Frage von xSh4kerx, 65

Politische Utopien im 19. Jahrhundert / während der industriellen Revolution?

Moin Leute,

Ich bräuchte mal ein wenig Hilfe beim Thema "Industrielle Revolution". Wir sollen zu den politischen Utopien einen Kommentar für eine Zeitung schreiben. Ich finde aber im Internet nur ganz vereinzelt Informationen zu diesem Zeitraum.

Wäre super, wenn jemand mal ein wenig erläutern könnte, was damit gemeint ist bzw. was diese politischen Utopien damals waren.

MfG xSh4kerx

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Albrecht, Community-Experte für Geschichte, 16

Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse während der industriellen Revolution brachten für viel Menschen Not und Elend. Sie waren Ausbeutung und Unterdrückung ausgesetzt. Menschenwürde wurde nicht selten mißachtet. Ein großer Teil der Bevölkerung litt unter Armut. Die Arbeitszeiten abhängiger Beschäftiger waren sehr lang, der Lohn oft im Verhältnis gering. Es gab Kinderarbeit in erheblichem Ausmaß. Die Arbeitsbedingungen waren hart, die Arbeiter in Fabriken standen unter strenger Disziplinierung und Druck. Schutz und Sicherung im Fall von Krankheit, Unfall, Arbeitslosigkeit und Alter waren mangelhaft. Die Wohnverhältnisse und Lebensbedingungen waren für viele Menschen, die in sich vergrößernden Städten zusammenströmten, unbequem, unzulänglich und ungesund.

Es gab Widerstand und Proteste (darunter auch sogenannte „Maschinenstürmer“) und ihre Niederschlagung. Es entstand eine »soziale Frage«.

Die politischen Utopien können unter Begriffen wie Kapitalismuskritik und Frühsozialismus gesucht werden.

Der Begriff »Utopie« ist im 19. Jahrhundert überwiegend pejorativ (abwertend) verwendet worden. Verfasser sozialer Entwürfe haben ihre eigenen Gedanken, auch wenn diese als Utopien kritisiert wurden, meistens anders genannt, z. B. stattdessen die Bezeichnungen »Sozialismus« oder »Kommunismus« gewählt.

Sie setzten nicht statisch der gegenwärtigen Wirklichkeit ein Phantasiegebilde entgegen, sondern dachten ihre Entwürfe als einen Gegenstand möglicher Verwirklichung in der Zukunft.

Dabei wird eine Verbesserung über eine gesellschaftliche Entwicklung, Wissenschaft und Einsatz des technischen Fortschritts für gute Versorgung aller Menschen erhofft.

Die industrielle Revolution wird in den gedanklichen Entwürfen meistens fortgeführt, bei Änderungen in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik.

Claude-Henri de Rouvroy, Comte de Saint-Simon (1760 – 1825) dachte dabei an eine gerechte Verteilung, aber keine völlige Gleichheit. Nur wer Dienstleitungen erbringe oder Güter produziere, sei ein nützliches Mitglieder der Gesellschaft. Der Anteil der Indivduen am gemeinsam erwirtschafteten Wohlstand solle sich nach der Leistung richten. Damit würden sowohl Unternehmer als auch Arbeiter angemessenes Entgeld bekommen, während Klassen/Schichten (soziale Gruppen, die nichts beitrugen, leer asugehen, z. B. Adlige nicht Einkommen aus Privilegien oder Rentiers Einkommen aus Zahlungen für Geldanalkgen oder Verpachtung von Land oder anderen Immobilien hätten. Fürsorge für die Ärmeren und eine gerechte Berücksichtigung der unteren Bevölkerungsschichten erklärte er zur Aufgabe des Christen.

Andere gingen zu weitgehender Gleichheit. Dabei war teilweise eine Gleichberechtigung der Frrau mitenthalten.

Es gab Gedanken wie Gemeinschaftseigentum, Organisation der Produktion und Leben in Genossenschaften, Bildung von Gewerkschaften, bessere Arbeits- und Wohnbedingungen, bessere Bildung.

einige Namen:

Robert Owen (1771 – 1858)

Charles Fourier (1772-1837)

Étienne Cabet, (1788 -1856), Verfasser von: Voyage en Icarie (Reise nach Ikarien), 1840

Karl Marx und Friedrich Engels sind Beispiele, wie die eigene sozialistische Auffassung als »wissenschaftlich« verstanden und von einem utopischen Sozialismus abgegrenzt wird (z. B. im Manifest der Kommunistischen Partei/Das Kommunistische Manifest 1847/1848, Kapitel 3). Sie nehmen einen notwendigen Verlauf der Geschichte an, mit Klassenkampf, Revolution Dikatur des Proletariats und klasenloser Gesellschaft. Möglich ist eine Einschätzung, in den Gedanken von Marx und Engels stecke etwas Utopisches.

Beispiele für utopische Romane im späteren 19. Jahrhundert.

Edward Bellamy (1850 – 1898), Looking Backward or Life in the Year 2000 (Ein Rückblick aus dem Jahre 2000 auf das Jahr 1887), 1888

William Morris (1834 - 1896), News from Nowhere (Kunde von Nirgendwo), 1890

ein Buch, in dem etwas zum Thema enthalten ist:

Henning Ottmann, Geschichte des politischen Denkens : von den Anfängen bei den Griechen bis auf unsere Zeit. Band 3: Die Neuzeit. Teilband 3: Die politischen Strömungen im 19. Jahrhundert. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2008, S. 133 – 196 (XXIII. Sozialismus und Kommunismus - utopisch und »wissenschaftlich«)

Kommentar von xSh4kerx ,

Vielen Dank! Sehr ausführlich und sehr hilfreich, genau was ich brauchte.

Antwort
von Hyperdinosaurus, 38

So richtig gut kenne ich mich mit dieser Zeitperiode nicht aus, allerdings könnte ich mir gut vorstellen , dass eine Utopie mit der Vorstellung einherging, dass durch den industriellen Fortschritt die Lebensumstände der gesamten Gesellschaft aufgewertet würden ( was nicht geschah).

Kommentar von xSh4kerx ,

Ist schon mal ein guter Ansatz, danke. :)

Kommentar von Hyperdinosaurus ,

Jo nichts zu danken.

Kannst dann ja die grausige Realität skizzieren, wie die Mehrheit der Bevölkerung in Elend und Armut lebte und gleichzeitig unter unwürdigen Bedingungen arbeiten mussten.

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