Frage von Phantasmagon, 51

Philosophie-Archäologie Studium?

Hi,

ich hab mir überlegt, nach dem Abi mit einem Zwei-Fach-Bachelor Studium in Philosophie und Archäologie anzufangen. Ich denke nicht, dass das beides so beliebte Studiengänge sind, deshalb seh ich auch gute Chancen für mich, falls mein Abi nicht so super toll werden sollte. Doch was kann ich dann mit einem abgeschlossenen Studium anfangen? Klar, ich könnte ich den Master anschließen, aber was kommt danach? Gibt es irgendwelche Berufsfelder, die das abdecken? An ein anderes Studium hab ich auch nicht gedacht, da das so ziemlich das einzige ist, was mich interessiert.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Jerne79, 51

Ich denke nicht, dass das beides so beliebte Studiengänge sind, deshalb seh ich auch gute Chancen für mich,

Das ist aber ein ganz fataler Irrtum! In beiden Fächern gibt es erheblich mehr Absolventen als freie Stellen, die Kombination legt dich völlig lahm. Die Wahrscheinlichkeit, daß du beiden Fächern hinterher beruflich nachgehen kannst, geht gegen Null. Sicher, irgendwo gibt es bestimmt irgendjemanden, der mit dieser Fächerkombination Geld verdient. Aber das ist dann ein Ausnahmefall. Und gerade in diesen Fächern einer, auf den man kaum hinarbeiten kann.

Klar, du kannst dir das jetzt schönreden und sagen, daß du als Universitätsabsolvent hinterher auf so einiges vorbereitet bist, aber du mußt dir auch darüber im Klaren werden, daß du kaum mit deinen Fächern Geld verdienen wirst.

Der eigentliche Witz ist, daß ich hier schon fast geneigt bin, Archäologie als das zukunftsträchtigere Fach anzuraten. Zum Thema "Perspektiven in der Archäologie" verweise ich auf meine Antwort auf diese Frage: https://www.gutefrage.net/frage/also-ich-besuche-zurzeit-die-handelsschule1klass... Vielleicht verstehst du dann, warum ich meine eigene Überlegung schon fast absurd finde.

Vielleicht ergänzend: In der Archäologie erhöht man seine Chancen, im Fach Geld zu verdienen mit einer möglichst breiten und möglichst praktischen Aufstellung. Genau deshalb sind deine Chancen, wenn du von vornherein eine Kombination mit Philosophie anstrebst, so limitiert.

Insbesondere möchte ich nochmal mit Nachdruck auf die Durchführung eines Realitätsabgleiches hinweisen. In Anbetracht der extremen Fehleinschätzung der Situation im Fach gehe ich davon aus, daß auch in Bezug auf Inhalte und Arbeitsweisen Nachholbedarf besteht.

Kommentar von Phantasmagon ,

Liebe/r Jerne79,

mir ist klar, dass die Aussichten nach dem Studium nicht allzu rosig sind. Und es tut mir leid, falls ich gerade irgendwas völlig falsches behauptet habe. Mich interessiert nur, ob man mit diesen Fächern überhaupt irgendetwas anfangen kann (beruflich gesehen). Ich habe mich bis jetzt auch nur mal auf einigen Uni-Webseiten umgeschaut, was genau in dem Gebiet angeboten wird. Ich meinte damit nur, dass es oft keine Zulassungsbeschränkung für beides gibt und oft nach dem Los-Verfahren entschieden wird, wer eine Stelle bekommt.

Wie sieht es denn dann aus, wenn man nur ein Fach davon als Kernfach studiert (z.B. Philosophie)? Mir ist bisher nur bekannt, dass es da irgendwas im wirtschaftlichen Bereich gibt.

Kommentar von Jerne79 ,

Theoretisch kann man sicher etwas mit diesen Fächern anfangen, in der Praxis ist das halt schwer, gerade wenn man zwei Orchideenfächer kombinieren möchte. Wie die Chancen in der Archäologie stehen, ist auch von der Ausrichtung abhängig. Zu den Chancen generell verweise ich nochmal auf den obigen Link.

Was Philosophie betrifft: Da gibt es ja kaum klar umrissene Berufsfelder. In meinen Augen eines der wenigen Fächer, bei dem die Chancen hinterher noch schlechter stehen als in der Archäologie. Wie man seine Chancen in der Philosphie verbessern kann, müßtest du einen Philosophen fragen, ich bin Archäologin.

Ich rate dir dringend, deine Berüfswahl nicht davon abhängig zu machen, ob du leicht einen Studienplatz bekommst. Im Zweifelsfall bezahlst du diesen einfachen Einstieg ins Studium nämlich mit einem sehr schweren Einstieg ins anschließende Berufsleben.

Kommentar von Jerne79 ,

Edit: Hoppla, zweimal abgeschickt.

Antwort
von Hamburger02, 44

Bei der Kombination würde sich der Taxischein als drittes Element aufdrängen.

Antwort
von paulklaus, 37

Ich möchte Jernes sehr gute und ausführliche Antwort dahingehend erweitern, dass man schon ein gerüttelt Maß an Begeisterung mitbringen muss, um diese Fächer-Kombination - ich denke speziell an Archäologie - zu studieren. Den Enthusiasmus kann ich in der Erläuterung deiner Frage nicht erkennen - im Gegenteil: Bei dir scheinen Zweifel anzuklingen !

pk

Kommentar von Jerne79 ,

Ach, studieren kann man Archäologie, wie man will. Wenn einem Fach und Arbeitsweisen liegen, kommt man gut durch. Der Haken ist doch, daß einem selbst der größte Enthusiasmus hinterher nicht hilft, eine Stelle zu finden. Enthusiasmus allein hilft nicht. Gut sein allein reicht auch nicht. Oft genug habe ich Leute mit mäßigen Leistungen gesehen, die ein Stück weiterkommen im Fach, weil sie die richtigen Leute zur richtigen Zeit kennen. Nur dummerweise hilft auch Vitamin B allein nicht, zumindest nicht dauerhaft. Ich habe auch genug Leute gesehen, die über Jahre hinweg brav mit Speichellecken beschäftigt waren und trotzdem nicht vom Fleck gekommen sind. Zum Glück.

Kommentar von paulklaus ,

Na ja, ich wollte nur anmerken, dass - meine subjektive Ansicht - hier Begeisterung als eine Basis dem Studium und Beruf sicherlich NOCH förderlicher wäre / sein könnte als in anderen Berufen....

(Als Lehrer kannst du dich auch lethargisch-phlegmatisch durchs Leben mogeln, wie ich an dem Großteil (!!) meiner Kollegen erfahren durfte...)

pk

Kommentar von Jerne79 ,

Mir ist schon klar, worauf du hinaus willst. Der Knackpunkt ist aber, daß die meisten Archäologiestudenten in irgendeiner Form enthusiastisch sind. Nur mit der Realitäte haben sie es nicht so. ;)

Kommentar von paulklaus ,

Okay, darauf könnten wir uns einigen ! ; - ))) - Ich habe Archäologie nur betrachtend, rezeptiv-passiv erlebt, wenn ich auch - connections rule the world - ab und zu mitbuddeln durfte: Gräber-Anlagen im Hümmling (= südliches Ostfriesland ---> Hünengräber), Ausgrabungen des ÖAI in Ephesus, wo es 80 Jahre lang die dortige Bibliothek ausgrub; Ausgrabungen des DAI in Truva / Troja / Ilion ---> bei Prof. Korfmann (Tübingen)..., nicht zu reden von Ausgrabungen in GB - - - doch das würde hier und jetzt zu weit führen.

pk

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