Frage von RastundRatlos, 17

Praktikumszeugnisse - was ist wirklich gut?

Also die Frage ist die folgende: Bei Praktikumszeugnissen gibt es ja auch Abstufungen die decodiert am Ende soviel wie "sehr gut", "gut" usw. bedeuten.

Nun habe ich einiges an gefährlichem Halbwissen: 1. Ca. ein Drittel aller Praktikums- und Arbeitszeugnisse sind "sehr gut" und 50% sind "gut" 2. Das schlechteste Zeugnis ist am Ende "befriedigend", weil es aus juristischen und persönlichen Gründen schwierig sein kann etwas noch "schlechteres" auszustellen.

Was bedeutet all das konkret für die Realität? Ist man mit "gut" durchschnittlich und nicht wirklich "gut", sondern am Rande zum "befriedigend" und somit unteren Rand sein?

Bedeutet "sehr gut", dass man überragend ist, oder ist es einfach eine Übertreibung? (Das wurde mir bei meinem letzten Praktikum erzählt)

Bei meiner aktuellen Stelle werde ich wohl mein Zeugnis selbst schreiben sollen - was für eine Wortwahl sollte ich da wählen? Übertreibe ich es mit "sehr gut"?

Würde mich freuen, wenn ihr etwas Klarheit reinbringen könntet.... Vielen Dank im Voraus!

Antwort
von Hideaway, 6

Das schlechteste Zeugnis ist am Ende "befriedigend", weil es aus juristischen und persönlichen Gründen schwierig sein kann etwas noch "schlechteres" auszustellen.

Das stimmt keineswegs. Zunächst einmal besteht juristisch gesehen ein Anspruch auf ein "zufrieden stellendes" Zeugnis (Note 3). Andererseits ist der Aussteller verpflichtet, ein Zeugnis wahrheitsgemäß auszufertigen. Das bedeutet, dass er von der Note "befriedigend" abweichen muss, wenn der Zeugnisempfänger in Leistung und Verhalten "sehr gut" oder "Gut" war. Dann gibt es eine 1 oder 2, je nachdem. Zeigte der Zeugnisempfänger dagegen Schwächen, muss er sich entsprechend mit den Noten "Ausreichend" oder "Mangelhaft" (bis hin zur Bewertung "Völliger Versager") abfinden. Bei einem "zufrieden stellenden" Zeugnis kann der Empfänger eine Höherbewertung einfordern, wenn er der Meinung ist, er sei besser gewesen als "3". Allerdings muss er das dann auch belegen können. Kommt es bei "Ausreichend", "Mangelhaft" (oder schlimmer) zum Streit, ist der Arbeitgeber in der Beweispflicht, dass Leistung und Verhalten nicht für ein "Befriedigend" gereicht haben. Für eine Willkür des Verfassers besteht praktisch kein Spielraum. Das gilt nach oben (Gefälligkeitszeugnis) und nach unten hin. Dass dieses dennoch nicht immer eingehalten wird, beweist die Klageflut bei den Arbeitsgerichten.

Bei meiner aktuellen Stelle werde ich wohl mein Zeugnis selbst schreiben sollen - was für eine Wortwahl sollte ich da wählen? Übertreibe ich es mit "sehr gut"?

Davon kann ich nur allerdringendst abraten:

  1. Ein selbst verfasstes Zeugnis von Laienhand ist für geübte Leser auf den ersten Blick erkennbar. Wenn es dann auch noch in Superlativen schwelgt, ist die "Ablage Papierkorb" für die gesamte Bewerbung vorprogrammiert.
  2. Die Zeugnissprache enthält so viele Stolperdrähte und Fallgruben, dass ein solcher Versuch nach hinten los geht. In den allermeisten Fällen wird das ein Schuss ins eigen Knie.

Du kannst aber gerne deinen Entwurf hier einstellen und ihn von wirklich fachkundigen Usern (von denen gibt es hier durchaus einige) redegieren lassen.

 

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