Frage von singy7, 53

Philosophischer satz; könnt ihr mir diesen " übersetzen", ich verstehe nicht was damit gemeint ist?

"In wirklichkeit gibt es nichts materielles, das jemals durch seine sinnesqualitäten eine kraft oder energie enthüllt oder uns grund zur annahme gibt, dass es einen anderen Gegenstand, den wir seine wirkung nennen könnten, hervorbringen oder zur folge haben könnte." Aus : " Über den begriff der notwendigen verknüpfung"

Antwort
von Grautvornix16, 17

Hi,- meines Wissens stammt dieser Satz von David Hume. D. Hume war als "Naturalist" und "Empirist" bemüht, Theorien zu den Funktionszusammenhängen von Erkenntnis aus rein abstrakt begriffslogischen Ansätzen zum Thema >Denken< oder >Vernunft< herauszulösen wie ihm aber auch andererseits bewußt war, dass auch ein "naiver Empirismus" keine Nachweise und belastbaren Theorien zu diesem Thema erbringen kann.

D. Hume gilt als zentrale Figur bei der Einführung einer psychologischen Perspektive zwischen idealistischen und naiv-empiristischen Ansätzen.

Am Beispiel der Kraft-Wirkungsbeziehung als eine Grundkategorie menschlicher Wahrnehmung verlagert er die Erklärung hierzu in den Bereich des >Verhaltens<. Er sieht dieses "Grundelement" menschlicher Wahrnehmung, nähmlich den "Quasi-Automatismus" mittels des Kraftbegriffes immer eine Verbindung, einen Wirkungszusammenhang (Kausalität) zwischen zwei Ereignissen zu suchen als "in der Natur des Menschen liegend", also quasi als psychologischen Sachverhalt an.

Im weiteren Verlauf seiner Ausarbeitungen baut er darauf auf und führt in den Folgejahren zusammengefaßt aus, dass es sich bei Verstandesleistungen wie der o. g. um evolutionäre, also erlernte Fähigkeiten und Eigenschaften handelt, die als quasi biophysisch verankertes Gedächtnis eines Lernprozesses im Entwicklungsverlauf des Menschen ist. Der zentrale Begriff hierbei ist der der >Komplexitätsreduktion<. Der Mensch war seit seiner Frühstadien gezwungen, diese Kompetenz zu erwerben um seine Umwelt beurteilen und kontrollieren zu können- Insofern hat sich der Kraftbegriff für ihn primär als intuitives Analyseinstrument der Wahrnehmung zur Ursache-Wirkungsbeurteilung entwickelt, um Zusammenhänge rechtzeitig zu erkennen und rechtzeitig darauf mit adäquaten Entscheidungen reagieren zu können.

Letzlich geht es ihm also bei seiner "notwendigen Verknüpung" um eine wissenschaftlich belastbare Verbindung von idealistischen und naiv-empiristischen Ansätzen zum Thema Erkenntnis/ Denken anhand des Kraftbegriffs als Beispiel, eines, nach seiner Auffassung, als intuitiv-automatisierte Vorstellung von Kausalität quasi evolutionär fest verankerten, erlernten  Kalküls menschlicher Wahrnehmung, der damit sowohl empiristische als auch idealistische Erklärungsperspektiven beinhaltet und sinnvoll verbindet.

Gruß

Kommentar von Grautvornix16 ,

PS/Ergänzung:" ... und rechtzeitig darauf mit adäquaten Entscheidungen reagieren zu können." - Das beinhaltet auch und vor allem durch Erfahrungslernen Fähigkeiten auszubilden, Ereignisse antizipieren und sich einigermaßen gesichert prognostisch verhalten zu können.

Das ist übrigens auch der Grund warum der Mensch mit "Vorurteilen" zu kämpfen hat da natürlich die meisten "Prognosen" sehr vage sind.

Das Problem ist es also nicht, Vorurteile zu haben, sondern dies nicht zu wissen oder zu ignorieren und deshalb einen eigenen Eindruck für "wahr" zu halten. Nach D. Hume müssen wir sie sogar haben (Komplexitätsreduktion). Wer mit dieser Erkenntnis Probleme hat, hat dann meisten auch ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes "psychologisches" Problem. ;-)

Antwort
von berkersheim, 7

Das Zitat ist Teil einer größeren Abhandlung über die Verlässlichkeit von Erfahrung und über die Prognosefähigkeit aus Hypothesen, die auf vergangener Erfahrung beruhen. Gesetzliche Zusammenhänge und Wirkungen sind unsere Projektion und liegen nicht in den Dingen als unabänderliche Verknüpfung. Die Verknüpfungen zwischen den Dingen stellen wir auf Basis von vergangenen Beobachtungen oder gar als reine Spekulation her. R.K.Popper greift das wieder auf als "Induktions-Problem". Er präzisiert Hume: All unser Wissen sind Hypothesen mit mehr oder weniger Wahrheitsnähe. Eine endgültige Wahrheit werden wir nie finden. Sie liegt nicht in den Dingen, da die Dinge selbst in ständiger Veränderung sind und es eigentlich keine "Dinge" gibt sondern nur mehr oder weniger stabile Wechselbeziehungen. Soweit konnte Hume noch nicht gehen.

Antwort
von nafta, 31

Menschen können mit ihren Gedanken etwas bewegen, Gegenstände bleiben tot und können nichts großes Schaffen oder zu nichts großem werden.

Sag deiner Lehrerin einen schönen Gruß.

Kommentar von Fensterlecker ,

wow das ist echt gut

Antwort
von Illuminaticus, 5

Mit anderen Worten: Materie kann nicht aus sich selbst Materie erschaffen.

Mit dem Satz hat der Autor absolut recht, nur Bewusstsein (das sind wir alle) kann Dinge aus dem Nichts erschaffen, sonst nichts oder niemand.

Antwort
von Fensterlecker, 19

Frei übersetzt:

"In Wirklichkeit kann kein Fernseher der Welt, der noch so 4K und High-Retina-Display-Qualitäten hat uns den Eindruck vermitteln, tatsächlich im Regenwald zu stehen und uns das kühle Nass auf der Haut fühlen lassen"

nichts zu danken

Antwort
von Itryit, 20

Er bedeutet, dass es kein Gegenstand gibt, der eine Wirkung haben kann

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten