Frage von Lerryphyllium, 68

Private Insolvenz was passiert jetzt?

Jemand den ich kenne will Private Insolvenz beantragen, was kann/darf diese Person dann nicht mehr machen? (Verträge, wohnung etc.?) Habe halt gehört das die nächsten 6 Jahre keine Verträge usw. gemacht werden dürfen.

Antwort
von Lunashine, 15

Alles in allem ist die Verwaltungs- undVerfügungsbefugnis ab Insolvenzeröffnung (IE) auf den InsVerw übergegangen. Übertrieben gesagt, braucht der Schuldner dann für jedes Geschäft, was er tätigen will, die Zustimmung des InsVerw. 

Aufgaben des Schuldners:

1. Der Schuldner muss eine angemessene Erwerbstätigkeit ausüben bzw. sich darum bemühen; zumutbare Tätigkeiten darf er nicht ablehnen.

2. Der Schuldner muss den pfändbaren Teil seines Einkommens an den InsVerw abzuführen und jedwede Veränderung (Beendigung ArbV, Aufnahme Arbeit, längere Krankheit etc.) unverzüglich mitteilen. 

3. Der Schuldner muss dem Insolvenzgericht und dem Insolvenzverwalter jeden Wechsel der Wohnanschrift unverzüglich mitteilen.

4. Der Schuldner muss den Wert des Vermögens, das er von Todes wegen oder mit Rücksicht auf ein künftiges Erbrecht erwirbt, zur Hälfte an den InsVerw herausgeben.

Über den genauen Umfang der Pflichten muss der Schuldner sich selbstständig informieren. 

Antwort
von Samika68, 38

Er darf die nächsten Jahre keine neuen Schulden machen (wird mit eingetragener Privatinsolvenz auch schwierig).

Jede Veränderung (Einkommen, Arbeitswechsel, Wohnortwechsel) muss er seinem Insolvenzverwalter mitteilen.

Je nach dem, ob er unterhaltspflichtig ist, bleibt ihm ein monatlicher Betrag von knapp 1.074 € - was darüber liegt wird gepfändet, um die Gläubiger zu bedienen.

Jährlich fallen Kosten für die Auslagen des Insolvenzverwalters an.

Kommentar von Lerryphyllium ,

ja er muss unterhalt für Kinder zahlen, was mich halt wundert ist:

Wenn er Unterhalt zahlen muss, muss er das doch weiterhin oder?

Wenn er nur ca: 1000€ hat, kann er doch keine ca: 300€ unterhalt zahlen. oder?

Kommentar von Samika68 ,

Wenn er Unterhalt zahlen muss, dann erhöht sich der Pfändungsfreibetrag auf ca. 1.500 € (bei einem Kind)

Kommentar von Ronox ,

Schulden können von ihr gemacht werden, wie sie lustig ist. Das ist kein Restschuldbefreiungsversagungsgrund.

Kommentar von Samika68 ,

So'n Quatsch.

Wenn es bei der Privatinsolvenz darum geht, alte Schulden zu tilgen - aus welchem Grund sollte er dann neue Schulden machen dürfen?

Er wird mit eingetragener PI auch noch nicht mal einen Handyvertrag bekommen.

Eine Möglichkeit wäre, sich privat Geld zu leihen. Sollte er dies allerdings nicht zurückzahlen und der private Gläubiger dies dem Insolvenzverwalter mitteilen, sieht es schwarz aus für die Restschuldbefreiung.

Schulden zu machen ist nicht das Ziel einer PI

Kommentar von Artus01 ,


So'n Quatsch.

Was Du schreibst ist Quatsch. Benenne doch mal den § in der InsO der aussagt das neue Schulden zu Versagung der RSB führen.

Kommentar von DieMoneypenny ,

Aber sicher darf die Person neue Schulden machen. Wenn ein Autohändler sich theoretisch auf eine Ratenzahlung einlassen würde, sind das Schulden. Wenn man einen Vertrag im Fitnessstudio abschließt, was ohne Probleme geht, verpflichtet man sich zur Zahlung eines gewissen Betrags über einen festen Zeitraum. Man macht ja alleine dann schon Schulden, wenn man in einem Jahr mehr Strom verbraucht, als man vorausgezahlt hat. Das lässt sich kaum vermeiden. Diese Verbindlichkeiten fallen nicht in das Verfahren und müssen vom Selbstbehalt bestritten werden.
Man darf es nur nicht wieder zu weit treiben. Denn Gläubiger aus dem Insolvenverfahren können einen Antrag auf Versagen der Restschuldbefreiung stellen.

Kommentar von Lunashine ,

Aber nicht wegen neuer Verbindlichkeiten!

Antwort
von Meandor, 39

Es gibt nichts, was diese Person nicht machen darf. Sie muss es unter Umständen genehmigen lassen.

Während des Insolvenzverfahrens hat der Insolvenzverwalter erstmal das letzte Wort bei allen Vermögensangelegenheit.

Nach der Insolvenz, also während der Wohlverhaltensphase, muss in der Regel das pfändbare Vermögen an den Insoverwalter ausgekehrt werden, aber über das insofreie Vermögen darf selbst verfügt werden.

Kommentar von Lunashine ,

Die Wohlverhaltensphase ist ebenso ein Verfahrensabschnitt der InsO. Und nicht nur in der Wohlverhaltensphase müssen pfändbare Beträge abgeführt werden, sondern während des gesamten Verfahrens. Und nicht alles über der Pfändungsgrenze wird gepfändet, sondern nur anteilmäßig, da der Schuldner ja animiert werden soll, mehr Einkommen zu erwirtschaften. 

Antwort
von Ronox, 25

Sie muss nur ihre Obliegenheiten erfüllen, wie z.B. sich um Arbeit bemühen bzw. weiter arbeiten und ihr pfändbares Einkommen und Vermögen abführen. Verträge schließen kann sie, wie sie will, sofern der Vertragspartner mitmacht.

Kommentar von Lerryphyllium ,

und wie sieht das dann mit einem Mietvertrag aus, wenn sie innerhalb von den 6 Jahren umziehen möchte?

Bekommt man eine Wohnung oder muss man das nicht erwähnen?

Kommentar von Ronox ,

Umziehen kann sie. Aber auch hier ist die Frage, ob der Vermieter mitspielt. Die Insolvenz muss nach meiner Kenntnis offengelegt werden, allerdings hab ich mir diese Frage nie gestellt und kann es dir daher nicht sicher sagen. Probleme kann es aber während des gesamten Verfahrens mit der Kaution geben, da die zurückgezahlte Kaution zur Insolvenzmasse gehört. Daher am besten mit dem Insolvenzverwalter zu einer Einigung kommen.

Kommentar von Lunashine ,

Mammuts den neuen Vermieter nur in Kenntnis über die PI setzen, wenn er danach fragt. Da aber inzwischen fast jeder Vermieter eine Abfragemacht, ob man zahlungsfähig ist, kommt es zumeist sowieso raus. Aber eine PI sagt nicht, dass man nicht umziehen darf. 

Antwort
von waldschrat69, 14

Die Person kann und darf alles machen; sie ist ja nicht entmündigt. 

Das Einzige was passiert ist, dass die Person den über dem Pfändungsfreibetrag liegenden Betrag abgeführt bekommt. Veränderungen der Vermögens- Wohn- oder Einkommenssituation müssen gemeldet werden.

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