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Praktikum auf Güterschiff

gefragt von klaaaaaaaar am 05.11.2009 um 9:28 Uhr

Kann man sich, als Praktikant auf einem Transportschiff, eine Fahrt nach Südamerika oder Nordamerika gestalten? Und: Woher weiß ich, bei welcher Reederei welches Schiff wohin fährt? Gibt es eine Liste aller Schiffe die im nächsten halben Jahr ablegen oder in den nächsten Monaten oder muss ich bei jeder einzelenen Reederei fragen? Und ist dies überhapt realistisch, dass mich jemand mitnimmt?


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galliano
beantwortet von galliano am 5. November 2009 09:56
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Bewerbe Dich beim Verband Deutscher Reeder. Hier ein kleiner Vorgeschmack was Dich erwarten könnte.

16 Jahre alte Schülerin aus Haselau bewarb sich beim Verband deutscher Reeder - und ging an Bord eines Containerschiffes.

Haselau. Christine Kähler hat 14 708 Seemeilen auf einem Containerschiff zurückgelegt, und dabei ist sie erst 16 Jahre alt. Sie traute sich ein Praktikum auf dem 272 Meter langen Kühlcontainer-Frachter "Monte Tamaro" zu, das sie von Südafrika quer über den Indischen Ozean nach Singapur, Hongkong und Shanghai und wieder nach Durban zurückführte.

Sechs Wochen war die Gymnasiastin von der Uetersener Ludwig-Meyn-Schule in den Sommerferien unterwegs - beworben hatte sie sich übers Internet beim Verband deutscher Reeder. Die Reederei Hamburg-Süd ermöglichte ihr diesen hautnahen Probelauf für eine mögliche nautische Karriere.

Über vier Generationen war die Kapitänsfamilie Kähler auf den Weltmeeren unterwegs. Zuletzt ihr Opa und ihre zwei Onkel, die das Kommando auf einem Containerschiff hatten.

Christine war drei Jahre alt, als sie mit der 4000 Tonnen tragenden "Amazone" unterwegs war. "Daran kann ich mich aber nicht mehr erinnern", sagt die Schülerin. Nie mehr vergessen wird sie dagegen die Sterne am Himmel über dem Indischen Ozean, die funkelnden Lichter der Hafenstädte wie Singapur, in die das Kühlcontainerschiff "Monte Tamaro" nachts einlief. Auf mehr als 4000 Bildern und über Hundert Seiten ihres privaten Logbuchs hat sie das Erlebte dokumentiert. Täglich schickte sie E-Mails an die Eltern. "Das war für mich eine große Beruhigung, ständig von Tine etwas zu lesen", erzählt Mutter Petra. So hatte sie das Gefühl, die Tochter sei nebenan. Stolz verfolgte auch der Großvater die Reise der Enkeltochter.

"Ich war schon ganz schön neidisch", gesteht Vater Joachim. Er durfte im Gegensatz zu seinen Brüdern kein Kapitänspatent machen, weil er eine Brille tragen muss. Am liebsten hätte er sich im Koffer mit auf das Schiff schmuggeln lassen.

Auf ihrer Reise erlebte Christine etwas, das selbst ihr Vater noch nicht erleben durfte: die Äquatortaufe. Die junge Haselauerin und alle, die zum ersten Mal die Grenze zwischen der nördlichen und der südlichen Erdhalbkugel passierten, mussten diese feuchtfröhliche Prozedur über sich ergehen lassen. "Wir wurden mit Sahne eingeschmiert, geölt, mussten Milchreis mit Ketchup essen und landeten am Ende im Pool des Schiffes", berichtet die 16-Jährige. Sie war die Jüngste an Bord, aber nicht die einzige Praktikantin. "Die Reederei Hamburg-Süd legt sehr viel Wert auf selbst ausgebildeten Nachwuchs", erklärt Vater Joachim. Und das lässt sich das Unternehmen einiges kosten. Christine und fünf weitere Praktikanten wurden in Hamburg auf den Törn vorbereitet, durften mit dem Flugzeug auf Kosten der Reederei anreisen, in Johannesburg im Hotel übernachten und wurden mit Blaumann und Sicherheitsschuhen ausgestattet. An Bord kümmerte sich ein Student um die kleine Gruppe.

"Wir durften überall hin. Am liebsten war ich auf der Brücke beim Kapitän", erzählt Christine. Aber sie kletterte auch bis in den letzten Winkel der Bilge, um die automatischen Alarmsysteme zu testen, damit die Crew nicht von einem Wassereinbruch überrascht wird.

Nicht so viel Freude bereitete ihr die Aufgabe in der Lehrwerkstatt. Drei Wochen lang feilte sie an einem Werkstück. Wenn sie tatsächlich das Kapitänspatent machen will, muss sie eine Mechaniker-Ausbildung absolvieren. Mit den ersten praktischen Erfahrungen auf See will Christine jetzt ihren Weg weitergehen und erst einmal ihr Abitur machen. Wenn die Reifeprüfung so glänzend ausfällt wie das Zeugnis über das Betriebspraktikum, muss sie sich keine Sorgen machen. Nur beim Decksdienst, dazu gehörte das Einfetten der Spannschrauben für die Container, schnitt sie mit "gut" ab - für alles andere bescheinigte ihr Kapitän Martin Weisel "sehr gute" Leistungen.

Und deshalb ist es sicher, dass es für die Schülerin nicht die letzte große Fahrt war. "Ahoi, Christine!"

http://www.abendblatt.de/region/pinneberg/article938871/Sechs-Wochen-auf-hoher-S...



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