Frage von SD2000, 35

Poseidonis (Philosoph) Anliegen im folgenden Text?

Ich verstehe den folgenden Abschnitt aus dem Text "Der Grundsatz der Mäßigkeit" von "Poseidonis" nicht. Kann ihn mir jemand erklären? Denn wir sollen in das Anliegen von Poseidonis rausarbeiten.

Antwort
von Grautvornix16, 14

Hallo,- ja,- um jetzt nicht in Plattheiten zu verfallen ("wenn es kein Fleisch mehr gibt esse ich Vegetarier") kann man doch im Sinne der Darlegungen von "Sureena" herauslesen, dass am Ende gilt: So wie der Mensch mit den Tieren umgeht so geht er am Ende auch mit seinem Mitmenschen um weil ihm die Achtung vor dem Leben in einer Hybris seiner Selbstbewertung abhanden kommt. Das könnte man aber auch als eine gesamt-ökologische Mahnung oder Prophezeiung sehen. - Als "Jesus" der Vegetarier würde ich ihn deshalb aber jetzt nicht sehen.

Gruß

Antwort
von Sureena, 17

Huhu,

meines Wissens nach propagierte Poseidonis eine Ernährung die in erster Linie aus Pflanzen bestehen sollte. Er vertrat zwar die Ansicht, dass der Mensch Herrscher über die Natur war und Gott am nächsten war, ein Hinweis dafür war für ihn ua der aufrechte Gang des Menschen, allerdings fürchtete er, das der Mensch der sich zu sehr seinen Begierden/Trieben und dem Fleischgenuss hingibt wieder zum "Tier" wird. Er wollte, dass man dem Einhalt gebietet.

Kommentar von Sureena ,

Ich hab dir mal einen Ausschnitt aus einem Text kopiert, den ich vor kurzem gelesen habe.

"Noch erschöpfender artikuliert Poseidonis aus Abdera (ca.135- 51 v.Chr.) die Stellung des
Menschen in der Stufenfolge des stoischen Denkens. In seiner Kosmogonielehre konstatiert
er, dass alle organischen Lebewesen aus Wasser und Erde entstanden sind. Entsprechend
ihren Anteilen an diesen Stoffen sind Pflanzen der Erde zugewandt und Fische im Wasser
lebend. Tiere bestehen nach Poseidonis zu einem großen Teil aus „Erd- und Wärmestoff“.
Über ein besonders hohes Maß an Wärme verfügt einzig der Mensch, wodurch dieser
gegenüber den anderen Geschöpfen privilegiert ist: „Deshalb hat auch er allein unter den
lebenden Wesen eine aufrechte Gestalt und haftet nur wenig an der Erde; in ihm strömte ein
göttliches Element ein, vermöge dessen er Verstand, Vernunft und Willen erhielt und die
Wirklichkeit zu erforschen begann" (Nestle, 1923b, S.102f).
Wie Platon und Aristoteles propagiert auch Poseidonis die besondere Verbindung des
Menschen zu Gott. Der Autor glaubt diese Nähe nicht aber allein durch die Vernunft,
sondern auch durch den aufrechten Gang des Menschen begründet. Während Diogenes von
Apollonia die unterschiedliche Qualität der Einatmungsluft mit dem jeweiligen Denkvermögen
der Lebewesen gekoppelt glaubt, mutmaßt Poseidonis die Anteile an Erde, Luft und Wärme
als ausschlaggebende Faktoren.
Da nun in der stoischen Weltauffassung alles in der Welt um des Menschen willen
geschaffen sein sollte, liegt der Gedanke nahe, der Mensch brauche keine Rücksicht auf  Tier bzw. die Natur zu nehmen. Poseidonis hält dem entgegen, indem er dazu aufruft, nur
mäßig Fleisch zu essen oder es ganz zu unterlassen. Tiere sind nach seiner Meinung als
Teil der göttlichen Ordnung nicht allein zum menschlichen Genuss geschaffen. Wer unmäßig
Fleisch konsumiert, verfällt in „tierische Wildheit“ und „Maßlosigkeit“ (Nestle, 1923b, S.108).
Diese Auffassung erscheint zunächst widersprüchlich, da die Stoiker den Menschen als
Herrscher über die Natur betrachteten. Die Ermahnung, nicht in "tierische Wildheit" zu
verfallen, zeigt, dass Poseidonis Sorge trägt, der Mensch könne zum Tier werden."

Antwort
von berkersheim, 4

Es geht in der mittleren Stoa, der Poseidonios angehörte, um die Frage eines tugendhaften Lebens, Selbstzucht und der Beherrschung der Affekte.

Wikipedia:

"Im Widerspruch zu den Vertretern der älteren Stoa, besonders Chrysippos, vertrat Poseidonios die Auffassung, Affekte seien verursacht von vernunftlosen Teilen der Seele."

Poseidonios war offensichtlich der Meinung, dass nach dem Grundsatz "Ähnliches bewirkt Ähnliches", der Genuss "wilder Tiere" auch die schlecht beherrschbaren "wilden, Affekte verursachenden Seelenteile" fördert. Er gesteht aber denen, die diese These nicht vertreten, zu, auch Tierfleisch zu essen. Man könnte sagen, nach dem Motto: Wer nicht daran glaubt, bei dem wirkt es auch nicht so.

Expertenantwort
von latricolore, Community-Experte für Italien, Italienisch, Deutsch, Sprache & Schule, 8

Ich finde nur einen Poseidonios:
https://de.wikipedia.org/wiki/Poseidonios

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