Frage von Bennynator, 26

Philosophie Hilfe (Thema 8. gebot)?

In dem Text steht das
Ein Kind im Unterricht gefragt wird ob der Vater Alkoholiker ist und er Antwortet mit nein (in Wahrheit ist er Alkoholiker)

Frage:
1.Warum enthält die Lüge des Kindes mehr Wahrheit?
2.wie würde bonhöffer "Wahrheit" definieren?

Antwort
von rolfmengert, 6

Bei dieser Deutung wird der Wahrheitsbegriff abweichend von dem traditionellen Korrespondenzbegriff zwischen Aussage und Realität gewertet. Zweifellos ist so ein Unterfangen fragwürdig, weil man dadurch 'Wahrheit' begrifflich destruiert und zu einem nahezu absoluten Gut erhebt, das dann jedoch auslegungsbedürftig ist und folglich nicht mehr verlässlich kommuniziert werden kann.

In diesem Fall wird der Konflikt des Kindes so gewertet, dass die Unantastbarkeit der Würde des Vaters für das Kind den Vorrang vor dem bloßen Einhalten eines Wahrhaftigkeitsgebotes hat und folglich gerechtfertigt ist. 

Nach meinem Gefühl sollte man aber trotzdem nicht sagen, dass die Lüge des Kindes mehr Wahrheit enthält, sondern darauf aufmerksam machen, dass hier ein Wertekonflikt besteht, den das Kind zu Gunsten der Unantastbarkeit seines Vaters aus Liebe und Ehrerbietung so löst, dass es eine sachlich unrichtige Antwort als das kleinere Übel ansieht.

Bei den Christen aus Bonhoeffers Umfeld wird Wahrheit existentiell gedeutet, meist als ein Ergriffensein von der "unerhörten Botschaft" des Evangeliums. Wer diesen Zustand erreichte, galt als "in der Wahrheit stehend", was aber nie als ein Dauerzustand gewertet werden konnte, sondern nur in sog. existentiellen Situationen. In diesen war die Deutung des anliegenden Geschehens dann unzweideutig, ohne Angst und ohne Zweifel. Mit dieser Haltung konnte Bonhoeffer die extremen Belastungen in seiner Gefangenschaft mit der Erwartung des Todes durchstehen.

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