Frage von Saverio123, 34

Preiswertes Mikrofon für Gesangscover?

Hallo, da bald Weihnachten ist, wollte ich meiner Freundin ein Mikrofon schenken. Da sie auf YouTube Lieder covert, aber die Tonqualität der Kamera (Canon EOS 700d, ohne Klinke für Mikrofon)ziemlich bescheiden ist. Müsste sie dann ihre Videos mit einer externen Tonquelle aufnehmen und diese dann mit der Videospur zusammenfügen, oder funktioniert dies anders? bzw. falls dies so funktioniert, wie stellt man das ganze genau an, um möglichst "professionelle" Ergebnisse zu erhalten?  Außerdem: Könnte mir irgendwer für diese Zwecke ein Mikrofon mit einem guten Preis Leistungsverhältnis empfehlen? (Bis ca. 200€)

Würde mich über Antworten freuen

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Streamer, 34

siehe meinen Kommentar auf implying's Antwort. Ein NT1-A mit Interface übersteigt allerdings die 200€-Grenze. 

Eine günstige Alternative wäre ein USB-Mikrofon mit intigrierter Abhörfunktion, das ist wichtig für overdub-aufnahmen (man muss sich selber verzögerungsfrei hören können). Ein Audio Technica AT2020 in der USB-Variante hat mich überzeugt, dazu bräuchtest du noch ein Stativ und unbedingt einen Popschutz. Kopfhörer werden natürlich vorausgesetzt. http://www.thomann.de/de/audio\_technica\_at2020\_usb\_2.htm

Wenn du sonst noch Fragen hast, gerne in die Kommentare. Und ja klar, wenn du ein Video machen möchtest musst du das hinterher entsprechend schneiden. Es empfiehlt sich zuerst die Audiospuren ordentlich zu mischen und dann in eine Videoschnittumgebung zu wechseln. 

Kommentar von Saverio123 ,

Zu allererst vielen Dank für die ausführliche Antwort!

Ich habe, wie ich gerade merke, überhaupt keine Ahnung von der Materie. Sehe ich das richtig, dass durch die USB Variante kein Interface mehr benötigt wird? Oder sollte ich lieber mein Budget leicht anheben und eine Variante mit günstigem Interface wählen, welches implying in seinem Kommentar empfohlen hat? 

Kommentar von Streamer ,

nein nein, das war noch keine ausführliche Antwort. Die kommt erst jetzt, halbwegs zumindest :) Entschuldigung für den Roman, aber hoffentlich ist es so eher verständlich.

Sehe ich das richtig, dass durch die USB Variante kein Interface mehr benötigt wird?

Das ist richtig. Ein Interface übernimmt die Wandlung von analogen Signalen aus einem Mikrofon in digitale Signale (die der Computer versteht). Bei USB-Mikrofonen ist ein kleines Interface direkt im Mikrofon eingebaut, denn ohne geht es nicht. Leider kommen diese eingebauten Interfaces selten an die Qualität von externen Interfaces ran, deshalb sind USB-Mikrofone auch nicht im professionellen Bereich zu Hause. 

Ein weiteres Problem ist, dass du dich beim Singen zur Musik im Kopfhörer selber verzögerungsfrei hören musst. Wer sich nicht selber hört kann die eigene Stimme nicht genau beurteilen und hat Probleme, die Töne zu treffen.
Muss das Signal erst in den PC rein und von dort wieder ausgegeben werden entsteht normalerweise eine Verzögerung (Latenz genannt). Mit dieser Verzögerung auf den Kopfhörern ist es praktisch unmöglich zu Singen. 

Ein "USB-Adapterkabel" (was wirklich wieder nichts anderes ist als ein wirklich kleines Interface in einen Stecker eingebaut) ist praktisch die schlechteste Wahl was die Tonqualität betrifft. Die meisten kleinen Interfaces dieser Art bieten auch keine Möglichkeit zum Abhören an. Ich rate dringend von diesen Adapterkabeln ab. 

Die beste und teuerste Lösung wäre ein externes Interface und ein Mikrofon ohne USB-Schnickschnack. Das besagte NT1-A ist ein für den Preis (ca. 180 €) hervorragendes Mikrofon, aber es benötigt halt immer noch ein Interface (ca. 100-130 €). Dazu kommt Zubehör wie Kabel, Stativ und Popschutz. 

Die günstigere Lösung ist eben ein USB-Mikrofon, wobei man darauf achten sollte, dass es das direkte Abhören unterstützt (das eingebaute Interface muss also nicht nur vom Mikrofon zum Rechner schicken sondern auch die Signale vom Rechner mit den Mikrofonsignalen mischen und zusammen an einem Kopfhörerausgang ausgeben können). 

Die Unterschiede liegen wie gesagt bei der allgemeinen Audioqualität, wobei es für "ungeübte" Ohren vermutlich nicht allzu deutlich sein wird.
Die Vorteile eines externen Interfaces sind aber stark, möchte man das Mikrofon mal tauschen oder noch eine zweite Signalquelle (Mikrofon/Gitarre/anderes Instrument) anschließen, kann man das (solange es dafür Eingänge übrig hat). Außerdem hat man ordentliche Kontrolle über die Vorverstärkung der Mikrofone (Gain genannt) und kann zusätzlich noch Lautsprecher anschließen. 

Wie gesagt, wenn du 200 € zur Verfügung hast, dann lässt sich auch damit arbeiten. 

  • Das von mir vorgeschlagene USB-Mikrofon (Audio-Technica AT2020 USB+) kostet ca. 150 €
  • Dazu benötigst du einen Popschutz, der P-, T-, K- und S-Laute vom Mikrofon fernhält (ca. 20 €, der von K&M funktioniert gut) und 
  • Ein Mikrofonstativ ( http://www.thomann.de/de/km_27105.htm passt super ins Budget 26 €). 

Zu einer gelungenen Aufnahme zählt allerdings nicht nur ein gutes Mikrofon sondern natürlich in erster Linie eine gute Quelle (ein gutes Mikrofon ist sehr empfindlich und wird mehr unschöne Details ans Licht bringen als du vielleicht denkst, damit sollte man aber arbeiten und seine Gesangstechnik entsprechend perfektionieren).

Wichtig ist auch der Raum, in dem aufgenommen wird. Das ist ein recht komplexes Thema, im Grunde geht es aber darum, im Raum sog. Flatterechos zu vermeiden (ein komplett kahler, kleiner, würfelförmiger Raum klingt nicht gut, ein großer Raum der die Schallwellen bricht und einen "weichen" Nachhall hat klingt angenehm). Der Schall sollte möglichst nicht zwischen Wänden hin- und herspringen, dies klingt in der Aufnahme oft störend und verwäscht die Stimme.
Wohnzimmer klingen oft besser als kahle Schlafzimmer, da sie größer sind und viel herumsteht, das Echos vermeidet (Regal, Sofa etc.). Wenn du in verschiedenen Zimmern bei stille schnippst oder klatschst kannst du bestimmt einen Unterschied hören. 
Oft sieht man in kleinen Projektstudios/Bedroomstudios Schaumstoff an den Wänden, dieser absorbiert den Schall und verhindert so Echos. Man kann aber bereits durch einfache Mittel die man zu Hause hat den Raum ein gutes Stück "trockener" klingen lassen (z. B. Vorhänge zuziehen, Decken aufhängen, Schranktüren öffnen, alte Matratze an die Wand stellen etc.).

Kommentar von Saverio123 ,

Sehr gut, wieder ein Stückchen schlauer geworden. 

Wie ich gesehen habe ist bei dem NT1-A bereits ein Popschutz und Stativ dabei. Ich überlege nun nicht lieber mein Budget zu vergrößern, da sie sich im Moment nach einem E Piano umschaut und es deswegen doch einfach mehr Sinn machen würde. (Frauen sind verdammt teuer) 

Welches Interface wäre dann empfehlenswert? 
Oder würde sich das Mehrgeld gar nicht lohnen? 

Kommentar von Streamer ,

Das Set, das implying verlinkt hat ist wie der Name schon sagt ein Set. Man kann theoretisch das NT1-A auch ohne Zubehör kaufen, eine (Spinne bzw. Halterung) und einen Popschutz braucht man ja aber so oder so. >> http://www.thomann.de/de/rode_nt1a_complete_vocal_recording.htm

Ich bin kein Fan von dem Millenium-Stativ, das bei thomann da im Bundle steckt. Am ende ärgert man sich, weil das Stativ irgendwie klapprig ist oder man es nicht richtig festziehen kann. K&M baut die besten Stative, wenn man keine 50 € für eines ausgeben kann habe ich ja schon oben ein "thomann exklusives" für 26 € verlinkt. Das tut es mit Sicherheit besser als eines von Millenium.

Interfaces der Firma Focusrite haben sich bewährt und sind für ihren Preis exzellent. Damit kann man praktisch nichts falsch machen. 

Ich nehme aber stark an, dass das E-Piano einen Stereo-Ausgang haben wird. Manche E-Pianos haben auch bereits eine Möglichkeit sie direkt an einen PC anzuschließen (die arbeiten ja intern sowieso schon digital). Gibt es diese Möglichkeit nicht, muss man die analogen Ausgänge des Pianos aufnehmen (Stereo, 2 Kanäle). Möchte man gleichzeitig dazu Gesang aufnehmen braucht man also mindestens 3 Kanäle. 

Als Interface mit 2 Kanälen würde ich auf jeden Fall zum Focusrite Scarlett 2i2 greifen. (ca. 140 €) Damit müsste man immer hin- und herstecken und kann nicht Mikrofon und Stereo-Quelle gleichzeitig aufnehmen.

Als Interface mit mehr Kanälen gäbe es das Scarlett 6i6, ist aber deutlich ein "overkill" und zu teuer. Dann bietet sich ein Steinberg UR242 an. thomann.de/de/steinberg_ur242.htm (185 €) Es kostet ein gutes Stück mehr als das Scarlett 2i2 und hat leider keine so gute Ausstattung (kein Regler zur Einstellung des Abhör-Verhältnisses und nur eine "Peak"-LED statt einer grün/gelb/rot-Aussteuerungsanzeige beim Scarlett)... dafür hat es MIDI, aber das brauchen heutzutage die wenigsten. Ich bin mir sicher, dass das Interface auch gut klingt, aber die Ausstattung überzeugt mich nicht auf Anhieb. 

Schade, scheinbar gibt es am Markt nicht so viel Bedarf für Interfaces mit 4 Eingängen. Ansonsten sind mit den Steinberg-Interfaces die meisten auch zufrieden (im Gegensatz zu ein paar anderen Interfaces mit 4 Eingängen, die ich mir gerade angesehen habe). 

Leider kann ich zu anderen Interfaces nicht viel mehr sagen, einige sind veraltet, andere stimmen vom Preis/Leistungs-Verhältnis einfach nicht... Und mit anderen ist man schon bei weit über 200 €, nur für das Interface. Schwierig. 

Strategiewechsel...
Man muss nicht unbedingt alles über das gleiche Interface aufnehmen. Wenn man eine gute Soundkarte im PC eingebaut hat, kann man durchaus auch dessen line-in Eingang verwenden, um ein Stereo-Line-Signal (z. B. vom E-Piano) aufzunehmen. Damit bekommt man zwar hinterher leichte zeitliche Verschiebungen bei der Aufnahme (unterschiedliche Latenzen der Geräte, die Spuren sind leicht gegeneinander verschoben), das kann man aber hinterher korrigieren, wenn es denn sein muss. 

Ein E-Piano in mono aufzunehmen halte ich für keine gute Idee, dabei geht die ganze schöne Räumlichkeit verloren. 

Hm, naja gut. Mit mehrkanaligen Interfaces ist man da aber eben schon so weit in den professionellen Bereich reingerutscht, dass das alles recht teuer wird. Da muss man sich Gedanken machen, ob ein USB-Mikrofon mit super Preis/Leistungs-Verhältnis nicht doch eine gute Wahl wäre. 

Es tut mir wirklich Leid, dass das so viel zum lesen ist, aber das Thema ist nun mal komplexer als sich "einfach ein Mikrofon zu kaufen". Ich hoffe aber, dass ich helfen kann.

Kommentar von Saverio123 ,

Gut, dann habe ich mich entschieden!
Eben weil es so ein komplexes Thema ist, habe ich die Frage gestellt. 
Vielen Dank für die kompetente Beratung und die Mühe so lange Texte zu verfassen!

Definitiv die hilfreichste Antwort!

Antwort
von implying, 34

das hier wäre wohl die beste wahl: http://www.thomann.de/de/rode_nt1a_complete_vocal_bundle.htm?ref=prod_rel_235937...

alles drin was man braucht. abgesehen von einem interface womit man dann aufnimmt. wenn sie ne anständige soundkarte im computer hat reicht wohl so ein adapter-kabel: thomann.de/de/the_tbone_usb1x.htm

Kommentar von implying ,

ansonsten wäre sowas hier wohl ganz gut http://www.thomann.de/de/behringer_xenyx_302_usb.htm

Kommentar von Streamer ,

Ein USB-"Adapterkabel" ist nichts anderes als ein USB-Interface, mit praktisch unvorhandenen Qualitätsansprüchen. Das hat auch mit der internen Soundkarte nichts zu tun und wäre für ein nt1a fast schon eine Beleidigung. Ein Behringer-Pult ist da das kleinere Übel, aber trotzdem wird es im Vergleich zu einem ordentlichen Interface um Längen geschlagen. Focusrite Scralett Solo oder 2i2 sind wirklich preiswert und nutzen das volle Potential eines guten Mikrofons.

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