Präsentation zum Thema Barmherzigkeit: Islam & Christentum?

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3 Antworten

Möchte nur einige wenige Gedanken zur Barmherzigkeit beitragen.

Das hinter den "Handlungen aus Barmherzigkeit" stehende Motiv ist normalerweise die Empathie, d.h. die Fähigkeit des Menschen sich mit Mitmenschen zu identifizieren, ihre Gefühle partiell nachzuempfinden, und damit natürlich auch ihr Leiden für sich selbst in Ansätzen erlebbar zu machen. Aus diesem "teilnehmenden Leiden" heraus entsteht ein starker Antrieb, beim Anderen eben dieses Leiden zu mindern oder sogar zum Verschwinden zu bringen.

Allerdings wirken im Erkennen eines leidenden Menschen vor mir auch noch andere Faktoren mit, die meine Hilfeleistung verstärken, vermindern oder gar unterbinden können. Verstärkend wirken z.B. die Bekanntheit, d.h. wenn der leidende Mensch ein Verwandter oder Freund/in ist. Auch Kinder erzeugen höhere Hilfsbereitschaft, sowie Menschen, die klein, schwach und hilflos aussehen. 

Dagegen stehen aber auch starke Faktoren, die die Hilfsbereitschaft reduzieren oder gar unterbinden, so z.B. wenn der Leidende ein persönlicher Widersacher, ein Feind, ein ideologisch von mir stark abgelehnter Mensch ist oder wenn er einen besonders abstoßend wirkenden Körper hat. 

Die Barmherzigkeit als moralische Forderung hat nun bei weltanschaulich gebundenen Gruppen unterschiedlich schwer zu erfüllende Anteile. Im Christentum steht dabei die Forderung im Raum, dass man sogar den Feind pflegen muss, wenn dieser ohne Hilfe nicht überleben kann. Erst hier, in der Situation, wo man gegen die eigenen Motive anarbeiten muss, um der Moralität zu genügen, wird von vielen Ethikern erst die "Barmherzigkeit" im eigentlichen Sinne realisiert. Erst hier, wo man selber in Risikosituationen kommt und trotzdem das für den Anderen Notwendige ausführt, ist Barmherzigkeit verwirklicht. 

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Kommentar von Manusa
18.06.2016, 16:49

Vielen Dank für deine Antwort! Ich bin auf ein Kommentar gestoßen der mich wieder grübeln lässt, du meinst im letzten Absatz deines Kommentars, dass der Unterschied vom Islam und Christentum in Bezug auf Barmherzigkeit darin liegt, dass der Christ über Glaubensgruppen hinweg Barmherzig sein soll/muss, und der Moslem nur in den eigenen Reihen, wenn ich das richtig verstanden habe?!

Hierzu dieser Kommentar vom Nutzer: "freezyderfrosch"

Barmherzigkeit ist meines Erachtens ein Oberbegriff.
Inhaltlich zählt darunter die Hilfsbereitschaft, die Nächstenliebe, Menschlichkeit, Freundlichkeit, Erbarmen etc.
Barmherzigkeit ist allerdings in jeder Religion anzutreffen. Dass das ein Wort aus dem Christentum ist, ist ein Irrtum.
Der Begriff wird auch im Islam, im Judentum, im Buddhismus, im Falun Gong und im Hinduismus verwendet.
Er hat also nicht "Die Bedeutung schlechthin".

Definierst du also den Begriff Barmherzigkeit, muss er sich nicht
zwingend auf die Bibel beziehen. Daher sollte man zwischen
Barmherzigkeit an sich und Barmherzigkeit im Christentum unterscheiden.

Im Buddhismus wird die Barmherzigkeit als Mitgefühl beschrieben. Das
nennt sich Karuna. Die Religion Falun Gong beinhaltet die drei
Grundprinzipien „Barmherzigkeit“, „Wahrhaftigkeit“ und „Nachsicht“.
Im Islam gilt Gott auch als barmherzig. Muslime müssen sogar auch selber
barmherzig sein. Das ist eine Pflicht im Islam.
Und genau so ist es auch im Christentum. Wo anfangs vorrangig erst
einmal Gott diese Eigenschaft "Barmherzigkeit" besitzt, überträgt sich
das auch auf die Gläubigen die die Aufgabe haben human zu handeln und
Nächstenliebe zu praktizieren, also schlussendlich selber barmherzig zu
sein.

Im Islam lautet es:

„Diejenigen, die nicht barmherzig sind, werden keine Barmherzigkeit erlangen.“

Im Christentum:

„Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.“

Also identisch.

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so das wäre für mich dann aber ein Widerspruch..

Was unterscheidet denn jetzt den Islam in Hinnblick auf Barmherzigkeit von Christentum genau

? , also jetzt neben dem Fakt das der Christ auch Feindesliebe verspühren soll.

Ich hoffe jemand kann mir hier weiterhelfen!

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Der Unterschied der Barmherzigkeit im Islam und Christentum ist folgender . Der Islam ist nur zu den eigenen Religions-Angehörigen barmherzig , wenn überhaupt . 

Der Christ ist , wenn es richtig ist , barmherzig zu allen Menschen , egal welcher Herkunft der andere ist . Ja , er soll sogar seine Feinde lieben . 

Im Hinduismus gibt es keine Barmherzigkeit , denn der andere , dem es schlecht geht trägt sein Karma ( vorherbestimmtes Schicksal ) und dabei darf man ihm nicht  helfen , von der Not weg zu kommen . 

Der Buddist meditiert gleichmütig und in sich gekehrt , der andere Mensch interessiert ihn wenig .

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Kommentar von Manusa
17.06.2016, 13:05

Vielen dank für deine Antwort, hat mir sehr geholfen, eine frage: das mit dem Islam, dass die Muslime nur Barmherzig in den eigenen reihen sind, kannst du mir da konkrete beispiele nennen, wie du auf diese Aussage kommst, da ich diese auch gerne belegen würde, vielleicht mit Koranversen oder sonstigen oder bezieht diese Aussage sich nur auf deine Erfahrungen die du mit der Zeit gesammelt hast?

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Schau Dir dazu mal hier die hilfreichste Antwort an:

https://www.gutefrage.net/frage/was-versteht-man-unter-barmherzigkeit

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Kommentar von Manusa
16.06.2016, 19:08

das ist hilfreich danke, aber trotzdem fehlt mir die connection zum islam, und der flüchlingsproblematik!

wäre super wenn sich da noch etwas im forum finden würde, hab die suchfunktion genutzt, leider ohne erfolg :(

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