Frage von Wiesensepp, 98

PKW gekauft, kann ich vom Kauf zurücktreten, weil das Fahrzeug nicht durch den TÜV kommt?

Habe Vorgestern ein gebrauchten PKW von Privat gekauft. Laut Verkäufer sollte es kein Problem sein neuen TÜV zu bekommen. Gestern war ich beim TÜV und habe eine große Mängelliste bekommen ( Bremsen an Hinterachse kaum Wirkung, Holmen und Motorhalterung beidseitig durchgerostet usw.) Also ohne umfangreiche und teurer Reparatur kein TÜV. Habe es dem Verkäufer mitgeteilt und wollte mein Geld zurück, also vom Kauf zurücktreten. Der Verkäufer geht nicht darauf ein und meinte nur gekauft wie gesehen. Gutgläubig wie ich bin, haben wir keinen Kaufvertrag gemacht und ich habe in bar bezahlt. Habe ich wirklich keine Möglichkeit, daß ich das Fahrzeug zurück gebe und mein Geld wieder bekomme?

Antwort
von Paladinbohne, 25

Wenn du andere Beweise hast, z.B. Zeugen oder Nachrichten, in dem er dir schreibt, dass alles in Ordnung ist, dann sind die Karten gar nicht soooo schlecht. Ein Kaufvertrag kam auch ohne schriftliches zustande, denn:

Ein Kaufvertrag kommt durch zwei übereinstimmende
Willenserklärungen, nämlich Angebot und Annahme, zustande.

Die Willenserklärungen müssen darauf gerichtet sein, eine
Sache oder ein Recht gegen Entgelt zu veräußern.

Natürlich ist ein schriftlicher Vertrag besser, aber soweit du nicht komplett ohne Beweise dastehst, sehe ich kein Problem.

Lass dich da am Besten anwaltlich beraten, der kann da genauere Auskunft über die Erfolgsaussichten geben können. Ich persönlich würde zum Beispiel die arglistige Täuschung (§ 123 BGB) als (einen möglichen) Anfechtungsgrund geben.

Sollte es da bei dir am Geld mangeln, kannst du beim ortansässigen bzw. beim für dein Bezirk zuständigen Amtsgericht den sogenannten Beratungshilfeschein (BHS) beantragen. Musst dich zwar bissl nackig machen (Also Einkommen, Miete, etc. angeben), das handhabt aber auch manches Gericht anders (was jetzt die Nachweise angeht). Diesen BHS musst du dann beim Anwalt vorlegen und lediglich 15,00 € zahlen und jegliche außergerichtliche Tätigkeit ist damit abgegolten. Aber bitte... versuch erst den Verkäufer selbst zu ermahnen, dass du dein Geld wieder willst und er das Fahrzeug wieder annehmen soll. Hole dann den BHS und geh dann zum Anwalt. Manches Amtsgericht gibt keine BHS raus, wenn du vorher es nicht allein versucht hast. Und seit einigen Jahren MUSS der BHS im Voraus beantragt sein. Nur selten und unter besonderen Umständen stellt das Gericht einen BHS nach der anwaltlichen Beratung aus.

Ich hoffe, ich konnte weiter helfen.

Zukünftig einfach jemanden mitnehmen, der etwas Ahnung von Autos hat. Dabei ist es egal, ob du ein Auto beim Händler oder privat kaufst. 4 Augen sehen mehr als 2 (;

Antwort
von Genesis82, 10

Du hast einen mündlichen Kaufvertrag abgeschlossen, gibt es Zeugen, die bestätigen können, dass TÜV laut Verkäufer kein Problem ist? Wie habt ihr die Sache mit der Sachmangelhaftung/Gewährleistung geregelt? Hat der Verkäufer sie ausdrücklich ausgeschlossen?

Und zu guter letzt: Warum kaufst du ein TÜV-fälliges Auto, bei dem der Verkäufer sagt, dass TÜV kein Problem ist? Ich wäre da sofort misstrauisch, denn ein Auto mit neuem TÜV ist mehr wert als eines mit abgelaufenem TÜV. Und wenn das wirklich kein Problem ist, warum hat der Verkäufer das dann nicht noch machen lassen?

Antwort
von grubenschmalz, 37

Wieviel hast du bezahlt?


Wenn ein Wagen verkauft wird und der TÜV steht unmittelbar bevor oder ist abgelaufen, kann man davon ausgehen, dass er NICHT durch den TÜV kommt, sonst würde der Verkäufer auch den TÜV machen um einen höheren Preis beim Verkauf zu bekommen.

Antwort
von bephelor, 7

Hast Du Unterlagen vom vorigem TÜV dazu bekommen... Falls ja, ist es möglich das dort bereits der Hinweis steht das diese Teile sehr stark angerostet sind...zu jenen Zeitpunkt aber noch in Ordnung waren...

Dies würde bedeuten, dass der Verkäufer vom Mängel wusste und diesen nicht behoben hat. Somit könntest Du "arglistige Täuschung" geltend machen.

Bei den Bremsen...naja, das ist normaler Verschleiss...

"ER SOLLTE" durch den TÜV kommen heisst auch nicht "ER KOMMT" durch den TÜV...

Das Problem ist das Du nachweisen musst das dich der Verkäufer "getäuscht" hat..

Antwort
von Melanieursula, 42

Sehr schlechte Karten ...du liegst in der Beweis Pflicht ....ich würde einen Anwalt einschalten ....dumm gewesen ohne Vertrag .....

Wünsche dir viel Glück ....

Kommentar von LetzterRitter ,

Ohne Vertrag kann der Verkäufer aber auch die Sachmängelhaftung nicht ausschließen.

Antwort
von Jack98765, 37

Es ist immer interessant zu lesen wie man in Deutschland an ein Auto kommen kann und dieses auch noch anmelden kann. Das ist ja richtig abenteuerlich und grenzt an eine Bananenrepublik. Kein Kaufvertrag, Fahrzeugschein reicht um es sein Eigen zu nennen.

In Österreich geht eine Anmeldung ohne Kaufvertrag, ohne gültiges TÜV-Gutachten (bei uns §57-Überprüfung) und ohne bereits abgeschlossene Versicherung garnicht.

Egal was man kauft, man macht einen Kaufvertrag. Wer so gutgläubig ist, der muss einfach Lehrgeld bezahlen. Ich hoffe die Karre war nicht zu teuer.

Kommentar von grubenschmalz ,

Es existiert ja ein Kaufvertrag, eben ein mündlicher. Ich sehe da auch kein Problem bei. Wir machen ständig mündliche Kaufverträge, egal in welcher Branche. 

Den Käufer hat ja keiner dazu gezwungen. 

Kommentar von Jack98765 ,

Ein mündlicher Kaufvertrag ist bei solchen Dingen kein Kaufvertrag für mich. Vor allem dann wenn es darum geht, dass Mängel arglistig verschwiegen werden können. In diesem Fall hat man keine Beweise und wird seine Forderungen wohl auch nicht durchsetzen können. Der Verkäufer kann sagen, dass er alle Mängel angesprochen hat. Beweise das Gegenteil...achja steht ja im mündlichen Kaufvertrag.

Kommentar von Genesis82 ,

Auch in Deutschland reicht der Besitz des Fahrzeugscheins nicht aus, um Eigentümer des Fahrzeugs zu sein.

Antwort
von J0eSpivy, 54

Wenn du das KFZ tatsächlich gekauft wie gesehen hast und kein Vertrag existiert, sehe ich das schlechte Karten für dich.

Kommentar von LetzterRitter ,

Gekauft wie gesehen ist rechtlich unwirksam und schließt die Sachmängelhaftung nicht rechtswirksam aus. Bitte keine Unwahrheiten verbreiten.

Kommentar von J0eSpivy ,

"Gekauft wie gesehen" war eher darauf bezogen sich da KFZ nur angesehen zu haben und es nicht richtig geprüft/durchgecheckt zu haben. Einige Mängel sieht man schon bei genauerem Hinsehen, zumindest wenn man sich mit der Materie auskennt oder einfach zu einem Fachmann geht. Nachdem es im KFZ Handel eine gängige Floskel ist, hab ich diese verwendet. Kann falsch ausgelegt werden, da gebe ich Ihnen recht.

Schlechte Karten hat er bzgl. des fehlenden Schriftstückes, der Verkäufer kann jetzt behaupten, er habe auf die Mängel hingewiesen.

Kommentar von LetzterRitter ,

Das ist richtig.
Aussage gegen Aussage ist immer nervig.
Selbst wenn er Recht bekommen sollte, kostet der Weg dahin Zeit, Nerven und auch erstmal Geld.
Sehr ärgerlich.

Antwort
von MarcoAH, 17

Bei sowas macht man einen Kaufvertrag. Wenn du keinen Zeugen hast oder es andersweitig beweisen kannst, was dir der Verkäufer zugesichert hat, sehe ich praktisch keine Möglichkeit, dass du zu deinem Recht kommst. Selbst wenn du das beweisen könntest, willst du erst Geld aufwenden (Anwaltskosten, etc.) damit du vielleicht das Geld wiedersiehst? Du weisst vielleicht gar nicht, ob er liquide Mittel oder sonstiges hat, um zu bezahlen, wenn du den Rechtsstreit gewinnst.

Sorry, dass ich dir keine andere Antwort geben kann, aber so sieht leider die Realität aus.

Antwort
von LetzterRitter, 9

Das plakative "ohne Vertrag? Tja Pech!" mancher Leute hier ist einfach Quatsch und auch falsch. Da sieht man wieviele hier keine Ahnung haben.
Der Verkäufer muss für Sachmängel haften, da er diese nicht rechtswirksam ausgeschlossen hatten (wie auch, ohne Vertrag).
Du musst Nachweisen, dass die Mängel vorher schon bestanden haben (hast du, denn diese Mängel können nicht innerhalb eines Tages entstehen).
Das heißt der Verkäufer MUSS die Mängel beheben, ABER...

Er wird sagen, dass er dir gesagt hat dir den Eimer als Bastlerfahrzeug verkauft.
Also steht Aussage gegen Aussage.
Ein Richter muss jetzt entscheiden, was du nach dem ortsüblichen Preis hättest erwarten können.
...ich denke aber mal, dass du auch keine Quittung hast? Oder zumindestens ein Kontoauszug?

Antwort
von lesterb42, 4

Gib den Wagen auf den Schrott, sieh es als Lehrgeld und auf zu neuen Ufern.

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