Liberator am 25.06.2009 um 23:06 Uhr
Ich habe nach langem langem Überlegen vor einiger Zeit eine "Brieffreundschaft" mit einem Häftling angefangen, welcher in den USA im Gefängnis im Todestrakt sitzt und auf Begnadigung hofft.
Diese ganze Sache habe ich mir natürlich einfacher vorgestellt als sie ist. Ich habe noch nie Worte so oft lesen müssen um zu begreifen, was sie bedeuten.
Ich habe leider im Vorfeld etwas gegoogelt, mit dem Namen der Person, und habe nun rausgefunden was die Person getan hat. Das hätte ich nicht tun sollen, das war auch nicht sehr einfach zu begreifen. Jetzt weiß ich nicht mehr, ob ich den Häftling fragen kann, was er getan hat. Ich möchte wissen, wie er es schildert, erzählt bzw. zu Blatt bringt.
Glaubt ihr, ich kann "meinen Brieffreund" einfach so fragen, was ihn in seine jetzige Lage gebracht hat?????? Mein Füller liegt hier und ich weiß nicht ob ich diese Frage aufs Blatt bringen kann!
Hat von euch jemand Erfahrungen??

Ich kann mir vorstellen, dass es diesem Mann einfach gut tut, mit dir zu kommunizieren - sonst würde es den Kontakt so nicht geben.
Und insofern kann es vielleicht sogar nur hilfreich sein, Dinge aus- und anzusprechen. Für dich und auch für ihn, insbesondere. Über das Schreiben habt ihr eine besondere Form der "Nähe" (d.h. besser: der Intensität), dennoch auch die Distanz, die ein so diffiziles Thema ebenfalls erfordert.
Grundsätzlich denke ich, dass es immer besser ist, das anzusprechen, was einen wirklich bewegt. Es "liegt" ansonsten ohnehin über allem; und würde als Unausgesprochenes nur noch mehr belasten.

Sicherlich kannst du ihn danach fragen. Überlege aber aus welchem Grunde du es tun möchtest? Was ist Dein Motiv? Wenn du wissen möchtest, wie er heute zu seiner Tat steht und ob er bereut, so kannst du es tun. Möchtest du allerdings Details zur Tat hören, weil es eben so "extrem und außergewöhnlich krass" ist, dann laße es sein. Denn das tut weder dir noch ihm gut. Fragen kannst du ihn, also nach seiner Reue oder eben nicht Reue, ob er dir antwortet, dass laße ihm frei. Denn das muß er selbst entscheiden. Alles Gute

Natürlich kannst du ihn fragen... ich meine, er wird sich doch denken können, wenn du weißt, dass er in der todeszelle sitzt, dass du wissen willst, warum. ich glaube nicht, dass er damit ein problem haben wird. und wie du schon sagst, er wird es aus seiner sicht schreiben. was sicher nicht uninteressant ist ! nur mut !

Du solltest fragen, weshalb er verurteilt wurde, aber nicht was er getan hat. Das ist etwas dezenter, und er würde das auch verstehen denke ich
warum nicht, wenn ihr eine "Freundschaft" hat kann man das fragen. Du bist wahrscheinlich sein letzter Halm.
Liberator am 25. Juni 2009 23:14 schön ausgedrückt mit dem Halm. Es scheint wirklich so. Ich habe noch nie solche Worte gelesen wie in den Briefen die ich bekommen habe. Es geht einem extrem nahe...
hab keine Erfahrungen, würde aber fragen...auch wenn es ne Brieffreundschaft ist, tauscht man sich doch aus...vielleicht will er ja auch darüber reden und je nachdem WIE er darüber redet (z.B. auch, ob er es ernsthaft bereut), würde ich überhaupt erst einmal überlegen, ob ich diese Freundschaft weiterführen möchte...

Also Erfahrungen habe ich keine, aber wenn du zu ihm schon ein gutes Verhältnis aufgebaut hast wüsste ich nicht was dagegen spricht ihn zu fragen... ich meine mehr als "Nein" das will ich nicht sagen kann er ja nicht... Ich hoffe das hat dir ein wenig weiter geholfen und lass den Kopf nicht hängen ;-)

Nee, ich hab keine Erfahrung mit so einer Situation. Es ist aber naheliegend, behutsam nachzufragen, was ihn in diese Lage gebracht hat. Dass Du schon mehr weisst (du bmusst es ihm ja nicht mitteilen), ist vllt sogar ganz gut, dann bist du nicht mehr ganz so geschockt, wenn er sich äußern will. Wäre für ihn eine Gelegenheit, sich nochmal damit auseinanderzusetzen. Hut ab, wenn du dich weiter darauf einlässt, ist sicher nicht einfach.

wenn ihr eure freundschaft verdient dann klar
FREUNDSCHAFT ?!?!?!
esmeray68 am 25. Juni 2009 23:22 vertieft wollte ich schreiben

Frag ihn, sonst ist es eventuell irgendwann zu spät.

Ich würde den Kontakt abbrechen. Nachher passiert noch etwas mit dir!
xD was soll denn passieren? Freak
Nicoli am 25. Juni 2009 23:09 so ein quatsch. der kommt aus der todeszelle nicht mehr raus.

hmmmm..... also ich denke ich würde erstmal gucken wie "nah" ihr euch seit aber du kannst es ja versuchen

erfahrung hab ich nicht, aber ich würd ihn fragen. was hast du/er zu verlieren? nichts

warum nimmst du kontakt zu einem schwerkriminellen auf, denkst du auch an die opfer ?
inwiefern schadet er den opfern bitte?
Liberator am 25. Juni 2009 23:12 Natürlich denke ich auch an die Opfer. Ich habe lange überlegt ob ich mich an eine Organisation wende die Adressen vermittelt. Es ist nur so, man sitzt Jahrzehnte lang in einer kalten Zelle und hat einfach niemanden. Nichts. Garnichts. Die Worte die ich bisher lesen "musste", sowas kann kein Buch wiedergeben. Es scheint ihm soviel zu bedeuten, jemanden zum schreiben zu haben. Auch er ist ein Mensch, auch wenn er eine übrigens wirklich grauenvolle Tat begangen hat! Er hat weiterhin das Recht ein Mensch zu sein.
Für diesen Kommentar würde ich gerne ein "DH" geben...
Wie oft habt ihr denn schon geschrieben?
Liberator am 25. Juni 2009 23:15 ich habe bereit einige Briefe geschrieben und erhalten. Aber halt noch nie diese eine Frage ausgesprochen!
ich würde es machen,wenn er nicht darauf antworten will,wird er es nicht tun.Du kannst ja anmmerken das er es nicht muss!

Würde direkt fragen. Er wird nicht vorbeikommen, um dir desweben eine runterzuhauen.

Natürlich kannst du ihn einfach fragen, was du wissen willst, er muss ja nicht antworten, wenn es ihm zu weit geht.
Ich frage mich aber: Warum tust du das? Für mich klingt es ein wenig nach Menschenversuchen. Wo ist dein Mitgefühl, deine Betroffenheit? Ich kann sie aus deinem Text nicht herauslesen.
Liberator am 25. Juni 2009 23:18 Ich kann zu diesem Thema nicht alles was ich denke zu Wort bringen. Das wäre zu lang und zu kompliziert.
Es ist nicht einfach, aber ich fand die Idee von Anfang an sehr interessant. Habe viel überlegt und gegrübelt ob ich es tun soll. Jetzt bin ich mittendrin und höre da bestimmt nicht auf!
cyberoma am 25. Juni 2009 23:26 Dann wünsche ich dir eine glückliche Hand. Ich habe eben in einer anderen Frage diesen Link gefunden, und Menschen, die so einen Kontakt wagen, haben meinen vollen Respekt.
http://www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de/brieffreundschaft.htm
Hallo, Deine Frage ist nun schon ein wenig älter und mich würde interessieren wie Du Dich entschieden hast. Ich habe ebenfalls einen Brieffreund auf Death Row und habe ihm gesagt das ich gelesen habe warum er dort ist. Er hat meine Offenheit dankbar angenommen und erzählte seine Sicht. Offen und ehrlich! Ob man das hören möchte sollte man sich vorher gut überlegen und sich sicher sein das es an Deiner Grundeinstellung, diese Brieffreundschaft weiterzuführen, nichts ändert. Die Menschen dort klammern sich an jeden Kontakt in der Gesellschaft und das wäre eine Enttäuschung für ihn wenn Du ihn fallen lassen würdest weil Dir nicht gefällt was er erzählt. Man weiß ja vorher das sie nicht nur ne Packung Zigaretten geklaut haben. Ich wünsche Dir und Deinem Brieffreund eine schöne Zeit miteinander
Schöne Antwort!
Oh ja - das finde ich auch DH