ein vernünftiger weg mit seinen schulden umzugehen?

Private Insolvenz ist die Möglichkeit, bei Überschuldung aus der Schuldenfalle wieder rauszukommen.
Früher sind dir deine Schulden bis zu 30 Jahre nachgelaufen, mit allen dementsprechenden Konsequenzen: regelmäßiger Besuch des Gerichtsvollziehers, ab und zu auch mal Besuch von "gutgebauten" Außendienstmitarbeitern eines Inkassobüros, Lohnpfändungen, damit einhergehend in der Regel Langzeitarbeitslosigkeit.
Mittlerweile hat man die Möglichkeit, private Insolvenz anzumelden.
Dabei bekommt man einen Insolvenzverwalter, der sich um die Regulierung kümmert, sprich, alles verwertet, was verwertbar ist. Steht fest, dass die verwertbare Masse die Gläubiger nicht befriedigen kann, wird die Insolvenz erklärt.
Nach 6 Jahren bist du da wieder raus und kanst von Vorne anfangen. Das heißt allerdings nicht, dass man durch die Insolvenz auf bequeme Weise seine Schulden los wäre. Es gibt eine sogenannte "Wohlverhaltensklausel": du musst alles unternehmen, um deine Schulden weiter abzubauen, neue darfst du auch nicht machen. Handelst du dem zuwider, wird dein Insolvenzverfahren gekippt mit der Folge, dass deine Schulden, wenn sie tituliert sind, 30 Jahre bleiben...
Deine Gläubiger bekommen Quoten, nach denen sie bedient werden, wenn Masse vorhanden ist. Verdienst du mehr, als die Pfändungsfreigrenze zulässt, so wird das an den Insolvenzverwalter abgeführt, der dann für die Verteilung sorgt.
Weitere Folgen der privaten Insolvenz: du wirst Schwierigkeiten bekommen, ein Girokonto zu führen. Wenn übnerhaupt, dann bekommst du allenfalls ein Guthabenkonto, dir wird kein Cent Dispo eingeräumt und keine Überziehung geduldet.
Alles in allem war die Einführung der privaten Insolvenz mehr als überfällig. Für Mord gibts lebenslänglich, bei guter Führung kann ein Mörder nach 15 Jahren wieder frei sein. Früher hatten Schulden 30 Jahre Gültigkeit, das hieß ja eigentlich nichts Anderes, als dass Schulden dopelt so schlimm sind wie ein Mord. Geld scheint doch alles zu sein...

loopwithme hat alles schick erklärt. Aber nur zum letzten Absatz meine persönliche Meinung: überfällig fand ich die Einführung der Insolvenz nicht, denn für genug Menschen ist sie ein willkommenes Mittel, keine Schulden mehr zu zahlen. Neue machen könnten sie sehr wohl in der Wohlverhaltensperiode (Vermögen darf man ja auch ansparen)...10 Jahre nach der ersten Insoeröffnung gehen sie dann in die nächste, so what.
vor allem - stell dir vor, du bist einer der Gläubiger und bekommst nix, nada, niente, weil die andere Person es einfach nicht geschafft hat, mit ihrem Geld hauszuhalten?!
Sehr gute und umfassende Antwort. Da kann ich mir sparen, was ich schreiben wollte. Alle Daumen hoch!
si, dem stimme ich zu. Ein Girokonto bekommt man immer bei der Post, wie loopwithme schon schrieb, ohne Dispo.
Wenn man bei privater Insolvens auch noch Unterhaltspflichtig ist und sowenig verdient, dass man praktisch keinen Kindesunterhalt zahlen kann, unbedingt mit dem Jugendamt in Verbindung setzen, denn neue Schulden sind ja verboten, da gibt es dann aber Möglichkeiten. LG schurke