Frage von tommy40629, 35

Prinzip des Kapitalismus eigentlich widersprüchlich?

Hey!

Seit gestern muss ich an diesen Satz denken:

Das Prinzip des Kapitalismus, die Profitmaximierung / Gewinnmaximierung, es soll der Befriedigung aller Bedürfnisse dienen.

Betrachtet man nur die Grundbedürfnisse, wie essen, schlafen, Dach über dem Kopf, dann sind diese wegen der Gewinnmaximierung ganz schnell in Gefahr und können nicht mehr befriedigt werden.

Bei Firmen ist irgendwann der Punkt erreicht, wo höhere Gewinn nur durch Personalabbau möglich sind, weil die Preise nicht weiter erhöht werden können und die Produktionskosten ,ohne Personalkosten, nicht weiter gesenkt werden können.

Also kündigt man ein paar Mitarbeiter, dadurch kann es passieren, dass Grundbedürfnisse nicht mehr befriedigt werden können. arbeitslos, Harz4, obdachlos

Weiteres Beispiel Gastronomie:

Wer auch schon in der Gastronomie gearbeitet hat, hat sicher schon 11 Stunden und länger gearbeitet oder hatte zwischen 2 Schichten nur 8h oder weniger arbeitsfreie Zeit.

Die passiert, weil die Besitzer der Lokale über die Personalkosten, den Gewinn maximieren wollen.

Das Grundbedürfnis schlafen ist dann natürlich nicht befriedigt.

Also befriedigt der Kapitalismus nicht alle Bedürfnisse.

Antwort
von berkersheim, 4

Es gibt kein Gewinn-Prinzip des Kapitalismus. Seit Menschen in der Steinzeit mit Arbeitsteilung und Handel begonnen haben, wollten sie aus ihren Bemühungen mehr raushaben als sie an Arbeit reingesteckt haben. Es hat noch nie eine Zeit gegeben, in der Menschen von Verlusten gelebt haben. Je mehr Geld für Investitionen vorgestreckt werden musste, desto genauer musste natürlich gerechnet werden, ob es am Ende auch reicht. Seit wann ist es falsch, unter verschiedenen Alternativen die Beste zu wählen? Da Sozialisten mit ihrer falschen Wirtschaftsideologie nicht rechnen können, ist ihnen der Sozialismus auch abgesoffen und sie haben Umweltzerstörung und Schrott hinterlassen.

Allerdings bin ich immer wieder erstaunt, wie einfach sich das so manche vorstellen: Wir machen Gewinnmaximierung und fertig. Wenn die wüssten, wieviel Aufwand eine größere Investitionsrechnung bedeutet. Wieviele Fachleute da kooperieren und dennoch gibt es keine Garantie, dass überhaupt Gewinn erzielt wird. Der Kapitalismus ist erst durch den technischen Fortschritt möglich geworden, der erste Maschinen gebracht hat, die allerdings extrem teuer waren. Da mussten in der Regel mehrere Kapitalgeber überzeugt werden, in eine Fabrik zu investieren. Da waren die Investitionsschritte nicht mehr überschaubar wie im Handwerk und den Manufaktoren, deren Großinvestitionen z.B. bei der Salzgewinnung in der Regel der König aus seinen Steuereinnahmen bezahlt hat. Die ersten größeren Manufakturen z.B.unter Colbert sind mit staatlicher Unterstützung oder gar ganz in staatlicher Regie entstanden.

Die dann entstehenden neuen Fabriken waren Großinvestitionen, in die Vermögende aus Adel und Handel ihre Gelder gesteckt haben. Das war eine neue Qualitätsschwelle, weil nie zuvor soviel privates Geld in Produktionsstätten gesteckt wurde. Dabei wird gern unterschlagen, dass es gerade in der Frühzeit etliche Fehlinvestitionen gab. Das war eine Pionierzeit. In den neuen Größenordnungen der Investitionen entstand erst nach und nach eine Investitionsrechnung, die möglichst viele Faktoren künftiger Entwicklungen berücksichtigen wollte. Das Risiko mit großen Investitionsvorschüssen Pleite zu gehen ist wesentlich größer als in früheren Zeiten, wo ökonomische Rückschläge eher zu verkraften waren.

Es redet sich so locker daher, wenn man kein eigenes Geld in ein Unternehmen steckt. Weißt Du, wie sich ein Gastwirt fühlt, wenn er für ein Sommerwochenende Tausende EURO ausgegeben hat und es kommt ein Dauerregen und er bleibt auf dem größten Teil der Vorräte sitzen die er dann der Tafel schenken kann? Über die Fehlinvestitionen redet niemand, da kann man die Neidhammelmaschine nicht anwerfen. Was glaubst Du, warum der Staat Unternehmensgründer unterstützt? Weil dort die Arbeitsplätze entstehen, die z.B. der Staat selbst nicht schaffen kann, auch wenn er wie in Portugal oder Spanien Milliarden verteilt. Ein wirtschaftliches Geflecht ist komplexer, als sich das mancher so ausmalt. Wettbewerb und Innovation ist das Zauberwort des Kapitalismus, wenn auch nicht erst im Kapitalismus erfunden. Wenn man bedenkt, dass schon der gute Marx vor 150 Jahren Deine pessimistischen Prognosen abgegeben hat. Sie sind beim Sozialismus schneller eingetreten als erwartet. Der Kapitalismus lebt immer noch und entwickelt sich weiter. Was ihm zu schaffen macht, sind die sozialistisch geprägten Staatseingriff. Die haben eigentlich den Armen helfen sollen und in Wirklichkeit die Reichen reich gemacht. Etwas gut wollen und etwas gut machen sind halt zwei verschiedene Paar Schuhe.

Antwort
von DrCook, 20

Das ist nicht ganz richtig, da jeder Mensch seine Bedürfnisse selbst befriedigen soll.

Wenn du also einen Scheißjob hast, der deine Bedürfnisse nicht befriedigt, dann kündige ihn und mache einen anderen.

Das das in unserer Zeit häufig nicht mehr funktioniert, möchte ich gar nicht bestreiten, aber jedes Wirtschaftssystem hat seine Fehler und Schwächen, sonst hätten wir alle das gleiche :)

Jedoch ist der Kapitalismus dem menschlichen Bestreben nach Selbstverwirklichung am nächsten, deshalb freut sich jeder Egoist über das System.

Kommentar von tommy40629 ,

Dein letzter Satz mit dem Egoist, ist denke ich das Problem.

Ein schweizer Banker sagte mal, dass die 20,-30, oder 40 Milionen € bezogen auf den Lebensunterhalt keine Rolle spielen. Es geht einfach darum, dass derjenige mit 42 Mio. € mehr hat als der mit 40 Mio. €. Wo dies hinführt sieht man ja.

Die echte soziale Marktwirtschaft hatte es fast geschafft.

Irgend wer fällt wohl immer durch das Netz und wenn es der Banker ist, dem die 42 Mio. € nicht mehr reichen.

Antwort
von soissesPDF, 6

Steht schon bei Karl Marx "Das Kapital" : "...die ständige Befriedigung der stetig steigenden Bedürfnisse des Menschen", ist ein ökonomisches Prinzip.

Logisch deshalb, dass es ein Widerspruch ist, wenn Armut zunimmt statt überwunden zu werden.
Mitverantwortlich ist eine wirtschaftshörige Politik.

Es war die Absicht von Altkanzler Schröder (SPD) mit dieser unsinnigen Agenda 2010 den größten Niedriglohnsektor in Europa zu schaffen.
Damit prahlte er auch noch auf dem Wirtschaftsforum Davos.

Heir eine herrliche Analyse wo Deutschland stünde ohne diese Agenda 2010:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/spd-deutschland-ohne-agenda-2010-so-sa...

Antwort
von dompfeifer, 11

Die Beschränkung der Bedürfnisbefriedigung ist Voraussetzung und zugleich Ergebnis des Kapitalismus. Angesichts der heutigen Naturbeherrschung wären mit ca. 5 Wochenstunden nützlicher Betätigung pro Individuum locker alle Bedürfnisse zu befriedigen.

Antwort
von kgunther, 1

Das Prinzip des "Kapitalismus" ist das Privateigentum an Produktionsmitteln und die Bestimmung des Wertes eines knappen Gutes durch den Markt.

"Produktionsmittel" sind Maschinen, Anlagen, Fabriken, Geld.                    Damit die Produktionsmittel gegenüber den anderen Wirtschaftsfaktoren (Arbeit, Grund und Boden) nicht überproportionale Bedeutung gewinnen, muß der Staat Regeln aufstellen, die dies verhindern.

Dadurch wird aus der "freien" Marktwirtschaft die "soziale" Marktwirtschaft.  Wie hervorragend diese Wirtschaftsordnung unktionieren KANN, hat der rasche Wiederaufbau  des völlig zerstörten Gebiets "Deutschland" nach dem WKII gezeigt. Dies war das ZWEITE DEUTSCHE WIRTSCHAFTSWUNDER nach der märchenhaften wirtschaftlichen Erholung Deutschlands nach dem faktischen (auch wirtschaftlichen) Bankrott Deutschlands in der Weimarer Republik.

Die Regelsetzung ist gelungen, wenn eine Umverteilung des Wohlstandes und des Kapitals (das wieder neue Produktion ermöglicht) zwischen den Gruppen und Schichten des Volkes NICHT eintritt.

Im System der BRD und im gesamten "Westen" ist der soziale Charakter der Marktwirtschaft schon lange nicht mehr und bei weitem NICHT gewahrt.  Daß aber der Staat bessere "Regeln" erläßt, wird dadurch verhindert, daß die Steuerung der Politik durch Kräfte erfolgt, die die Umverteilung ins Extrem treiben.

DAS ist die eigentliche Ursache der negativen Züge, die in unserem Wirtschaftssystem in Erscheinung treten. Wir sind von einer fundamentalen POLITISCHEN KRISE betroffen, der Parteienstaat und die "repräsentative Demokratie" funktionieren nicht.

Es ist also eine grundstürzende Änderung des POLITISCHEN SYSTEMS erforderlich, nicht eine Abschaffung des privatwirtschaftlichen Systems der Sozialen Marktwirtschaft.

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