ponys gleichzeitig was zu machen das er vielleicht mehr interesse bekommt wen er sieht was du die ganze zeit mit seiner Mutter macht. Und wenn das nichts hilft dann einfach viel spzieren gehen, putzen und son zeug.

Oder frag mal bei einer Pferdetrainerrin die sich auf Bodenarbeit spezialisiert hat vielleicht weiss sie ja weiter.

Kommentar von hupsipu ,

Einspruch - weder Pferd noch Pony weigern sich grundlos, mitzuarbeiten. Wenn Gesundheit und Vorgeschichte keine Gründe liefern liegt es sehr oft an der Art der Arbeit. Mit der richtigen Herangehensweise und den richtigen Inhalten ist absolut jedes Pferd dazu zu bringen, motiviert und mit Spaß zu arbeiten!

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community