Frage von luffu, 96

Problem mit Pflegepferd, kann mir jemand helfen?

Hallo, Seit einem Monat arbeite ich mit einer Kaltblut Stute, ihre Besitzerin befindet sich zur zeit im Krankenhaus und erwartet ein Kind, also liegt die ganze Verantwortung auf mir. Es lief auch alles super gut bis auf vor ein paar Tagen. Ich hab schon vorher bemerkt dass das Pferd anfängt meine Autorität unter Frage zu stellen. Beim spazieren gehen bleibt sie alle paar Sekunden stehen und will grasen und mittlerweile ist es schon so schlimm geworden das sie mich wegschubst, mich versucht zu treten und mit ihrem Kopf nach mir schlägt wenn sie ihren Willen nicht bekommt.. Auf dem Weg zum roundpen sieht es so ähnlich aus, nur das sie anstatt zu grasen in die Box will.. Putzen und waschen (sie hat Mauke; muss jeden Tag gewaschen und eingekremt werden) klappen problemlos aber der Rest.. Ich möchte mich nicht sofort an die Besitzerin richten, da sie stress momentan nicht gebrauchen kann, deswegen Frage ich hier wie ich möglichst ohne Gewalt eine Lösung für das Problem finden kann bzw den Grund für ihr verhalten, vorher war es ja nicht so

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von MissDeathMetal, Community-Experte für Pferde, 25

wenn dich das Pferd bis zum Gras bekommt warst du einfach zu langsam. Pferde deuten es an wenn sie wohin wollen. Ein unauffälliger Blick zur Seite... ein leichtes Kopfdrehen... der direkte Blick und wenn dann nichts von dir kommt -> Zerrt sie dich zum Gras. Davor hattest du schon 3x die Möglichkeit es zu unterbinden, aber du warst zu unaufmerksam. Ein Chef muss aber aufmerksam sein, das ist für ein Fluchttier wichtig um sich sicher fühlen zu können. 

Den Strick nicht zu kurz und auf Dauerzug halten, Zug bekommt immer Gegenzug. Du nimmst den Strick 30 cm unterhalb des Halfters und lässt ihn locker. Das Pferd läuft neben dir und guckt in deine Richtung. Kann es sich von dir wegdrehen kann es auch treten, also muss es zu dir gerichtet sein. Möchte es sich wegdrehen gibst du sofort einen kleinen Ruck am Strick, damit sie wieder zu dir guckt. Nicht blind & blöd durch die Gegend watscheln und sich wundern wenn was passiert. Wenn das Pferd richtung Gras schielt, wieder ein kurzer Ruck und dazu ein lautes "Nein!". Das hilft in der Regel. 

Wenn sich das Pferd gerne wegdreht um zu treten, dann solltest du einen längeren Strick mit 3-4m Länge nehmen. So kannst du das Pferd noch festhalten wenn es sich dreht. Warst du zu langsam und dein Pferd hängt im Gras, dann rucke einmal aber kräftig am Strick. Hast du eine Gerte dabei kannst du dem Pferd auch mal eine gegen die Brust geben. Nicht heftig, aber deutlich. 

Wenn mir ein Pferd Kopfnüsse verteilen will dann bekommt es den Strick oder die Hand gegen den Schädel, da hörts dann auf. So ein Pferdeschädel ist hart und das geht einfach nicht. Selbiges beim Schubsen. Stimmlich auch immer laut "Nein!" sagen und schimpfen. Das Pferd sollte irgendwann auf ein kurzes "nah!" reagieren wenn es Blödsinn macht. 

Am wichtigsten ist es aber, dass du konsequent bist. Wenn sie an einem Tag an dir schubbern darf und am nächsten nicht, dann macht dich das unglaubwürdig und inkonsequent, also unzuverlässig. Eine Regel ist eine Regel, sie gilt immer, egal ob du schlecht oder gut drauf bist. Zum Gras ziehen ist nicht ok, nicht jetzt und nicht morgen. Und das gilt immer und für alles. Das Pferd darf dich nicht wegschubsen und dir nicht auf die Füße steigen, wenn es dich zu sehr einengt musst du es wegschicken. andersrum musst du es aber auch akzeptieren wenn du dem Pferd zu nah bist. Jedem seinen Privatbereich. Gegenseitiger Respekt entsteht durch gegenseitige Akzeptanz. 

Warum das vorher nicht so war und jetzt plötzlich schon? Nunja, vorher war die Besitzerin da. Die hat das Pferd vllt geschimpft wenn es Blödsinn gemacht hat und es zurechtgewiesen, und das hat es sich gemerkt. Bei dir hat es dann vllt mal angetestet, wurde von der Besi aber wieder korrigiert. Jetzt wo du die einzige Person am Pferd bist prüft es, wie tauglich du bist als Chef, und offensichtlich bist du nicht konsequent genug und setzt dich nicht durch. Das Pferd hat die Führung übernommen und tut was es für richtig hält. 

Überdenke dein Tun beim Pferd, finde Regeln und beachte sie und fordere sie ein. Sei konsequent und energisch, aber nicht unhöflich. Routine gibt Sicherheit, du darfst morgen nicht anders sein als heute. Du darfst daraus lernen, dass du alleine mit dem Pferd überfordert bist und dass du dich in deiner Art und deinem Umgang stark verbessern willst, wenn du nicht immer quer über die Wiese gezogen werden willst

Expertenantwort
von ponyfliege, Community-Experte für Pferde & reiten, 25

hi,

wenn du bemerkst, dass das pferd deine autorität, also deinen höheren rang infrage stellt - dann mach autoritätsarbeit.

da es vermutlich an deiner körpersprache liegt und daran, dass du nicht so recht weisst, was du willst, musst du auch daran arbeiten.

das pferd wird dich respektieren, sobald es merkt, du weisst, was du willst.

am besten, du denkst dir ein paar aufgaben aus, bei dem das pferd auf dich angewiesen ist, um sie zu lösen. ich weiss leider nicht, was das pferd schon kann und was es noch nicht kann.

im endeffekt bekommt die besitzerin ihr kind ja nicht ewig - und wenns erst mal da ist, wird sie sich auch irgendwann wieder mit dem pferd beschäftigen wollen. ziemlich blöd, wenn es bis dahin völlig verzogen ist und alles verlernt hat.

also - ich als pferdebesitzer wäre ziemlich sauer, wenn meine pflegebeteiligung mir nicht offen sagt, was sache ist. zum andern wäre ich ziemlich froh, in der klinik mal andere sachen in den kopf zu kriegen als meine krankheit, meine komplikationen oder was auch immer. und wahrscheinlich könnte ich auch als pferdebesitzer aus meiner erfahrung mit genau diesem pferd am allerbesten sagen, was zu tun ist.

am besten hörst du auf, mit dem pferd rumzudoktern und sprichst mit der besitzerin. auch wenns der im moment nicht so gut geht. du wirst ja sowieso hin und wieder mal einen bericht "abliefern" - und du kannst ja nicht einfach behaupten, alles sei friede freude eierkuchen, wenn dem nicht so ist.

also - fass dir ein herz, ruf sie an. vielleicht nicht grad mitten in der nacht, aber bis am abend 21 uhr würde es schon noch gehen - oder tagsüber - oder schreib ein sms sie möge sich bitte melden.

besser, sie hat, wenn sie wiederkommt ein pferd, mit dem sie umgehen kann und weiss jederzeit, was sache ist, als dass du rumprobierst, doch nichts zustande kriegst und zum scherbenhaufen auch noch das schlechte gewissen kommt. klar - ziemlich krass ausgedrückt.

aber - ich bin für offenheit. als pferdebesitzer würde ich mich hintergangen fühlen, wenn meine pflegebeteiligung sich anders verhalten würde.

hau rein!

Kommentar von MissDeathMetal ,

was ist denn Autoritätsarbeit? Entweder man ist autoritär und hat sich Respekt verdient, oder man ist es nicht und bekommt auch keinen. Nur im Roundpen für die Arbeitszeit autoritär zu sein ist unsinnig. Wenn man der Chef sein will, dann muss man das auch konsequent sein, und nicht phasenweise .-. 

Kommentar von ponyfliege ,

autoritätsarbeit beginnt, sobald ich mich daheim fertig mache, um zum pferd zu gehen oder zu fahren: wie geht es mir selber, wie bin ich drauf, was strahle ich aus...

sobald ich beim pferd bin muss ich dasselbe sofort beim pferd erkennen.

ganz klar: das pferd hat weder mich zu schubsen, noch wegzudrücken, noch darf es mich beim führen überholen oder zurückbleiben.

überwinden der sogenannten persönlichen distanz: der mensch gibt eine (wenn auch geringe) persönliche distanz nur gegenüber seinen engsten vertrauten auf. diese persönliche distanz existiert unter pferden, die miteinander befreundet sind nicht. sie wird nur gegenüber fremden ständig eingehalten. dafür wird auch schon mal "geschubst". achte darauf, das pferd in deine unmittelbare nähe zu holen oder dich selber ständig in diese distanzlinie einzubrechen. völlig gewaltfrei kannst du das pferd dazu zwingen, die nähe zuzulassen. du bist der ranghöhere, es ist deine entscheidung, ob die persönliche distanz eingehalten wird oder nicht.

solange die autoritätsfrage nicht ABSOLUT geklärt ist, das pferd NIEMALS aus der hand füttern. danach das pferd nur dann aus der hand füttern wenn es sich eine belohnung verdient hat - und wenn es sich benimmt. die hand mit der belohnung geht zum pferd, NIE das pferd zur belohnung. es geht um deine sicherheit!

gegen das schubsen hilft nur, dass in dem moment, in dem der pferdekopf zu dir rüberkommt, dein ellbogen ausfährt und zwar blitzartig. das pferd wird sich vermutlich dann erst mal die wange oder das kinn oder die nüstern kräftig anstossen. du klärst damit, dass du keine distanz wünscht, aber deinen persönlichen raum beanspruchst. mit ein paar entschiedenen oder schnellen reaktion dieser art machst du das dem pferd recht schnell klar.

sollte es versuchen zu grasen - gegenhalten kannst du vergessen. da lernt das pferd bloss, dass es stärker ist. da ist schnell sein angesagt. entweder verhindert du das grasen durch entschiedenes weitergehen (der strick darf NIE durchhängen und deine position ist IMMER auf höhe des pferdekopfes). solltest du mal zu langsam sein, musst du dich ruckartig so schnell wie möglich nach rechts umdrehen und SOFORT von vorn gegen die brust des pferdes laufen. die ersten male, wenn du das tust, ziehst du gleichzeitig das rechte knie hoch und rammst es so fest du kannst gegen das pferd. DU bist der ranghöhere, DU hast das wegerecht. und wenn das pferd nicht von allein ausweicht, wird es angerempelt, damit es weicht. das sollte jedes pferd verstehen, ohne dass man es ihm beibringen muss. das ist pferde"sprache", das lernt es schon als fohlen.

im roundpen kannst du das dann noch ein bisschen verfeinern. über das von vorn direkt an die brust des pferdes herangehen bringst du das pferd dazu, rückwärts zu gehen - am anfang vielleicht noch mit hand- oder notfalls knieunterstützung (kommando: zurück). wenn deine position gefestigt ist, genügt es bei den allermeisten pferden bereits, wenn du vor ihm stehst, deine körperspannung durch aufrichten erhöhst (die bewegung entspricht in etwa dem aufrichten beim leichttraben), die arme zeigen schräg seitlich ein paar zentimeter vom körper entfernt nach unten, die handflächen nach vorn. und du machst gleichzeitig einen schritt nach vorn. 

das ist die geste, die das ranghöhere pferd macht, wenn es wünscht, dass das rangniederige pferd nach rückwärts ausweicht.

wenn das pferd auf diese weise gelernt hat, beim führen zuverlässig und ordentlich neben dir her zu gehen und das ausweichen nach rückwärts kann, kannst du anfangen, weitere übungen zu machen.

zum beispiel das pferd einladen, zu dir zu kommen. dazu stehst du leicht schräg zum pferd, drehst den oberkörper ein wenig in seine richtung, der arm ist locker und die offene aber entspannte handfläche zeigt richtung pferd. sobald du seine aufmerksamkeit hast, wirst du intuitiv das richtige tun - entweder einen halben schritt vorwärts gehen oder einen halben schritt rückwärts. dadurch, dass dein körper nicht unter spannung steht, sondern ganz locker ist, signalisierst du dem pferd freundliches interesser und zeigst ihm, dass du wünscht, die persönliche distanz aufzuheben. das ganze unterstützt du mit dem kommando "komm her". wenn das pferd dann entspannt den kopf "fallen" lässt und einen schritt auf dich zu macht, hat es kapiert, was du von ihm möchtest.

ich hab auf diese weise schon gruppen von ponies von einer koppel zur andern gebracht. bei einer gemischten gruppe fordert man die leitstute auf, zu folgen (sie ist nicht zwangsläufig das ranghöchste tier der gruppe), bei einer wallachgruppe das ranghöchste tier. man tappt einfach im gemütlichen schlenderschritt vorneweg und der ganze trupp marschiert einträchtig im gänsemarsch hinterher. wenn du die aktuelle rangordnung in der gruppe kennst, funktioniert das immer.

trotzdem - unbedingt mit der besitzerin sprechen.

und mal nachfragen, wann madame voraussichtlich rossig wird. auch dann kann stutchen mal etwas anders drauf sein...

Kommentar von MissDeathMetal ,

ich musste noch nie einem Pferd das Knie in die Brust rammen damit es rückwärtsgeht ... 

Und das mit dem Kommando unter Pferden, dass das andere rückwärtsgeht hab ich auch nicht verstanden. Ich habe noch nie gesehen, dass ein Pferd das andere rückwärtsrichtet?? Das ranghöhere Tier beansprucht den Platz und das rangniedere hat wegzukommen oder es gibt Dresche. Ob es das jetzt durch umdrehen und gehen oder durch rückwärtslaufen tut ist seine freie Entscheidungssache. Ein Pferd welches ein anderes Pferd gezielt rückwärtsgehen lässt, gibt es nicht. Das machen Pferde so nicht, es geht nur um den Platzanspruch, ich weiß auch nicht warum ausgerechnet das Rückwärtsgehen als so besonders dominante Geste interpretiert wird. Wegschicken, wie das Pferd geht ist egal. Möchte ich es konkret rückwärtsrichten sollte ich das behutsam machen und das Pferd langsam weichen lassen. 

Die Anleitung zum Mitkommen ist nett gemeint, aber wenn der Körper nicht zu 100% ausdrückt was du möchtest, dann bringt das nix. Theatralische Verrenkungen täuschen nicht über die innerliche Haltung weg. Ich verweise da mal auf das limbische Gehirnsystem, das unsere instinktive Körperhaltung beherrscht. Wer sich nicht sicher ist wird keine sicherheit ausstrahlen können. Ich weiß was du meinst Ponyfliege, aber der TE wird es nur bedingt bis gar nicht helfen wenn sie sich innerlich nicht sicher ist mit dem, was sie da tut und will. 

Und meiner Meinung nach sollte der Strick immer leicht durchhängen, aber eben nicht am Boden schleifen. Die Hand sollte auch niemals dauerhaft fest umschließend sein, das merkt das Pferd alles. Oftmals reicht es wenn man die Faust fester schließt wenn das Pferd zum Gras schielt und die Sache ist erledigt. Ein dauerhaft kurzer Strick lädt nur Spannung auf, die sich auf das Pferd überträgt. Meiner Erfahrung nach in 70% der fälle schuld, dass sich das Pferd überhaupt erst aufspielt

Antwort
von MockyLovesCandy, 53

Du musst dich bei ihr durchsetzten. Halt den Führstrick kurz und zieh sie schon zurück wenn sie den Kopf nur dreht oder senkt, wenn sie den Kopf einmal unten hat bekommst du ihn schwer wieder hoch. Denn jedes mal wenn sie auch nur ein paar Grashalme pflückt ist das schon ein erfolgserlebniss für sie und ein ansporn es beim nächsten mal wieder zu machen weil sie gelernt hat das sie damit durchkommt.

Du kannst auch eine Gerte zu hilfe nehmen, aber nicht immer draufhauen wenn sie Gras frisst sonder mit verstand einsetzen, sie immer leicht vorrantreiben wenn sie fressen will. ;)

Expertenantwort
von NanaHu, Community-Experte für Pferde & reiten, 11

Das hört sich nach mangelder Autorität an.

Ein Pferd teste regelmäßig an und aus ob es sich noch lohnt sich seinem Gegenüber unter zu ordnen und an zu schließen oder ob es sinnvoller und sicherer ist selbst die Führung zu übernehmen. (Das eine Pferd testet mehr und fragt häufiger nach, das andere weniger.)

Ich denke, mal dass in der Zeit als die Besi sich noch mit um das Pferd gekümmert hat.....das Pferd zwar getestet hat was geht und was nicht, aber immer wieder von der Besi in seine Schranken gewiesen wurde. Nun fehlt die Besi und das autoritäre Verhalten und das Pferd probiert wieder einmal aus ob es sich noch lohnt sich unter zu ordnen oder nicht. Setzt du dem nichts entgegen, wird das Pferd dich nach und nach in die unterwürfige Postion drängen.

Das sagen hat, wer den Anderen mit minimalem Aufwand bewegen kann. Wie erreicht man das? .....In dem das Pferd beeindruckt ist. Wie beeindruckt man ein Pferd?..... in dem man schneller reagiert und agiert als das Pferd.

Klare Kommandos und Konsequenz.

Bevor du anfängst auf gut Glück rum zu probieren und das Problem zu beheben, solltets du Kontakt mit der Besi aufnehmen oder deinen RL um Hilfe bitten.

Antwort
von Michel2015, 14

Du hast das Pferd vertüttelt. Bring das mal bloß i.O. bevor die Alte wiederkommt.

Konsequenz und Arbeit und man hört immer mit etwas positivem auf. Spazieren können die auch alleine.

Antwort
von Stehlampe01, 52

Gerte oder bodenarbeit beschäftige das Pferd das es ihm nicht langweilig wird

Antwort
von mangochen, 46

Heii

Ich würde es mal mit einem Knotenhalfter versuchen.

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